Billige Windows-Lizenzen: Käufer bekommen Post von der Staatsanwaltschaft

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Billige Windows-Lizenzen: Käufer bekommen Post von der Staatsanwaltschaft (1)
Quelle: Facebook

Wie das Blog Dr. Windows unter Berufung auf Tarnkappe.info meldet, erhalten derzeit einige Käufer eines günstigen Lizenzschlüssels für Windows Post von der deutschen Staatsanwaltschaft. Die Behörden wollen so den kriminellen Machenschaften auf die Spur kommen.

Der Anbieter Lizengo machte im Jahr 2019 Schlagzeilen, in dem er Windows 7, 10 sowie Office-Lizenzen zu sehr günstigen Preisen bei Edeka angeboten hatte. Kurz darauf hat sich der Anbieter vom Vertrieb bei der Supermarktkette zurückgezogen, nachdem bekannt geworden war, dass Microsoft eine Klage gegen Lizengo vorbereitet. Inzwischen ist die Firma Lizengo offiziell nicht mehr verfügbar. Wie das Blog Dr. Windows berichtet, erhalten nun einige der Käufer eines günstigen Windows-Keys Post von der Staatsanwaltschaft. So möchten die Behörden den Hinterleuten auf die Spur kommen, die Lizenzschlüssel für Windows 10 oder Microsoft Office für 10 Euro verkaufen.

Sind günstige Lizenzschlüssel für Windows 10, Microsoft Office & Co. illegal?

In Europa ist der Handel mit gebrauchter Software legal. Anders als es beispielsweise in den USA gibt es hier keine Hardwarebindung von einer Softwarelizenz. Im Vergleich zum Kauf einer Neuware sind gebrauchte Lizenzen durchaus günstiger. Allerdings muss der Händler einen zertifizierten Nachweis erbringen, woher die Lizenzschlüssel stammen und vor allem, dass diese Produktschlüssel ordnungsgemäß deaktiviert worden sind, bevor diese weiterverkauft werden.

Ein Händler für gebrauchte Softwarelizenzen ist Vendosoft, die gebrauchte Softwarelizenzen an andere Unternehmenskunden, aber nicht an private Käufer verkaufen. Wie uns ein hochrangiger Mitarbeiter eines legalen Händlers für gebrauchte Softwarelizenzen im Gespräch erläutert, gibt es einige Kriterien, mit denen man mit ziemlicher Sicherheit feststellen kann, ob es sich um einen legal, gebraucht verkauften Lizenzschlüssel handelt:

  • Jedes verkaufte Exemplar einer Boxed-Windows- oder Office-Lizenz muss in einer vollständigen Verpackung kommen. So sollte neben dem Karton auch noch eine offizielle Produktkarte samt Produktschlüssel enthalten sein.
  • Wichtig ist, dass dieser Lizenzschlüssel direkt bei Microsoft vom Käufer aktiviert werden muss und man nicht auf eine Drittanbieter-Webseite weitergeleitet wird.
  • Selbst OEM- beziehungsweise Systembuilder-Versionen von Windows dürfen legal verkauft und aktiviert werden, wenn es denn rechtmäßig verkaufte Lizenzen sind.
  • Ein Produktschlüssel darf nicht mehrfach von unterschiedlichen Nutzern aktiviert werden.
  • Zur Prüfung bietet Microsoft den kostenlosen Produktidentifikationsservice an.
  • Der Händler muss nachweisen können, woher er die gebrauchten Lizenzschlüssel hat.

Der Lizengo-Fall - Wann sind Lizenzschlüssel illegal?

Was ist jedoch mit den günstigen Lizenzen, die beispielsweise Lizengo bei Edeka verkauft hat? Mit einer sogenannten Lizengo-Karte konnte man für knapp 18 Euro einen Produktschlüssel für Windows 7 oder 10 beziehungsweise mit Office 2016 oder 2019 erwerben. An der Supermarktkasse bekam der Kunde dann einen Kassenbon. Auf diesem stand eine PIN mit zwölf Stellen. Diese Zahlenfolge musste man auf der Webseite von Lizengo eingeben, dann startete der Download der gewünschten Software von den Microsoft-Servern. Zudem erschien auf der Lizengo-Webseite ein Aktivierungsschlüssel. Nach einigen Medienberichten und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft lag die Vermutung nahe, dass Lizengo die Lizenzschlüssel illegal beschafft hatte. So wird berichtet, dass Lizengo angeblich Lizenzen aus China aufgekauft und in Europa zum Verkauf angeboten hatte. Dies ist nicht erlaubt.

Manche anderen Händler behaupten, dass ihre Lizenzschlüssel aus Überkapazitäten bei den Beständen von Unternehmenskunden stammen würden. Per Definition ist dies jedoch unmöglich, wie uns Björn Orth, Geschäftsführer von Vendosoft, erklärt. Schließlich kaufen Unternehmenskunden ihre Softwarelizenzen immer im B2B-Markt und müssen dabei angeben, wie viele Lizenzen einer Software sie benötigen. Nur wenn sämtliche erworbenen Lizenzen eines Kaufs nicht mehr genutzt werden, können diese an einen Reseller verkauft werden. Folglich funktionieren dann aber beispielsweise keinerlei aktivierte Windows-10-PCs mehr, da man alle gekauften Windows-Lizenzen an einen Reseller verkauft hat.

Warum lädt nun die Staatsanwaltschaft Käufer vor und wie verhalte ich mich?

Die Staatsanwaltschaft versucht nun, über die Vorladung von Käufern auffällig günstiger Windows- und Office-Lizenzen herauszufinden, wer hinter den immer wiederkehrenden Billig-Lizenzschlüsseln steckt. Die Käufer stehen im Verdacht, sich der Urheberrechtsverletzung und der "leichtfertigen Geldwäsche" schuldig gemacht zu haben. Schließlich hätte jeder Käufer mit Blick auf die UVP des Herstellers Microsoft wissen müssen, dass es sich bei derart günstigen Lizenzschlüsseln um illegale Ware handelt. Schließlich kostet etwa Windows 10 Home um die 150 Euro.

Die Problematik ist, dass mutmaßlich viele Händler ihre Lizenzschlüssel illegal erwerben und dann auf Portalen wie Ebay oder Amazon an private Kunden verkaufen. Oftmals werden derartige Keys mehrfach benutzt, was illegal ist. Falls man Post von der Staatsanwaltschaft bekommt, kann dies bis zur Hausdurchsuchung gehen. Rechtsanwaltskanzleien werben schon um Mandanten. Fakt ist, dass man die Aussage verweigern kann.

Ebenfalls lesenswert: Aus für Windows-Lizenzen: Edeka verkauft keine Lizengo-Produkte

Sammlung zum Verfahren gegen Billig-Keys für Windows 10 & Co.:

  • Die Staatsanwaltschaft verschickt nun Post an Nutzer, die in der Vergangenheit eine unglaublich günstige Softwarelizenz von Windows 10 oder Microsoft Office gekauft haben.
  • Die Problematik ist, dass mutmaßlich viele Händler ihre Lizenzschlüssel illegal erwerben und dann auf Portalen wie Ebay oder Amazon an private Kunden verkaufen. Nun will die Staatsanwaltschaft den Händlern der Billig-Lizenzen auf die Spur kommen.
  • In Europa ist der Handel mit gebrauchter Software legal, allerdings muss jeder Händler einen Nachweis erbringen, woher die Lizenzschlüssel stammen und vor allem, dass diese Produktschlüssel ordnungsgemäß deaktiviert worden sind, bevor diese weiterverkauft werden.
  • Microsoft bietet zur Überprüfung des Lizenzschlüssels den kostenlosen Produktidentifikationsservice an.

Quellen: Dr. Windows, Günther Born, Tarnkappe, Kläner Rechtsanwälte, Vendosoft, Microsoft

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    • Kommentare (422)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von DKK007 Trockeneisprofi (m/w)
        Zitat von Regresh
        Die Behörden können jederzeit alles von Netz nehmen was illegal ist
        Das trifft aber auch nur solange zu, wie der Provider im Inland oder zumindest in der EU sitzt.
      • Von DKK007 Trockeneisprofi (m/w)
        Zitat von Regresh
        Die Behörden können jederzeit alles von Netz nehmen was illegal ist
        Das trifft aber auch nur solange zu, wie der Provider im Inland oder zumindest in der EU sitzt.
      • Von Regresh Komplett-PC-Käufer(in)
        Die Behörden können jederzeit alles von Netz nehmen was illegal ist...aber wieso sollten die das machen? - Ein lukrativeres Geschäft gibt es doch garnicht......
      • Von DKK007 Trockeneisprofi (m/w)
        Die Staatsanwaltschaft macht nichts. Das war anscheinend nur heiße Luft.
      • Von NickGary Schraubenverwechsler(in)
        Aktuell werden Windows 11 Keys für unter 40€ im Netz angeboten, schafft es MS bzw. die Behörden nicht das einzugrenzen? Oder wollen die erneut lukrative Einnahmequellen über die Staatsanwaltschaft offen halten. Es gibt genügend Nutzer die bei einem dieser Preise nichts dabei denken, wenn parallel mit kostenlosen Update von W8 auf W10 sowie W10 auf W11 geworben wird.
      • Von Samy911 Schraubenverwechsler(in)
        Zitat von Gohrbi
        ..... aber Lizensfuchs ist immer noch down ..... da mußte was dran sein ....
        Na klar. Die gehörten ja auch zu Lizengo und die haben über Jahre hinweg in großen Mengen China keys vertickt. Und das ist nun einmal nach gegenwärtiger Rechtsprechung illegal
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