Intel macht mobil: Mit der Bay-Trail-Architektur will Intel mit Android-Tablets mobile Nutzer begeistern
Batteriefresser und rechenschwach: Intels Mobilplattform Atom hatte es zu Beginn ihres Lebens nicht gerade leicht. Das änderte sich nicht zuletzt dank einer System-on-a-Chip-Variante der CPU. Mit Bay Trail, der neuesten Atom-SoC-Ausgabe, buhlt Intel vehement um den Einsatz in Android-Systemen.
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Mit dem iPad gelang Apple der bislang letzte große Wurf - der flache Rechner mit Touchscreen-Bedienung macht Laptops und Desktop-PC arge Konkurrenz. Kein Wunder, dass Intel verstärkt das Heil im CPU-Lager für Mobilplattformen sucht. Zwar feierten schon vor zehn Jahren der Centrino, 2008 dann der erste "echte" Atom-Chip Premiere. Doch beide kamen und kommen aufgrund ihres Energiehungers hauptsächlich in Subnotebooks beziehungsweise Netbooks zum Einsatz. Im letzten Jahr erschien deshalb eine Atom-System-on-a-Chip-Variante mit Power-VR-Grafikeinheit, mit der Intel die x86-Architektur als brauchbare Alternative zur marktbeherrschenden ARM-Architektur positionieren wollte. Die populären ARM-Chips stecken unter anderem in Apples iPhones und iPads, Microsofts Surface-Rechnern und dem Nintendo DS. Bay Trail, die unlängst angekündigte nächste Generation des SoC-Atoms, setzt jetzt auf Intels Ivy-Bridge-Technologie und soll damit mehr Rechen- und Grafik-Power unter anderem auch für Android-Systeme liefern, die Intel schon seit Ende 2011 unterstützt. Mazen Labban, Senior Director Android Platforms, und seine Kollegin Latha Ramanan, Senior Marketing Manager, verrieten in ihrem IDF-Vortrag "Tablets with Android and Intel Atom Processors", warum sich Bay-Trail-Chips ihrer Meinung nach besonders gut für Android-Tablets eignen.
Intel mach mobil: Fertigung in 22-Nanometer-Technologie
Was die Hardware angeht, ist Bay Trail - übrigens der Tablet-Zweig von Intels neuer Silvermont-Architektur - in fast jeder Hinsicht besser als der gerade knapp ein Jahr alte Vorgänger Clover Trail aufgestellt. Maximal vier statt zwei CPU-Kerne, eine um 20 Prozent gesteigerte CPU-Frequenz von bis zu 2,4 GHz, Intel HD Graphics (bis zu 667 MHz) statt des Power-VR-Chipsatzes SGX544MP2 (bis zu 533 MHz), eine höhere Bildschirmauflösung, Unterstützung von bis zu vier statt nur bis zu zwei GByte Speicher sowie USB 3.0 statt 2.0 - der in sechs "Geschmacksrichtungen" erhältliche Z3000-Prozessor muss sich vor der Konkurrenz nicht verstecken. Zur Architektur gehören außerdem Unterstützung für Bluetooth, WiFi und LTE, ein GPS, zwei Kameras, HDMI-, Touchscreen- und SD-Card-Support. Um Herstellern zu zeigen, wie ein Bay-Trail-Android-Tablet aussehen kann, entwarf Intel ein Referenzdesign, dass uns Mazen Labban begeistert vorstellt. Das Tablet misst 243 mal 151 Zentimeter, wiegt rund 520 Gramm und ist weniger als neun Millimeter dick. Möglich wird das durch die Fertigung in 22-Nanometer-Technologie beziehungsweise den Einsatz von Tri-Gate-Transistoren, die bei Intel ihre planaren Kollegen aufs Altenteil schicken.
Mazen Labban liefert noch ein paar Daten mehr: Bei niedrigem Energieverbrauch soll ein Silvermont-Chip eine um ein Drittel höhere Leistung liefern und gleichzeitig im Ruhezustand 50 Prozent weniger Strom verbrauchen. Außerdem verwaltet das System seinen Energiebedarf dynamisch: Benötigt es viel CPU-Leistung, schraubt es die GPU-Reserven zurück, verlangt eine Anwendung besondere Grafik-Power, muss die CPU einen Gang kürzer treten. Verglichen mit ARMs Cortex A15 - in Googles Tablet Nexus 10 und Samsungs Chromebook Series 3 verbaut - besitzt Silvermont drei Energiezustände mehr, nämlich fünf. Der A15 kennt nur "Aus", "Aktiv" und einen "Energiesparmodus", die fünf aktiven Silvermont-Zustände erlauben differenziertere Ruhemodi und damit auch längere Batterielaufzeiten: über acht Stunden Videowiedergabe und etwa drei Wochen im Standby.
Intel macht mobil: Noch in diesem Herbst sollen die ersten Android-Produkte erscheinen
Dass Intels SoC-Chips eine ernsthafte Alternative für Android-Nutzer sind, davon ist Latha Ramanan überzeugt. Schon 2012 gab es Medfield-Smartphones, Asus und Samsung haben Atom-Tablets im Angebot. Und jeden der Anwenderwünsche "Gute Kameras", "Videos aus dem Internet streamen", "Große Auswahl von Anwendungen für das System", "Soziale Netzwerke und Websurfing", "Kompakt und handlich" sowie "Qualitativ hochwertiger Bildschirm" soll die Z3000-Serie berücksichtigen - mit Geräten mit einer Bildschirmdiagonale von sieben bis elf Zoll. Entwickler will Intel mit Middleware, Treibern und Optimierungsanwendungen unterstützen. Noch in diesem Herbst sollen die ersten Android-Produkte mit Bay-Trail-Architektur erscheinen. Und geht es nach dem Willen von Mazen Labban und Latha Ramanan, wird der Android-Markt weiterhin exponentiell anwachsen: Allein die Systeme bis 250 Dollar machen in diesem Jahr schon 66 Prozent aller verkauften Geräte aus.

oder aufrollen
Und für die Größe nur 520 Gramm schwer...^^