Neue Details vom Pentium-4-Nachfolger Prescott
Intel arbeitet mit Hochdruck am Pentium-4-Nachfolger "Prescott". Der Prozessor könnte ein Volltreffer werden - und AMDs Hammer im Herbst die Schau stehlen.
Im Herbst soll der aktuelle Pentium 4 in Rente geschickt werden. Dann kommt Prescott mit einer Menge neuer Features.
Intels kommender Desktop-Prozessor, den die Ingenieure zurzeit unter dem Codenamen Prescott entwickeln, soll revolutionäre Neuerungen bringen. "Wir haben die Architektur entscheidend verbessert und den Fertigungsprozess verfeinert", sagt Intel-Pressesprecher Christian Anderka. Der Pentium-4-Nachfolger soll bei seinem Debüt im Herbst neue Taktrekorde aufstellen und AMDs 64-Bit-Prozessor Hammer in die Schranken weisen.
Prescott in der Pipeline
Ähnlich wie AMD kämpft auch Intel mit der hohen Wärmeentwicklung aktueller Prozessoren (siehe PCGH 07/2003, S. 38). Der Pentium 4 erzeugt bei 3.200 MHz annähernd 80 Watt Verlustleistung - das ist bei Desktop-PCs die Grenze für leise und preiswerte Kühllösungen. Mit dem einen oder anderen Kniff wird Intel den nicht mehr ganz frischen Northwood-Kern des Pentium 4 um ein paar weitere Megahertz beschleunigen können. Doch spätestens im Herbst wird der aktuelle P4 in Rente geschickt. Dann soll "Prescott" die Führung übernehmen.
Wichtigste Neuerung ist das feinere Herstellungsverfahren. Prescott wird mit einer Strukturbreite von 90 Nanometern gefertigt, beim Pentium 4 sind es derzeit 130 Nanometer. Ein feinerer Herstellungsprozess kostet zwar enorme Summen bei der Entwicklung, ermöglicht aber deutlich höhere Taktfrequenzen. Die Abstände der Leiterbahnen werden kleiner, Elektronen sind schneller am Ziel, die Reibungsverluste sinken. Kritische Schaltungen ("Gatter") vertragen plötzlich deutlich höhere Takte. Mit dem neuen 90-Nanometer-Prozess setzt Intel erstmals auch gestrecktes Silizium ein ("strained silicon"). Damit soll der Reibungswiderstand weiter gesenkt werden, Transistoren sollen schneller schalten. "Prescott ist außerdem der erste Intel-Desktop-Prozessor, dessen Gatterplatzierung auf dem Schaltplan komplett vom Computer berechnet wurde", sagt Anderka. Damit soll der Verlauf der Leiterbahnen weiter optimiert werden. Bei der Planung älterer Prozessoren spielten PCs als Entwicklungswerkzeug zwar auch die wichtigste Rolle, Funktionsgruppen wurden aber überwiegend vom Entwickler platziert. Mit dem optimierten Prozessordesign soll Prescott nach bislang inoffizellen Angaben mit 3,4 GHz im Herbst starten und später bis zu 5 GHz erreichen.
Bessere Performance
Neben höheren Taktfrequenzen sollen größere prozessorinterne Zwischenspeicher für mehr Performance sorgen. Der L1-Datencache des Prescott wird mit 16 kByte doppelt so groß sein wie der des aktuellen Pentium 4, den L2-Cache vergößert Intel auf 1 MByte (Northwood: 512 kByte). Der neue Prozessor wird außerdem 13 neue Befehle beherrschen. Die Befehlssatz-Erweiterung wurde unter dem Namen "PNI" ("Prescott New Instructions") entwickelt; ob sich Intel später für den Markennamen "SSE3" entscheidet, ist ebenso offen wie der endgültige Name des Prescott-Prozessors (Pentium 5?). Fest steht dagegen, dass die ersten Prescotts auf den heutigen Sockel 478 passen. Wer ein aktuelles Intel-Board mit Springdale- oder Canterwood-Chipsatz besitzt, sollte nach Angaben von Intel problemlos aufrüsten können. Später, eventuell Anfang 2004, wird Intel nach unseren Informationen zum neuen Sockel T wechseln - ähnlich wie vor rund zwei Jahren vom Sockel 423 zum Sockel 478.
Reizthema TCPA
Prescott bietet als erster Prozessor eine Option für die Unterstützung von Intels Sicherheitstechnik LaGrande. Damit könnten auf Plattformen, die mit einem Trusted-Platform-Modul ausgestattet sind, erste Applikationen mit neuen Sicherheitsfeatures getestet werden. Eine breite Einführung dieser Technik ist aber nicht zu erwarten, da die nötige Software-Infrastruktur wohl erst mit den nächsten Versionen der Betriebssysteme zur Verfügung stehen wird.
Überraschung in petto
Möglicherweise enthält der Prescott-Kern noch eine weitere Überraschung. Ähnlich wie der Northwood-Kern, der schon zu Beginn die für Hyper Threading nötigen Funktionseinheiten besaß, könnte Prescott eine 64-Bit-Erweiterung enthalten. Das jedenfalls glaubt Prozessorexperte Hans de Vries. "Wir haben viele Beweise für 64-Bit-Verarbeitung im Prescott-Kern gefunden", schreibt der Chipkenner. Yamhill, Intels 32- und 64-Bit-Prozessor, der bislang nur als Gerücht durchs Internet geisterte, sei "eine Tatsache".
