GPU-Markt wächst gewaltig: Und vor allem Intel profitiert mit integrierten Grafikkarten
Jüngste Zahlen von Jon Peddie Research zeigen, dass der GPU-Markt im vierten Quartal 2020 deutlich gewachsen ist. Davon profitieren aber nicht AMD oder Nvidia, sondern vor allem Intel mit seinen CPUs. Diskrete Grafikkarten verkauften sich sogar schlechter.
Die Analysten von Jon Peddie Research zeigen mit ihrer jüngsten Veröffentlichung, dass der GPU-Markt im vierten Quartal 2020 gewaltig gewachsen ist. Die Auslieferung von GPUs im Zusammenhang mit PCs, integrierter wie dedizierter, stieg demnach im Vergleich zum dritten Quartal um 20,5 Prozent. Im Jahresvergleich betrage das Plus 29,1 Prozent. Zu den großen Gewinnern zählen aber nicht AMD oder Nvidia, sondern Intel.
Das zeigt sich nicht zuletzt an den Marktanteilen. Während AMDs Anteil vom Kuchen um 2,2 auf nunmehr 17 Prozent sinkt, kann Nvidia nur noch 15 Prozent für sich proklamieren. Hier beträgt der Rückgang gar 4,37 Prozent. Was die großen Grafikchiphersteller verlieren, findet man nun bei Intel. Um 6,6 Prozent ging es aufwärts auf einen Marktanteil von nun 69 Prozent. Betrachtet werden hier wohlgemerkt alle GPUs, auch integrierte Grafikchips.
Nvidia lieferte weniger GPUs aus
Obwohl AMD bei der prozentualen Verteilung schlechter dasteht, konnte der Chipentwickler im Vergleich zum dritten Quartal 6,4 Prozent mehr GPUs ausliefern. Nvidia verkaufte, wohl wegen schlechter Verfügbarkeit, 7,3 Prozent weniger. Intel brachte demgegenüber 33,2 Prozent mehr GPUs unters Volk. Eigene Fabriken sind in der Krise anscheinend von Vorteil.
Nvidia und AMD sind ihrerseits auf Auftragsfertiger angewiesen, die dem Vernehmen nach am Limit operieren. Bei TSMC etwa, wo AMD GPUs und CPUs produzieren lässt, laufen auch die SoCs von Playstation 5 und Xbox Series X/S vom Band - sowie diverse andere Chips. Nvidia lässt aktuelle Ampere-GPUs in Samsungs 8-nm-Prozess produzieren. Wie stark der ausgelastet ist, lässt sich von außen schwer beurteilen. Es ist aber kein großes Geheimnis, dass die Nachfrage das Angebot derzeit deutlich übertrifft.
AMD verliert bei diskreten Grafikkarten
In Summe wurden im vierten Quartal laut Jon Peddie Research zuletzt sogar weniger diskrete Grafikkarten verkauft. Die Anzahl der "Graphics Add-in Boards" sank am Desktop im Vergleich zum dritten Quartal um 3,9 Prozent. Auch die "GPU Attach Rate", die aussagt, wie viele GPUs pro Rechner verbaut sind, fiel um 9,2 auf 113 Prozent. Bei den Marktanteilen steht es nun 18 zu 82 Prozent für Nvidia, nachdem es im dritten Jahresviertel mit 20 zu 80 noch etwas ausgeglichener gestanden hatte. Ende 2019 lag das Verhältnis noch bei 27 zu 73.
Das eingangs erwähnte Plus von 6,4 Prozent bei den verkaufen GPUs erzielte AMD offenbar vor allem durch den Absatz seiner Kombiprozessoren, beispielsweise an der Notebookfront. Da die Radeon-RX-6800-Serie erst gegen Jahresende erschien und erst seit Anfang 2021 besser (wenn auch nicht überragend) verfügbar ist, könne sich das Verhältnis im ersten Quartal 2021 aber theoretisch wieder Richtung AMD verschieben. Nvidia hatte Ampere schon einige Wochen eher am Markt platziert.
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Blendend lief es wieder für den PC-Markt als Ganzes: mit einem Plus von 30,25 Prozent im Quartals- und 35,76 Prozent im Jahresvergleich. Auch 2021 soll es mit dem GPU- und PC-Markt weiter aufwärtsgehen. Allerdings gibt Jon Peddie Research auch zu bedenken, dass die Pandemie einiges durcheinandergeworfen hat. Man schätzt, dass der GPU-Markt bis 2025 pro Jahr um 3,7 Prozent wächst.
Quelle: Jon Peddie Research

Als konkretes Beispiel 2Q20:
~ 89,3 Mio. GPUs insgesamt
~ 16,1 Mio. GPUs AMD, ~ 17,0 Mio. GPUs nVidia, ~ 57,2 Mio. GPUs Intel, also iGPUs = CPUs
Intel hat hier also etwa rund +73 % mehr GPUs in den Markt gebracht als AMD und nVidia zusammen.
Versucht man hier abzuschätzen, wie viele Intel-iGPUs die beiden anderen Hersteller obsolet/ungenutzt machen könnten, so ist zu berücksichtigen, dass
a) Einzig nVidia als vollwertiger Ersatz angerechnet werden könnte, jedoch auch hier schon deren Volumen nicht vollständig eingerechnet werden kann, da bei vielen Mobile-Designs aus Effizienzgründen bedarfsweise zwischen der iGPU und der dGPU gewechselt wird.
b) Sich AMDs effektives Volumen für eine derartige Betrachtung alleine schon aufgrund der APUs und Konsolen-SoCs um einige Millionen SKUs verringert.
c) Und ein Teil der AMD-dGPUs gar in reinen AMD-Systemen landet und keinen Einfluss auf Intel-Systeme hat.
Rechnet man in einer Milchmädchenrechnung nVidia komplett an (also 17,0 Mio. GPUs), dann müsste man den Wert bei AMD lediglich geringfügig auf nur 11,6 Mio. GPUs verringern und in dem Falle würde eine gleich große Zahl neu abgesetzter Intel-System gesichert mit deren iGPUs betrieben.
Vorwegnehmend: Der Wert bei AMD verringert sich tatsächlich gar noch deutlich stärker.
Fortführung 2Q20 gemäß JPR:
~ 20,0 Mio. dGPUs (mobiler Chipsatz wie auch als PCIe-Karte)
dGPU-Anteil nVidia 80 %: ~ 16,0 Mio. dGPUs und ~ 1,0 Mio. integrated/embedded (bspw. Tegra)
dGPU-Anteil AMD 20 %: ~ 4,0 Mio. dGPUs und damit ~ 12,1 Mio. GPUs integrated (APUs) und bspw. Konsolen-SoCs (wobei APUs in dem Quartal bei weitem überwiegen dürften)
Von den obigen, theoretischen 16,1 + 17,0 = 33,1 Mio. GPUs der Konkurrenten ggü. Intels 57,2 Mio. CPUs mit iGPU bleiben also faktisch gar nur 20,0 Mio. dGPUs übrig, die überhaupt in einem Intel-System die iGPU ersetzen könnten und letzteres ist bereits hypothetisch, da bereits etliche PCIe-Karten auch in reinen AMD-Systemen verschwinden werden. Nimmt man dennoch eine vollständige Ersetzung der Intel-iGPU an, so hätte man also 20,0 Mio. iGPUs obsolet gemacht (Mobile wie auch auf dem Desktop), jedoch verbleiben immer noch 37,2 Mio. neue Intel-CPUs, die mit der iGPU betrieben werden, also etwa 186 %. Eine Aussage wie "Intel ist der weltweit größte GPU-Hersteller" ist also rein markttechnisch nach wie vor zutreffend.
Weiterführend, da sich ggf. auch die Frage aufdrängt, wie der dGPU-Anteil PCIe vs. Mobilchipsätze sein mag: Hier kann ich leider nur mit einer groben Abschätzung auf Basis von JPR-Zahlen dienen, da JPR seine Zahlen nur sehr selektiv rausgibt, da sie ihren Report vorrangig verkaufen wollen (die knappe News von denen ist nicht mehr als ein Teaser bzw. Werbung).
Aktuell kann man annehmen, dass nVidias dGPU-Volumen sich grob 50:50 aufteilt zwischen PCIe-Karten und mobilen Chipsätzen (d. h. bspw. etwa 8 Mio. PCIe und etwa 8 Mio. Mobile). Bei AMD dagegen überwiegt der PCIe-Teil und es dürfte sich hier grob um ein 60:40-Verhältnis handeln, also für 2Q20 etwa 2,4 Mio. PCIe-Karten und 1,6 Mio. Mobile.
Darüber hinaus kann man aktuell die Rechnung für 4Q20 jedoch in dem Detailgrad nicht weiterführen, da hier Angaben von JPR zu den dGPUs fehlen. Man weiß lediglich, dass nVidia und AMD hier einen 82 % zu 18 % Marketshare besitzen, d. h. AMD hat über die letzten Quartale hinweg gar noch deutlich ggü. nVidia an Boden verloren.
Bezüglich der anfänglichen Frage, wie bedeutsam Intel-iGPUs für den Markt sind, ändert sich jedoch nichts an dem bereits oben dargelegten Ergebnis, bzw. mit Intels stark gewachsenem Umsatz wird der Sachverhalt lediglich noch eindeutiger.
In 2Q20 standen ~ 57,2 Mio. Intel-iGPUs insgesamt ~ 33,1 Mio. GPUs der Konkurrenz gegenüber, die letztendlich nicht einmal die Hälfte der Intel-iGPUs obsolet machen konnten (weil der effektive dGPU-Anteil darin deutlich geringer ist).
In 4Q20 stehen nun ~ 81,9 Mio. abgesetzte Intel-iGPUs nur ~ 38,0 Mio. GPUs *) der Konkurrenz gegenüber, d. h. deren GPU-Zahl hat sich gerade mal insgesamt um ~ +14,8 % erhöht, während Intel jedoch ~ +43,2 % mehr CPUs mit iGPU abgesetzt hat, d. h. hier wird der mit deutlichem Abstand größere Teil ohne eine GPU von nVidia oder AMD betrieben werden. **)
*) Man beachte, dass JPR die Shares/Prozentwerte in seinen Graphen rundet, d. h. die für bspw. AMD ausgewiesenen 17 % könnten im Bereich von 16,50 - 17,49 % liegen.
**) Wer sich an einer weiterführenden Abschätzung in dieser Hinsicht für 4Q20 versuchen will, muss berücksichtigen, dass a) einerseits das Wachstum primär bei Intel stattgefunden hat (d. h. man kann nicht in vergangenen Quartalen beobachtete Anteil einfach übertragen, so bspw. 4Q19: 92,0 Mio GPUs, mit GPUs/dGPUs für AMD 17,5/6,1 Mio. und für nVidia 16,6/16,4 Mio.) und b), dass im 4. Quartal alleine rund 8 Mio. NextGen-Konsolen abgesetzt wurde, die bei AMD verbucht werden. Entsprechend verbleiben von AMDs ~ 20,2 Mio. GPUs in 4Q20 bestenfalls um die 12,2 Mio. GPUs in Form von APUs und dGPUs und nimmt man die beobachtete Marktlage bzgl. RDNA2-Karten zur Hilfe, darf man vermuten, dass der größere Teil davon auf APUs entfallen wird, was auch AMDs Priorisierung entsprechen dürfte, denn hier kann man es sich nicht leisten aufgrund von Materialknappheit die OEMs zu verprellen ...
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Ergänzung, weil JPR einige Tage später auch ein paar Zahlen zum AIB-Markt (PCIe-Karten) nachreichte. Hiermit ergeben sich für bspw. das 4Q19 konkret folgende Zahlen, wobei die zumeist gerundeten Zahlen von JPR zu berücksichtigen sind:
4Q19, ca. 92 Mio GPUs insgesamt (inkl. Intel)
nVidia: 16,6 Mio. GPUs, 16,5 Mio. dGPUs, 8,3 Mio. AIBs, 8,2 Mio. mobile dGPUs
AMD: 17,5 Mio. GPUs, 6,1 Mio. dGPUs, 3,7 Mio. AIBs, 2,4 Mio. mobile dGPUs
Für 4Q20 hat sich das Marktverhältnis gar deutlich zugunsten von nVidia geändert. JPR gibt hier an:
4Q20, ca. 119 Mio. GPUs (inkl. bzw. insbesondere wg. Intel)
nVidia: 17,8 Mio. GPUs, X dGPUs ?, 9,1 Mio. AIBs, X' mobile dGPUs ?
AMD: 20,2 Mio. GPUs, Y dGPUs ?, 1,9 Mio. AIBs, Y' mobile dGPUs ?
nVidia hat in 4Q20 bei AIBs einen Marktanteil von gerundet 83 %, d. h. von sechs verkauften PCIe-Karten kommen fünf aus dem Hause nVidia, was auch erklärt, warum RDNA2-Karten selbst in der Februar-Steam-Statistik noch nicht einmal für ein einziges Modell separat ausgewiesen werden.
Dedizierte GPUs hat Intel noch nicht, aber es wäre gut für sie gewesen wenn doch.
Weil der der Home-Office Markt, dank Corona, gewaltig gewachsen ist, und "Unmengen" an Notebooks aller Größen von den Firmen neu angeschafft wurden, um deren Leute "sicher" von Zuhause arbeiten lassen zu können.
Ich z.B. wäre ziemlich Glücklich meinen PC (zumindest für Chrome, Mail & Office Sachen sowie "kleinere Spiele" die nicht Grafisch aufwendig sind) weiterhin Verwenden zu können sollte meine Grafikkarte den Geist aufgeben und ich hätte keine 2. zur Hand.