Test und Video: VTX3D Radeon HD 7870 Black Boost Edition mit Tahiti LE

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Radeon HD 7870 Boost Edition im Test: Vom Hersteller Vertex 3D (VTX3D) erreichte uns die erste "Boost Edition" der Radeon HD 7870. Bei der neuen Grafikkarte handelt es sich faktisch um eine abgespeckte Radeon HD 7950. Was die letzte Neuvorstellung des Jahres 2012 leistet und warum die Karte besser "HD 7930" genannt werden sollte, klären wir im Test.

Mit der Radeon HD 7870 Boost Edition stellt AMD seinen Partnern eine Premium-Version der HD 7870 zur Adaption bereit. Dabei handelt es sich entgegen der Bezeichnung nicht um eine weitere Grafikkarte mit Pitcairn-Chip, wie er auf der HD 7870 und HD 7850 zum Einsatz kommt, sondern um einen stark abgespeckten Tahiti (HD 7900): Bei der Tahiti LE (Limited Edition) getauften GPU sind nur noch 1.536 von 2.048 Shader-Prozessoren aktiv, außerdem streicht AMD ein Drittel des 384-Bit-Speicher-Interfaces und liefert die Karte mit 256 Datenleitungen sowie 2 GiByte GDDR5-RAM aus. Damit platziert sich die Karte zwischen der Radeon HD 7870 (1.280 ALUs, 256 Bit, 2 GiByte) und der HD 7950 (1.792 ALUs, 384 Bit, 3 GiByte).

Mit 925 Basis- und 975 MHz Boost-Takt bietet die HD 7870 Boost Edition eine Rechenleistung auf dem Niveau der alten HD 7950 ohne Boost (gut 2,8 TFLOPS bei Single-Precision). Die Speichertransferrate der HD 7870 Boost Edition fällt um 25 Prozent höher aus als bei der HD 7870 (3.000 gegenüber 2.400 MHz). Delikates Detail: Nvidias Single-GPU-Topmodell Geforce GTX 680 verfügt über die gleiche Speichertransferrate.

Modell Radeon HD 7970 HD 7950 Boost Edition Radeon HD 7950 HD 7870 Boost Edition Radeon HD 7870
Codename Tahiti XT Tahiti Pro Tahiti Pro Tahiti LE Pitcairn XT
Transistoren Grafikchip (in Millionen) 4.313 4.313 4.313 4.313 2.800
Rechenleistung GFLOPS, Single-Precision 3.788 3.315 2.867 2.995 2.560
Rechenleistung GFLOPS, Double-Precision 947 829 717 749 160
Polygondurchsatz (Mio. Dreiecke/s) 1.850 1.850 1.600 1.950 2.000
Durchsatz (Mrd. Pixel/Sekunde) 29,6 29,6 25,6 31,2 32
Durchsatz (Mrd. Texel/Sekunde) 118,4 103,6 89,6 93,6 80
Speichertransferrate (Gigabyte/s) 264 240 240 192 153,6
Takt Grafikchip/Boost (Megahertz) 925/- 850/925 800/- 925/975 1.000/-
Takt Grafikspeicher (Megahertz) 2.750 2.500 2.500 3.000 2.400
Anzahl SIMD-Einheiten 32 28 28 24 20
Anzahl Shader (ALUs) 2.048 1.792 1.792 1.536 1.280
Anzahl Textureinheiten (TMUs) 128 112 112 96 80
Anzahl Raster-Operatoren (ROPs) 32 32 32 32 32
Speicheranbindung (parallele Bits) 384 384 384 256 256
Übliche Speichermenge (MiByte) 3.072 3.072 3.072 2.048 2.048

Die Radeon HD 7870 Boost Edition betritt folglich eine gut besetzte Nische, weshalb sich die Frage nach dem Sinn des neuen Modells aufdrängt. Zunächst: Es gilt als sicher, dass die originale Radeon HD 7950 (800 MHz, kein Boost) ausläuft, sodass die HD 7870 Boost Edition an ihre Stelle tritt. Die eigentliche Mission der HD 7870 Boost ist jedoch, teildefekte, gestutzte Tahiti-GPUs sinnvoll unters Volk zu bringen, anstatt sie zu entsorgen. Auch Exemplare, die in den Takttests durchfielen oder für die angepeilte Frequenz zu hohe Spannungen erfordern, können hier eingesetzt werden. Kurz: Wie bei der HD 5830, HD 6790 und Konsorten handelt es sich GPU-seitig um B-Ware – aber im Falle der HD 7870 Boost Edition um die B-Ware eines sehr mächtigen Grafikchips, welcher im Gegensatz zu den anderen HD-7800-Karten über eine hohe Double-Precision-Leistung verfügt. Als Spieler haben Sie davon jedoch nichts.

VTX3D Radeon HD 7870 Black Boost Edition: Kühlung und Platine

Bei der Kühlung setzt VTX3D auf ein Dual-Slot-Design, das den Grafikchip mithilfe dreier Heatpipes (1x 8, 2x 6 Millimeter Durchmesser) und einem 90-Millimeter-Axiallüfter kühlt. Schön: Die schwarz lackierte Abdeckung besteht aus Metall, was dem Kühler eine gewisse Wertigkeit verleiht. Unschön: Die Spannungsversorgung ist lediglich mit einem kleinen, aufgesteckten Kühler versehen, während der Speicher blank liegt und einzig den Luftzug von oben zugefächelt bekommt.

Die 26,7 Zentimeter lange Platine der VTX3D Radeon HD 7870 Black Boost Edition erinnert stark an die einer Radeon HD 7950 - kein Wunder, kommt doch ein Tahiti-Chip zum Einsatz. Trotz der Einschnitte beim Speicher-Interface und Grafikchip benötigt die große GPU offenbar eine aufwendigere Verdrahtung als Pitcairn (HD 7870 Non-Boost, HD 7850), sodass keine Spar-Platinen genutzt werden können. Dementsprechend finden sich auch zwei 6-polige Strombuchsen auf dem PCB, was die Karte theoretisch für eine TDP von 225 Watt rüstet.

VTX3D Radeon HD 7870 Black Boost Edition: Lautheit und Leistungsaufnahme

Der Kühler erzeugt gemischte Gefühle: Im Leerlauf dreht der Lüfter mit rund 1.100 Umdrehungen pro Minute und erzeugt damit ein leises Surren (Lautheit: 0,7 Sone) – das fällt im typischen Spiele-PC bei geschlossenem Gehäuse nicht auf. Unter Last wacht die Lüftersteuerung auf und steigert die PWM-Drehkraft auf bis zu 44 Prozent. Das damit erzeugte Geräusch ist hochfrequent und subjektiv störend; unser Messgerät bescheinigt eine Lautheit von 4,0 Sone bei einer GPU-Temperatur von 77 Grad Celsius.

Angesichts der von uns gemessenen Leistungsaufnahme verwundert die Lautheit nicht: Beim Spielen benötigt die VTX3D Radeon HD 7870 Black Boost Edition mindestens 200 Watt. Diese Wattklasse ist eigentlich das Spielfeld der deutlich schnelleren Radeon HD 7970. Immerhin beziffert sich die Leistungsaufnahme im Leerlauf nur auf 15 Watt, was sehr gut ist.

  VTX3D HD 7870 Black Boost Radeon HD 7970* Radeon HD 7870* Radeon HD 6970* Geforce GTX 570*
Lautstärke    
Leerlauf 0,7 Sone 0,7 Sone 0,8 Sone 0,5 Sone 0,8 Sone
BF: Bad Company 2 (DX11) 4,0 Sone 4,1 Sone 3,1 Sone 4,8 Sone 3,4 Sone
Leistungsaufnahme      
Leerlauf 15 Watt 12 Watt 11 Watt 22 Watt 28 Watt
BF: Bad Company 2 (DX11) 200 Watt 185 Watt 114 Watt 186 Watt 194 Watt

*Referenkarten von AMD und Nvidia. Bei diesen Tests gelten stets die Standardeinstellungen für Powertune/Containment/Target.

VTX3D Radeon HD 7870 Black Boost Edition: Leistung

Kommen wir nun zum für die meisten Leser interessantesten Teil: der Leistung, gemessen in Bildern pro Sekunde. Im Test der VTX3D Radeon HD 7870 Black Boost Edition, welche sich hinsichtlich der Taktung an AMDs Vorgabe hält, zieht sich eines wie ein roter Faden hindurch: Die Karte ist schneller als eine übliche Radeon HD 7870 mit 1.000 MHz Kerntakt, aber langsamer als eine Radeon HD 7950 mit Boost. Im PCGH-Leistungsindex, welchen wir jeden Monat fürs Heft aktualisieren, rangiert die HD 7870 Boost Edition hauchdünn hinter der "alten" HD 7950 und kann folglich sowohl die Geforce GTX 580 als auch die GTX 660 Ti hinter sich lassen. In den Spielen hält die VTX3D-Grafikkarte ihren Boost nicht konstant, in BF Bad Company 2, Anno 2070, Crysis 2, Metro 2033 & Co. schwankt der Takt laut MSI-Afterburner-Protokoll stets zwischen 925 und 975 MHz.

PCGH-Grafikkarten-Leistungsindex

VTX3D Radeon HD 7870 Black Boost Edition: Overclocking

Wer seine Garantie gegen ein Leistungsplus tauschen möchte, findet in Form der VTX3D Radeon HD 7870 Black einen willigen Partner: Unser Testmuster stemmt ohne Probleme 1.200 MHz Kerntakt. Dazu muss lediglich der Powertune-Regler auf +20 Prozent und der Takt gesetzt werden, sodass die Karte ihren Takt in Spielen konstant hält. Die Lautheit und Leistungsaufnahme steigen durch diese Maßnahme zwar ebenfalls an, die Leistung nimmt jedoch stärker zu. Mit 1.200/3.400 MHz, dem Maximum unseres Samples, legt die mittlere Bildrate um mindestens 20 Prozent zu. Die Spannungen für GPU und Speicher lassen sich derzeit nicht verändern.

VTX3D Radeon HD 7870 Black Boost Edition: Fazit

Zum derzeitigen Kurs von 220 Euro ist die Radeon HD 7870 Black Boost Edition ein interessantes Angebot - vor allem, da Käufer im Rahmen von AMDs "Never settle"-Programm das Spiel Far Cry 3 kostenlos dazu bekommen. Die Lautheit unter Last, welche maßgeblich von der hohen Leistungsaufnahme verursacht wird, ist jedoch ein klar hörbarer Minuspunkt, die hohe Leistung und das gigantische OC-Potenzial locken jedoch bastelfreudige Spieler an. Wer's leise mag, greift besser zu einer Radeon HD 7870, etwa von Asus, Sapphire und XFX. Informationen zu den leistesten und schnellsten Karten finden Sie im Einkaufsführer einer jeden PC Games Hardware (Print-Heft) - alle Testwerte zu HD 7870 Black mit Boost in der kommenden PCGH 02/2013.

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    • Kommentare (20)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Freeze82 Freizeitschrauber(in)
        Zitat von Harpenerkkk
        Welchen Kühler sollte man auf die Karte drauf klatschen bzw. welchen würdet ihr mir empfehlen ?
        Alpenfön Peter (den normalen nicht den 79xx) ,Prolimatech MK26,oder den Arctic Accelero Extreme dann hast du Ruhe und bist cool unterwegs
      • Von Freeze82 Freizeitschrauber(in)
        Zitat von Harpenerkkk
        Welchen Kühler sollte man auf die Karte drauf klatschen bzw. welchen würdet ihr mir empfehlen ?
        Alpenfön Peter (den normalen nicht den 79xx) ,Prolimatech MK26,oder den Arctic Accelero Extreme dann hast du Ruhe und bist cool unterwegs
      • Von Genghis99 Software-Overclocker(in)
        Tahiti LE Karten mit 1Ghz als B-Ware zu bezeichen - Ist ein wenig daneben. Ich würde eher sagen : Konkurrenzlose Leistung für unter 200,- Euro.
      • Von Harpenerkkk Freizeitschrauber(in)
        Welchen Kühler sollte man auf die Karte drauf klatschen bzw. welchen würdet ihr mir empfehlen ?
      • Von master.of.war Freizeitschrauber(in)
        Mittlerweile kann man mit Afterburner die Spannungen ändern. Weiß jemand wie hoch man bei dem Chip ca. gehen kann? Momentan bin ich auf 1,25V (1245MHz).
        Wage mich momentan mit der Volt-Zahl nich höher, wäre dankbar wenn hier jemand etwas mehr wüste .
      • Von Killer Komplett-PC-Käufer(in)
        Zitat von Ion
        Aber warum frisst die Karte soviel unter Last? Nur wegen dem Boost? o.O
        wie schon gesagt: bestimmt wegen der hohen spannung. tahiti le 1,29 V, die radeon 7950 hat nur 1,09. Wie PCGH_Raff gesagt hat - die LE chips sind wohl nur B-ware. um stabil zu laufen musste wohl die spannung erhöht werden
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