Intels "Real World Performance"-Marketing sorgt für Diskussionsstoff
Mit seinem Auftritt auf der IFA sorgte Intel für einigen Wirbel. Nicht etwa, weil man spannende Neuigkeiten verriet. Man bestätigte nur den Core i9-9900KS und Cascade Lake X für den Oktober 2019. Viel mehr wegen der Folien, die das Marketing-Team zusammenstellte und die nicht nur einen Seitenhieb auf AMD enthielten.
Schon beim Core i9-9900KS konnte man sich nicht verkneifen zu betonen, dass es hier echte 5 GHz Boost gibt - ein Affront gegen AMD, wo man Probleme mit den Durchschnitts-Boost der Ryzen 3000 eingestehen musste und dies nun per UEFI-Update zurechtrücken will. Auch sonst zeigte sich Intel in Berlin angriffslustig.
Unter dem Stichwort "Real World Performance" wird noch mal kräftig für die eigenen Produkte geworben und auf diversen Folien die Messergebnisse diverser Outlets herangezogen und Schwächen der eigenen Produkte gekonnt ausgelassen. Nichts anderes darf man vom Marketing erwarten, die genau dafür bezahlt werden. Interessant ist es aber trotzdem, dass sich Intel so angriffslustig zeigt - oder so dünnhäutig, wie Kritiker vielleicht meinen mögen. So oder so ist die Situation gut gewürzt. Das Marketing war sogar so schlau, potenziell streitbare Messergebnisse auszusparen.
All das führte aber dann doch zur Aussage von Intel, dass man Cinebench nicht ernst nehmen kann, weil es kein "Real World"-Szenario ist. Nur 0,22 Prozent der Nutzer würden laut einer Umfrage von Intel Cinebench nutzen. Davon wiederum soll eine erkleckliche Zahl auf Tablets und Notebooks unterwegs sein und Cinebench zur Bloatware gehören. Im Vlog von "der8auer" kommt Intel damit nicht gut weg und generell muss man schon sagen, dass das Marketing den Bogen hier etwas überspannt.
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Denn am Ende geht es nur darum, Ergebnisse schlecht zu reden, in denen AMD potenziell sehr gut dasteht. Das sind nun mal massiv parallelisierte Anwendungen wie Cinebench, wo Ryzen 3000 Intel gefährlich wird. Und auf der anderen Seite stellt man Benchmarks zu Schau, die Ice Lake mit Picasso vergleichen und auch hier gilt wieder: Ja, das Marketing wird dafür bezahlt und für Fairness gibt es keine Bonuspunkte, aber souverän würden es wohl die wenigstens nennen, die man nach einer Meinung fragt. Entsprechend kritisch greift auch das 3DCenter das Thema auf, wo man auch die Frage aufwirft, was es denn soll, das eigene Portfolio seitenlang gegen ARM-Prozessoren zu vergleichen. Arg konstruiert wirkte auch die Aussage zu Cascade Lake X, wo man von "doppelter Performance pro Dollar" sprach.
Solches Marketing ist gewiss unterhaltsam, in Foren dürfte es die Gräben aber auch noch tiefer werden lassen, als sie ohnehin schon sind. Den Seitenhieb bezüglich des Boost-Taktes mögen viele noch mit einem Augenzwinkern genommen haben, aber selten sorgte eine Präsentation wegen ihrer Vergleiche für so viel Aufmerksamkeit. Im Anschluss ist die komplette Präsentation zu sehen.

Komplette Rollenumkehr: Intel definiert sich neuerdings dadurch, der Angreifer gegen AMD zu sein.
Finde ich aber gut. Egal wie doof das Marketing-Getöse (von beiden Seiten!) manchmal ist, es ist gleichzeitig das Zeichen für echten Konkurrenzkampf. Und davon profitieren wir als Kunden.
Haha... geil.
Ich wusste ja dass die Firma sehr ambitioniert ist. Sie wollen einfach überall die besten sein. Selbst wenns darum geht wer das schlechteste Marketing hat.... offensichtlich haben sie sich auch hierbei entschieden den Platz 1 AMD auch noch streitig zu machen
Tja dieser Marketing Glücksgriff dürfte nur der Anfang gewesen sein.
Intel Finally Admits It Lost Market Share To AMD, Vows To Get More Aggressive
Dürfte an den Cache-Zugriffen liegen.
Ich selbst habe seit einigen Jahren keine Apple Produkte mehr gekauft, aber nicht wegen einer generellen Abneigung, sondern aus konkreten Einzelgründen. Ich gehe aber auch nicht rum und sage, "ich kaufe grundsätzlich keine Apple-und Intel-Produkte!". So etwas zeigt immer eine Agenda, und auch wenn ich sie evtl. manchmal missverstehe, so finde ich diese Einstellung (die auch in meinem Freundeskreis durchaus vorhanden ist) als viel zu dogmatisch, vor allem wenn einige Menschen ihr selbstverständnis darauf gründen, was sie kaufen und was nicht.
Das ist genau wie die Typen, die nie etwas anderes als Apple kaufen würden, weil sie ihr Selbstverständnis auf genau diese Marke und ihre Anwender gründen.
Ich kann bei solchem Verhalten ganz generell nur mit dem Kopf schütteln. Das ist nicht viel anders als die Kids, die die Schuhe oder Klamotten einfach von Marke xy brauchen, weil die gerade sooo hip ist.
Zum Thema:
Ich verteidige Intels Präsentation übrigens in keiner Weise. Das ist natürlich pures Marketing und auch absolut aus der Defensive heraus geschrieben. Ich würde nicht so weit gehen, dass Intel "verzweifelt" ist, wie immer wieder geschrieben wird, davon in Intel noch Galaxien entfernt. Aber natürlich will man den Schaden durch die erstarkte Konkurrenz in Grenzen halten, das ist doch nur natürlich.