Geforce GTX 770 im Test: Leistungsaufnahme, Lautheit, Boost 2.0
Die GTX 770 im Test - Nvidia lässt die Geforce GTX 770 vom Stapel: Für 329 Euro plus Mehrwertsteuer ist der GTX-670/680-Nachfolger eine preisliche Kampfansage an AMD. Wie viel besser als die erste Kepler-Generation die Geforce GTX 770 ist, klärt unser ausführlicher Test der High-End-Grafikkarte.
In diesem Artikel
- Seite 1 Geforce GTX 770 im Test: Einleitung, Spezifikation
- Seite 2 Geforce GTX 770 im Test: Leistungsaufnahme, Lautheit, Boost 2.0
- Seite 3 Geforce GTX 770 im Test: Spiele-Benchmarks in 1080p und 4K, Overclocking
- Seite 4 Geforce GTX 770 im Test: Fazit
- Seite 5 Geforce GTX 770 im Test: Testsystem
- Seite 6 Bildergalerie
Geforce GTX 770 im Test: Kühlung, Lautheit und Leistungsaufnahme
Quelle: PC Games Hardware
Nvidia Geforce GTX 770 - optisch ein kleiner Titan, auch mit 8- u. 6-Pol-Stromanschluss.
Wie schon bei den teureren Geforce GTX-Versionen Titan und 780 schaute Nvidia bei der Kühlung nicht auf jeden Cent und montiert eine wertig anmutende Konstruktion aus Plexiglas, gebürstetem Metall und Vapor-Chamber auch auf die Geforce GTX 770. Da hier trotz nur 20 Watt geringerer Nominal-TDP offenbar wesentlich weniger Abwärme fortgeschafft werden muss als bei den GK110-Derivaten, gelingt dem Kühler dies entsprechende leise: Die Geforce GTX 770 ist mit einer maximalen Spiele-Lautheit von 2,75 Sone (das Messgerät pendelte regelmäßig zwischen 2,7 und 2,8 Sone) rund ein halbes Sone leiser als GTX 780 und Titan sowie 0,8 Sone leiser als das Referenzmodell der GTX 680. Die Radeon-Referenzkarten laufen hier quasi außer Konkurrenz, da die jeweilige Lautheit in anderen, höheren Dimensionen liegt - AMDs Boardpartner machen hier einen besseren Job. Im Leerlauf messen wir bei der Geforce GTX 770 eine Lautheit von 0,6-0,7 Sone. Hier verhindert dasselbe Klackergeräusch wie schon bei der GTX 780 eine bessere Bewertung. Aus einem geschlossenen Gehäuse ist das Geräusch jedoch nicht herauszuhören.
Apropos Boardpartner: In der Redaktion befinden sich bereits GTX-770-Modelle von Asus, Evga, Gainward, Gigabyte, MSI, Palit und Zotac - allesamt übertaktet - aber keine dieser Karten greift auf den Referenzkühler zurück. Auf Anfrage bei Nvidia, ob die Partner den gelungenen Kühler überhaupt nutzen werden, erhielten wir folgende Antwort:
Strictly speaking we don't have a reference design for 770 so it is up to the AICs - for example Inno3D have decided to use this design and EVGA are currently evaluating it but I think you'll see lots of different designs from the AICs.
GTX 770 went straight to being a 'virtual' part in that AICs purchase GPUs and memory kits and make the board themselves. Of course, they have access to our reference design and some, like Inno3D, have chosen to make this their design but many have picked their own coolers for differentiation.
Bei der Leistungsaufnahme folgt eine weitere Überraschung. Doch anders als bei der GTX 780, welche einen höheren Verbrauch als Titan aufweist, fällt die Leistungsaufnahme der GTX 770 überraschend niedrig aus. Im Leerlauf erklären sich die sehr geringen 10 Watt mit einer neuen Idle-Taktstufe (P8 = 135 MHz, bei bisherigen Karten lag der P8 bei 324 MHz) bei einer Spannung von 0,85 Volt. Die MSI-Karte in der Gaming-Edition kommt auf ähnlich niedrige Verbrauchswerte im Leerlauf. Die Werte bei der Blu-ray-Wiedergabe um beim Betrieb zweier Monitore sind ebenfalls äußerst effizient und deutlich niedriger als auf der HD 7970. Doch auch unter Last gibt sich die GTX 770 angesichts des etwas höheren GPU-Takts und des deutlich flotteren Speichers vergleichsweise sparsam: Lediglich 5 Watt mehr stehen am Ende im Excel gegenüber der GTX 680.
Wir haben bei unserem Referenzmuster folgende Boost-Stufen bei den jeweiligen Spannungen protokolliert:
1.045 MHz: 1,087 Volt
1.058 MHz: 1,087 Volt
1.071 MHz: 1,100 Volt
1.084 MHz: 1,112 Volt
1.097 MHz: 1,125 Volt
1.110 MHz: 1,150 Volt
.
1.136 MHz: 1,174 Volt
1.149 MHz: 1,187 Volt
Die fehlende Taktstufe lag im Test niemals an.
| GTX Titan | GTX 780 | GTX 770 | GTX 680 | GTX 580 | HD 7970 GE** | HD 7970 ** | HD 7970 * | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Lautstärke | ||||||||
| Leerlauf (Win-7-Desktop) | 0,3 Sone | 0,6 Sone | 0,7 Sone | 0,9 Sone | 0,8 Sone | 0,8 Sone | 0,7 Sone | 0,7 Sone |
| Bad Company 2 (DX11) | 3,2 Sone | 3,2 Sone | 2,75 Sone | 3,5 Sone | 3,4 Sone | 8,4 Sone | 4,1 Sone | 5,9 Sone |
| Leistungsaufnahme | ||||||||
| Leerlauf (Win-7-Desktop) | 13 Watt | 14 Watt | 10 Watt | 15 Watt | 32 Watt | 15 Watt | 12 Watt | 22 Watt |
| Bad Company 2 (DX11) | 214 Watt | 222 Watt (!) | 179 Watt | 174 Watt | 221 Watt | 247 Watt | 185 Watt | 195 Watt |
PCGH testet mit Powertune (AMD) respektive Power Target (Nvidia Kepler) auf Standard.
* Mittelwert von uns getesteter Retailkarten im Referenzdesign
** AMD-Muster - dieses Kühldesign findet sich nicht am Markt
Geforce GTX 770 Test: Treiber und GPU-Boost 2.0
Für unseren Test nutzen wir die von Nvidia bereitgestellten 320.18er-Treiber. Hierzu ein paar Anmerkungen. Der Treiber bietet einen großen Leistungssprung in Skyrim mit aktiviertem Supersample-Antialiasing - auch auf der Radeon konnten wir starke Zuwächse mit dem aktuellen Beta-Catalyst feststellen. Für Starcraft 2, welches Teil unseres Benchmark-Parcours ist, hat Nvidia das treiberseitig erzwingbare Multisample-Antialiasing abgeschaltet. Dieses Spiel haben wir daher noch mit dem älteren 320.00-Treiber getestet.
Quelle: PC Games Hardware
Nvidia Geforce Experience
Beginnend mit dem 320.18-Treiber wird das Nvidia-Update Modul durch Nvidias automatische Optimierung "Geforce Experience" ersetzt, dessen Installation wie bei Nvidia Update standardmäßig aktiv ist, jedoch per Mausklick abgeschaltet werden kann. Zum Geforce-Experience-Programm haben wir bereits in Ausgabe 04/2013 berichtet - hier eine Zusammenfassung:
Geforce Experience will das von vielen Freizeit-Zockern geschätzte Konsolen-Feeling auch PC-Spielern ermöglichen - und ihnen auf Wunsch dafür jede Menge In-Game-Einstellungen abnehmen.
Viele Spieler schätzen an den Wohnzimmerkonsolen vor allem die Einfachheit: Alles läuft im Prinzip automatisch ab, kein Gefrickel mit Patches, keine umständliche Suche nach der besten Spielkonfiguration. Den letzten Punkt möchte Nvidia mit Geforce Experience den PC-Spielern anbieten. Dass Nvidia sich mit diesen Funktionen eher an Gelegenheits- denn an Hardcore-Zocker wendet, dürfte nach einem Blick auf das Ergebnis unserer Forenumfrage klar sein.
Was brauche ich?
Zurzeit unterstützt Geforce Experience die aktuelle Windows-Familie - sprich Vista, 7 und 8. Wie bei einem Programm eines GPU-Herstellers nicht anders zu erwarten, ist auch eine entsprechende Grafikkarte, sprich eine Geforce, erforderlich. Diese muss mindestens aus der DX10-Generation stammen, für die DX9-Karten Geforce 6 und 7 fiel, wie auch schon bei der Treiberunterstützung, der Vorhang. Den vollen Funktionsumfang inklusive optimierter Spielevoreinstellungen gibt es allerdings erst mit einer Fermi- oder Kepler-basierten Grafikkarte der Geforce 400, 500 oder 600. Auch in Sachen CPU gibt es ein paar Voraussetzungen: Ein Core 2 Duo/Quad, i3, i5, i7 oder AMD Phenom X4/Phenom II beziehungsweise Athlon II muss das System befeuern - die Gründe erläutern wir im Folgenden.Woher kommen die Daten?
Nvidia unterhält Testlabore für die Qualitätssicherung der Geforce-Treiber und zur Optimierung von Spielen aus dem "The Way It's Meant To Be Played"-Programm. Hier fallen haufenweise Daten an - unter anderem Performance-Werte für verschiedene Rechnerkonfigurationen. Mit der Geforce Experience extrahiert Nvidia aus den durchgeführten Tests Einstellungen, die sowohl ein flüssiges, von Nvidia generell bei circa 40 Fps verortetes Spielen als auch eine gute Bildqualität bieten.So funktioniert's
Auf Wunsch durchsucht Geforce Experience den Rechner nach typischen Spiel-Installationsorten, es findet dabei auch Origin- und Steam-Spiele, eigene Verzeichnisse lassen sich ebenfalls angeben. In der Praxis schaffte es das Tool, TES 5: Skyrim mit 30/37,8 Min/Avg-Fps brauchbar auf einer GT 430 einzustellen; den Wechsel auf eine GTX 560 Ti verarbeitete es allerdings erst korrekt, nachdem wir uns im Einstellungsmenü manuelle Updates verschafft hatten.
Für unser Testsystem mit GTX 770 schlug Geforce Experience vor, einige Dinge anders einzurichten, als es der PCGH-Maxime, immer mit maximalen Details zu testen entspricht. Aus Spielersicht durchaus sinnvoll, kommt es doch in erster Linie auf ein flüssiges Spielerlebnis an. Für Dirt Showdown sollten wir beispielsweise die leistungsfressende, erweiterte Beleuchtung deaktivieren, dafür die Auflösung auf 2.560 x 1.600 erhöhen und Antialiasing auf 16x CSAA aufpumpen. Auch für Skyrim empfahl das Programm, von 4x auf 8x Antialiasing zu wechseln - dass wir das inoffizielle Supersample-AA nutzen, konnte es kaum wissen. Warum Geforce Experience uns allerdings empfahl, für Max Payne 3 auf Tessellation zu verzichten, bleibt schleierhaft.
Geforce Experience: Shadow Play
Ein durchaus spannendes Feature, welches im Laufe des Sommers für Kepler-GPUs in Geforce Experience integriert werden soll nennt sich Shadow Play. Hierbei handelt es sich um einen always-on Videorekorder für Spiele, welcher die letzten 20 Minuten Gameplay mitschneidet und dafür auf den integrierten H.264-Encoder der Kepler-GPUs zurückgreift um einen geringeren Leistungseinbruch zu ermöglichen als bei Fraps & Co.
Quelle: PCGH
Shadowplay als Teil von Geforce Experience
Nachfolgend noch ein Auszug aus unserem Heft-Artikel zur GTX Titan in der PCGH 04/2013 - die Geforce GTX 770 bietet hinsichtlich des GPU-Boosts dieselben Funktionen wie schon GTX Titan und GTX 780, daher erläutern wir die Eigenheiten der Implementierung an dieser Stelle erneut.
Um das Leistungspotenzial der Kepler-Chips besser ausnutzen zu können, wird im "neuen" GPU-Boost 2.0 nicht nur die Leistungsaufnahme zur Bestimmung von GPU-Spannung und Boost-Taktrate herangezogen, sondern auch die Chip-Temperatur. Per Treiber sind unsere Karten auf 80° C Zieltemperatur eingestellt, welche im normalen Betrieb mit 100% Powertarget gehalten werden. Erlauben Sie der GTX 770 zum Beispiel per Evga Precision X zusätzliche Grade auf der Celsius-Skala, dankt es GPU-Boost Ihnen mit einigen Extra-MHz über einen längeren Zeitraum.
Bei einer Zieltemperatur von 95° Celsius hielt die Karte selbst im PCGH-VGA-Tool (basierend auf Furmark-Technik) 1.136 MHz bei 1,174 Volt durch, der Lüfter drehte dabei aber mit durchaus lauten 68 % und etwa 5,5 Sone. Ein Zeichen der wirksamen Drossel ist in diesem Falle der Wert, den wir bei 52 % Power-Target (aber 95 °C T-Target) ereichen: bei nur noch 796 MHz sanken die Fps lediglich von 61 auf 50. Der Lüfter blieb bei 39% und knapp 1,5 Sone sehr leise.
Wird die Ziel-Temperatur überschritten (was natürlich auch aufgrund zu warmer Umgebungstemperaturen geschehen kann), drosselt GPU-Boost 2.0 den Takt. Standardmäßig sind Power- und Temp-Target aneinander gekoppelt - auch das können Sie per Häkchen in Precision ändern. 100 % Power-Target bedeuten im Falle der neuen GTX-Modelle, also 770, 780 und Titan, übrigens auch tatsächlich, dass die TDP von 250 Watt ausgeschöpft werden darf - 106 % sind also 265 Watt, bei der 770 sind es 230 respektive 244 Watt. Diesen Wert messen wir bei entsprechendem Power-Target inklusive OC auch tatsächlich in Anno 2070. Die Lüfterkurve lässt sich wie in Rivatunter-basierten Tools wie Precision schon lange möglich, ebenfalls anpassen, sodass Sie freie Hand bei der Wahl zwischen leisem Betrieb und maximaler Leistung haben.
Natürlich sind auch die bekannten Features wie Frame-Rate-Target mit dynamischer Taktanpassung für Stromsparer und Leisetreter oder Adaptive Vsync mit an Bord. Eine letzte Neuerung schließt an die "Smooth Gaming"-Features an: Per Third-Party-Tool (wie wiederum im Evga Precision X 4.0) können Sie versuchen, den Pixeltakt ihres Displays zu erhöhen, sodass VSync-Freunde nun auch mehr als 60 Fps ohne störendes Tearing genießen können. Eine entsprechende Anleitung hat PCGH bereits in der Printausgabe 12/2012 veröffentlicht, sodass wir hier nicht weiter auf die Feinheiten eingehen wollen, sondern unser Video von damals sprechen lassen.

Abseits dessen ist die GeForce GTX 770 eine 'aufgebohrte', zur Kompensation der starken Speicherdurchsatz-Limitierung ihres GK104-Chips mit 7Gbps-RAM bestückte und hochgetaktete GTX 680.