Dirt Rally 2.0 im Techniktest: Sichtbares Facelift mit Temporal-AA und hohem Anspruch

Seit dem 26. Februar können Rally-Begeisterte wieder durch den Dreck brettern - Dirt Rally 2.0 ist im Handel. Der neueste Serienableger macht technisch einen großen Sprung nach vorn und ist somit hübscher denn je. Damit Sie wissen, welche Hardware dem Spektakel gewachsen ist und welche nicht, schicken wir Dirt Rally 2.0 auf den Teststand.

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Dirt Rally 2.0 im Techniktest: Sichtbares Facelift mit Temporal-AA und hohem Anspruch
Quelle: PC Games Hardware

Dirt Rally 2.0: Gameplay

Das 2015 erschienene, spielerisch sehr anspruchsvolle Dirt Rally (Techniktest) bekommt einen Nachfolger. Ebenso wie der Vorgänger ist Dirt Rally 2.0 ein simulationslastiger Ableger von Codemasters Dirt-Reihe, welche in letzgenannter Form generell etwas weniger ambitionierte Anforderungen an die Fahrkünste des Spielers stellt. In Dirt Rally 2.0 erwarten Sie insgesamt sechs Schauplätze mit jeweils 12 Wertungsprüfungen. Darunter zählen das australische Outback, die dichten Wälder und weiten Wiesen Polens, die herbstlichen Wälder Neu Englands im Nordosten der USA, Asphalt- und Schotterpisten in Spanien und enge, herausfordernde Serpentinen-Strecken in den argentinischen Anden. Dazu dürfen Sie aus einem Fuhrpark von 38 Rally-Karossen wählen, darunter klassische Rennwagen aus den 60er bis 80er-Jahren wie den Mini Cooper, Lancia Fulvia oder Fiat 131 Abarth, furchteinflößende Gruppe-B-Monster wie Audi Sport Quattro S1 E2, Peugeot 205 T16 Evo 2 oder Lancia Delta S4 und natürlich auch moderne Rennwagen, darunter Citroën C3 R5, VW Polo GTI oder Ford Fiesta. Außerdem stehen einige Exoten aus der GT4-Kategorie zur Verfügung, etwa der Ford Mustang GT4, Aston Martin V8 Vantage GT4 oder auch Porsche 911 RGT. Neben den Rally-Stages können Sie sich außerdem wieder auf den engen, kniffligen Rally-Cross-Rundkursen austoben.

Die aktuelle Fan-Resonanz bezüglich Dirt Rally 2.0 ist beinahe durchweg positiv, allerdings gibt es auch einige Kritik bezüglich des Inhalts und Konzepts. So wurden die Hillclimb-Rennen des Vorgängers wegrationalisiert, einige zuvor im ersten Dirt Rally enthaltene Umgebungen, darunter das winterliche Schweden plus einige Fahrzeuge wurden für Interessenten wenig aufbaulich in einen Season-Pass beziehungsweise die Deluxe-Version ausgegliedert - diese gibt es nur gegen Aufpreis. Auf Kritik stößt auch der mit Dirt Rally 2.0 eingeführte Online-Zwang. Einen umfangreichen Test von Dirt Rally 2.0 lesen Sie bei den Kollegen der PC Games. Bei uns dreht sich alles um die Technik.

Dirt Rally 2.0 - Verbesserte Grafik, endlich auch mit temporaler Bildglättung

Dirt Rally 2.0 setzt wie der Vorgänger und Dirt 4 (Techniktest) auf Codemasters' Ego-Engine, welche für Dirt Rally 2.0 einige Verbesserungen erhalten hat. Diese betreffen neben der verfeinerten Beleuchtung, präziserer Verschattung und aufgebohrten Effekten außerdem die Fahrbahnoberfläche, die nun durch die Reifen vorausfahrender Fahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Hinzu kommen eine verbesserte Fahrphysik, Optimierungen bei der Landschaftsdarstellung, des Publikums und der Fahrzeugmodelle sowie darüber hinaus die Kantenglättung - Dirt Rally 2.0 bietet als erster Dirt-Titel ein Temporal-Antialiasing (TAA). Ein solches findet sich bereits seit Jahren in Codemasters' F1-Reihe. Der Vorteil eines TAA-Algorithmus ist, dass dieser wirkungsvoll entflimmert: Die Bildinformationen aufeinander folgender Frames werden miteinander verrechnet, womit alles glattgebügelt wird. Das gilt jedoch auch für gewollte Kontraste, sodass jedes Temporal-Verfahren zu mehr oder minder starker Unschärfe führt. Dirt Rally 2.0 ist davon nicht ausgenommen.

Jedes Temporal-Verfahren führt zu mehr oder minder starker Unschärfe. Dirt Rally 2.0 ist davon nicht ausgenommen.Zwar liegen uns keine offiziellen Informationen zur Engine von Dirt Rally 2.0 vor, wir vermuten jedoch einen hybriden Ansatz. Während beispielsweise F1 2018 keine Unterstützung für Multisample-AA (MSAA) mehr bietet, ist diese bei Dirt Rally 2.0 noch intakt. Es handelt sich daher vermutlich noch um die alte Engine mit Forward-Plus-Renderer, welcher neuerdings auch ein temporales AA-Verfahren beherrscht. Letzteres funktioniert entweder allein oder als "Aufsatz" für das Multisampling. MSAA kostet - wie schon bei Dirt 4 - relativ viel Leistung, in vielen Fällen dürfte es sich daher anbieten, die temporale Kantenglättung zu nutzen und statt des Multisamplings eine höhere Auflösungstufe zu wählen. Eine solche steht dem Rennspiel gut zu Gesicht, denn mit der höheren Auflösung können nicht nur feine Bildinhalte wiedergegeben werden, dann außerdem kann das TAA dank der höheren Informationsdichte des Ausgangsmaterials sauberer und besser arbeiten. Die grafischen Inhalte von Dirt Rally 2.0 profitieren zudem recht deutlich von Auflösungen jenseits Full HD.

Dirt Rally 2.0: Anti-Aliasing-Vielfalt

Dirt Rally 2.0 bietet mehr Anti-Aliasing-Optionen als jedes andere moderne Spiel. Neben den erwähnten Modi TAA und MSAA steht auch der Postfilter CMAA sowie, eine geeignete Grafikkarte vorausgesetzt, EQAA zur Verfügung. Während TAA in den meisten Fällen den besten Kompromiss aus Leistung und Bildqualität darstellt, können Nutzer starker Grafikkarten mit Kombinationen herumspielen. So führt TAA in Kooperation mit Downsampling zu sehr guten Ergebnissen mit besserer Bildschärfe, in hohen (Downsampling-)Auflösungen stellt sich aber auch mit MSAA ein sehenswertes, weil wesentlich knackigeres Bild ein.

CMAA ist ein performanter Notnagel für Nutzer schwacher Grafikkarten. Hier werden, analog zu FXAA, die vorhandenen Bildinformationen interpoliert und somit geglättet. Im Gegensatz zu FXAA wird hier jedoch so gut es geht zwischen Pixeltreppen und gewollten Strukturen unterschieden, sodass CMAA das Bild nicht komplett weichspült. Gegen Flimmern in Bewegung ist der Algorithmus genauso machtlos wie FXAA und (das nicht in Dirt Rally 2.0 verfügbare) SMAA. CMAA erzielt in Kombination mit hohen Auflösungen jedoch gute, perfomante Resultate.

Enhanced Quality Anti-Aliasing (EQAA) ist hingegen ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Dabei handelt es sich um ein aufgebohrtes Multisampling, das Ende 2010 von AMD eingeführt wurde und seitdem in einigen Spielen mit MSAA-Support angeboten wird. Die zusätzlichen Samples von 8× EQAA führen zu besserer Glättung von Polygonkanten und der Alphatest-Vegetation gegenüber 8× MSAA, reißen jedoch ein noch tieferes Loch in das Fps-Budget. Gegen zeitliches Flimmern kann auch EQAA nichts ausrichten. EQAA ist auf jeder aktuellen Radeon-Grafikkarte verfügbar; ein Nvidia-Pendant ist seit dem Wegfall von Coverage-Sample-AA (CSAA) nicht verfügbar.

Anti-Aliasing in Dirt Rally 2.0 (200 % Größe) - Bild per Mausklick auswählen
1x (kein) AA
1x (kein) AA 2x MSAA 4x MSAA 8x MSAA CMAA TAA

Ganz kühne Burschen transformieren das von Dirt Rally 2.0 angeforderte MSAA per Treiber in SSAA. Vor einigen Jahren handelte es sich dabei um den "Heiligen Gral" der Bildglättung, doch mittlerweile ist diese Option beinahe vollständig aus Spielen verschwunden - kein Wunder, bedingt jenes Trinkgefäß doch das Vorhandensein von MSAA, um dessen Platz einzunehmen. In Dirt Rally 2.0 dürfen Sie ein vielleicht letztes Mal in den Genuss von SGSSAA kommen. Wie schon bei Dirt 4 und zuletzt Wreckfest führt das Verfahren jedoch nicht unbedingt zur erhofften Erlösung von Flimmern und Matsch. Im Gegenteil, aufgrund der dabei vom Treiber angepassten Textur-LOD-Stufe flimmert Dirt Rally 2.0 - wie Wreckfest - zunächst stärker. Dem wirken Geforce-Nutzer mithilfe eines leicht positiveren LOD mittels Nvidia Inspector entgegen. Alternativ aktivieren Sie das Dirt'sche TAA, das auch dieses Flimmern in den Griff bekommt. SGSSAA + TAA erzielt einen höheren Detailgrad als MSAA + TAA, allerdings zu hohen Leistungskosten.

Spezial-AA in Dirt Rally 2.0 (200 % Größe) - Bild per Mausklick auswählen
4× MSAA
4× MSAA 8× EQAA (AMD) 4× SGSSAA 4× MSAA + TAA 4× SGSSAA + TAA TAA Ultra HD downsampled (4× OGSSAA) + TAA

Dirt Rally 2.0: Anti-sotrope Filterung

Während das Vorhandensein vieler AA-Modi begrüßenswert ist, damit jeder Spieler einen guten Kompromiss finden kann, wird die anisotrope Filterung in vielen Spielen stiefmütterlich behandelt. Zur Jahrtausendwende eingeführt und in den Jahren danach Gegenstand vieler "Optimierungen" auf Kosten der Bildqualität, arbeiten die Texturfiltereinheiten jedes modernen Grafikprozessors tadellos. Noch nie war hochwertiges AF so günstig wie heute. Und dennoch sparen viele Spiele an der Qualität des Grundfilters. Die Folge ist entweder mehr Flimmern als notwendig oder fehlende Struktur, da weniger Samples pro Pixel verrechnet werden, als technisch möglich wäre. Zu allem Überfluss verstärkt TAA den Matsch, sodass gute Texturen und deren Filterung umso wichtiger sind.

Stören auch Sie sich daran, dass Dirt Rally 2.0, Dirt 4, The Crew 2, Quantum Break, The Witcher 3 und viele weitere Spiele gerade in Entfernung und bei Schrägen Texturdetail verlieren? Dann erzwingen Sie 16x AF im Grafiktreiber! Das funktioniert bei DirectX-11-Spielen ausnahmslos, so auch bei Dirt Rally 2.0. Alternativ hilft auch hier der Holzhammer Super- respektive Downsampling, welcher ebenfalls einen AF-Effekt hat. Besitzer starker Grafikkarten schalten beides zu.

Dirt Rally 2.0: Systemanforderungen

Der Vollständigkeit halber finden Sie an dieser Stelle noch die offiziellen Hardware-Empfehlungen für Dirt Rally 2.0. Rund 50 GByte Plattenplatz verschlingt das Spiel. Minimal braucht es ein 64-Bit-Windows (Windows 7 bis Windows 10), 8 GiByte RAM, einen AMD Bulldozer-Prozessor mit drei Modulen (FX-4300) oder einen Core i3-2130 sowie eine Radeon HD 7750 oder Geforce GTX 650 Ti. Das sollte für den Großteil der PCGH-Leser überhaupt kein Problem darstellen. Kerniger wird es bei den empfohlenen Systemanforderungen. Hier ist weiter DirectX 11 unter einem 64-Bit-Windows Trumpf, auch beim Arbeitsspeicher gibt es keine höheren Anforderungen. Bei den CPUs empfiehlt Codemasters aber schon die modernen Prozessoren Ryzen 5-2600X sowie einen Core i5-8600K.

Das ist nicht nur ein gewaltiger Sprung gegenüber den laschen Minimalvoraussetzungen, sondern auch ein großer Unterschied zu Dirt 4 von Juni 2017. Das vorherige Dirt-Spiel verlangte offiziell nur nach einem Core i5-4690 oder einem AMD FX-8320 und im Test mit der ersten Ryzen-Generation zeigte sich auch, warum: Dirt 4 skalierte jenseits von vier Kernen kaum noch und Ryzen-Optimierungen waren nicht erkennbar. Nun besteht natürlich eine gewisse Chance, dass sich Dirt Rally 2.0 hier ganz anders präsentiert, denn immerhin werden nun "richtige" Sechskerner empfohlen.

Auch bei der Grafikkarte wird es spannend. Empfohlen werden eine Radeon RX Vega 56 oder eine Geforce GTX 1070, was anspruchsvoll, aber plausibel klingt. Bei Dirt 4 waren es noch eine Radeon R9 390 oder Geforce GTX 780 (zwei im Grunde nicht vergleichbare Modelle). In WQHD erreichten diese Karten aber auch schon keine 60 Fps mehr. Inwiefern all das auf die von uns gemessene Praxis zutrifft, erfahren Sie auf der folgenden Artikelseite.

  Minimale Hardware Empfohlene Hardware
Windows Windows 7/8.1/10 | 64 Bit Windows 7/8.1/10 | 64 Bit
DirectX 11 11
CPU AMD FX-4300 | Intel Core i3-2130 AMD Ryzen 5 2600X | Intel Core i5-8600K
RAM 8 GiByte 8 GiByte RAM
Grafikkarte Radeon HD 7750 | Geforce GTX 650Ti Radeon RX Vega 56 | Geforce GTX 1070
Festplatte 50 GiByte 50 GiByte

Das Grafikmenü von Dirt Rally 2.0 ist erfreulich umfangreich und lässt Sie eine Vielzahl Einstellungen auf Wunsch separat und gezielt vornehmen. "Filmische" Effekte wie Chroma-Abweichung oder Lensflares lassen sich deaktivieren, im Spielmenü bieten FOV-Slider, Regler für Kamerawackeln und breite Konfiguriermöglichkeiten für das HUD zusätzliche Individualisierungsmöglichkeiten. Von 16:9 abweichende Bildformate sowie Multidisplay-Setups werden ebenfalls unterstützt - vorbildlich!

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    • Kommentare (47)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von flozn Freizeitschrauber(in)
        TAA ist grauenhaft. Nicht ganz so verrückt wie in Resi2 aber dennoch völlig unakzeptabel.
      • Von flozn Freizeitschrauber(in)
        TAA ist grauenhaft. Nicht ganz so verrückt wie in Resi2 aber dennoch völlig unakzeptabel.
      • Von Birdy84 Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von Mad Doc
        Fiese Leistungsfresser sind advanced blending (AUS da ich schon beim Vorgänger keine optische Verbesserung ausmachen konnte)
        Schau mal aus dem Seitenfenster in den Wald, Bäume und Sträucher gliedern sich optisch besser in das Bild ein. Finde auch, dass der Effekt keine 30% Leistungseinbußen wert ist.
      • Von Deimos BIOS-Overclocker(in)
        Schön, dass man bei AA die Wahl hat.
        Bin kein Fan der Temporallösungen; da geht mir oftmals zu viel Schärfe flöten.
      • Von WeltbesterGabbyJay Software-Overclocker(in)
        Wirklich schade, dass es (aus bekannten Gründen) kaum noch MSAA/SGSSAA gibt und die Bildqualität in Games damit einen Rückschritt gemacht hat.

        Und DSR/Downsampling kostet gegenüber SGSSAA mehr leistung und hat an Polygonkanten eine schlechtere EER (bei gleicher "Samplezahl").

        Wenigstens hat OGSSAA bei Texturen (leichte) Vorteile, so dass man unter zuschalten von weiteren Maßnahmen zur Kantenglättung (Post Processing oder TAA) dann womöglich auch ein ordentliches Bild bekommt, wenn auch unschärfer. -_-

        PS
        Diese 2D-Vegetation sieht aus wie in Games vor 10 Jahren oder länger auch schon... hätte man da im Jahr 2019 nicht mal was besseres machen können?
      • Von PCGH_Raff Kokü-Junkie (m/w)
        Zitat von toni28
        Die SGSSAA Screenshots wurden aber ohne LOD-Adjustment (also mit NV) gemacht, oder?
        Die Screenshots entstanden allesamt auf einer Radeon RX Vega 64 (um auch EQAA zu zeigen). Interessanterweise sieht man das angepasste Texture LoD nicht in allen Bereichen, aber das Flimmern schon.

        Auf Wunsch kann ich morgen die Originale hochladen.

        MfG,
        Raff
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