Destiny 2 auf der E3: Fulminante Weltraum-Online-Action von den Halo-Machern
Drei Jahre nach dem ersten Teil erscheint Bungies Online-Shooter Destiny 2 endlich auch für den PC. Schaffen es die Entwickler, uns mit aufgebohrter Grafik von der Konsole wegzulocken? Unser Spielbericht klärt auf.
Ein 3D-Shooter? Online? Mit drei Heldenklassen und Rollenspielelementen? Das unter großem Getöse veröffentlichte Destiny musste große Schuhe füllen, hatte Publisher Activision doch gesagt, für Entwicklung und Marketing 500 Millionen US-Dollar zu investieren. Bungie, das Studio hinter dem Spiel, hatte zwar schon durch die Marathon- und Halo-Serien Erfahrung mit 3D-Shootern, aber einen, der wie ein MMO permanent online sein würde, hatte das Team noch nicht entwickelt.
Destiny: Die ersten drei Jahre
Destiny erschien im September 2014 für PlayStation 3 und 4 sowie Xbox 360 und One und verkaufte sich prächtig. Der Shooter, der 700 Jahre in der Zukunft spielt und in dem die Menschheit nur knapp der Auslöschung entkommen konnte, bekam von Bungie im ersten Jahr gleich drei Erweiterungen verpasst. Sie lieferten deutlich mehr Inhalte für Abenteuer auf der Erde, dem Mond, der Venus, dem Mars und dessen Mond Phobos, dem Merkur und einem Alien-Raumschiff nahe des Saturns. Ein Jahr später folgte die bislang letzte große Erweiterung, die Entwickler konzentrierten seitdem auf den zweiten Teil.
Doch die Preisfrage war: Wie konnte Bungie ein Destiny 2 mit neuer Engine, neuer Story, aber dem gleichen Spieluniversum erschaffen, nachdem die Fans des ersten Teils drei Jahre lang Strike-Dungeons und Raids gemeistert, ihre Hüter-Helden auf die maximale Stufe gebracht und seltenste Waffen und Rüstungen eingesammelt hatten? Wie sollte man da Neueinsteigern den Start erleichtern? Die Lösung: Indem ein neuer Gegner auftaucht und das bisherige Hauptquartier der Spieler in Schutt und Asche legt - und alle bei null anfangen müssen.
Drei Klassen für ein Halleluja
Zu sehr zerdeppert Bungie das Universum gottlob nicht. Die drei aus dem Vorgänger bekannten Rassen Menschen, Erwachte (Weltraum-Elfen) und Exo (Roboter) bleiben uns erhalten, genau wie die drei Charakterklassen: Der Titan ist ein offensiver Nahkämpfer, der wie ein Rollenspiel-Tank jede Menge Schaden einstecken kann. Der Jäger ist als eine Art Kopfgeldjäger konzipiert und setzt auf Fernwaffen, kann aber auch aus der Nähe austeilen. Einem klassischen Magier kommt der Warlock am nächsten: Zwar kann er wie auch die anderen zwei Klassen alle Schießprügel verwenden, die er unterwegs findet, doch er schleudert Blitze und Energiebälle auf seine Gegner.
Alle drei Hauptklassen besitzen mehrere Unterklassen, zwischen denen sich jederzeit umschalten lässt - praktisch für schwere Bosse, denen beispielsweise Blitzschaden stärker als Sonnenschaden zusetzt. Auch zahlreiche Waffen reichern ihre Durchschlagskraft um einen solchen Elementarschaden an. Jede Charakter-Unterklasse besitzt außerdem eine Super-Fähigkeit. In der Dawnblade-Variante beschwört der Warlock beispielsweise mit dem Daybreak-Super Lichtklingen hervor, die sich auf seine Gegner stürzen.
Zuflucht in Trümmern
Gegner gibt es genug in Destiny 2, dessen PC-Fassung wir auf der E3 2017 in Los Angeles selbst spielen konnten. Genauer: auf einer GTX 1080 Ti am, Sie ahnen es schon, Nvidia-Stand. Die Freude über die schicke Optik wähnt nur kurz, denn schon bald greifen die Elitesoldaten der Rotlegion, geführt vom Kabal-Herrscher Dominus Ghaul, unsere Zuflucht an: die letzte sichere Stadt der Erde. Gewaltige Explosionen hinterlassen detaillierte Schutthaufen auf dem Turm der Hüter, lodernde Flammen bringen die Luft zum Flimmern, sintflutartige Regenfälle stürzen herab, deren Tropfen beeindruckend auf unserem Helmvisier abperlen, während wir drei Gegnerwellen abwehren.
Auch, wenn Destiny 2 so schick aussieht, dass man aus jedem Frame einen Windows-Hintergrund machen könnte: Die Steuerung mit Maus und Tastatur stellt sich als erstaunlich komplex heraus. Wir müssen mit 16 Tasten und der Maus jonglieren, deren Beschleunigung obendrein etwas behäbig erscheint. Fairerweise müssen wir zugeben, den ersten Teil Dutzende von Stunden auf der PlayStation 4 gespielt zu haben - da dauert es einen Moment, die sich in die Finger eingebrannten Bewegungsabläufe neu zu lernen.
Engel des Lichts
Nach dem Turm der Hüter geht es auf ein Kommandoschiff der Rotlegion. Hier sollen wir einen Schildgenerator deaktivieren, um den Verteidigern von der Erde eine Chance zu liefern, Ghauls Truppen empfindlich zu treffen. Wir kämpfen uns Deck für Deck nach unten durch, wo uns immer wieder gegnerische Kämpfer dazwischenfunken wollen. Ein besonders harter Bursche ist ein Elitekrieger namens Pashk the Searing Will - Bungies Designer hatten schon beim ersten Destiny ein Faible für theatralische Namen.
Wir haben zum Glück durch unsere vorherigen Aktionen genug Energie angesammelt, um unseren Super-Angriff Angel of Light durchzuführen: Unser Warlock verwandelt sich in einen flammenden Racheengel, der mit einem ebenfalls flammenden Schwert auf seine Widersacher einschlägt - da bleibt kein Auge trocken. Das muss auch Pashks Kollege Brann the Unbent Blade lernen, der uns etwas später auf einem Außendeck des Raumschiffs Ärger machen will. Kurz darauf sind wir am Schildgenerator angekommen - und am Ende der gut 20 Minuten langen Demo.
Bildergalerie
Fazit
Unsere erste knappe halbe Stunde mit Destiny 2 hinterlässt einen prächtigen Eindruck. Gerade, was die grafische Fulminanz des Spiels angeht, haben die Designer auf dem PC noch einmal eine Schippe draufgelegt. Natürlich ist es etwas schwer, nach so kurzer den Rest der Kampagne zu bewerten, doch wenn Bungie das Tempo und den Abwechslungsreichtum beibehalten kann, gibt es kein Grund zur Beschwerde. Wichtig ist natürlich auch, was die besiegten Gegner beutetechnisch hinterlassen - das Einsammeln und Verbessern seltener Waffen und Rüstungsteile war einer der Hauptreize des ersten Teils.
Allein die Steuerung von Destiny 2 war nach zwei Jahren mit dem Controller gewöhnungsbedürftig. Nicht von ungefähr unterstützen die Designer daher auch den Anschluss eines solchen an den PC. Das dürfte insbesondere Crucible-Fans den Wechsel von der Konsole schmackhaft machen - die zahlreichen PvP-Gefechte und -Modi waren neben herausfordernden Strike-Missionen und Raids der Hauptgrund für die anhaltende Beliebtheit des Spiels. Daumen drücken, dass wir zum Start am 24. Oktober genug davon bekommen - und nicht erst auf die nächsten paar Erweiterungen warten müssen.
