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  • 3dfx: Special zum Todestag der Voodoo-Schöpfer
    Quelle: 3dfx

    3dfx: Special zum Todestag der Voodoo-Schöpfer

    Am heutigen Tage im Jahr 2000 wurde das Internet von einer Hiobsbotschaft erschüttert: 3dfx Interactive, Hersteller der legendären Voodoo-Grafikkarten und Wegbereiter hardwarebeschleunigter Grafik am PC, schließt seine Pforten. Wir werfen anlässlich des Todestages einen Blick zurück.

    Der 15. Dezember 2000 war ein schwarzer Tag für den Grafikkartenmarkt und Tausende von Fans. "Das Ende einer Ära" titelte jede erdenkliche News-Seite und auch PC Games Hardware traf die Nachricht relativ überraschend. In der Erstausgabe 11/2000 hatten wir die Voodoo5 6000 als Titelthema, nur vier Hefte später mussten auch wir auf dem Cover das Ende verkünden. An dieser Stelle möchten wir noch einmal rekapitulieren, was 3dfx ausmachte und wie es zum Ende kam. Viele Details bleiben unerwähnt, da sie das Volumen des Artikels sprengen würden. Wir bieten Interessierten daher am Ende weiterführende Artikel zum Nachschlagen an. Außerdem enthält die PCGH 02/2014 einen exklusiven Test der Voodoo 5 Rev. A2 mit AGP-4x-Kerbe, von denen nicht einmal 50 Exemplare weltweit bekannt sind.

    02:11
    World of Warcraft trifft auf Voodoo 4 4500 AGP und 3,6 GHz schnellen Pentium 4
    Spielecover zu World of Warcraft
    World of Warcraft

    3dfx: Geschichtsstunde

    Was ist eigentlich dieses "3dfx"? Die jüngeren Leser kennen den titelgebenden Hersteller vermutlich nur vom Hörensagen, schließlich ist der 3D-Pionier 3dfx nun schon seit 16 Jahren nicht mehr aktiv - in der Informationstechnologie gleicht das einer Ewigkeit. Die Lebenszeit des Herstellers erstreckte sich nur über sechs Jahre, von 1994 bis Ende 2000 - obgleich 3dfx erst am 15. Oktober 2002 offiziell für bankrott erklärt wurde. Ein Fan fasst 3dfx folgendermaßen zusammen:


    Die Erfolgsgeschichte von 3Dfx (anfangs mit großem D, "3D effects" ausgesprochen) startete im Jahr 1996. Mit dem Erscheinen des Voodoo Graphics (Codename SST-1) wurde das kleine Unternehmen über Nacht zum Monopolisten eines selbst etablierten Marktes. Damit startete eine Revolution: Mit der ersten Voodoo, einem 3D-Beschleuniger, der neben den damals üblichen 2D-Karten arbeitete, ebnete 3dfx den Weg, auf dem auch aktuelle Grafikkarten wandeln. Erstmals war es möglich, polygonal gestaltete Spielwelten mithilfe eines dedizierten Chips zu beschleunigen und die einst blockigen Texturen bilinear zu interpolieren. Mit einer Voodoo ausgestattet, wurde ein Pentium 133 in angepassten Spielen zu einer rasanten Zockermaschine, die selbst sündhaft teure Pentium-200-Rechner hinter sich ließ.

    Dank der eigens für die Voodoo entwickelten, einfach zu nutzenden Low-Level-Programmierschnittstelle (API) "Glide" fanden die Karten schnell Unterstützung seitens der Spielehersteller. Viele bereits auf dem Markt befindliche Spieletitel wurden mit 3dfx- respektive Glide-Patches versehen, woraufhin sie nicht nur schneller liefen, sondern auch in neuer, gefilterter Pracht erstrahlten. Später erschienen mit Gex 3D und Pandemonium 2 sogar Titel, die ohne 3dfx-Karte gar nicht starteten. Stellen Sie sich den Aufschrei vor, wenn heute ein Spiel erschiene, das zwingend eine Geforce zum Start benötigt! Möglich wurde dies nur, weil die damalige Konkurrenz um Nvidia, Ati, Matrox, S3 & Co. dem Voodoo Graphics nichts entgegenzusetzen hatte.

    3Dfx Voodoo Graphics: Er veränderte alles 3Dfx Voodoo Graphics: Er veränderte alles Quelle: PC Games Hardware Doch das Monopol bröckelte. Im Laufe der Zeit kreierte auch der Wettbewerb konkurrenzfähige 3D-Chips, um sich Teile des Marktes einzuverleiben. Spätestens mit Nvidias Riva TNT hatte 3dfx einen ernsthaften Konkurrenten. Nvidias Chip erfüllte zwar nicht die zuvor proklamierten Erwartungen, beherrschte jedoch viele Features, die der Voodoo-Schöpfer erst in kommenden Chipgenerationen nachlieferte. Der TNT konnte es anno 1998 oft mit einer einzelnen Voodoo 2 aufnehmen, sofern die erstarkende API Direct 3D zum Einsatz kam. Daneben bot der Chip eine Reihe nur selten nutzbarer Funktionen, wie 32 Bit Farbtiefe - der Begriff "Checklistenfeatures" war geboren. Unangefochten war 3dfx nur noch dank der etablierten Glide-Schnittstelle, auch zwei Voodoo-2-Karten im Scan-Line-Interleaving (SLI) waren konkurrenzlos schnell - und exorbitant teuer. Einen weiteren Vorteil hatte der TNT übrigens noch: Er konnte - den passenden Bildschirm vorausgesetzt - 3D-Applikationen mit mehr als nur 800 × 600 (V2) beziehungsweise 1.024 × 768 Bildpunkten (V2 SLI) darstellen.

    1999 brachte 3dfx neben einem neuen Logo mit kleinem "d" auch die Voodoo-3-Serie (Codename Avenger) auf den Markt. Diese Karten waren zwar gewohnt an der Leistungsspitze zuhause, boten jedoch keinerlei neue Features - Unterstützung für 32 Bit Farbtiefe und größere Texturformate als 256×256 Texel suchte man vergebens. Zumindest die der fixen Speicheraufteilung geschuldete Auflösungsbegrenzung der Voodoo und Voodoo 2 war jedoch (seit der Voodoo Banshee) Geschichte. Nvidias TNT 2, ein deutlich höher getakteter TNT, lieferte sich aus Leistungssicht ein Kopf-an-Kopf rennen mit der Voodoo 3, legte jedoch besagte Features mit in die Waagschale. Begleitet wurde dies mit einem deutlichen Marketing-Hype, in den auch die damalige Presse mit einstieg. Was die meisten vergaßen: Sinnvoll nutzbar war damals kaum eines der Features. Aktives 32-Bit-Rendering drückte die Fps-Rate um rund 50 Prozent, brachte jedoch nur eine geringfügige Verbesserung der Bildqualität.

    3dfx konterte mit dem sogenannten 22-Bit-Rendering, einem Verfahren, das 16 Bit nachbearbeitet und die berüchtigten Dithering-Artefakte abschwächt. Das Resultat: Voodoo-Karten boten mit 22 Bit oft eine Bildqualität, die den 32 Bit der Konkurrenz nur wenig nachstanden - natürlich bei deutlich mehr Fps. Doch das tangierte die 3dfx-Kritiker und das Gros der Fachpresse nur peripher. 3dfx versäumte es zudem, dieses Feature adäquat zu bewerben, auch war es meist unmöglich, den 22-Bit-Effekt auf Screenshots festzuhalten - mehrere gravierende Fehler, die 3dfx' Ruf als Technologieführer schädigten. Erst Ende 1999 erschien mit id Softwares drittem Beben ein Spiel, das deutlich sichtbar von 32 Bit Farbtiefe profitierte.

      • Von wuselsurfer BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von Rollora
        Und noch was: der Grafikkartenmarkt schrumpft zwar von den Stückzahlen, nicht aber vom Umsatz: Der Markt für Gamingkarten ist in den letzten Jahren umsatzstärker geworden (s. Nvidias Rekordgewinne)
        So wird man besch ... .
      • Von Rollora Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von meeen
        Wirklich interessant. Ambesten hätte sie sich dann auch mal um Investoren bemühmt. Wobei die Entwicklungskosten sind so groß und die Marge dafür nicht und das in einem schrumpfenden Markt. Ich glaube da können nur 2 höchstens 3 Firmen überleben.
        Der Markt war damals ein anderer:
        -Der PC als Spielegerät musste sich erst etablieren
        -3D Karten waren bisher neu. Es gab schlichtweg noch keine Karten und auch keine Spiele dafür- ergo auch noch keinen Markt

        Alles war erst im Entstehen. Hätte man damals gewusst, wie der Markt 5 Jahre später aussieht, hätte man natürlich ganz leicht Investoren ins Boot holen können.

        3dfx hatte wie gesagt damals den Markt beherrscht, aber der Markt damals war vielleicht 1-5% von dem was wir heute haben.

        Und noch was: der Grafikkartenmarkt schrumpft zwar von den Stückzahlen, nicht aber vom Umsatz: Der Markt für Gamingkarten ist in den letzten Jahren umsatzstärker geworden (s. Nvidias Rekordgewinne)
      • Von meeen PC-Selbstbauer(in)
        Zitat von Rollora
        Insgesamt war es damals einfacher und günstiger, Chips mit speziellen Aufgaben (Texturberechnung etwa) zu konstruieren und zusammenzuschalten als ein einzelner großer Chip der schon alle Funktionen hatte. Die großen & komplexen heutigen CHips zeigen dies sehr oft. Außerdem hatte der 3dfx Ansatz natürlich auch den Vorteil der nachträglichen Skalierung: Angenommen das Verhältnis Texturleistung zu geometrieleistung passt nicht, würde man eben einfach einen weiteren Textur oder Geometrieprozessor verlöten und müsste nicht einen neuen Chip entwickeln.
        Der Ansatz hat es übrigens auch ermöglicht, einfach Zusatzfunktionen zu verlöten. So gab es einige wenige Hersteller, die eine Voodoo 1 SLI hergestellt haben. Also eine einzelne Karte die 1.5 bis 2 Karten auf 1 Platine hatten - und so die Leistung verdoppelten.
        Oder auch Hersteller, die der Voodoo 2 einen T&L Chip spendierten.
        Es waren sehr spannende Zeiten. Auch die Herstellerkarten unterschieden sich nicht einfach im Takt (wie heute), sondern teils sehr stark in der Ausstattung: andere Chips und andere Funktionen (verlöteter zusatz 2D Chip, Audiochip usw...)

        Natürlich lag das mit den vielen Chips auf einer Karte aber auch daran, dass die Herstellungsverfahren noch nicht so ausgeklügelt waren und für die Entwicklung für 3D Chips (bzw deren Produktion) nicht viel Geld da war (der Markt wurde gerade erst geboren, niemand wusste wie groß er wird. Als 3dfx 60-80% des 3D Marktes beherrschte, war dieser Markt nur wenige Zehntausend Grafikkarten pro Quartal groß. Das ist natürlich winzig im Vergleich der heutigen Millionen). Deshalb hat man auch zu wenig verdient um mit dem wesentlich finanzkräftigeren (Investoren) Nvidia mithalten zu können.

        Es gab ja vor 2-3 Jahren mal ein Interview mit den ehemaligen CEOs von 3dfx. Da wurde gefragt was man mit dem heutigen Wissen damals hätte anders machen können. Die Antwort war bei allen gleich. Die Fehler die gemacht wurden halt nicht mehr machen, aber gegen das aufstrebende Nvidia hatte man personell und finanziell keine Chance.
        Wirklich interessant. Ambesten hätte sie sich dann auch mal um Investoren bemühmt. Wobei die Entwicklungskosten sind so groß und die Marge dafür nicht und das in einem schrumpfenden Markt. Ich glaube da können nur 2 höchstens 3 Firmen überleben.
      • Von Deimos BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von Methusalem
        Falsch.

        Nicht 3dfx hat die Karten erschaffen, sondern Menschen, die bei 3dfx angestellt waren.

        Und diese Menschen sind die Schöpfer der Karte.

        Daher ist die Überschrift völlig deplatziert und daneben.
        Nö, die Überschrift ist völlig akkurat und auch nicht deplatziert (es sei denn, man will es falsch verstehen). 3dfx ist der Schöpfer der Karte und 3dfx als Entität oder Firma hat den Jordan überquert. Wetten, dass z.B. die Patente unter 3dfx liefen und nicht unter einigen Mitarbeiternamen? Man spricht nicht umsonst von einer "juristischen Person".
      • Von Rollora Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von meeen
        Machen mehrere Chips auf einer Karte nicht Probleme? Wäre ja heute auch praktische fasst man 800 Streamprozessoren auf einem Chip zsm brauch man nur noch einen Chip herstellen und könnte verschiedene Karten bauen
        eine mIt einem Chip, eine mit 2 und so weiter. So könnte man doch bestimmt total kosten sparen. AMD fast doch jetzt auch CPU Kerne zu Clustern zusammen?
        Insgesamt war es damals einfacher und günstiger, Chips mit speziellen Aufgaben (Texturberechnung etwa) zu konstruieren und zusammenzuschalten als ein einzelner großer Chip der schon alle Funktionen hatte. Die großen & komplexen heutigen CHips zeigen dies sehr oft. Außerdem hatte der 3dfx Ansatz natürlich auch den Vorteil der nachträglichen Skalierung: Angenommen das Verhältnis Texturleistung zu geometrieleistung passt nicht, würde man eben einfach einen weiteren Textur oder Geometrieprozessor verlöten und müsste nicht einen neuen Chip entwickeln.
        Der Ansatz hat es übrigens auch ermöglicht, einfach Zusatzfunktionen zu verlöten. So gab es einige wenige Hersteller, die eine Voodoo 1 SLI hergestellt haben. Also eine einzelne Karte die 1.5 bis 2 Karten auf 1 Platine hatten - und so die Leistung verdoppelten.
        Oder auch Hersteller, die der Voodoo 2 einen T&L Chip spendierten.
        Es waren sehr spannende Zeiten. Auch die Herstellerkarten unterschieden sich nicht einfach im Takt (wie heute), sondern teils sehr stark in der Ausstattung: andere Chips und andere Funktionen (verlöteter zusatz 2D Chip, Audiochip usw...)

        Natürlich lag das mit den vielen Chips auf einer Karte aber auch daran, dass die Herstellungsverfahren noch nicht so ausgeklügelt waren und für die Entwicklung für 3D Chips (bzw deren Produktion) nicht viel Geld da war (der Markt wurde gerade erst geboren, niemand wusste wie groß er wird. Als 3dfx 60-80% des 3D Marktes beherrschte, war dieser Markt nur wenige Zehntausend Grafikkarten pro Quartal groß. Das ist natürlich winzig im Vergleich der heutigen Millionen). Deshalb hat man auch zu wenig verdient um mit dem wesentlich finanzkräftigeren (Investoren) Nvidia mithalten zu können.

        Es gab ja vor 2-3 Jahren mal ein Interview mit den ehemaligen CEOs von 3dfx. Da wurde gefragt was man mit dem heutigen Wissen damals hätte anders machen können. Die Antwort war bei allen gleich. Die Fehler die gemacht wurden halt nicht mehr machen, aber gegen das aufstrebende Nvidia hatte man personell und finanziell keine Chance.
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3dfx: Special zum Todestag der Voodoo-Schöpfer
Am heutigen Tage im Jahr 2000 wurde das Internet von einer Hiobsbotschaft erschüttert: 3dfx Interactive, Hersteller der legendären Voodoo-Grafikkarten und Wegbereiter hardwarebeschleunigter Grafik am PC, schließt seine Pforten. Wir werfen anlässlich des Todestages einen Blick zurück.
http://www.pcgameshardware.de/Retrospektive-Thema-214694/Specials/3dfx-Special-zum-Todestag-des-Voodoo-Schoepfers-670247/
15.12.2016
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