Chipmangel ohne Folgen: Autohersteller noch mit Rekordgewinnen

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Chipmangel ohne Folgen: Autohersteller noch mit Rekordgewinnen (1)
Quelle: VW

In einer Analyse der Geschäftszahlen zum dritten Quartal 2021 zeigt sich, dass die 16 größten Autohersteller Rekordgewinne eingefahren haben. Die heile Welt wird jedoch durch den Chipmangel getrübt.

Vor wenigen Tagen äußerte sich der Chef der VW-Group Herbert Diess verhalten optimistisch, dass man hoffentlich bald das Schwierigste geschafft habe. Die Rede ist vom weltweiten Halbleitermangel, der alle Autohersteller betrifft und zu langen Lieferzeiten sowie zu unfertigen Autos führt, wie das Beispiel Tesla aufzeigt. Trotz dieser Meldungen können sich die weltgrößten Autokonzerne über satte Gewinne im dritten Quartal 2021 freuen, während die Zulieferer leiden, so die Analyse der Unternehmensberatung PWC. Hierbei wurden neben 16 Autokonzernen auch die Geschäftszahlen von 494 Zulieferern ausgewertet.

Sonderausstattungen und Rabatte werden gestrichen

Zwar bricht die Zahl der ausgelieferten Neuwagen um 16 Prozent im dritten Quartal 2021 ein, doch die 16 größten Autokonzerne haben so viel Gewinn erwirtschaftet, wie nie zuvor. Hier kommt zum Tragen, dass die rar verfügbaren Halbleiter nur in teure Modelle verbaut wurden, mit denen die Autohersteller mehr Marge machen, als etwa mit Kleinwagen. Zudem streichen viele Marken aktuell die Rabatte, sodass beispielsweise Kunden bei BMW zum Listenpreis kaufen müssen. All das steigert die Marge pro verkauftes Fahrzeug und kommt als Gewinn bei den Autoherstellern an.

Allerdings stellt sich bei den Autoherstellern keine richtige Feierlaune ein, denn es ist zu befürchten, dass der Chipmangel auch noch im nächsten Jahr anhält und irgendwann einfach zu wenig Chips verfügbar sind. Bei BMW bekommt man etwa nur noch einen Touchscreen ohne Touch-Funktion ausgeliefert. Der Erzrivale Mercedes-Benz streicht gar etliche Optionen, vor allem bei den günstigen Kompaktwagen A-Klasse, CLA, GLA und GLB, sodass etwa eine elektrische Sitzverstellung mit Memory-Funktion nicht mehr bestellbar ist. Die kaum verfügbaren Chips werden lieber in teure, margenträchtige Modelle und in Elektroautos gesteckt.

Zulieferer befinden sich mitten in Krise - VW nutzt Samsung Exynos statt Qualcomm-Chips

Die Zulieferer stecken bereits mitten in der Krise und das wird sich später auch auf die Autohersteller auswirken, da alle Autohersteller mehr oder weniger stark von Zulieferunternehmen wie Bosch, Continental, Mahle, ZF Sachs & Co. abhängig sind. Bereits jetzt kämpfen viele Tier-Supplier mit steigenden Rohstoff- und Energiepreisen sowie der immer weiter fortschreitenden Elektrifizierung der Autos. Falls sich die Lage nicht schnell entspannt, müssten wohl einige Zulieferer härtere Restrukturierungsmaßnahmen erlassen und letztlich Mitarbeiter entlassen. Manche Zulieferer könnten gar gänzlich vom Markt verschwinden.

Bei VW ist die Lage derart angespannt, dass man nun direkte Lieferverträge mit Chipherstellern schließt und gar überprüft, ob eine eigene Halbleiterfertigung sinnvoll sein könnte. Noch in diesem Jahr will Volkswagen etwa beim Golf 8 den Chipsatz vom Radio-/Navisystem wechseln und statt auf Qualcomm auf Samsung Exynos setzen, wie es bereits beim Elektroauto ID.5 der Fall ist. Hierbei wird es sich um den Samsung Exynos Auto V9 handeln, welcher acht Cortex A76 sowie eine Mali-GPU G76 MP18 offeriert und im 8-nm-Fertigungsverfahren gebaut wird. Folglich stellt auch VW auf Samsung-Chips um, so wie es Audi bereits seit dem Jahr 2019 mit dem E-tron vormacht. So soll sich die Lieferbarkeit und die Performance des Infotainmentsystems verbessern. BMW setzt dagegen weiterhin auf Qualcomm-Chips, wobei man auf den Tier-1-Supplier Garmin zurückgreift, der die Bauteile für die Münchner einkauft und liefert. Mercedes wiederum vertraut auf die Partnerschaft mit Nvidia. Neben den SoCs für Infotainmentsysteme und Bordcomputer, werden aber auch etliche Chips zur Steuerung verschiedenster Bauteile, etwa zur elektrischen Sitzverstellung oder für Assistenzsysteme benötigt, die in vergleichsweise alten Strukturbreiten gefertigt werden. Die meisten Chips für Assistenzsysteme & Co. basieren auf Architekturen von 45 bis 90 Nanometern. Derartige Strukturbreiten gab es vor ungefähr einem Jahrzehnt bei Computern. Im Automobilbereich laufen die Uhren eben anders. Hintergrund hierfür sind einerseits Kosteneinsparungen und andererseits die Robustheit der Hardware, da diese Extrembedingungen aushalten muss.

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Ebenfalls lesenswert: Chip-Mangel: Intels Hilfe nutzt Autohersteller wenig

Sammlung zum Chipmangel bei Autoherstellern & Zulieferern:

  • Die 16 weltgrößten Autohersteller konnten im dritten Quartal 2021 Rekordgewinne einfahren und das, obwohl weniger Autos ausgeliefert wurden.
  • Um die Marge hochzuhalten, werden die knappen Halbleiter vorrangig in teure Modelle und in Elektroautos verbaut. Zudem geben einige Autobauer gar keine Rabatte mehr.
  • Viele Zulieferer stecken bereits in der Krise, die dann früher oder später auch die Autohersteller erreichen wird.
  • Bei VW ist die Lage beispielsweise derart angespannt, dass man nun direkte Lieferverträge mit Chipherstellern schließt und gar überprüft, ob eine eigene Halbleiterfertigung sinnvoll sein könnte. Zudem verbaut man ab Ende des Jahres SoCs von Samsung, statt von Qualcomm.

Quellen: Heise Autos, PWC, Garmin, Sammobile, Bimmertoday, MBPassionBlog

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    • Kommentare (17)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von wuselsurfer Kokü-Junkie (m/w)
        Zitat von PCGH_Torsten
        Es gibt aber noch einen zweiten, weniger greifbaren Grund für Inflation: Sie ist gewollt und wird notfalls künstlich herbeigeführt.
        Der Wikipediaartikel dazu ist Spitzenklasse:
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        Ich hab ihn komplett durchgelesen.
        Sogar die Quellen und Querverweise sind lesenswert
      • Von wuselsurfer Kokü-Junkie (m/w)
        Zitat von PCGH_Torsten
        Es gibt aber noch einen zweiten, weniger greifbaren Grund für Inflation: Sie ist gewollt und wird notfalls künstlich herbeigeführt.
        Der Wikipediaartikel dazu ist Spitzenklasse:
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        Ich hab ihn komplett durchgelesen.
        Sogar die Quellen und Querverweise sind lesenswert
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Zitat von wuselsurfer
        Die Inflation ist eigentlich ein Anachronismus im Kapitalismus.
        Da die Waren aufgrund der ständigen Rationalisierung immer weniger Wert sind (Tauschwert), müßte ja alles billiger werden.

        Warum nur ist das nicht so?
        In vielen Bereichen ist das durchaus so. Was kostet eine Rechenmaschine mit der Leistung eines Athlon 1000? Soviel wie ein gebrauchtes Einsteiger-Smartphone von vor fünf Jahren (="geschenkt" inklusive "Monitor"). Vor 20 Jahren hätte man eine gut vierstellige Summe dafür auf den Tisch legen müssen, vor 30 Jahren (als es besagten Athlon noch gar nicht gab) eine 5- bis 6-stellige. Damals hätte sich auch kaum jemand eine interkontinentale Flugreise leisten können, heute ist die Karibik für 80-90 Prozent der Bevölkerung in Reichweite. (Auch wenn 30-50 Prozent lieber in die günstigere Türkei fliegen – wo man vor 30 Jahren nur mit dem PKW nach Norditalien gekommen wäre.)
        Gleichzeitig haben sich aber auch die Anforderungen gewandelt: Anstatt das Gleiche für weniger haben zu wollen, verlangen die Leute heute das x-Fache, was natürlich entsprechend kostet. Über Löhne und Lohnkosten wirkt sich dass auch auf Produkte aus, die eigentlich gleich teuer bleiben sollten. Kartoffeln zu Beispiel produziert man heute kaum anders als vor 20 Jahren, aber heute will der Bauer eben genug damit verdienen, um eine Playstation 5 und nicht nur eine Playstation 1 bezahlen zu können. Entsprechend verlangt er mehr für seine Kartoffeln.

        Es gibt aber noch einen zweiten, weniger greifbaren Grund für Inflation: Sie ist gewollt und wird notfalls künstlich herbeigeführt.
        Dass die Preise jedes Jahr steigen, motiviert zum Konsum – wenn du dein Geld nicht jetzt ausgibst, bekommst du nächstes Jahr weniger dafür. Was dagegen in einer Deflation passiert, bei der die Preise stetig fallen, kann man bei Kryptowährungen beobachten: Jeder hortet soviel, wie er nur kann, in der Hoffnung, dass seine Tokens nächsten Monat mehr wert sind als in diesem. Aber gleichzeitig beobachtet auch jeder sorgfältig, ob sich nicht ein Ende der Deflation abzeichnet und sobald das passiert, will jeder so schnell verkaufen wie nur irgendwie möglich. Das Ergebnis sind extreme Preisschwankungen, die schon bei einem virtuellen Nischen-Spekulationsobjekt schwerwiegende Auswirkungen haben – versuch mal eine Grafikkarte zu kaufen. Der gleiche Kursverlauf bei einer Alltagswährung wäre absolut tödlich. Nicht nur im metaphorischen Sinne für die Wirtschaft, die nichts mehr produzieren könnte, sondern auch im wortwörtlichen Sinne: Du willst nicht, dass der Bauer umgekehrt auf den nächsten Kursrutsch wartet, weil er wegen Deflation im Moment zu wenige Euro/Bitcoin für seine Kartoffeln bekommt. Du willst jetzt deine Kartoffel zu einem "normalen" Preis kaufen können, weil du jetzt Hunger hast. Unter anderem um das sicherzustellen sorgt die EZB mittlerweile mit Strafzinsen dafür, dass es eine ganz schlechte Idee ist, viele Euros einfach nur rumliegen zu lassen, bis sie "mehr wert sind".
      • Von wuselsurfer Kokü-Junkie (m/w)
        Zitat von Blackvoodoo
        Natürlich machen wir Pausen.
        Natürlich ist das gar nicht.
        In der Fahrzeugelektrik (Zweigwerk von FER Ruhla) bei uns gab es keine Bandpausen.
        Das Band lief ständig durch.
        Bei Pause arbeiteten andere Mitarbeiter für Dich.

        Zitat von Blackvoodoo
        Subbotnik, noch nie gehört.
        Das war ein angeblich "freiwilliger" Arbeitseinsatz in der Produktion in der DDR früher am Sonnabend (russisch Subbota = Sonnabend).
        Und wehe, Du warst nicht freiwillig da
      • Von Blackvoodoo Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von wuselsurfer
        Macht ihr wirklich Bandpausen?
        Von Porsche Leipzig weiß ich es.

        Das heißt Subbotnik.
        Natürlich machen wir Pausen.
        Aktuell sieht es so aus
        Arbeitsbeginn 5:50 Uhr
        1. Pause 7:30 - 7:45 Uhr
        2. Pause 9:00 - 9:15 Uhr
        3. Pause 10:30 - 10:45 Uhr
        4. Pause 12:00 - 12:30 Uhr
        5. Pause 13:40 - 13:50 Uhr
        Feierabend 14:55 Uhr

        Das selbe dann für die Spätschicht (14:55 - 0 Uhr) die Zeiten spare ich mir jetzt aber.

        Subbotnik, noch nie gehört.
      • Von HomeboyST Software-Overclocker(in)
        Zitat von VeriteGolem
        Und die Inflation würgt jetzt auch bald den Verkauf der teuren Modelle ab. Die Hersteller müssen einfach umdenken. Weniger Ressourcenverschwendung. Weniger sinnlose ********************* wie ein Digitaltacho. Smart Engineering. Fortschritt durch Umdenken. Da waren wir Deutschen mal gut drin. Das Opa Heinz in seinem Benz jetzt nicht mehr die Hämorrhoiden gewärmt kriegt von 20 chipgesteuerten Heizzonen tut mir aber leid.

        Und das Auto vielleicht auch mal nachhaltiger Denken. Warum kann ich jede Waschmaschine bei Media Markt abgeben, aber die Autohersteller sind nicht verpflichtet die Dinger zu recyceln die sie verkaufen? Warum immer noch Jahreswagen, Leasing und so ein Quatsch. Das Auto so bauen das es auf 20 Jahre Nutzung ausgelegt ist. Nicht 3-4 wie heute. Würde auch die absurden Preise von 30k + für einen Kompaktwagen rechtfertigen. Die ganze Disco mal von den Armaturen knallen. Den ganzen Entertainment Müll der nur dafür sorgt das die Leute nicht mehr auf die Straße glotzen, die Elektronik wirds schon richten.

        Und da ist es auch Zeit mal Ressourcenschleudern wie den sinnlosen SUV zu überdenken. Niemand braucht sowas. Ist der Allwetterreifen der Autos. Sommers wie Winters *********************. Bauern und Förster dürfen Geländewagen kaufen, alles andere fährt maximal nen sparsamen Kombi. Man braucht keinen Bus+noch was für die Mutti wenn man es geschafft hat sich ein mal fortzupflanzen. Wir sind früher im Kugelporsche zu 5 an die Ostsee gefahren. Die tun mir null leid. Müssen sie wieder Leute entlassen. Buhu. Umschulen. Waschlappen. Ab in die Pflegeheime, da sieht dann son Werker mal wie richtige Arbeit aussieht.
        Jup, Pferdekutsche und Lastenrad.

        So geht Fortschritt.

        Wahnsinn was heutzutage in so vielen Köpfen reumgeistert.

        P.S. Ganz verrückt ich weiß, doch zingt einem niemand einen SUV oder ein Fahrzeug mit Sitzheizung auf.
        Du darfst gerne Bambusrad fahren.
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