Rückblick: Grafikkarten 2021 - hohe Preise, viele RTX 30 und RX 6000 im Test, Intels Comeback und mehr
Auch wenn 2021 nicht das große Jahr der Grafikkarten-Launches war: Es ist sehr viel passiert in den letzten zwölf Monaten und vielleicht haben Sie nicht alles mitbekommen. Kein Problem, denn hier bekommen Sie den Rückblick auf 2021 mit wichtigen Produkt-Launches, Grafikkartenpreisen, Marktanteilen unter den PCGH-Lesern und natürlich Intel.
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Das Jahr 2021 kann man insgesamt eher als Übergangsjahr bei Grafikkarten einschätzen, nachdem 2020 die neuen Architekturen Ampere und RDNA2 auf die Startrampe geschoben wurden und 2022 die Nachfolge-Generationen erwartet werden. Trotzdem war 2021 alles andere als langweilig, denn neue Grafikkarten wurden natürlich trotzdem veröffentlicht. Wir möchten in diesem Artikel die wichtigsten Produkt-Launches kompakt vorstellen, auf Marktanteile unter PCGH-Lesern eingehen, die Preisentwicklung beleuchten und schauen, was ansonsten links und rechts des Weges bei Grafikkarten passiert ist.
Die Preise für Grafikkarten
Die wohl spannendste Frage: Wie haben sich die Preise im Laufe des Jahres entwickelt? Zusammenfassend kann man sagen: Wer dieses Jahr eine RTX 3000 oder RX 6000 zu vernünftigen Preisen kaufen wollte, musste Nerven aus Stahl oder unfassbares Glück haben. Die Grafik zeigt es: Das ganze Jahr über lagen die Straßenpreise (deutlich) über den sogenannten UVPs, also den unverbindlichen Preisempfehlungen. So unverbindlich wie 2021 waren die UVPs wohl noch nie: Als im Januar 2021 die Preise bei RTX-30-Karten noch 27 Prozent über UVP lagen, konnte wohl keiner ahnen, dass das mit Abstand der geringste Preisunterschied bleiben wird. In der Folge ging es bei Nvidia steil bergauf, mit der Spitze im Mai, als man teilweise mit dem Dreifachen rechnen musste. Danach ging es bis August wieder steil bergab und es sah danach aus, dass sich der positive Trend sogar weiter fortsetzen könnte.
Die bittere Realität: Bis Dezember ging es weiter bergauf, der Faktor 2 zwischen UVP und Straßenpreis ist aktuell Realität. Konkret heißt das Mitte Dezember: 650 Euro aufwärts für die RTX 3060 (UVP: 319 Euro), 850 Euro aufwärts für die RTX 3060 Ti (UVP: 419 Euro), mindestens 990 Euro für die RTX 3070 (UVP: 519 Euro) und 1.180 Euro aufwärts für die RTX 3070 Ti (UVP: 619 Euro). Die Straßenpreise überspringen also gleich drei Klassen nach oben: Die UVP für die 3070 Ti liegt unter dem Straßenpreis für die RTX 3060 - ein Irrsinn. Kaum besser ist es im High-End-Segment mit der RTX 3080 (1.600 Straße versus 719 UVP), der RTX 3080 Ti (1.900 Straße versus 1.199 UVP) oder RTX 3090 (2.850 Euro Straße versus 1.549 Euro UVP).
Über das Jahr gesehen stehen die RDNA-2-Grafikkarten beim Preis insgesamt etwas besser da, allerdings ist dafür auch die Verfügbarkeit immer wieder schlechter. Der Verlauf ist dabei ähnlich wie bei Nvidia: Bis Mai steigen die Preise leicht an auf das Doppelte, dann sinken sie wieder, um ab September erneut auf dieses Niveau anzusteigen. Bei den Einsteigerkarten sind Stand Dezember die Abstände zwischen Straßenpreis und UVP bei 60 bis 70 Prozent (RX 6600: 540 versus 340 Euro, RX 6600 XT: 640 versus 380 Euro). Bei der RX 6700 XT sind es 940 versus 480 Euro, bei der RX 6800 1.200 versus 580 Euro, bei der RX 6800 XT 1.400 versus 650 Euro und bei der RX 6900 XT "nur" 1.500 versus 1.000 Euro.
Quelle: 3D Center (Darstellung: PCGH)
Preisverlauf Grafikkarten.
Marktanteile bei GPUs
Wirkten sich die Preise und die Verfügbarkeit auf die Marktanteile bei den PCGH-Lesern aus? Grundsätzlich sieht man über das Jahr, dass AMD den Abstand zu Nvidia verringern kann. Von Anfang bis Mitte des Jahres gehen die Marktanteile bei AMD Schritt für Schritt nach oben, der geringste Abstand ist im Juli erreicht (61 zu 39 Prozent). Danach sinken die Anteile aber wieder und so endet das Jahr mit 65 Prozent für Nvidia und 35 Prozent für AMD im PCGH-Forum. Das sind also ziemlich genau zwei Drittel Geforce-Karten und ein Drittel Radeon-Karten. Die größte Verbreitung haben dabei die Flaggschiffe RTX 3090 und RX 6900 XT mit 9 bzw. 8 Prozent.
Quelle: PC Games Hardware
Marktanteile Grafikkarten.
Die GPUs des Jahres
Welche der Grafikkarten-Launches im Jahr 2021 sind im Gedächtnis hängen geblieben? Das schon eingangs erwähnte Übergangsjahr haben Nvidia und AMD ganz unterschiedlich genutzt. Fangen wir bei den Geforce-RTX-Grafikkarten an. Nvidia brachte schon im Februar die Geforce RTX 3060 auf den Markt, die dank 12 GiB Speicher als sehr gute Full-HD-Grafikkarte auch für Raytracing Akzente setzte. Das war es dann aber auch schon mit der Abrundung nach unten, im Juni kamen dann mit der RTX 3070 Ti und der RTX 3080 Ti gleich zwei Refreshs bestehender Karten auf den Markt, die sich zum bestehenden Portfolio gesellten. Während die RTX 3070 Ti trotz problematischer Leistungsaufnahme die RX 6800 nicht immer schlagen konnte, was mit aktivem Raytracing auch am nur 8 GiB kleinen Speicher lag, stellte die RTX 3080 Ti eine interessante Alternative zur RX 6900 XT dar - vor allem in Ultra HD und mit allgemein aktivem Raytracing. Auch bei der RTX 3080 Ti kritisierte nicht nur PCGH die Leistungsaufnahme. Nvidia beschloss das Jahr mit dem "Papiertiger" RTX 2060 12 GiB, einer Circa-500-Euro-Karte mit drei Jahre alter Technik.
Und was machte AMD aus dem Pandemie-Jahr 2021? Das bestehende Line-up mit der RX 6800 und der RX 6900 XT wurde konsequent und schrittweise nach unten abgerundet: die RX 6700 XT im März, die RX 6600 XT im August und die RX 6600 im Oktober. Das Feedback auf die kleineren RDNA-2-Karten fiel unterschiedlich aus: Gemeckert wurde über die teilweise zu hohen Preise und die ohne FSR kaum praxistaugliche Raytracing-Leistung. Bei klassischen Rasterisierungsspielen schnitten die Radeons besser ab. Nur die Radeon RX 6900 XT LC im Juni störte die konsequente Roadmap etwas. Der Angriff auf die RTX 3090 kam mit deutlich erhöhten Taktraten und werkseitiger All-in-One-Wasserkühlung daher. Auch wenn die Attacke speziell in UHD und mit Raytracing nicht gelang, so hat AMD zumindest einen Versuch gestartet, allerdings nicht im Endkundenmarkt. Die RX 6900 XT LC tauchte zwar letztendlich auch außerhalb von Komplett-PCs auf, das war so aber nicht gedacht und so blieb die Wakü-Version der RX 6900 XT lediglich ein Showcase-Produkt.
Die wichtigsten Grafikkarten-Launches 2021 in der Galerie
Bildergalerie
Intel ist zurück - fast
Quelle: PC Games Hardware
Intel Arc Alchemist.
Natürlich müssen wir beim Jahresrückblick auch Intel erwähnen, immerhin wurden die Gaming-Ambitionen bei Grafikkarten konkretisiert und schon im ersten Quartal 2022 soll es losgehen. Aufmerksame PCGH-Leser wissen, dass sich bei Intel in den kommenden Jahren (die Roadmap geht bis 2025) alles um Xe HPG also High Performance Gaming dreht. Mit Codenamen wie Alchemist, Battlemage oder Druid will man Nvidia und AMD Paroli bieten. Die erste Generation an Intel-Gaming-Grafikkarten wird unter dem Namen Arc gegen Geforce und Radeon antreten. Auf dem Papier gibt es viele interessante Eckpfeiler: mächtige Raytracing-Einheiten, Fertigung in TSMCs fortschrittlichem N6-Verfahren, enge Zusammenarbeit mit Spieleentwicklern und fortgeschrittenes Upsampling über Xe Super Sampling (XeSS) durch Training mit neuronalen Netzwerken. Das klingt schon mal ziemlich gut. Allerdings fehlen zur Leistungseinordnung noch sehr viele Details wie Taktraten, Leistungsaufnahme und Leistungsfähigkeit der Recheneinheiten. Spannend wird das Jahr 2022 damit aber ganz bestimmt.
DLSS, FSR, NIS
Was war 2021 noch wichtig? Gerade im Bereich Bildqualität gab es erhebliche Fortschritte. Und hier soll besonders Kantenglättung bzw. Upscaling hervorgehoben werden. Nvidias KI-Kantenglättung DLSS (Deep Learning Super Sampling) hat im Kern bereits drei Jahre auf dem Buckel, wird aber stetig weiterentwickelt, um nicht nur höhere Frameraten zu ermöglichen, sondern teilweise auch noch eine bessere Bildqualität als in der nativen Auflösung zu erreichen. Spätestens seit DLSS 2.0 (aktuell ist die Version 2.3) ist die Supercomputer-gestützte Kantenglättungstechnik so ausgereift, dass mitunter ein detaillierteres und ruhigeres Bild möglich ist.
Da war es nur eine Frage der Zeit, bis AMD nachzieht. Auch wenn FidelityFX Super Resolution (kurz FSR), erstmals Ende Juni veröffentlicht wurde und keine künstliche Intelligenz anzapft, sind die Ergebnisse in den unterstützten Spielen oft überzeugend. Was für AMD spricht, ist der offene Ansatz: FSR braucht keine Tensorkerne und steht auch auf Intel- und Nvidia-GPUs zur Verfügung.
Das störte Nvidia wohl derart, dass man Mitte November ein eigenes Gegenstück auf den Weg brachte: Das vom Geforce-Treiber bekannte Tool Nvidia Image Sharpening wurde technisch aufgebohrt und als Nvidia Image Scaling (NIS) auf den Weg gebracht. Wie bei FSR und DLSS wird hierbei mit einem Bruchteil der nativen Auflösung gearbeitet und darauf hochskaliert. Wie bei AMD umfasst die Kompatibilität auch sehr alte Grafikkarten und die Technik ist Open Source. NIS tritt damit in direkte Konkurrenz zu FSR, welches sich dank einfacher Implementierbarkeit rasant verbreitet hat.
Welches war Ihr Highlight bei Grafikkarten in diesem Jahr? Nutzen Sie Kommentarfunktion und teilen Sie Ihre denkwürdigen Erinnerungen mit.

Zumindestens gabs damals die 5700XT zum Spotpreis, wegen der Erwartung der neuen Generation im Herbst.
Die Preise sind dann im Herbst wegen der Lieferbarkeit der neuen Generation wieder etwas gestiegen, bis im Dezember der Miningboom anfing.
Hab im August 20 eine (defekte) 5700XT für 350€ gekauft. Billigere Costummodelle gabs teilweise schon für ~320€.So günstig gabs die 5700XT danach (bis auf den Preisfehler im Januar 20) aber nie wieder.
Die RX6600 als Nachfolger mit etwa der gleichen Leistung liegt derzeit bei einem Straßen preis von >500€.
Bei Nvidia habe ich die Preise nicht beobachtet, aber die Preisentwicklung dürfte ziemlich ähnlich sein.
War ein spannendes Jahr.
Vorallem am Ende wurde es trotz der hohen GPU-Preise interessant, da sich die Verfügbarkeit (mMn) deutlich verbessert hat und die Abrundung nach unten (mMn) noch einiges bewirkt hat.
Wird spannend wie das im nächsten Jahr weiter geht.