Chipentwicklung: Jim Keller über neue und aufgebohrte Architekturen
Der bekannte Mikroprozessor-Ingenieur Jim Keller gewährte in Lex Fridmans AI Podcast interessante Einblicke in die Entwicklung von Prozessoren. Keller, der zuletzt bei Intel tätig war, ging unter anderem auf die Risiken zu langer Lebenszyklen ein. Wer eine Architektur immer nur verbessert, sei zwar kurzfristig fein raus - riskiere aber langfristig das größere Desaster.
Jim Keller, der wohl bekannteste Mikroprozessor-Ingenieur unserer Zeit, stand Lex Fridman im Rahmen eines eineinhalb Stunden langen AI Podcasts Rede und Antwort. Im Podcast äußerte sich Keller unter anderem zum Lebenszyklus einer Prozessorarchitektur. Eine Leistungssteigerung von zehn Prozent sei beispielsweise recht einfach umzusetzen. Man müsse sich lediglich noch mal hinsetzen und die Zahl der Exekution Units erhöhen: ein zusätzlicher Buffer hier, mehr Cache dort und so weiter und sofort.
Dieses Vorgehen hat aber seine Grenzen. Irgendwann komme man an einem Punkt, an dem es nicht mehr sinnvoll sei, ein Design weiter aufzublähen. Komplexität, Chipgröße und Verbrauch nehmen laut Keller ab einem gewissen Punkt Überhand. Ein verschachteltes Design ergebe auch wirtschaftlich keinen Sinn mehr. Üblicherweise würde man daher aller drei bis fünf Jahre ein neues Prozessor-Design aus der Traufe heben.
Architekturen zu verbessern, sei nur zeitweise sinnvoll
Laut Keller sei es wirtschaftlich durchaus sinnvoll, das bestehende Rezept immer nur zu modifizieren. Anfangs sei es kostengünstig und funktioniere auch einige Zeit. Ein neues Design von Grund auf zu entwickeln, sei demgegenüber mit hohen Investitionen verbunden. Finanziell also durchaus ein kleines Desaster. Wenn man zu lange an einem Design festhält, wenn Manager zu sehr in Quartalen denken, riskiere man jedoch ein sehr viel größeres Desaster. Irgendwann halte man mit der Konkurrenz nicht mehr Schritt.
Techpowerup, die Teile des Podcasts zusammengetragen haben, wagt nun die Prognose, dass Kellers Wirken bei Intel - wo es zuletzt keine größeren architektonischen Fortschritte mehr gab - bald Früchte trägt. Keller leitete im Hause Intel bis vor Kurzem die "Systems Architecture and Client Group". Mitte Juni wurde bekannt, dass er aus persönlichen Gründen von seinem Posten zurücktritt - allerdings noch sechs Monate als Berater zur Verfügung stehen wird.
Keller merkt laut Techpowerup auch an, dass man Teams, die man mit der Entwicklung neuer Architekturen oder Teilen davon beauftragt, nicht unendlich vergrößern kann. Es erwachse aus großen Arbeitsgruppen nicht automatisch mehr "Rechenkraft". Zehn Personen könnten beispielsweise hervorragend miteinander arbeiten, auch 100, wenn sie von einem einzelnen Supervisor gut geführt werden. Der sinnvollen Zusammenarbeit und Kommunikation seien aber auch Grenzen gesetzt.
Manchmal könne man auch die genialsten Köpfe in seinem Team haben, müsse aber feststellen, dass sie einfach nicht zusammenpassen. Die hohe Spezialisierung führe auch dazu, dass bestimmte Akteure im Laufe des eigentlich noch laufenden Design-Prozesses nicht mehr benötigt werden, weil genau der Teil, den sie zu verantworten hatten, bereits voll ausgereizt werden konnte.
Mehr zum Thema: Prominenter Abgang bei Intel: Jim Keller verlässt Intel mit sofortiger Wirkung
Jim Keller gilt als einer der profiliertesten Chipentwickler. Er hatte bereits an AMDs K7 mitgewirkt und brachte als Chefarchitekt die Entwicklung von AMDs K8 (Sledgehammer) maßgeblich voran. Später arbeitete er bei Apple an iPhone-ARM-Prozessoren, kehrte aber 2012 zeitweise zurück zu AMD. Nachdem er bei Tesla die Entwicklung von Autopiloten vorantrieb, wechselte er im April 2018 zu Intel. Diesen Posten gab Keller vergangenen Monat aus persönlichen Gründen auf.
Quelle: Lex Friedman via Techpowerup

Er hat den AMD K8 mit entwickelt, der war ewig lange am Markt und wirklich gut.
Aber alles vom K8 bis zum K10.5 war im Grunde die gleiche Architektur wo nie alt so viel gemacht wurde. Hauptsächlich Kerne und Takt haben sich geändert und hin und wieder ein besseres Fertigungsverfahren. An und für sich aber alles recht ähnlich ohne große Revolution.
Bei Intel sieht man es jetzt extrem gut.
Skylake -> Kaby Lake -> Coffee Lake -> Coffee Lake Refresh -> Comet Lake
Alles die gleiche Architektur wo sich so gut wie gar nichts getan hat. Außer ein paar Kerne mehr tat sich gar nichts.
Bei AMD hat man jetzt zwar das Chiplet Designe, aber mit jeder Generation gibt es Verbesserungen die merkbar sind. Bei gleicher Kern Anzahl und Takt gibt es zum Teil massiv mehr Leistung von einer CPU zur nächsten.
Ein 3970X ist je nach Anwendung zum Teil mehr als doppelt so schbell wie ein 2990X und das mit kleinen verbesserungen.
Jetzt kommt noch ein 3995X mit Okta Channel.
Bei AMD tut sich aktuell gefühlt am markt mehr als bei Intel, ich denke aber auch das es in Zukunft bald wieder anders aussieht und Intel auch mal wieder abliefert.
Keller hat nur das Team geleitet.
Bitte nicht zitieren, dann sehe ich den Mist auch noch trotz Igno, ...... oder argumentieren. Da ist jedes Argument zu schade.
Hier beschreibt Keller sogar selbst seine Aufgaben und sein Team: Jim Keller Talks About AMD's Upcoming Zen And K12 Cores - YouTube