5. Geburtstag
Am 25. Oktober 2001 wurde alles leichter.
Das verkündeten an diesem Tag jedenfalls ganzseitige Anzeigen in großen deutschen Tageszeitungen - bezahlt von Microsoft: "Ab heute wird alles leichter" war der Slogan, mit dem die Mannen um Bill Gates ihr neues Betriebssystem Windows XP unters Volk bringen wollten - eine Werbekampagne für 200 Millionen Dollar sollte es richten.
Und das tat sie. Zwar war der Ansturm auf XP nicht so stark wie einst auf Windows 95, das den hässlichen DOS-Prompt aus der Computersteinzeit endlich erfolgreich hinter einer ansehnlichen Fassade versteckte. Doch mit der Zeit kam auch für XP der Erfolg; die Luna-Oberfläche war auf immer mehr Bildschirmen zu sehen. Bunte Buttons und anregende Animationen waren schließlich nicht alles, was die neue "eXPerience" zu bieten hatte: Schöner als die klassische graue Oberfläche der Vorgänger war das sanfte XP-Blau sicher nicht für jeden, schöner als ein Bluescreen aber schon - und diesen bekam der User dank des modernen NT-Kernels nun deutlich seltener zu sehen. Auch die ständigen Neustarts wegen jeder Kleinigkeit ("Sie haben den Mauszeiger bewegt, bitte starten Sie neu!") gehörten mit XP der Vergangenheit an, ebenso wie 98-typische Probleme mit USB-Geräten oder abstürzenden und alles mit sich reißenden Programmen.
Natürlich gab es auch viel zu meckern. Die Zwangsaktivierung des Systems löste einen Sturm der Entrüstung in der IT-Welt aus, die heimliche Übertragung angeblich privater Daten an Microsoft durch das neue Windows trieb so manchen zu Linux - und dann auch noch diese dreisten Systemanforderungen: Unter 256 MByte RAM, fast schon eine Frechheit, war ja an flüssiges Arbeiten gar nicht zu denken!
Und dennoch: Im Großen und Ganzen war und ist Windows XP ein gutes System. Auf heutiger Hardware läuft es schnell, moderne Festplatten lassen trotz der mächtigen Installation noch genug Platz für die eine oder andere Datei; dank Service Pack 2 ist XP einigermaßen sicher, die Versorgung mit Software und Treibern ist bestens. Für Spiele gibt es ohnehin keine Alternative.
Daher wird es vielen schwer fallen, demnächst auf Windows Vista umzusteigen. Auch, weil die Hardware-Anforderungen des nächsten Systems wieder fast schon eine Frechheit sind. Nein, viele User werden wohl beim Altbewährten bleiben - obwohl Microsoft uns, ganz bestimmt, schon wieder eines versprechen wird: Alles wird leichter.