PC-Fiasko Batman: Arkham Knight - So etwas darf sich nicht mehr wiederholen, meint Thilo Bayer
Die PC-Version von Batman: Arkham Knight ist eine Katastrophe, das ist jetzt amtlich. Publisher Warner hat das nun endlich auch erkannt und den Verkauf eingestellt - bis eine Version des Spiels existiert, die der Qualität eines Vollpreisspiels eines großen Publishers würdig ist. Hoffentlich lernen andere große Publisher und Entwickler aus diesem Fiasko, meint der PCGH-Chefredakteur Thilo Bayer.
Quelle: PC Games Hardware
PC-Fiasko Batman: Arkham Knight - So etwas darf sich nicht mehr wiederholen, meint Thilo Bayer
Heute früh saß ich beim Frühstück und dachte noch: Wenn ich ins Büro komme, schreibe ich mir den Frust von der Seele zum Thema PC-Version von Batman: Arkham Knight. Was da seit Dienstag alles passiert ist (regelmäßige PCGH-Leser haben die Entfaltung des Dramas live mitverfolgt und kommentiert), sollten jeden PC-Spieler auf die Barrikaden bringen. Was ich da noch nicht wusste, war, dass Warner nun die Reißleine gezogen hat und Batman: Arkham Knight nun nicht mehr zum Verkauf anbietet – endlich. Es ist tatsächlich das einzig Richtige, was Warner in dieser Situation noch tun konnte. Wobei sich natürlich die Frage stellt, was die Käufer (und es sind offenbar nicht wenige) machen sollen, die sich schon mehr als zwei Stunden mit dem bugverseuchten Spiel herumgeschlagen haben (in der Hoffnung, es kommt schnelle Hilfe) und das Spiel nach Steam-Richtlinien nun nicht mehr zurückgeben können.
Eigentlich hätte dieses Spiel niemals in den Verkauf gehen dürfen, das muss ganz klar gesagt werden. Was auch immer in der Produktions- oder Kommunikationskette zwischen Publisher Warner, Hauptentwickler Rocksteady, Nebenentwickler Iron Galaxy sowie Nvidia und AMD als Treiberentwickler passiert ist, es hat verheerende Folgen. Wir reden hier nicht von einem Indie-Titel wie Survival: Ark Evolved, das mit Performanceproblemen zu kämpfen hat, sondern von einem "Big-Budget-Spiel" eines Studios mit über 100 Entwicklern. Rocksteady, Hauptentwickler von Batman: Arkham Knight, schreibt auf seiner Webseite, dass "Qualität das Rückgrat jedes Stück Arbeit ist, das Rocksteady verlässt". Dieses Credo sollte bitte aber auch für Arbeiten gelten, die man an ein anderes Studio auslagert. Es ist ja durchaus üblich in der Branche, dass u. a. PC-Fassungen in anderen Studios entstehen. Aber wie bei jedem Projekt müssen auch Planung, Steuerung und Kontrolle (!) sauber durchgeführt werden, damit das Endergebnis stimmt.
Die ganze Art und Weise, wie Warner und Rocksteady seit dem PC-Release mit der Situation umgehen, deutet aber eher darauf hin, dass eben KEINE ausreichende Kontrolle stattgefunden hat. Zuerst gab es nur eine lauwarme Stellungnahme, dass es "einige" User gibt, die über Performanceprobleme mit der PC-Version berichten und dass man sich dessen bewusst sei. Dann veröffentlichte man offenbar ernsthaft gemeinte Tuning-Tipps, die unter anderem nahelegten, dass man doch bei Minimal-Hardware bitte 720p einstellen solle – bei einem 30-Fps-Spiel, wohlgemerkt. Nicht minder veräppelt dürften sich Besitzer einer Radeon-Grafikkarte fühlen, denen man als Empfehlung ernsthaft riet, doch alle Details auf "niedrig" zu stellen. Zwischenzeitlich kam auch noch heraus, dass in der PC-Fassung von Batman: Arkham Knight bestimmte, z. B. auf der PS4 vorhandene Grafikeffekte schlichtweg fehlen oder einfach schlechter aussehen. Von den ganzen Mutmaßungen drumherum (exemplarisch: das DRM von Denuvo sei an allem schuld, Nvidia würde 60-Fps-Videos nur durch schnelleres Abspielen erreichen, bei Gameworks sei nur DirectX 10 aktiv usw.) mal ganz abgesehen.
Hier sehen einfach alle Beteiligten schlecht aus - und der ehrliche Kunde ist der Depp. In der Redaktion haben wir versucht, Stellungnahmen von Warner, Nvidia, AMD und Denuvo zu erhalten, aber niemand wollte sich äußern. Man kann wirklich nur hoffen, dass alle Entwickler und Publisher da draußen genau aufgepasst haben, was bei der PC-Fassung des neuen Batmans alles schief lief – damit sich so etwas niemals wiederholt. Ubisoft will aus dem Drama von AC Unity gelernt haben und hat für AC Syndicate ein eigenes Team für die PC-Fassung beauftragt. Hoffen wir, dass das keine Lippenbekenntnisse sind, denn eigentlich hätte Ubisoft schon nach Watch Dogs entsprechend reagieren müssen.
Die vielen miesen PC-Umsetzungen in den letzten Jahren führen in der Konsequenz dazu, dass man (leider) eingehend davor warnen muss, PC-Spiele vorzubestellen oder zum Release zu kaufen. Das ist an sich keine neue Erkenntnis, aber trotzdem gibt es natürlich viele Fans einer Serie oder eines Spiels, die gleich zu Beginn dabei sein wollen. Das ist auch mehr als verständlich. Aber diesen Vertrauens- und Geldvorschuss durch die Spieler haben leider nicht alle Entwickler/Publisher verdient. Genau darum geht es jetzt: PC-Spieler müssen zeigen, dass sie schlechte Arbeit nicht honorieren, indem sie aufhören, Spiele vorzubestellen. Auf der Gegenseite sollten Entwickler/Publisher endlich anfangen, wieder verloren gegangenes Vertrauen aufzubauen.
Man muss aber einfach sagen, dass der PC tot ist ... zumindest für Spiele, die für die Konsole zuerst entwickelt werden, auch wenn die Spielezeitschriften es nicht wahrhaben wollen (und Grafikkarten-Hersteller)... Die Spiele-Hersteller schauen immer mehr auf den lukrativeren Markt, wenn ich ein Spiel auf der Konsole zum Start für 69.- Euro anbieten kann also 10-20 Euro in der Regel mehr als für den Straßenpreis bei der PC-Fassung, dann ist klar wem ich hier als unternehrmerisch denkender Mensch den Vorzug gebe (die Gewinnmaximierung ist man dem Unternehmen, seinen Mitarbeitern und seinen Aktionären halt schuldig ...).
Für den PC lager ich die Entwicklung dann zu kleinen billigen Studios aus, deren Entwickler zumeist zugekaufte Kräfte in Indien sitzen haben (der Entwickler-Markt ist eh leergefegt für die diversen großen Konsolen-Projekte auf die die Preferenz derzeit liegt) und das Ergebnis sieht dann auch jeder hier z.B. an Arkham Knight, weil hier die Kommunikation einfach nicht stimmt und es quasi keine Qualitätskontrolle gibt. Warner war aber wenigstens so Konsequent und macht es nicht so wie UBI-Soft und patched sich zu tode sondern nimmt das Spiel erstmal aus den Regalen. Gut so wenigstens im Nachhinein besseres Verhalten gezeigt als andere Hersteller.
Übrigens war das bei Warner schon immer das Credo ... auch schon bei den Batman-Filmen. Als Joel Schumacher das Franchise total lächerlich gemacht hat mit seinem Batman & Robin-Film, hat Warner trotz relativen kommerziellen Erfolges damals reagiert und mit Batman Begins von Nolan einen großartigen Neuentwurf umsetzen lassen. Also geben wir die Hoffnung nicht auf, dass uns vielleicht doch noch ein großartiges Spiele-Erlebnis auf dem PC erwartet, wenn Rocksteady hier vielleicht nochmal selbst Hand anlegt an die Entwicklung der PC-Umsetzung.
Manchmal tut es einfach gut wenn einer für einen Schreit.
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So kamen wir dieses Jahr auf der E3 in den schrägen Genuss von Batman am Warner-Stand, während auf dem Heimweg in der U-Bahn die komplette Station für den wenige Tage später stattfindenden Launch gebrandet war. Vielleicht hat da die Marketingabteilung gesagt: "Jetzt haben wir die ganzen teuren Flächen gebucht, jetzt kommt das Spiel bitte auch raus."