Windows NT auf dem GameCube: Konsole wird zur Workstation
Findige Open-Source-Entwickler haben die PowerPC-Variante von Windows NT auf Nintendos Gamecube, Wii und Wii U portiert. Das quelloffene Projekt läuft auf echter Hardware, nicht im Emulator - als Datenträger genügt eine SD-Karte.
Microsoft hat in den 1990ern eine PowerPC-Version von Windows NT aufgelegt, die heute kaum noch jemand auf dem Schirm hat. Eben diese Fassung hat ein versiertes Homebrew-Team rund um den Entwickler Wack0 aufgegriffen und bringt sie jetzt auf Nintendo-Hardware, die PC-Spieler nur über den Dolphin-Emulator kennen. Wer noch einen Nintendo GameCube zu Hause im Schrank stehen hat, kommt mit ausreichend Geduld und der Homebrew-Software Swiss ans Ziel.
Spielwürfel als Workstation: Windows NT auf dem GameCube
Windows NT erschien ab 1993 für mehrere Prozessor-Architekturen, neben x86 auch in einer bis zur Version 4.0 gepflegten PowerPC-Fassung für Workstation-PCs mit der PowerPC-Architektur von IBM. Genau diese dient als Ausgangsbasis für das Projekt.
Windows NT auf der Gamecube: Microsofts PowerPC-Erbe
Genau hier setzen Open-Source-Entwickler Wack0 und seine Mitstreiter an: Im Nintendo GameCube arbeitet ein in 180 nm gefertigter PowerPC-Prozessor von IBM ("Gekko") mit einer Taktfrequenz 485 MHz, während ATi, das erst kurz zuvor ArtX, welches von einer Gruppe Ingenieure von Silicon Graphics gegründet wurde, aufgekauft hatte, den Custom-Grafikchip ("Flipper") beigesteuert hat.
Quelle: Jiga Tech
Der Nintendo GameCube bootet die PowerPC-Version von Microsoft Windows NT 4.0.
Windows NT 3.5 bleibt hierbei außen vor, weil es ausschließlich den PowerPC 601 unterstützt; lauffähig sind alle Versionen ab Windows NT 3.51. Bemerkenswert ist der enge Speicherrahmen: Die Spielkonsole stellt nur 24 MiB ab Hauptspeicher bereit, während das zum Einsatz kommende Windows NT 4.0 mindestens 16 MiB Arbeitsspeicher für eine erfolgreiche Installation voraussetzt.
Diese Nintendo-Konsolen booten Windows NT
Microsofts Windows NT 4.0 läuft auf dem Nintendo GameCube, der Nintendo Wii und im vWii-Modus der Wii U. Auf der Wii übernimmt der PowerPC-Prozessor "Broadway" die Arbeit, die Wii Mini verlangt bislang aber einen SD-Hardmod. Der Grafiktreiber adressiert je nach Plattform die Grafikchips "Flipper", "Vegas" und "Bollywood".
So installiert man Windows NT auf der Gamecube
Windows NT 4.0 landet über die ARC-Firmware des Projekts auf der Konsole: Auf dem GameCube startet sie der Homebrew-Loader "Swiss" von einer SD-Karte, auf Wii und Wii U übernimmt das der Homebrew-Channel. Aus dem NT-Abbild und dem leeren Disk-Image richtet die Firmware anschließend eine bootfähige Partition ein.
Bei Texteingaben wird es kurios: Eine native Tastatur kennt die Konsole nicht. Wer keinen seltenen ASCII-Keyboard-Controller besitzt, wählt jedes Zeichen per C-Stick aus einer Scancode-Liste; sämtliche Ziffern stehen vorn, damit zumindest die Eingabe des benötigten CD-Keys gelingt. Der Datenzugriff läuft auf dem Nintendo GameCube über den langsamen EXI-Bus, was den Vorgang merklich ausbremst, so die Entwickler.
Windows NT auf dem GameCube als Spielerei
Schnell ist Windows NT 4.0 auf dem Nintendo Gamecube nicht: Der GDI-Grafiktreiber kopiert seine Bildausgabe über unoptimierten Code in den Speicher der GPU. Einen praktischen Nutzen wirft das Projekt ohnehin kaum ab, es bleibt eine spannende Machbarkeitsstudie und legt die PowerPC-Wurzeln der Spielkonsole offen.
*) Quelle: Nintendo
Spielgeräte gingen schon früher gelegentlich als Computer durch, man denke an die mit Windows CE beworbene Sega Dreamcast. Ein produktives Arbeitsgerät wird aus der Spielkonsole damit nicht. Für die Homebrew-Szene zählt der Reiz, Windows NT erstmals auf dem kleinen Gaming-Würfel von Nintendo booten zu sehen.
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