Jailbreak, Root und Custom-Rom für Android und iOS legal oder nicht? Rechtslage kommentiert mit Fallbeispielen
Jedes neue Update von Apple iOS und Google Android wird von Nachrichten über gehackte Sicherheitsmechanismen begleitet. Findige Hacker können teilweise Stunden nach dem Release erste modifizierte Firmware-Versionen anbieten. Ein neuer Jailbreak oder ein Root entlocken Smartphone und Tablet-PC neue Funktion, die der Hersteller eigentlich verschlossen halten wollte. Es stellt sich unweigerlich die Frage, ob der Nutzer mit seinem Gerät machen kann was er will oder doch, bei einer Modifikation auf Firmware-Ebene, illegal handelt. Diese und andere Fragen wollen wir versuchen zu klären.
Es erscheint auf den ersten Blick normal, dass man als Käufer eines Smartphones mit diesem Gerät machen kann, was man will. Schließlich erwirbt man beim Kauf Eigentum an dem Gerät. Erst auf dem zweiten Blick offenbaren sich Fragen bezüglich der auf dem Smartphone installierten Programme und Firmware. Doch der deutsche (und ganz nebenbei auch europäische) Gesetzgeber hält tief im Urheberrecht besondere Bestimmungen parat, die von jedem Käufer, der zugleich ein Lizenznehmer geworden ist, zu beachten sind.
Wir möchten Ihnen mit diesem Artikel möglichst anschaulich und verständlich anhand der Rechtslage, Beispielfällen und einschlägiger Literatur-Kommentierung das Urheberrecht und die Einordnung von Jailbreak, Root und Co. beibringen. Ein Themengebiet, das selbst unter Juristen noch kaum bis gar nicht erforscht worden ist. Wenn Sie sich zusätzlich zu unserem Artikel noch weiter in die Gesetzeslage einlesen möchten finden Sie auf der Webseite des Bundesministeriums der Justiz aktuelle Fassungen etwa vom Urhebergesetz (UrhG) und dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Der Artikel ist auf mehrere Seiten verteilt. Beispielfälle und ausgewählte Fragen finden Sie in der Bildergalerie unter dem Artikel.
Was passiert beim Jailbreak?
Der Jailbreak bzw. Root soll in erster Linie von Apple oder einem anderen Hersteller implementierte Sicherungsmaßnahmen außer Kraft setzen. Wir werden später noch sehen, dass die Art und Weise wie ein Jailbreak durchgeführt wird (Tethered Jailbreak und Unthethered Jailbreak) irrelevant ist für die voraussichtliche Rechtsfolge. Es erfolgt hier eine Veränderung der Firmware bzw. der technischen Schutzmaßnahmen des Geräts. Die Firmware ist ein Computerprogramm und damit urheberrechtlich geschützt (§§69a ff. UrhG). Für den Fall, dass technische Schutzmaßnahmen umgangen oder entfernt, hat der Gesetzgeber ebenfalls einschlägige Regelungen getroffen. Ihnen dürften dieses Regelungen (§§95a ff. UrhG) eher aus dem Bereich von Filmen und Musik bekannt sein, die das Umgehen von Kopierschutzmaßnahmen verbieten. Ein ähnlicher urheberrechtlicher Schutz wird auch bei Computerprogrammen getroffen, wenngleich die anwendbaren gesetzlichen Vorschriften andere sind (§69a V UrhG).
Folgende Themen finden Sie auf den Folgeseiten:
- Jailbreak, Root und Custom-Rom legal? Grundlagen Urheberrecht
- Jailbreak, Root und Custom-Rom legal? Google Android, Apple iOS, Windows Phone 7
- Jailbreak, Root und Custom-Rom legal? Rechtverletzungen und Folgen
- Jailbreak, Root und Custom-Rom legal? Fazit
Bildergalerie
In diesem Artikel
- Seite 1 Jailbreak, Root und Custom-Rom legal? Was passiert beim Jailbreak
- Seite 2 Jailbreak, Root und Custom-Rom legal? Grundlagen Urheberrecht
- Seite 3 Jailbreak, Root und Custom-Rom legal? Google Android, Apple iOS, Windows Phone 7
- Seite 4 Jailbreak, Root und Custom-Rom legal? Rechtverletzungen und Folgen
- Seite 5 Jailbreak, Root und Custom-Rom legal? Fazit
- Seite 6 Bildergalerie
- Seite 1 Jailbreak, Root und Custom-Rom legal? Was passiert beim Jailbreak
- Seite 2 Jailbreak, Root und Custom-Rom legal? Grundlagen Urheberrecht
- Seite 3 Jailbreak, Root und Custom-Rom legal? Google Android, Apple iOS, Windows Phone 7
- Seite 4 Jailbreak, Root und Custom-Rom legal? Rechtverletzungen und Folgen
- Seite 5 Jailbreak, Root und Custom-Rom legal? Fazit

jegliche Modifikationen auf der Softwareseite egal sind bei Reklamationen, solange es sich um einen Hardwaredefekt handelt, der nicht auf diese Modifikation zurückzuführen ist.
Der Hersteller meines Smartphones (High Tech Computer Corporation bzw HTC) hat für einige/viele seiner Geräte die Verwendung von Custom-ROMs erlaubt. (heise online | HTC öffnet Android-Handys) Zwar wird auch von HTC kommuniziert das mit dem Aufspielen eines solchen ROMs die Garantie verloren geht (zb. weil der Dual-Core des Evo 3D sich mit einer solchen von 2x1,2GHz auf bis zu 2x2GHz übertakten läßt), allerdings darf bezweifelt werden, das - sollte ein Defekt nicht auf die Software zurückzuführen sein - HTC sich weigern wird defekte Geräte auszutauschen. Davon würde ich jedenfalls ausgehen. Ich persönlich brauche (noch?) keine Custom-ROMs, da mir die Funktionen meines Smartphones (noch?) völlig ausreichen.
Bei Android handelt es sich um quelloffene Software. Somit ist der Code ja öffentlich einseh- und bearbeitbar. Klar, mein Tel. und Tablet kommen gebrandet.
Was ändert das am Sachverhalt, falls das denn überhaupt etwas ändert? Mit dem root werden ja Sicherheitssperren umgangen; wenn auch nur vom Hardwarehersteller, der ja vorgängig die Software umgeändert hat.
Ahh ehh warte, ich
@Topic:
Für mich als SGS-Nutzer nicht wirklich interessant (kein gesperrter Bootloader oder andere kleine Nervigkeiten),
aber eigentlich gut zu wissen
Interessanter Standpunkt.
Und wir sollten hier vor allem nicht vergessen, dass wir hier in keinster Weise von Vervielfältigungen sprechen (denn ein Jailbreak vervielfältigt nichts), das es sich um keine Tätigkeit zum Ertragszwecke und um einen reinen Privatgebrauch handelt.
Was Chip.de angeht, ist ebenfalls im Artikel auf einen ähnlichen Fall bei Heise verwiesen worden. Normalerweise sind solche Download-Angebote ein Fall von Störerhaftung und sicherlich nicht durch Presse- oder Meinungsrecht gedeckt. Das ist dann Sache von Chip, wenn sie diese Angebote drin lassen. Müssen sich aber dann auch nicht wundern, wenn es mal eine Abmahnung diesbezüglich gibt.
Tut mir leid, dass das UrhG nicht anwendungsfreundlicher ist. Aber dafür gibt es ja juristische Kommentare, die im Artikel mit zitiert sind, falls (falsche) Gegenansichten auftauchen. Teilweise lassen sich diese aber auch ganz einfach und kostenlos über die Google-Bücher-Suche finden. Dann bekommst du die Aussagen des Artikels nochmals schwarz auf weiß von Fach-Literaten.
Ich würde niemals zu einem bugverseuchten nicht mal vollfunktionsfähigen Betriebsystem, auch bekannt als Android, wechseln. Erst mit ICS ist Android auf einem Niveau wie iOS.