Mindfactory: Stellungnahme zum Insolvenzverfahren [Update]
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Was ist momentan los beim beliebten Online-Versandhändler Mindfactory? Diese Frage stellen sich zur Stunde zahlreiche Hardware-Enthusiasten und Spieler, nicht nur innerhalb der PCGH-X-Community. Wir versuchen uns an einer kurzen Einordnung.
Mindfactory
- 1 Was ist eigentlich passiert?
- 2 Wie ging es anschließend weiter?
- 3 Keine offizielle Stellungnahme [Update]
- 4 Angebot im Online-Shop wirft Fragen auf [Update]
- 5 Werbung sorgt für Unverständnis [Update]
- 6 Online-Shop ist vorerst offline [Update]
- 7 Der Shop ist wieder online [Update]
- 8 Neuregistrierung nötig [Update]
- 9 Insolvenzverfahren soll beantragt worden sein [Update]
- 10 Investor könnte womöglich gefunden sein [Update]
- 11 Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung [Update]
Originalmeldung vom 6. März 2025:
Was ist momentan los beim beliebten Online-Versandhändler Mindfactory? Diese Frage stellen sich zur Stunde zahlreiche Hardware-Enthusiasten und Spieler, nicht nur innerhalb der Community im PCGH-X-Forum, sondern auch auf ComputerBase und HardwareLuxx. Nachdem Forenmoderator "Pokerclock" dem Thema mit seinem initialen Posting zu einer breiten Öffentlichkeit verholfen hatte, hat sich unsere Redaktion lange und sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt und sich dementsprechend an einer Einordnung der Situation versucht.
Hinweis: Aufgrund der redaktionellen Standards und mit Rücksichtnahme auf das betroffene Unternehmen, die Mindfactory GmbH, welche zwar bereits seit 2024 keine Aktiengesellschaft mehr ist, sondern eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, sind Gerüchte, wie eine "mögliche Insolvenz" und "Steuerprobleme" hier nicht das Thema und werden bereits in den genannten Foren zur Genüge diskutiert. Hierbei soll es vornehmlich um die aktuelle Situation und die offenkundigen Fakten gehen.
Die Redaktion von PCGH hat die Verantwortlichen des 1996 als Mindfactory Hardware- und Softwarebetriebs GmbH gegründete Unternehmens mit Sitz in Wilhelmshaven bereits um eine Stellungnahme gebeten, die bislang aber noch unbeantwortet geblieben ist. Da das öffentliche Interesse, insbesondere auch in unserem eigenen Forum so groß ist, haben wir uns dazu entschlossen, diesen Sachverhalt nach reichlicher Abwägung doch redaktionell aufzugreifen. Im Nachfolgenden ordnen wir die aktuelle Situation für unsere Leser ein.
Was ist eigentlich passiert?
Bereits am Dienstagabend ist unserem Forenmoderator Pockerclock aufgefallen, dass der für gewöhnlich gut gefüllte Online-Shop von Mindfactory, über welchen auch nicht wenige unserer PCGH-Leser die so begehrte Hardware für ihre Gaming-PCs beziehen, durch "gähnende Leere" auf sich aufmerksam machte. Auch die so populären Kategorien "Mindstar" und "DAMN!-Deals" waren verwaist.
Nachdem sich dieser Umstand zumindest in bei den rabattierten Mindstar-Angeboten wieder geändert hatte fielen den Beobachtern - darunter auch die PCGH-Redaktion - aber folgende Ungereimtheiten auf, welche völlig untypisch für Mindfactory sind.
- Nachdem Mindfactory eine lange Zeit lang als deutsches Aushängeschild unter den Online-Shops für Hardware von AMD galt und auch beim AMD Ryzen 7 9800X3D als einziger Händler in der Lage war, Chargen an Land zu ziehen und anzubieten, hat aktuell keinen Ryzen 9000 mehr im Angebot, weder lagernd noch bestellbar.
- Das heutige Release der beiden RDNA-4-Grafikkarten, der Radeon RX 9070 XT und der Radeon RX 9070, auf die zahlreiche Spieler gewartet haben, hat Mindfactory ganz ausgelassen. Die beiden neuen Grafikkarten von AMD wurden zu keinem Zeitpunkt angeboten oder auch nur ein einziges Mal im Vorfeld entsprechend beworben.
- Auch ist sämtliche Hardware von Apple wie das iPhone, verschiedene iPads und Macs von den Produktseiten verschwunden, welche mittlerweile bloß noch einen HTTP-Statuscode 404 ausgeben. Gleiches gilt auch für Smartphones und mit Ausnahme von drei Geräten (ein MacBook Air) für sämtliche Notebooks.
- Grafikkarten der Serien Geforce RTX 20 ("Turing"), Geforce RTX 40 ("Ada Lovelace") und Geforce RTX 50 ("Blackwell") werden ebenfalls nicht mehr gelistet und einzig jeweils eine(!) Geforce RTX 3060 und 3050 findet sich im Shop.
- Auffällig ist außerdem, dass der Online-Shop von Mindfactory mittlerweile nur ausnahmslos Produkte listet, welche als "lagernd" geführt werden. Aktuell können Kunden demnach keine Ware kaufen, welche beim Hersteller oder im Großhandel bestellt werden müsste. Auch das kennt man von Mindfactory so nicht.
Während wie eingangs erwähnt das Gerücht einer "möglichen Insolvenz" schnell die Runde machte, für die es aber zu aktuellen Zeitpunkt keinerlei fundierten Belege gibt, sprachen andere Quellen von einer "Umstrukturierung des Online-Shops".
Wie ging es anschließend weiter?
Als erste Website sprang VideoCardz auf den Zug auf und bezog sich dabei wiederum auf eine Aussage von Igor Wallossek, welcher im Forum von Igor's Lab sagte, dass Mindfactory angeblich nächste Woche Insolvenz beantragen werde. Er wisse davon seit dem vergangenen Freitag. Später editierte er seinen Beitrag und ergänzte, dass eine Insolvenz nicht gleichbedeutend mit einem Bankrott sei. Im ComputerBase-Forum äußerte er sich gleich mehrfach zum Sachverhalt.
Quelle: Igor's Lab
Anschließend griffen auch die Websites PCMasters, WinFuture und Chip die Meldung auf und zitierten den Namensgeber und Chefredakteur von Igor's Lab. Eine offizielle Aussagen von Mindfactory liegt zum gegenwärtigen Zeitpunkt indes noch immer nicht vor. Aktuell könnten also nach wie vor auch technische Probleme, Umbaumaßnahmen am Online-Shop oder eine generelle Neuausrichtung verantwortlich sein für die Anomalien auf der offiziellen Website.
Hinweis: Die Redaktion bittet um Verständnis dafür, dass die Kommentar-Funktion zu dieser Meldung deaktiviert wurde. Das Thema soll stattdessen im PCGH-X-Forum oder in den Foren von ComputerBase und HardwareLuxx diskutiert werden.
Abschließend sollte noch einmal klar gesagt werden, dass es bislang keine Insolvenzbekanntmachung der Mindfactory GmbH gibt und sich das in Wilhelmshaven beheimatete Unternehmen selbst mit noch keinem Wort zur aktuellen Situation geäußert hat. Von Spekulationen sollte daher abgesehen werden.
Keine offizielle Stellungnahme [Update]
Aktualisierung vom 14. März 2025: Nachdem die Redaktion die Verantwortlichen von Mindfactory bereits am 5. März um eine Stellungnahme gebeten hatte und der Autor dieser Meldung diesen Wunsch noch zwei weitere Male erneuert hatte, liegt bis zum heutigen Tag kein Statement des Online-Händlers vor. Während sich der Support erwartungsgemäß nicht dazu äußert oder gar nicht erst antwortet, sind auch Händlerkanäle aktuell nicht offen respektive nicht mehr erreichbar.
Angebot im Online-Shop wirft Fragen auf [Update]
Während eine Stellungnahme demzufolge nach wie vor aussteht, wirft das Angebot im Online-Shop des Versandhändlers nach wie vor Fragen auf.
- So listet die wichtige Kategorie der Prozessoren zum gegenwärtigen Zeitpunkt lediglich 7 veraltete CPUs auf, während Neuerscheinungen wie der Ryzen 9 9950X3D gar nicht erst gelistet wurden.
- Auch bei den Grafikkarten hat Mindfactory aktuell nur 12 Modelle im Angebot, während gelegentlich sogar neue Geforce RTX 5000 eingepflegt werden.
- Im Mindstar sind teilweise kurzfristig zahlreiche Artikel gelistet, verschwinden dann aber genauso schnell wieder. Aktuell ist das Angebot wieder bei null.
- Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wirkt es so, als würden sich die wenigen verfügbaren Komponenten des Online-Shops aktuell im Abverkauf befinden.
Im PCGH-X-Forum tauschen sich nach wie vor Leser aus, welche unter anderem noch Warenrücksendungen, Garantieabwicklungen und Reparaturen über Mindfactory abwickeln wollen und mittlerweile verständlicherweise verunsichert sind.
Werbung sorgt für Unverständnis [Update]
Aktualisierung vom 17. März 2025: Während eine offizielle Stellungnahme seitens der Verantwortlichen von Mindfactory nach wie vor aussteht, sorgen Werbeanzeigen wie die für den AMD Ryzen 5 7600X3D, die das Unternehmen zwischenzeitlich auf X geschaltet hatte, für Unmut und Unverständnis.
Nicht nur, dass es sich dabei einmal mehr offensichtlich um einen Abverkauf gehandelt hatte, denn der Ryzen 5 7600X3D war bereits kurze Zeit später wieder aus dem Angebot verschwunden, sondern auch die Tatsache, dass sich das Unternehmen nicht zu Wort meldet, stößt bei vielen Kunden auf großes Unverständnis, wie aus den Kommentaren unter der Werbung unmissverständlich hervorgeht.
Auch im PCGH-X-Forum mehren sich die Stimmen derer, die Mindfactory wegen offener RMA-Anfragen, Gutschriften und Garantiefällen kontaktiert haben und bis heute auf eine Antwort warten. Kunden werden zumeist ohne Angabe von Gründen vertröstet oder erhalten überhaupt keine Rückmeldung vom Kundenservice. Im Forum geben einige Leser an, dass sie bereits einen Anwalt eingeschaltet haben oder dies zumindest in Erwägung ziehen.
Online-Shop ist vorerst offline [Update]
Mittlerweile ist der Online-Shop wegen "einer größeren Umstellung" des Shopsystems offline genommen worden und soll heute Abend wieder erreichbar sein. Gut möglich, dass sich dann viele offene Fragen beantworten werden.
Der Shop ist wieder online [Update]
Aktualisierung vom 18. März 2025: Der Online-Shop von Mindfactory ist wieder online, bei den CPUs finden sich allerdings nach wie vor keine neuen Angebote und auch bei den Grafikkarten ist die Auswahl äußerst begrenzt. Auch fehlen die beiden neuen RDNA-4-Grafikkarten nach wie vor vollständig und wurden bislang noch gar nicht angeboten. Außerdem berichtet die PCGH-X-Community, dass jetzt eine Neuregistrierung für den Online-Shop notwendig ist.
Neuregistrierung nötig [Update]
Nachdem die Community-Mitglieder aus dem PCGH-X-Forum festgestellt hatten, dass eine Neuregistrierung im Online-Shop von Mindfactory nötig ist, hat sich der Support des Online-Versandhändlers diesbezüglich auf eine Anfrage von PCGH geäußert.
Aufgrund einer Datenbankumstellung können bereits bestehende Kundenkonten zurzeit bedauerlicherweise nicht mehr eingesehen werden. Dieses tut uns sehr leid. Daher müssen wir dich leider bitten, ein neues Kundenkonto zu erstellen.
Solltest du ältere Rechnungen für deine Unterlagen benötigen, kannst du diese selbstverständlich jederzeit per E-Mail bei uns anfordern.
- Minfactory -
Auf eine weitere Rückfrage, wie man sich als Kunde bei einer offenen RMA oder Rücksendung verhalten sollte und wie das ganz allgemein abläuft, konnte der Support keine zufriedenstellende Antwort geben.
Bezüglich der RMAs haben wir noch keine Informationen vorliegen.
- Mindfactory -
Insolvenzverfahren soll beantragt worden sein [Update]
Aktualisierung vom 19. März 2025: Wie aus einem offiziellen Auszug aus der Software-Plattform der Unternehmensgruppe Creditreform, die unter anderem als Wirtschaftsauskunftei sowie als Inkassodienstleister tätigt ist, jetzt hervorgeht, soll die Mindfactory GmbH mit Sitz in Wilhelmshaven bereits am 28. Februar 2025 einen entsprechenden "Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens" gestellt haben.
Quelle: Creditreform
Wie dem siebenseitigen Dokument der Creditreform Aktiengesellschaft, das dem Autor im Original und ungeschwärzt vorliegt, hervorgeht, soll gegen Mindfactory dem Vernehmen nach "ein unternehmerisches Insolvenzverfahren am Amtsgericht 26382 Wilhelmshaven" anhängig sein. Eine amtliche Bestätigung und das dazugehörige Aktenzeichen stehen demnach momentan noch aus.
Hinweis: Die Unternehmensgruppe Creditreform mit Sitz in Neuss wurde 1879 gegründet und agiert als Wirtschaftsauskunftei sowie als Inkassodienstleister und ist in weiteren Geschäftsfeldern tätig. Das Unternehmen beschäftigt derzeit mehr als 4.500 Mitarbeiter und betreut aktuell rund 130.000 Mitgliedsunternehmen.
Ein Unternehmen ist nicht Kunde bei Creditreform, sondern Mitglied bei einem der lokalen Vereine Creditreform. Die Geschäfte dieser eingetragenen Vereine werden von Betriebskommanditgesellschaften geführt. Alle Vereine Creditreform sind unter dem Dach des Verbandes der Vereine Creditreform e. V. zusammengeschlossen.
Investor könnte womöglich gefunden sein [Update]
Aktualisierung vom 24. März 2025: Nachdem zwischenzeitlich zahlreiche Websites, darunter Golem, Heise, HardwareLuxx, Chip, WinFuture, PC-Welt und T-Online, die Meldung von PCGH aufgegriffen und zumindest in den meisten Fällen auch entsprechend korrekt verlinkt haben, haben deren Redaktionen meist auch über die neuesten Entwicklungen, denen nach womöglich ein Investor gefunden wurde, berichtet. Auch diese Informationen stammen erneut aus dem PCGH-X-Forum.
Einmal mehr war es unser Community-Mitglied "Pokerclock", welcher aus seinen gut informierten Quellen zu berichten weiß, dass in der Zwischenzeit wohl ein potenzieller Investor für die Mindfactory GmbH gefunden wurde.
Es gehen Gerüchte herum, dass Mindfactory einen Investor gefunden hat. In diesem Zusammenhang passt auch, dass Minfactory sein Sortiment nun wieder breiter aufstellt und aktuell begehrte Grafikkarten von der Geforce RTX 5090 bis hin zur Radeon 9070 XT als lieferbar listet.
- Pokerclock, Community-Mitglied, PCGH-X-Forum -
Im Gespräch ist die Wortmann AG, welche unter anderem Computersysteme unter dem Markennamen Terra an Unternehmenskunden verkauft und unter anderem bereits 49 Prozent der Anteile am B2B-Händler Kosatec hält.
Laut Informationen von Heise soll ein Investor eingesprungen sein, um Mindfactory aus der misslichen Lage zu helfen, und besitzt nun mutmaßlich Anteile am Unternehmen in unbekannter Höhe.
- Golem -
Der Autor hat sich mit einer weiteren Bitte auf Stellungnahme an die Verantwortlichen von Mindfactory gewandt und auch bei der Wortmann AG entsprechend angefragt, bislang allerdings noch ohne Erfolg.
Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung [Update]
In der Zwischenzeit hat sich die Mindfactory GmbH in einer Pressemitteilung offiziell zu Wort gemeldet und ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung bestätigt.
Der Sinn der Eigenverwaltung ist die Nutzung des vorhandenen unternehmerischen Know-hows bei der Sanierung, sofern sich das insolvente Unternehmen bzw. dessen Geschäftsführung nicht vor der Insolvenz durch Missmanagement diskreditiert hat.
Die Wilhelmshavener Mindfactory GmbH hatte Ende Februar ein sogenanntes Eigenverwaltungsverfahren eingeleitet, um ihre Finanzierung neu zu ordnen.
Wie immer in solchen Fällen, benötigt ein Unternehmen einige Tage, um die nötigen organisatorischen Maßnahmen umzusetzen. Diese sind nun abgeschlossen.
Die Lieferanten von Mindfactory haben die Lieferungen wieder aufgenommen, und das ohne Vorkasse. Die gewähren Mindfactory sogar einen Preisnachlass, um die eingeleitete Sanierung zu unterstützen.
- Pressemitteilung -
Der beliebte Online-Versandhändler beabsichtigt damit, so schnell wie möglich zur Normalität zurückzukehren und so seiner Kundschaft schnellstmöglich wieder das volle Sortiment anbieten zu können.
Hinweis: Die Eigenverwaltung ist laut der deutschen Insolvenzordnung ("InsO") die Möglichkeit eines Schuldners, die Insolvenzmasse unter Aufsicht eines Sachwalters selbst zu verwalten und über sie zu verfügen. Der eigenverwaltende Schuldner ist gleichsam Insolvenzverwalter in eigener Sache.
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Quelle: PCGH-X-Forum, Reddit, Igor's Lab, VideoCardz
