Geforce RTX 3070 8 GB im Test: Spezial-Benchmarks visualisieren Speichermangel
Nvidias neue Geforce RTX 3070 teilt ihr Schicksal mit einigen anderen Grafikkarten: Der starke Chip wird mehr oder minder von einer grenzwertigen Speicherkapazität zurückgehalten. Doch wie schlimm ist das wirklich? In diesem Artikel gehen wir genauer auf die Symptome von Speichermangel ein, prüfen anhand ausgesuchter Benchmarks die Auswirkungen und geben Empfehlungen.
Nvidias Ampere-Portfolio ist um ein weiteres Grafikkarten-Modell reicher: Die Geforce RTX 3070 schickt sich an, die Oberklasse mit einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis aufzumischen. Die Leistung der RTX 3070 hat PCGH bereits ausführlich im Test der neuen Nvidia-Grafikkarte beleuchtet. Bereits hier zeigte sich so manche Schwund-Erscheinung aufgrund des zu knapp bemessenen Grafikspeichers von 8 GiByte. Im vorliegenden Artikel möchten wir die Sache noch etwas genauer beleuchten.
Speicher und Streaming: Hintergründe
Wussten Sie, dass maximale Texturdetails keine oder nur minimal Leistung kosten, sofern der Grafikspeicher ausreicht? Das ist ein großer Unterschied zu anderen Effekten. Die Oberflächenqualität hat einen großen Einfluss darauf, ob wir ein Spiel hübsch finden oder nicht. Was liegt da näher, als hier das Optimum anzustreben? Mit diesem Wissen ergibt die Idee, am Grafikspeicher zu sparen, überhaupt keinen Sinn - es sei denn, Sie sind ein Grafikkarten-Hersteller und haben ein Auge auf den Gewinn.
Immer, wenn es um Speichermangel geht, gibt es zwei Diskussionspunkte: Den für die meisten Spieler schmerzhaften Schwund der Leistung und den subtileren Schwund der Bildqualität. Letzterer wird außerhalb des PCGH-Universums überraschend selten thematisiert,
Lange bevor die Bildrate ins Bodenlose fällt, werden [...] Texturdetails eingespart.
findet jedoch in vielen PC-Spielen der vergangenen Jahre mit unterschiedlicher Ausprägung statt. Das Problem dabei ist: Lange bevor die Bildrate moderner Spiele ins Bodenlose fällt, werden dynamisch und weitgehend clever Texturdetails eingespart, um die Bildrate zu retten. Sicher haben auch Sie schon einmal das Streaming eines aktuellen Titels beim Arbeiten beobachtet. Was eigentlich niemand mitbekommen soll, lässt sich vor allem bei Spielen auf Basis der Unreal Engine 4 direkt nach dem Betreten der Spielwelt sehen: Texturen erscheinen zuerst unscharf, matschig, unansehnlich - und werden in der Regel binnen Sekunden gegen das gewünschte Abbild ersetzt. Maximale Bildqualität gibt es nur, wenn die Daten in den lokal auf der Grafikkarte installierten Speicher passen. Genügt dieser nicht, müssen diese Daten woanders geparkt und kopiert werden, was fatale Folgen für die Leistung hat.
In Speicherkrisenzeiten wird also gespart, was das Zeug hält. Tatsächlich funktioniert das zumindest in Grenzsituationen, bei denen die Kapazität des pfeilschnellen Grafikspeichers nur knapp überschritten wird, ziemlich gut. Der Nutzer bekommt wenig von den Problemen mit, und das ist auch gut so. Je anspruchsvoller ein Spiel an das Speichersubsystem ist, desto eher sind die Nebenwirkungen zu sehen. Texturbrei hier und da, sichtbar einladende Oberflächendetails, gerade bei schnellen Bewegungen, und nicht zuletzt eine stark fluktuierende Bildrate sind Anzeichen für große Kapazitätsprobleme. Diesen entgeht man entweder durch ein globales Herabsetzen der Textur- und Schattendetails oder durch eine ausreichende Speicherkapazität. Doch wer definiert, was "ausreichend" ist und was nicht?
Diese Frage können wir nicht final beantworten, denn mit jedem neu erscheinenden Spiel kann das Bild kippen. Treue PCGH-Leser wissen, dass wir Empfehlungen stets mit Blick nach vorn und mit einem Puffer für Ernstfälle aussprechen. So kommt es, dass wir bereits seit 2016, mit dem Aufkommen einiger "Speicherfresser" rund um Rise of the Tomb Raider und Doom (2016) zu Grafikkarten mit 8 GiByte Kapazität raten. Ja, diese gab es schon damals, sogar in der bezahlbaren Mittelklasse. Dass wir 2020 immer noch 8-GiByte-Grafikkarten thematisieren, sollte zu denken geben. Denn Kapazität ist Kapazität, ein Megabyte ist heute genauso viel wert wie damals. Weiterentwickelt haben sich lediglich die Verfahren in Hard- und Software, wie mit dem Speicherplatz umzugehen ist, neben der Rechenleistung natürlich. Das Verhältnis aus Gigaflops und Gigabytes ist gekippt.
Spezialtests mit hoher Speicherlast
Halten wir fest: Bevor starkes Ruckeln auftritt, reduzieren moderne Streaming-Systeme die Qualität. Daran können wir nichts ändern, was Benchmarks komplizierter macht als gewollt. Vor vielen Jahren war das noch einfacher, denn hier offenbarte sich Speichermangel in der Regel durch unübersehbares, ehrliches Ruckeln - bei voller Oberflächenqualität. Doch diese Zeiten sind vorbei, sodass wir uns erneut eines Kniffs bedienen: Spiele, die sich im Grenzbereich bewegen und einen Ausblick auf die Zukunft gewähren. Genau diese Spiele testen wir im Folgenden.
Da momentan keine Geforce RTX 3070 mit verdoppelter Speicherkapazität existiert und somit einen genauen Direktvergleich erlaubt, ziehen wir die Benchmarks diesmal anders auf. Die drei Probanden sind alle vergleichbar schnell, waren oder sind aber zu Lebzeiten unterschiedlich teuer. Neben einer ordinären Geforce RTX 2080 Ti ohne werkseitige Übertaktung, welche zeitweise um 1.000 Euro zu haben war, testen wir eine potente Geforce RTX 2080 Super (Asus ROG Strix OC) und eine ebenfalls werkseitig beschleunigte Geforce RTX 3070 (beide mit maximalem Powerlimit). Der Clou: Während die RTX 3070 und 2080S mit 8 GiByte hantieren, hat die RTX 2080 Ti ein Ass im Ärmel - sie zeigt auf, inwiefern 11 gegenüber 8 GiByte helfen. Die eindrücklichsten Resultate haben wir als Frametimes abgebildet, flankiert von klassischen Balken-Benchmarks.
