Xeon 600 for Workstation gegen Threadripper: Intel mit 86 P-Kernen, Octa-DDR5-8000 & 128× PCIe 5.0
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Dass Intel die Kombinierbarkeit von LGA4710-CPUs einschränkt, ist besonders in Richtung "Server-CPU auf Workstation-Board" schade, da so der Zugang zu einem bestehenden, variationsreichen Angebot sowie später zu günstigen Gebrauchts-Upgrades verwehrt bleibt. Auf PCGH-Frage begründet Intel diese Inkompatibilität nur in Gegenrichtung: Workstation-CPUs "erfordern" einen W880-PCH und laufen deswegen in Server-Platinen, die ohne I/O-Hub daherkommen, nicht. Aufgrund des identischen Siliziums gehen wir davon aus, dass dieses "Erfordernis" eher regulatorischer denn technischer Natur ist. Vorherigen, detaillierten Gerüchten sowie den spärlichen Angaben im Xeon-600-Press-Deck zufolge, dürfte der W880 nämlich dem Desktop-PCH Z890 entsprechen. Dieser spielt, außer bei einer Namensüberprüfung, keine Rolle mehr im Boot-Prozess, sondern dient als reiner Schnittstellenlieferant. Die PCIe-4.0-Lanes treten dabei, ob des 5.0-Aufgebots von Granite-Rapids, in den Hintergrund. Aber USB 3.1 und 3.2 sowie gegebenenfalls SATA braucht es im Einsatzgebiet von Workstation-CPUs eben doch.
Neues Namensschema und "vereinfachte" Modellpalette
Letzgenannte heißen jetzt "Xeon 600", setzen also nicht das 2017 begonnene Namensschema von Xeon W-2100/-2200/-2300/-2400/-2500 fort. Einen ähnlichen Bruch nach Auslaufen der Intel-7-Generation hat Intel bereits im Server-Markt sowie bei den Consumer-CPUs vollzogen - "Xeon 6" löste "Xeon SP" Bronze/Gold/Platinum "5th Gen" ab und "Core Ultra" ersetzte "Core i"-13000/-14000. Xeon-Server- und -Workstation-Serien unterscheiden sich künftig ohne "W" nur noch durch vier- respektive dreistellige Nummern, wobei die typische Klasseneinstufung "3", "5", "7" und "9" neu arrangiert wird: Ein Workstation-Xeon mit 16 Kernen heißt noch "638", während im Server bereits 12 Kerne für "6505P" reichen. Umgekehrt bleibt das Xeon-690-Topmodell deutlich hinter den bis zu 128-kernigen Xeon-6900 zurück. Xeon 6 und Xeon 600 teilen sich also nur den Namen, unterscheiden sich in den Modellbezeichnungen aber genauso stark wie AMDs Server-Epyc und Workstation-Threadripper.
Quelle: Intel
Intel Xeon 600 for Workstation Launch-Präsentation (12):
80 oder 128 Lanes, Übertaktung und MRDIMM-Support gliedern die "einheitliche", relativ kleine Modellpalette in vier Gruppen.
Die auch von Letztgenannten bekannte Plattform-Zweiteilung in "Pro" und "normal" entfällt dagegen mit Xeon 600. Statt einer großen W-3500-Serie mit Octa-Channel-DDR5 und W-2500 mit Quad-Channel und weniger PCIe-Lanes, gibt es künftig nur noch einen "vereinfachten", "einheitlichen" Product-Stack. Dies ist Intels Wortwahl, die Anführungszeichen stammen dagegen von uns, denn tatsächlich liegt künftig sogar eine Dreiteilung vor: Xeon-630-Modelle mit 12 und 16 Kernen sind auf vier Kanäle DDR5-6400 (RDIMM) und 80 PCIe-5.0-Lanes beschränkt. Sie werden nur als Tray-Version an Systemintegratoren verkauft, sodass sich die Verwirrung in Grenzen halten wird - eine fertige Workstation kauft man mit einer gegebenen Anzahl an PCIe- und RAM-Slots, die ohnehin selten dem Maximum der LGA4710-Plattform entsprechen wird. Boxed-Modelle, beginnend mit den Xeon 650 (18, 20 oder 24 Kerne), verfügen dagegen alle über Octa-Channel DDR5-6400 und 128 Lanes. Bei den Ausbaustufen 670 (32 oder 48 Kerne, für System-Integratoren auch 28) sowie 690 (64 oder, OEM-only, 86 Kerne) kommt noch Support für MRDIMMs mit 8.000 MT/s hinzu.
MRDIMM: DDR5-8000 in Spec dank doppeltem Prefetch
Multiplexed-Rank-Speichermodule, vor Veröffentlichung teils auch "MCR" genannt, stellen hierbei eine weitere Neuerung für Workstations dar, welche aus Serversicht ein alter Hut ist: Bereits 2023 präsentierte Intel die Technik auf großer Bühne und wirbt seitdem mit praktisch verdoppelten DDR5-Geschwindigkeiten. Hierzu wird ein, bei Registered-DIMMs für Server ohnehin vorhandener, Zwischenpuffer nicht mehr mit 2× 32 Bit je Modul und Takt abwechselnd aus verschiedenen Speicherbereichen (Ranks) gefüllt, sondern parallel mit 2× 64 Bit aus zwei Ranks gleichzeitig. Da das Modul seinerseits über einen normalen 2×-32-Bit-DDR5-Bus mit der CPU verbunden ist, erfolgt die anschließende Datenübertragung mit doppelter Geschwindigkeit: Während die CPU ein Octa-Channel-DDR5-8000-Interface sieht, arbeiten also in Wirklichkeit 16 Ranks mit dem leicht erreichbaren Tempo von DDR5-4000.
Quelle: Intel
Intel Xeon 600 for Workstation Launch-Präsentation (11): MRDIMM erlaubt 8.000 MT/s auf dem DDR5-Bus bei übersichtlichen Anforderungen an den eigentlichen Speicher.
Die Kehrseite sind zusätzlicher Aufwand und damit Latenzen sowie die eingeschränkte Granularität der de facto 64-Bit-breiten Zugriffe. Zusammen mit dem DDR5-typischen 16-Bit Prefetch, also der Auslesung von zwei vollen Byte je Datenleitung am Stück, können Daten nämlich nur noch in 128 Byte großen Blöcken angewählt werden. 64-Bit-x86-CPUs arbeiten aber mit 64 Byte großen Cache-Lines. Bei großen Zugriffen, die mehrere Kilo- bis Megabyte am Stück übertragen, ist der Unterschied vernachlässigbar. Normale DDR5-Module teilen ihre 64 Datenleitungen aber nicht ohne Grund in zwei 32-Bit-Sub-Channels auf, die unabhängig voneinander 64 Byte große Zugriffe ausführen: Werden nur einzelne Werte benötigt, limitiert also die Anzahl der Zugriffe statt deren addierte Datenrate, fällt MRDIMM 8000 auf das Niveau von normalem DDR5-4000.
Übertaktung: Ja, bitte!
Enthusiastische Desktop-Anwender sollten also bei konventionellen RDIMMs bleiben und 8.000 MT/s eher mittels Overclocking anstreben. Xeons werden zwar nicht allgemein mit Tuning assoziiert, regulärer Support wurde erst mit der W-3400-Generation eingeführt, aber beim Xeon-600-Launch verwendet Intel ein volles Siebtel der mit Inhalten versehenen Slides auf dieses Thema. Leider werden dennoch nicht alle Modelle freigegeben, erst ab 24 Kernen und somit ab 1.700 USD MSRP gibt es das "unlocked"-X - und somit eine vierte Stufe in der "einheitlichen" Produktpalette. Dann lässt sich Intel aber nicht lumpen: Neben den auch im Desktop bekannten Multiplikatoren für verschiedene Turbo-Stufen und den um AVX512 erweiterten Befehlssatzanpassungen, werden auch Xeon-spezifische Einstellungen für die einzelnen Mesh-Bereiche der Multi-Tile-CPUs sowie detaillierte Überwachungsoptionen der zahlreichen Kerne, Spannungen und möglichen Limitierungen eingeführt.
Quelle: Intel
Intel Xeon 600 for Workstation Launch-Präsentation (15): Intels OC-Freigabe für Xeon W-2400/-3400 war so erfolgreich, dass Tuning-Software jetzt zum Verkaufsargument wird.
Um den Zugang zu erleichtern, arbeitete Intel schon im Vorfeld mit OC-Base zusammen und umgeht damit die teils knappen Tuning-Optionen von Workstation-Mainboards: Xeon 600 kann offiziell, aber natürlich jenseits der Garantie, mittels OCCT-App unter Windows, oder ausdrücklich auch Linux, übertaktet werden. Intels Ziel dürften dabei natürlich weniger Gamer oder zehn in Zusammenarbeit mit Asus aufgestellte Weltrekorde sein, sondern professionelle Anwender mit wenig Bedarf an Lebensdauer oder Effizienz, aber großem Interesse an schnellstmöglich reagierenden Systemen: automatisierter Börsenhandel. Während Xeon-6-Server-CPUs überwiegend Maximal-Boosts von knapp 4 GHz bieten, verspricht Xeon 600 bereits ab Werk knapp 5 GHz im Single Thread. Aus 6,2 GHz beim 14900KS verwöhnter Desktop-Sicht beeindruckender sind All-Core-Turbos von 4,5 GHz auf 20 Kernen oder 3,8 GHz für 64 Kerne bei 210 respektive 350 W TDP. Die einhergehenden MTPs hat Intel noch nicht veröffentlicht, sie lagen bei den Vorgängern typischerweise 20 Prozent über der nominellen Dauer-TDP.
CXL 2.0: (unter anderem) RAM via PCI-Express
Wer statt zusätzlicher Leistung in der CPU mehr in deren Umfeld anstrebt, für den hat Granite Rapids noch einen Leckerbissen im Gepäck: Intel unterstützt offiziell Compute Express Link in Version 2.0 auch bei der Workstation-Plattform. Das auf PCI-Express aufbauende CXL-Protokoll erlaubt eine im Vergleich latenzarme und vor allem speicherkohärente Anbindung von Erweiterungen. Dies können einerseits passende Beschleunigerkarten oder FPGAs sein, welche direkt mit Daten im RAM der CPU interagieren, aber auch in Gegenrichtung externe Speicherpools, die nativ vom Prozessor mit verwaltet werden. Retail-Mainboard-Hersteller hatten in der Vergangenheit entsprechende CXL-Steckkarten mit bis zu 0,5-TiB-Bonus-RAM auch für Threadripper-Systeme vorgestellt (für Datenbank-Server sind 1 TiB und mehr verfügbar), aber da AMD den Support offiziell nur bei Epyc aktiviert, bleiben entsprechende Erweiterungen aus Sicht professioneller Anwender dubios; Hersteller-übergreifende Kompatibilität oder dauerhafte Verfügbarkeit kann in AMD-Workstations niemand garantieren.

- ebenso davor X79, der Bruch kam erst mit X299
Das ist dann der saure Apfel, in den man als Nischennutzer beißen muss. Niemand entwickelt eine Plattform exklusiv für "7 Capture Karten, die ihre Anbindung voll Auslasten, nebst Massenspeicher, aber keinen Platz mehr für Bildausgabe". 3-4 4.0-×4-Karten laufen auch auf normalen Desktop-Plattformen (sechs auch und mit aktiven Risern sogar noch mehr, aber dann kriegt man nicht mehr genug Laufwerke für die aufaddierte Datenrate bei Volllast unter). Die nächst höhere Klasse reicht eben auch bis zu Leuten, die 1+-TiB-RAM und 60 Kerne für Software-Raytraycing suchen. Sowas ist für Käufer am unteren Ende eines Bereichs immer blöd – frag mal Leute die nur ein billiges Office-System mit 70-Euro-Mainboards ala 1150 suchen, heute aber einen Sockel AM5 designed für 16-Kerner, Multi-High-End-SSD & Co bezahlen müssen.
Kurz gesagt, die Plattform X99 unterstützte beides
Kurz gesagt, die Plattform X99 unterstützte beides
Und dann der eigentliche Hammer: Das Board, auf das du dich beziehst, ist nicht einmal für die „Monster‑CPUs“ gedacht, sondern für die kleineren Quad‑Channel‑Xeons. Also nicht mal die Top‑Tier‑Workstation‑Modelle – und trotzdem bekommst du eine I/O‑Ausstattung, die im Desktop‑Bereich wie Science‑Fiction wirkt.
Das zeigt einfach, wie extrem die Segmentierung inzwischen geworden ist.