Fall Citadels und DSA Schicksalsklinge: Vorbesteller sollten Gewinner und nicht Verlierer sein - Ein Kommentar von Thilo Bayer
Innerhalb weniger Tage sind zwei Spiele erschienen, deren Launch man eigentlich nur als Katrastrophe bezeichnen kann. Sowohl das Echtzeit-Strategiespiel Citadels als auch das Remake des RPG-Klassikers Das schwarze Auge: Die Schicksalsklinge fielen bei den Spielern durch - wer blind vorbestellt hatte, dürfte sich gewaltig ärgern. Hoffentlich kein Trend für die Branche.
Am 26.7. erschien Citadels, ein eigentlich hoffnungsvolles Echtzeit-Strategiespiel im Stronghold-Stil. Und am 30.7. kam das "HD"-Remake von Das schwarze Auge: Die Schicksalsklinge auf den Markt, eigentlich eine sichere Bank, denn das Original wird von vielen DSA-Fans noch immer innig geliebt. Beide Spiele verbindet nicht nur der zeitnahe Release-Termin, sondern auch ein Katastrophenstart. Für keines der beiden Spiele stand rechtzeitig eine Testversion für die Presse bereit, sodass die Spiele mehr oder weniger ohne Vorwarnung auf den Markt gebracht wurden.
Das Ergebnis ist bekannt: Citadels erhielt vernichtende Kritiken, neben vielen Bugs wurden unter anderem KI und Wegfindung moniert. Immerhin sind bereits zwei Patches erschienen, nach dem User-Feedback reicht das aber trotzdem noch lange nicht. Bei Das schwarze Auge: Die Schicksalsklinge sind es ebenfalls nicht nur Bugs, die den Spielspaß zerstören - wie die Kollegen von PC Games im Test erläutern (Spielspaß: immerhin 6 Prozent). Das "HD"-Remake wurde mit derart hässlichen Figuren umgesetzt, dass keine DSA-Atmosphäre aufkommt. Immerhin gibt es auch hier fleißig Patches, außerdem gibt es eine Patch-Roadmap bis in den September hinein. Eigentlich an sich schon ein Wahnsinn. Hier handelt es sich ja nicht um eine Alpha oder Beta, sondern um ein Fast-Vollpreisspiel. Das sehen auch die Amazon-User, die das RPG komplett vernichten. Wir verzichten an dieser Stelle auf eine Verlinkung - nicht dass jemand auf die Idee kommt, wir würden den Abverkauf unterstützen.
Das mit dem Wahnsinn sieht auch Ulisses Spiele so, der Lizenzinhaber für das Pen-&-Paper-Rollenspiel Das Schwarze Auge. In einem Schreiben distanziert man sich ausdrücklich von Neuauflage des Computerspiels. Das Recht für die Lizenzvergabe von DSA-Computerspielen liege nicht bei Ulisses, sondern bei der Chromatrix GmbH. Die DSA-Redaktion war "zu keinem Zeitpunkt in den Entwicklungsprozess des Spiels eingebunden". Man war weder über Inhalt, noch Aufmachung informiert, heißt es auf der offiziellen Webseite. Deutlicher kann eine Distanzierung nicht ausfallen. Um man darf sich zu Recht fragen, ob die geplanten Umsetzungen der fehlenden beiden Rollenspiele der Nordland-Trilogie angesichts des Launch-Desasters überhaupt erscheinen.
Man wird wohl nie erfahren, warum Publisher wie im Falle von Citadels oder Schicksalsklinge derart verbuggte Spiele als Vollpreistitel auf den Markt werfen. Erinnerungen an Legends of Pegasus werden wach. Der Entwickler hat den Katastrophenstart des Spiels nicht überlebt. Das wünschen wir den Entwicklern von Citadels oder Schicksalsklinge natürlich nicht, denn erfahrungsgemäß ist es der Publisher, der auf den Startknopf drückt. Dass hier Marken regelrecht verbrannt werden und dass nachgereichte Patches kein Ersatz für ein halbwegs fehlerfreies Spiel zum Release sind, dürfte jedem klar sein - nur nicht den Publishern. Aber genau die sollten endlich lernen, dass Vorbesteller keine Verlierer sein sollten, sondern Gewinner. Wer als Vorbesteller auf die Qualität vertraut und vorab Geld unbesehen ausgibt, sollte belohnt und nicht bestraft werden. Für Alphaversionen Vollpreise zu verlangen, ist einfach nur unverschämt. Punkt!
P.S.: Ich ereifere mich übrigens heute erst, weil ich vom 31.7. bis gestern im Urlaub war. :-)
Quelle: bitComposer
Citadels: Vermurkster Release, immerhin kamen bereits einige Patches

Wieso werfen die das Game dann in der "Alpha" einfach auf den Markt?
In meinen Augen ist das Betrug
Danke für das Video.
Gefühlt trifft das, was Du schreibst, eher auf Kickstarter zu, wo viele kleinere Projekte laufen, wo man direkt investiert und Vertrauen haben muß und sich am Ende eine Win-Win-Situation einstellen sollte.
Aber bei vielen "klassischen" Spielen der großen Publisher. Von CoD laß ich eh die Finger, SimCity war kein Parabeispiel, ACM auch nicht und wie gesagt, es lassen sich sicher noch viel mehr Beispiele finden.
Die sind es, die für einen Pappaufsteller und eine besondere Rüstung bereit sind deutlich mehr für einen Vorbesteller-Edition zu bezahlen.
Die sind es, die das Spiel unbedingt sofort zum release haben und spielen müssen - warum auch immer.
Spätestens seit SimCity sollte jedem klar sein, das Vorbestellen den ganzen Markt schädigt: Publisher, Entwickler und Kunde sind am Ende der Verlierer.
Da Publisher Gewinne erzielen wollen, werden sie nichts daran ändern, das sie nun sogar schon Geld ohne fertiges Produkt einnehmen können.
Entwicklern sind vertraglich die Hände gebunden.
Bleibt nur der Spieler, der Vorbesteller-Editionen meiden muß.
Nur so läßt sich Qualität und Support gewährleisten. Nachhaltig.
Jeder, der vorbestellt, sägt am Stuhlbein der Qualität der Spiele.
Von daher geht der Kommentar meiner Meinung nach völlig in die falsche Richtung.
Logisch gedacht. Aber irgendwie anders als ich. Vielleicht werd ich ja schon alt aber Investieren ist bei mir immer noch mit einem gewissen Vertrauen verbunden. Wenn ich einem Unternehmen finanziell helfe (nichts anderes tut man mit einer Vorbestellung, ganz besonders bei kleineren Projekten), erwarte ich auch eine Gegenleistung. Und zwar nicht in Bruchstücken. Das sollte eine Win/Win-Situation ergeben, alles andere ist irgendwo eine Schweinerei. Sicher funktioniert das in der Praxis selten so reibungslos aber zumindest eine erkennbare Absicht kann man erwarten. Wenn das nicht der Fall ist, gibt es Konsequenzen: Wenn ich jemandem ein Bier ausgebe und er mir dafür den Stinkefinger zeigt, stoß ich nächstes Mal erst gar nicht mit an; erst recht gebe ich kein zweites aus.
So eine Verscherzung mit dem Umfeld kann sich kein Unternehmen auf Dauer leisten. Gerade mit den Vorbestellungen kann man einen gewissen Anspruch an die Firmen stellen. Und über kurz oder lang müssen die zuhören. Das macht sogar EA.
Klar, es geht hier um Vorbestellungen. Aber die sind auch nur ein Teil des Kaufverhalten. Und das, was ich beschreibe ist das Kaufverhalten.
Worauf ich die ganze Zeit hinaus will: Jeder hat seine eigene Bewertung bei dem Kosten-Informations-Risiko-Verhältnis. Und wenn das stimmt, wird gekauft.
Wenn es bei dir nicht vorm Release stimmt: Ok, ist deine Sache, aber es gibt auch andere Leute, die das Verhältnis anders bewerten und auch vor Realease kaufen.