Dino-Duell: Athlon 64 X2 6400+ vs. Pentium (4) EE 955 im Test

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Aufmacher aus PCGH 02-2006
Quelle: PC Games Hardware

Weiland wischte AMDs Athlon-64-Riege mit ihren Netburst-basierten Gegnern aus Intels Pentium-4-Reihe den Boden auf - daran konnten auch die extrem teuren Extreme Editionen nicht viel ändern. Wir machen eine kleine Zeitreise und schauen uns an, wie zwei der damaligen Spitzenmodelle für Sockel 775 beziehungsweise AM2 sich im heutigen Benchmark-Parcours schlagen.

Anmerkung: Dieser Artikel hatte die meisten Seitenaufrufe diese Woche. Aus diesem Grund veröffentlichen wir ihn heute erneut.

Während unserer Tests für den umfassenden Pro-MHz- und Pro-Kern-Vergleich für einen sechsseitigen Artikel in PCGH 05/2014 wollten wir als Basiswert-Lieferanten natürlich auf die ältesten in unserem Fundus verfügbaren Prozessoren zurückgreifen, die noch in der Lage sind, ein aktuelles Betriebssystem wie die 64-Bit-Version von Windows 8.1 zu betreiben. Unsere Wahl fiel auf die beiden Kandidaten AMD Athlon 64 X2 6400+ sowie Intel Pentium Extreme Edition.

CPU-Oldies im Vergleich: Pentium Extreme Edition 955 vs. AMD Athlon 64 X2 6400+ Quelle: PC Games Hardware CPU-Oldies im Vergleich: Pentium Extreme Edition 955 vs. AMD Athlon 64 X2 6400+

In Ausgabe 02/2006 verglich PCGH in Person des damaligen stellvertretenden Chefredakteurs Christian Gögelein den AMD Athlon FX-60 mit dem Pentium Extreme Edition, kurz PEE 955. In den beiden Benchmark-Spielen von damals, Age of Empires 3 und Need for Speed: Most Wanted, zog die Intel-CPU um rund 8 respektive 19 Prozent den Kürzeren.

Da wir für die beiden sowieso schon lauffähige Systeme in Betrieb hatten, haben wir kurzerhand die Standard-CPU-Tests von PC Games Hardware durchlaufen lassen. So können Sie sich heute in unserem Retro-Test ein Bild davon machen, ob einstige High-End-CPUs von 2006-2008 heutigen Anforderungen gewachsen sind.

Die Kontrahenten: AMD Athlon 64 X2 6400+

Bei AMDs schnellster Sockel-AM2-CPU - zumindest unter den Prozessoren, die eigentlich für diesen Sockel gedacht waren - setzte man noch auf die bewährte A64-Architektur. Sogar der schon zum Erscheinen vergleichsweise altertümliche 90-nm-Prozess kommt bei den beiden Windsor-Kernen mit jeweils 1.024 kiB L2-Cache zum Einsatz. Dadurch sind der Taktbarkeit des 125-Watt-Modells, welches es auch in einer Black Edition mit freiem Multi gab, recht enge Grenzen gesetzt. Doch immerhin schaffte man es dank Windsor überhaupt nennenswert über die 3-GHz-Grenze. Die eigentlich moderneren Brisbane-Modelle mit 65-nm-Fertigung hatten Probleme, bei so hohen Taktraten stabil genug für eine Serienfertigung zu arbeiten, darum AMDs auf den ersten Blick verwunderlicher Schritt.

Der große Vorteil, den AMD gegenüber Intel in Feld führen konnte, war neben der allgemeinen Netburst-Schwäche insbesondere der integrierte Speichercontroller: Bei Intel lief die Datenversorgung der CPU immer noch über die Northbridge, was besonders die Latenzen in die Höhe trieb. CPU-z: Athlon 64 X2 6400 und Pentium 4 EE 955 Quelle: PC Games Hardware CPU-z: Athlon 64 X2 6400 und Pentium 4 EE 955

Die Kontrahenten: Intel Pentium Extreme Edition 955

Bei diesem Exemplar, welches irrtümlicherweise als Defekt markiert in unserer Reste-Schublade jahrelang vor sich hindöste, handelt es sich um den zweitflottesten Prozessor der Pentium-4-Generation, es gab noch einen EE 965 mit 3,73 GHz, der uns aber leider nicht zur Verfügung stand. Wohl um den unguten Ruf des Pentium 4 abzuschütteln, entschied sich Intel für die Extreme Editions die 4 im Namen wegzulassen. Unser Testmuster nutzt zwei Kerne samt Hyperthreading und präsentiert dem Betriebssystem so vier Beschäftigung suchende Threads. Unterstützt werden diese von 2 × 2.048 kiB Level-2-Cache, welche die Rechenwerke des 130-Watt-Prozessors mit Daten versorgen sollen. All das kommt in 65-nm-Fertigung und passt in den Sockel 775. Zum Launch waren 955X- oder Nforce-4-Chipsatz vonnöten, unsere Tests führten wir im letzten, offiziell für den Pentium 4 freigegebenen Chipsatz, dem 965P durch. Erwähnten wir schon, dass der PEE 955 mit 3,46 GHz nicht nur einen Thread- sondern auch einen geringen Taktvorteil gegenüber dem Athlon in die Waagschale werfen kann?

  Pentium (4) EE 955 Athlon 64 X2 6400+
Hersteller Intel AMD
Fertigungstechnik 65 nm 90 nm
Codename Presler Windsor
Anzahl Kerne 2 2
Hyperthreading Ja Nein
Integrierter Speichercontroller Nein Ja
FSB/Referenztakt FSB1066 200 MHz
Taktrate 3,46 GHz 3,2 GHz
L2-Cache 2xž 2.048 KiB 2xž 1.024 KiB
Nominelle Verlustleistung 130 Watt 125 Watt
Ca-Preis bei Ver”öffentlichung 1.000 Euro 240 Euro

Oldie-CPUs im Benchmark-Parcours

Jeder Prozessor erhält pro Speicherkanal 2 × 2 GiByte DDR2-800-RAM. Die Timings liegen bei 8-8-8-15 und (aufgrund der vier Module) 2T Command-Rate. Für die Benchmarks verwenden wir das Windows-Energieschema "Höchstleistung", nur die Messung der Leerlaufleistung erfolgt im "Energiesparmodus". Die hardwareseitigen Stromsparmechanismen wie Intels EIST oder AMDs Cool'n'Quiet der Prozessoren hingegen bleiben, wie auch die Turbo-Modi, bei den Benchmarks aktiv. Die Kühlung stellt im Falle der Intel-CPUs ein Scythe Kama Cross, die Wärmeableitung Alphacool Silver Grease, zur Verfügung gestellt von Aquatuning, sicher.

Athlon 64 X2 6400+ vs. Pentium (4) Extreme Edition 955 in Spielen

Im Vergleich zu früheren Tests haben wir sowohl die Benchmarks selbst (mindestens leicht) überarbeitet und zum Teil gar komplett neu gestaltet. Generell haben wir die Messungen auf 20 Sekunden gekürzt, dabei aber die härteste Action eingefangen. Bei Crysis 3 kommt das Windows-Timer-Tool zum Einsatz, damit die CPUs ihre maximale Leistung freisetzen können. In Starcraft 2 messen wir die anspruchsvollsten 20 Sekunden des alten Benchmarks. In Skyrim haben wir per uGrid-Mod (uGridstoLoad = 9 und uExterior Cell Buffer = 81) den Prozessoren deutlich mehr zu tun verschafft. F1 2013 wird von einem HT-Bug heimgesucht: Hier bremst Intels Kernausnutzungstechnik die Fps-Werte. Ferner, aber nichtsdestoweniger sehr bedeutsam, haben wir unsere Tests auf Windows 8.1 Pro (64 Bit) umgestellt. Eine Geforce GTX 780 Ti mit fixem Takt und 0,95 Volt bringt das Maximum an Spieleleistung bei einem Minimum an Stromverbrauch. In Crysis 3 und Battlefield läuft die Karte mit 1.000 MHz Kerntakt, in den restlichen Spielen liegt so wenig Last an, dass sie sich bei langsameren CPUs heruntertakten würde - so erlauben wir ihr, in Anno, F1, SC2 und Skyrim gleich mit 875 MHz Baseclock zu laufen.

Weitere Benchmarks aktueller Prozessoren finden Sie unter anderem in unserem vorhergehenden CPU-Test.

Athlon 64 X2 6400+ vs. Pentium (4) Extreme Edition 955 in Anwendungen

Unsere Anwendungstests haben wir im Herbst 2013 zuletzt neu gestaltet. 7-Zip hat nun mehr Threads, wir nutzen eine aktuelle Version des x264-Encoders, welche auch mit AVX2 umzugehen vermag und anstelle von Faststone nutzen wir nun das weit verbreitete Adobe Lightroom in Version 5.3, um 30 RAW-Fotos zu konvertieren - eine praktische Mix-Aufgabe, die zum Teil von hoher Single-Thread-Leistung, von hohem Takt und von guter Parallelisierbarkeit profitiert.

  7-Zip (sec) Lightroom 5.3 RC (sec) Luxmark Sala (pts) x264-UHD (fps)
Pentium (4) EE 955 (3,46 GHz) 1015 913 97 0,61
Athlon 64 X2 6400+ (3,2 GHz) 1180 741 86 0,78
P-EE 955 vs. 6400+ 14% better 23% worse 13% better 23 worse

Athlon 64 X2 6400+ vs. Pentium (4) Extreme Edition 955: Fazit

Aufmacher aus PCGH 02-2006 Quelle: PC Games Hardware Aufmacher aus PCGH 02-2006 Auch im Jahr 2014, also rund 6 Jahre nach dem Ende der Pentium-4- und Athlon-64-Ära, ändert sich am Gesamtfazit nicht viel: Der AMD-Prozessor ist nach wie vor deutlich flotter und kann sich im Spiele-Teil des PCGH-Indizes um ein rundes Drittel vor dem Pentium Extreme Edition platzieren. AMD kommt hier zusätzlich die deutlich geringere Taktdifferenz zwischen den beiden CPUs zu Gute, wenn man die Relation zum Jahr 2006 herstellt - hier arbeiteten die Texaner bei ihren Athlon-64-CPUs noch mit 2,8 GHz und konnten bis 2008 noch 400 MHz drauflegen. In Anwendungen dagegen ist der Vorsprung des Athlon 64 im Mittel nur gering: 7-Zip und Luxmark reißen es es für Intel heraus - wobei angemerkt werden muss, dass Hyperthreading beim Pentium 4 in Anwendungen generell vorteilhafter arbeitet als in Spielen. Besonders in Lightroom 5.3, aber auch bei der x264-Transkodierung von Videos hat der Pentium jedoch keine Chance gegen den AMD-Prozessor. Auch in Sachen Stromverbrauch macht der Netburst-Prozessor noch immer keine besonders gute Figur. Sein Abschneiden im Effizienz-Index sieht unerfreulich aus: Im Spieleindex liegt das AMD-Modell gar 66 Prozent in Front, obwohl hier die Grafikkarte als ausgleichender Faktor wirkt.

  Pentium (4) EE 955 (3,46 GHz) Athlon 64 X2 6400+ (3,2 GHz)
Spiele-Index (max. 100) 15,1 20,4
Anwendungs-Index (max. 100) 12,6 13,4
Spiele-Effizienz (max. 100) 11,2 18,7
Anwendungs-Effizienz (max. 100) 8,7 10,8

[Vergleichswerte zu unseren Index-Benchmarks finden Sie unter anderem in der regelmäßig aktualisierten CPU-Kaufberatung bei PCGH.]

Alles in allem gewinnt der Athlon 64 X2 6400+ das Retro-Match deutlich. Es sei jedoch angemerkt, dass wir hier 2006er-CPU von Intel mit einem 2008er-Modell von AMD vergleichen - den Grund nannten wir bereits in der Einleitung. Auf der anderen Seite verlangte Intel zur Veröffentlichung des Prozessors rund 1.000 Euro, während das AMD-Modell erst nach dem rasanten CPU-Preissturz am Markt, hervorgerufen durch die schnellen Core-2-Modelle, überhaupt verkauft wurde - zu maximal einem Viertel des Preises des Intel-Modells. Im günstigsten Falle kosteten die Prozessoren laut Archiv unseres Preisvergleiches 750 (Pentium EE 955) respektive 85 Euro (X2 6400+) - einfach auf "Preisentwicklung (Live)" und dann beim Zeitraum auf "Alles" klicken.

Den oben angesprochenen, umfangreichen Performance-Vergleich pro MHz und pro Kern finden Sie in der PC Games Hardware Printausgabe 05/2014 (ab Seite 72) - ab sofort am Kiosk oder auch in elektronischer Form über eines unserer Angebote.

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    • Kommentare (47)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von crossbone Schraubenverwechsler(in)
        Ich spiele hier mal den Totengräber und hole einen uralten Kommentar-Thread wieder nach oben
        Ich sehe den Artikel erst jetzt, viele Jahre später in Folge eines Nostalgie-Trips.

        Ich muss auch sagen, die Auswahl der beiden Prozessoren ist ein wenig unglücklich.
        Der Pentium 955 EE ist eine CPU aus Januar 2006 für 1000€
        Der X2-6400+ ist eine CPU aus Ende 2007 für etwa 200€

        Wenn man eine andere Intel CPU aus Ende 2007 für 200€ gewählt hätte, beispielsweise den Core 2 Duo E6850 - hätte das Bild in Bezug auf Preis-Leistung ganz anders ausgesehen.

        Anders herum hätte man auch den Pentium 955EE gegen ein damaliges Sockel 939 Pendant von AMD antreten lassen können, beispielsweise den FX-60.

        Das hätte ebenfalls besser gepasst. Aber das nur als Anekdote beim morgendlichen Kaffee, liest vermutlich in 2021 sowieso niemand mehr
      • Von crossbone Schraubenverwechsler(in)
        Ich spiele hier mal den Totengräber und hole einen uralten Kommentar-Thread wieder nach oben
        Ich sehe den Artikel erst jetzt, viele Jahre später in Folge eines Nostalgie-Trips.

        Ich muss auch sagen, die Auswahl der beiden Prozessoren ist ein wenig unglücklich.
        Der Pentium 955 EE ist eine CPU aus Januar 2006 für 1000€
        Der X2-6400+ ist eine CPU aus Ende 2007 für etwa 200€

        Wenn man eine andere Intel CPU aus Ende 2007 für 200€ gewählt hätte, beispielsweise den Core 2 Duo E6850 - hätte das Bild in Bezug auf Preis-Leistung ganz anders ausgesehen.

        Anders herum hätte man auch den Pentium 955EE gegen ein damaliges Sockel 939 Pendant von AMD antreten lassen können, beispielsweise den FX-60.

        Das hätte ebenfalls besser gepasst. Aber das nur als Anekdote beim morgendlichen Kaffee, liest vermutlich in 2021 sowieso niemand mehr
      • Von DiZER
        sieht ja mal recht eindeutig aus und für den der es noch nicht vorher wußte - erst recht.

        DINO-DUELL? aberwitzige wortwahl!



        mfg
      • Von ΔΣΛ Kokü-Junkie (m/w)
        Ja ja, die guten alten Zeiten, wo Amd noch besser war als Intel, ist schon viele Jahre her, manche Amd Hardcore Fans glauben das heute noch, die Werbewirksamen Beschreibungen machen ihr übriges
        Heute lehnt sich Intel zurück, und veröffentlicht nur mehr etwas schnelleres wenn sie gerade möchten bzw wieder Geld wollen, natürlich nur mit so viel Mehrleistung das die Hardcore Aufrüster es gerade noch akzeptabel finden
      • Von Kuschluk PC-Selbstbauer(in)
        ... high end hin oder her ...

        high end bedeutet im allgemeinen 20-30% schneller für 100% mehr geld.

        => high end von damals wird heute einfach alteisen sein.

        Sooo alt sind die CPUs ja auch noch nicht und ich hab leider weil ich meine spiele PCs immer verkauft habe noch genug mit den Möhren zu tun.

        Ein schneller i3 mit ner 120gb SSD ist mit den damaligen CPUs nicht vergleichbar und schlägt diese um meilen.

        Selbst wenn die leistung gleich bleibt so ist doch aufgrund der Fertigungsgröße klar:

        Abwärme, Stromverbrauch werden um welten schlechter liegen ...

        Ich finde solche tests Öde und vorraussehbar (ohne es probieren zu müssen).

        Interessanter wäre es mal etwas spezifischere Tests mit aktuellen Systemen zu machen:

        Inputlag / Gefühlssache bsp. bei einer Highendkarte (für die man ja aktuell mehrere 19% langsamerere Karten bekommen kann).

        Das sind in meinen augen nämlich kaum bekannte dinge die man mal in Zahlen fassen sollte (oder es versuchen). Bin selbst bis heute Single GPU nutzer werde aber langsam bei preisen von 1000€ pro gpu etwas stuzig. sofern man mit 300- 400 € unwesentlich schlechter dasteht.

        Bin übrigens 6000+ (kommt weg) und 6400+ (muss sich nochmal mit win7 quälen) grade am abschaffen bzw das letzte mal neu aufzusetzen.
      • Von ruyven_macaran Trockeneisprofi (m/w)
        Ich glaube, er meinte mit "hier" die Aussagen einiger Threadteilnehmer, nicht den Artikel

        P.S.:
        Streicht doch mal die "(4)" aus dem Titel des Republishes oder ersetzt sie zumindest durch ein "(D)"
      Direkt zum Diskussionsende
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