Parhelia 512: Die letzte Gamer-Grafikkarte von Matrox (PCGH-Retro-Special)

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Parhelia 512: Die letzte Gamer-Grafikkarte von Matrox (PCGH-Retro-Special)
Quelle: Matrox

Am 14.5.2002 kündigte Matrox mit dem Parhelia-512 einen Grafikchip an, der die Rückkehr ins 3D-Spiele-Business bedeuten sollte. PC Games Hardware erinnert zum heutigen Jahrestag an die letzte große Grafikkarte von Matrox für Spieler.

Den Trend zu 3D-Grafik hatte Matrox irgendwie verschlafen. Während 3dfx, Nvidia und unzählige andere Hersteller in den Neunzigern mit 3D-fähigen Grafikchips den Markt aufrollten, klammerte sich Matrox (zu) lange an die überlegene Bildqualität der 2D-Karten Mystique und Millennium; die eilends auf den Markt geworfene m3d mit Power-VR-Chip war ein Flop. Erst mit der G200 und der folgenden G400 kann Matrox wieder Anschluss finden.

Gestatten: Matrox Parhelia
Nach weiteren halbherzigen Versuchen holt das Unternehmen am 14. Mai 2002 zu einem letzten Schlag gegen die Marktführer Nvidia und Ati aus: Matrox präsentiert die Parhelia 512 und versucht mit dem 80-Millionen-Transistoren-Monster, im Profi- wie im Spieler-Markt gleichermaßen zu überzeugen. An den vier Rendering-Pipelines hängen je vier Texturierungseinheiten, die eingedampften Rechenbefehle erfüllen den damaligen DirectX-8.1-Standard Pixel Shader 1.3. Fit für die Zukunft war die programmierbare T&L-Einheit (Vertex Shader), die von Matrox imposant als "Vertex Shader Array" betitelt wird. Der Hardwareblock wird gleich vierfach in das Silizium geätzt und erfüllt theoretisch bereits die Anforderungen für das noch nicht einmal im Beta-Test befindliche DirectX 9 (einen entsprechenden Treiber hat Matrox allerdings nie veröffentlicht).

Gigantische 250 Millionen Eckpunkte pro Sekunde würde das Shader-Array bei unterstellten 250 MHz berechnen können, fast doppelt so viel wie Geforce4 Ti und fünfmal mehr als Geforce3. Dazu kommt eine enorme theoretische Speicherbandbreite mit bis zu 17,6 Gigabyte pro Sekunde, rund doppelt so viel wie damals aktuelle 3D-Beschleuniger. Matrox hat dazu den Speicherbus von 128 auf 256 Bit verbreitert - inklusive des internen, matrox-eigenen "Dual-Busses" erklärt sich so auch der Namenszusatz 512. Weitere DirectX-9-Funktionen wie das theoretisch mögliche Displacement Mapping und höhere Farbgenauigkeit im Grafikkartenspeicher ("GigaColor") gehören in den Bereich der netten, aber wenig nützlichen Beigaben.

Bildergalerie

<strong>Matrox Parhelia-512: Displacement Mapping (10)</strong> Quelle: Matrox Matrox Parhelia-512: Displacement Mapping (10) Displacement Mapping
Das Displacement Mapping ergänzt den von Ati eingeführten TruForm-Block ("N-Patches"). Der Matrox-Chip ist nicht nur der Lage, die eintreffenden Dreiecke in Tausende weitere Dreiecke zu zerlegen, sondern kann auch deren Höhenposition über Texturwerte variieren. Damit lassen sich theoretisch sehr effizient gebirgige Landschaften mit verschlungenen Schluchten darstellen und sogar animieren. Sämtliche Details entstehen "on the fly" innerhalb des Chips, ohne den damals aktuellen AGP-Bus mit Daten und den Hauptprozessor mit Berechnungen zu belasten. Damals wurde das Westwood-Entwicklerteam von Earth & Beyond als Unterstützer von Displacement Mapping benannt, allerdings konnte sich das Feature mit DirectX 9 nicht nennenswert durchsetzen.

Fragment Anti-Aliasing
Als spannend wurde die knifflige Kantenglättungs-Technologie "FAA" (Fragment Anti-Aliasing) zum Launch des Parhelia 512 gewertet, die 16x Antialiasing-Qualität ohne großen Leistungseinbruch verspricht. Dazu reduziert Matrox die Glättungswirkung auf die Konturen der Objekte. Störende Aliasing-Effekte von Texturen (Texturflimmern, Kanten von Alpha-Texturen) und Kanten entlang von Schatten werden von der Matrox-Technik nicht behandelt. Stattdessen will der Hersteller mit einem anisotropen Filter die Texturoptik auf Vordermann bringen. Dafür werden allerdings wie schon beim trilinearen Vermischungsfilter mehrere Textureinheiten eingespannt, womit ein Leistungsverlust unvermeidlich scheint. Bei aktiver anisotroper 2:1 Filterung beschlagnahmt der Matrox-Chip pro Pipeline alle Textureinheiten und kann pro Takt nur noch eine Textur auf ein Pixel kleben. Endgelagert werden die Farbwerte in einem leicht verbesserten Farbformat (40 Bit). Einen weiteren Technik-Gag bietet Matrox mit Surround Gaming, also der Wiedergabe von Spielen auf bis zu drei Monitoren mit entsprechend weitem Sichtfeld. Diese Technik gibt es später separat als Triple-Head to go und anno 2009 führt AMDs Ati Radeon HD-5000-Reihe eine ähnliche, aber flexiblere und mächtigere Technik für Spieler ein.

Matrox Parhelia-512: Surround Gaming (16) Quelle: Matrox Matrox Parhelia-512: Surround Gaming (16) Matrox Parhelia 512: Das Fazit
Insgesamt gestaltet sich der Auftritt der Parhelia 2002 als schwierig. Die GPU arbeitet ineffizient, wegen zu geringer Taktfrequenz kann sie ihre hohe Speicherbandbreite nicht nutzen und erweist sich als doch nicht vollständig DirectX-9-kompatibel. Im Test in PCGH 08/2002 orakelt Thilo Bayer, dass es die Parhelia "gegen Geforce4 Ti und Radeon 8500 nicht leicht haben würde". Retrospektiv ist der Preis zu hoch für die gebotene Leistung (550 Euro sind kein Schnäppchen anno 2002), die oft unter jener einer Geforce 4 Ti-4600 liegt; fehlende Windows-98-Treiber schaden dem Erfolg ebenfalls. Schließlich bringt Ati mit der Radeon 9700 eine GPU, die in allen Belangen überlegen ist, und die Parhelia 512 gerät in Vergessenheit. Damit endet das Engagement von Matrox auf dem Spielermarkt endgültig: Die angekündigte Parhelia 2 wird es nie geben, die Firma zieht sich auf den Markt für Speziallösungen zurück. Nvidia und Ati sind wieder unter sich.

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    • Kommentare (69)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von DamnS3xyHardwar3 PC-Selbstbauer(in)
        RIP Matrox Gaming.

        Hängt ein wenig Nostalgie dran, da eine Matrox Mystique meine allererste Grafikkarte war, in meinem ersten eigenen PC als Jugendlicher. Und damit habe ich viele Stunden in Diablo verbracht.
      • Von DamnS3xyHardwar3 PC-Selbstbauer(in)
        RIP Matrox Gaming.

        Hängt ein wenig Nostalgie dran, da eine Matrox Mystique meine allererste Grafikkarte war, in meinem ersten eigenen PC als Jugendlicher. Und damit habe ich viele Stunden in Diablo verbracht.
      • Von Mowsel PC-Selbstbauer(in)
        Spannend, dass Matrox mittlerweile auf ARC GPUs setzt.
      • Von latinoramon BIOS-Overclocker(in)
        Ich muss gestehen, ich kenne die Karte überhaupt nicht bzw sagt mir gar nichts 🙈
        Hab sie für 130€ aber bei eBay gefunden 🤔
      • Von Kondar Volt-Modder(in)
        Zitat von PCGH_Raff
        Update: Wir haben anscheinend auch keine mehr im Archiv, die ich mal anfummeln kann. Zum Mäusemelken!

        MfG
        Raff
        zum kaufen
        Die Karte muss ja abgehen wie sau. => 4800€

        muss man aber vorsichtig sein bei Ebay. da werden für nur nur ~150€ angeboten.

      • Von PCGH_Raff Kokü-Junkie (m/w)
        Zitat von PCGH_Raff
        Hmm. 12 Jahre. Alle Jahre wieder. Nun wird's echt Zeit, eine aktive Suche zu starten ...
        Update: Wir haben anscheinend auch keine mehr im Archiv, die ich mal anfummeln kann. Zum Mäusemelken!

        MfG
        Raff
      Direkt zum Diskussionsende
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