Schlacht um TSMC: Apple und Nvidia kämpfen um die Vorherrschaft
Apple könnte bei TSMC an Einfluss verlieren. Berichten zufolge ist Nvidia inzwischen der umsatzstärkste Kunde des Auftragsfertigers, was Folgen für Preise, Prioritäten und Apples künftige iPhone-Pläne haben könnte.
Apple galt über Jahre als wichtigster Kunde von TSMC (Taiwan Semiconductor Corporation) und profitierte bei neuen Fertigungsprozessen und Kapazitäten regelmäßig von einer bevorzugten Behandlung. Aktuelle Berichte stellen diesen Sonderstatus jedoch infrage. Nvidia habe Apple als umsatzstärksten Kunden des taiwanesischen Chipauftragsfertigers abgelöst und mache nun 13 Prozent des Gesamtumsatzes aus.
Laut Aussagen von Nvidia-CEO Jensen Huang, die in Branchenmedien aufgegriffen wurden, ist Nvidia inzwischen der größte Kunde von TSMC. Diese Einschätzung wird als Gerücht eingeordnet, deckt sich jedoch mit dem stark gestiegenen Bedarf an KI-Beschleunigern und Rechenzentrums-GPUs, die fast ausschließlich bei TSMC gefertigt werden. Apple bleibt zwar einer der wichtigsten Kunden, soll beim Umsatzanteil jedoch zurückgefallen sein.
Mögliche Auswirkungen auf Preise und Prioritäten
Parallel dazu kursieren Gerüchte, wonach TSMC die Preise für Apple erhöhen könnte. Hintergrund ist, dass Apple ohne den Status als größter Kunde weniger Verhandlungsmacht besitzen würde. Nvidia und andere Großkunden aus dem KI-Segment sichern sich demnach einen wachsenden Teil der fortschrittlichsten Fertigungskapazitäten, insbesondere bei modernen Nodes und beim Advanced Packaging. Letzteres ist mittlerweile häufig das noch engere Nadelöhr.
Ob Apple tatsächlich schlechtere Konditionen erhält, ist nicht bestätigt. Fest steht jedoch, dass die Nachfrage nach TSMCs Kapazitäten durch KI-Chips stark gestiegen ist. TSMC erhöht seine Preise regelmäßig für neue Fertigungsstufen, was auch Apple betrifft, selbst wenn bestehende Verträge langfristig ausgelegt sind. Immerhin kann Apple es sich sehr viel eher als Nvidia erlauben, bei hochmodernen Prozessen in der Ramp-up-Phase schlechtere Ausbeuten hinzunehmen, da die iPhone-SoCs sehr viel kleiner sind als die großen GPU-Chips. Anders als früher erweisen sich heute aber immer mehr die gesamte Kapazität bei 12-Inch-Wafern (300 mm) und das erwähnte Packaging als Engstelle.
Hinweise auf Apples künftige iPhone-Strategie
Ein weiterer Bericht liefert neue Hinweise auf Apples Planungen rund um kommende iPhone-Generationen. Demnach soll Apple einen großen Teil der verfügbaren WMCM-Packaging-Kapazitäten von TSMC reserviert haben, um den in 2 nm gefertigten A20 weiterzuverarbeiten. Diese Technologie erlaubt komplexere Chip-Designs und wird als wichtiger Baustein für leistungsfähigere SoCs der Zukunft gesehen, die immer mehr Dies in einem Package kombinieren.
Diese Reservierungen werden als Indiz, nicht als Bestätigung gewertet, dass Apple auch künftig stark auf TSMC angewiesen bleibt. Gleichzeitig zeigen sie, dass Apple weiterhin frühzeitig Produktionskapazitäten sichert, um Engpässe zu vermeiden. Ein automatischer Vorrang gegenüber anderen Kunden lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Zumindest ist Apple bekannt dafür, weit im Voraus zu planen - auch bei Panels, Speicher und dergleichen. So sichert man sich nicht nur gute Preise, sondern auch frühzeitig die knappen Kapazitäten.
Quelle: Semi Analysis
Ein verändertes Machtgefüge bei TSMC
Insgesamt deutet sich ein Wandel im Kundenportfolio von TSMC an. Während Apple lange Zeit der dominierende Einzelkunde war, gewinnen Nvidia und andere KI-Unternehmen deutlich an Bedeutung. Diese Entwicklung spiegelt den generellen Trend wider, dass Rechenzentrums- und KI-Chips derzeit höhere Margen und ein stärkeres Wachstum versprechen als klassische Smartphone-SoCs. Ob das nachhaltig anhält, ist Gegenstand vieler Diskussionen.
Ob Apple langfristig tatsächlich Nachteile bei Fertigungsprioritäten erleidet, bleibt daher offen. Klar ist jedoch, dass der Wettbewerb um modernste Fertigungskapazitäten spürbar intensiver geworden ist und davon auch andere Auftragsfertiger wie Samsung und Intel profitieren, aber auch zahlreiche chinesische Foundrys und Unternehmen entlang des gesamten Ökosystems.
Quellen: Fixed Focus Digital Cameras auf Weibo, CTEE, Culpium, Semi Analysis
