Amazon Fire HD 8 Plus: Multimedia-Tablet als Echo-Gerät im Alltagstest
In Zeiten der Coronavirus-Pandemie und auch darüber hinaus sind Tablets eine Möglichkeit, digitale Inhalte zu konsumieren. Neben den iPads von Apple, gibt es aber auch weitere Hersteller, wie zum Beispiel Amazon, die eigene Tablets auf den Markt bringen. Wir klären im Alltagstest, was das neue Fire HD8 Plus auf dem Kasten hat.
Amazon will mit den neuen Fire-Tablets mit 8-Zoll-Touch-Display die Verkaufszahlen auf dem Tablet-Markt wieder etwas steigern. Hierzu hat sich das Unternehmen aus Seattle, Washington etwas Besonderes einfallen lassen.
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Amazon Fire HD 8 Plus: Ersteinrichtung
Typisch für Amazon-Produkte gelingt die Ersteinrichtung sehr einfach. Zwingend erforderlich ist ein Nutzerkonto bei Amazon. Die Verbindung mit einem WLAN-Netzwerk ist ebenso Pflicht, damit man auch wirklich Inhalte von verschiedenen Quellen abspielen kann. Als Betriebssystem ist Android 9 vorinstalliert mit der spezifischen FireOS-Oberfläche in der Version 7.3.
In Sachen Hardware setzt Amazon beim Fire HD8 und dem HD8 Plus auf einen ARM-Chipsatz des chinesischen Herstellers Mediathek. Konkret ist in der 10. Generation des Amazon Fire HD 8 (Plus) ein MT8186 verbaut, der vier CPU-Kerne auf Basis der Cortex A53-Rechenkerne besitzt und mit 2,0 GHz getaktet ist. Der Mediatek MT8186 ist bereits seit dem Jahr 2018 auf dem Markt verfügbar und unterstützt 64-bit. Das verbaute WLAN-Modul beherrscht Wi-Fi 5 und Bluetooth 5.0. Als Bildschirm dient ein 8-Zoll-Touchscreen mit IPS-Panel im 16:10-Format und einer Auflösung von nur 1.280 x 800 Pixeln. Je nach Modellversion sind entweder zwei oder drei Gigabyte RAM eingebaut sowie 32 oder 64 GByte eMMC-Flash-Speicher. Der interne Speicher kann mittels MicroSD-Karte erweitert werden. Hierbei wird der Standard MicroSDXC unterstützt, sodass Karten mit bis zu 1 Terabyte im Amazon Fire HD 8 (Plus) genutzt werden können.
Amazon Fire HD 8 Plus: Der mobile Echo Show?
Eine Besonderheit beim Fire HD8 und dem Plus-Modell des Jahrgangs 2020 ist der integrierte Show-Modus, der aus den Tablets ein portables Alexa-Gerät mit Touchscreen macht. Über das Benachrichtigungscenter kann dieser Show-Modus jederzeit aktiviert werden. So kann man dann etwa Skills für Amazon Alexa benutzen, die über eine Bildausgabe verfügen, wie etwa die Tagesschau. Zudem kann das von mir getestete Fire HD8 Plus Tablet so als Wecker genutzt werden. Leider sind - im Gegensatz zum herkömmlichen Echo Show - aktuell keine Liederwecker möglich, sodass man sich nur mit verschiedenen Wecktönen einer vorgefertigten Liste aus dem Schlaf holen lassen kann.
Eine gute Ergänzung für den Echo Show-Modus ist die optional für rund 45 Euro erhältliche Amazon Ladedock für Fire HD8 Plus (10. Generation). Hier lässt sich die Plus-Version des aktuellen Fire HD 8-Tablets entweder horizontal oder vertikal hinstellen. Wenn das Tablet drinsteht, dann wird es über den Qi-Standard drahtlos geladen. Im Test klappte das Laden ohne Probleme, selbst bei verschiedenen Temperaturen. Falls das Fire HD 8 Plus im Querformat in die Ladedock gelegt wird, soll sich automatisch der Echo-Show-Modus öffnen. Leider funktionierte das im Test nicht immer auf Anhieb, sodass man letztlich doch öfter die manuelle Aktivierung über das Benachrichtigungscenter benutzt hat. Die Weckfunktion des Fire HD 8 (Plus) funktionierte absolut zuverlässig und völlig unabhängig davon, ob das Tablet gerade in der Ladedock liegt oder im Akkumodus betrieben wird.
Im Vergleich zum Echo Show fällt auf, dass der Sound des Fire HD8 Plus doch relativ dumpf und etwas schwachbrüstig klingt. Für sich genommen machen die Stereo-Lautsprecher des Fire HD8 (Plus) einen guten Job und liefern einen schönen Klang, doch im direkten Vergleich merkt man eben die Unterschiede zum herkömmlichen Echo Show. Der Amazon Echo Show setzt etwa in der zweiten Generation auf ein Gehäuse, welches an einen Röhrenmonitor erinnert und somit viel Platz für die verbauten Lautsprecher bietet. So ist der Klang eines Echo Show doch etwas voluminöser als beim portablen Fire-Tablet. Eine Möglichkeit, auch aus dem Fire HD8 Plus mehr Klang herauszuholen, würde es geben, wenn man etwa in die Ladedock noch Lautsprecher integriert. Allerdings gibt es in der aktuellen Generation des Amazon Ladedocks keine Lautsprecher. Eine andere Option wäre, mehrere Alexa-fähige Lautsprecher zu einer Gruppe zusammenzuschließen und sich dann von dieser Lautsprecher-Gruppe wecken zu lassen. Dieser "Surround-Wecker" ist aber derzeit ebenso wenig verfügbar.
Amazon Fire HD 8 Plus: Performance
Mit dem Mediatek MT8186 ist man weit entfernt von Benchmark-Werten eines aktuellen Apple iPad Air. Allerdings kostet das Amazon-Tablet ja auch nur um die 120 Euro und somit erheblich weniger als das mindestens 370 Euro teure Apple iPad, welches zudem nur 32 GByte nicht-erweiterbaren Speicher bietet. Im Alltag verrichtet jedoch auch das Fire HD8-Tablet seinen Dienst. So lässt sich problemlos im Internet surfen und die offizielle Twitch-App nutzen. Hier zeigt sich, dass die Entscheidung für die vergleichsweise geringe Auflösung von 800p ein cleverer Schachzug ist. Schließlich kann der verbaute Chipsatz Videos in 720p noch locker darstellen, alles, was darüber hinaus geht, kann sowieso nicht angezeigt werden beziehungsweise muss dann auf 1.280 x 800 Bildpunkte heruntergerechnet werden.
Quelle: PCGH
Amazon Fire HD8 Plus Tablet mit Twitch App 720p
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Asphalt 9 auf Amazon Fire HD8 Plus Tablet in 720p 2020 11 05
Quelle: PCGH
Web Browser im Fire HD8 Plus Tablet
Der eingesetzte Mediatek MT8186 hat zudem den Vorteil, dass dieser ARM-Chip effizient zu Werke geht. Amazon selbst spricht gar nur von 12 Stunden Akkulaufzeit, im Test konnte dieser Wert gar übertroffen werden, indem man sparsamer mit der Bildschirmhelligkeit umgeht. Bei maximaler Helligkeit des Bildschirms kann man ein aus dem Internet gestreamtes Video gut 10 Stunden lang auf dem Fire HD 8 ansehen, bevor ihm der Strom ausgeht. Wenn der Akku leer ist, kann man diesen mit der optionalen Ladedock drahtlos nach dem Qi-Standard in gut drei Stunden vollständig wieder aufladen. Alternativ kann man das Fire HD 8 in unter vier Stunden mit dem mitgelieferten USB-C-Netzteil mit Strom versorgen. So effizient der Chipsatz im Fire HD 8 Plus auch arbeitet, die Kehrseite ist die zur Verfügung stehende Performance. Die Wiedergabe von Videos, Webseiten und PDF-Dokumenten gelingt problemlos, doch ab und an ruckelt etwas die Navigation, sodass man sich auf kurze Ladepausen einstellen muss. Immerhin ist dies tatsächlich nur eine Gedenksekunde, von aktuellen Smartphones etwa ist man derartiges Verhalten nicht mehr gewohnt.
Bei Spielen stößt der ARM-Chipsatz an seine Grenzen, sodass bei verhältnismäßig grafisch aufwendigen Mobile Games wie etwa Asphalt 9 der Detailgrad nach unten geregelt werden muss, um flüssig spielen zu können. Alternativ kann man aber auch Spiele-Streaming-Dienste nutzen. Leider stehen - zum Testzeitpunkt - nicht alle Cloud-Gaming-Services mit einer passenden Android-App im Amazon App Shop parat. Es ist aber möglich, mittels Sideloading prinzipiell jede APK-Datei einer Android-App auch auf einem Fire-Tablet zu installieren, wobei man im Gegenzug jedoch die Garantie bei Amazon für das Tablet verliert. Mit einem gestreamten PC-Spiel etwa über Nvidia Geforce Now oder Microsofts Xbox Game Streaming mit Xbox Game Pass Ultimate kann man aber problemlos aufwendige Spiele auf einem Amazon Fire HD 8 spielen. Ein Controller oder eine Maus und Tastatur können wahlweise über den USB-C-Anschluss oder via Bluetooth mit dem Tablet verbunden werden.
Amazon Fire HD 8 Plus: Bildschirm-Highlight und Verbesserungspotenzial
Ein Highlight des Amazon Fire HD 8 Plus ist der verbaute Touchscreen. Zwar mag im ersten Moment die etwas niedrige Auflösung irritieren, jedoch ist dies durchaus eine clevere Entscheidung gewesen. In anderen wichtigen Punkten weiß das spiegelnde IPS-Panel nämlich sehr wohl zu überzeugen. So ist die maximale Helligkeit mit rund 500 Nits sogar höher als etwa bei einem Microsoft Surface Pro 7. Die Farbabdeckung ist mit rund 79 Prozent im sRGB-Farbraum OK. Insgesamt ist der berührungsempfindliche Bildschirm als ausreichend hell zu bewerten - auch für die Nutzung im Freien. Zudem weiß das Kontrastverhältnis zu überzeugen, sodass es Spaß macht, etwa E-Books oder E-Magazine wie die PCGH als PDF auf diesem Tablet zu lesen. Die integrierte kindle-App kann nicht nur mit einem proprietären E-Book-Format von Amazon umgehen, sondern auch PDF-Datei darstellen. Es gibt aber auch andere PDF-Reader zum Herunterladen, die teilweise noch mehr Funktionen oder eine andere Darstellung offerieren.
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Kritik gibt's für die verbauten Kameras auf der Vorder- und Rückseite des Tablets. Die Aufnahmequalität der Kameras mit zwei Megapixeln ist bestenfalls mittelmäßig. Bei schwachem Licht werden viele Bildinformationen verschluckt und man sieht durchaus ein Rauschen in den Aufnahmen. Ob das jedoch wirklich stört hängt davon ab, wofür man ein Tablet benutzt. Als mobile Kamera ist das Amazon Fire HD 8 (Plus)-Tablet nicht zu gebrauchen. Problemlos möglich ist es hingegen, Bilder vom physischen Speicher oder von einem Cloud-Dienst wie Microsoft Onedrive oder von Amazons AWS via der vorinstallierten App Amazon Photos auf dem Fire-Tablet anzeigen zulassen.
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Amazon Fire HD 8 Plus: Fazit
Das Amazon Fire HD 8 Plus kann durchaus überzeugen. Im Alltagstest über mehrere Wochen ist deutlich geworden, wofür das Tablet geeignet ist. Mit dem guten Display eignet sich das Fire-HD-Tablet für den Konsum von Videos bei Amazon Prime Video, Netflix und Co. sowie zum Lesen von Webseiten und PDF-Dateien. Allerdings muss man immer mal wieder beim Wechseln zwischen mehreren Anwendungen damit leben, dass es zu einer Gedenksekunde kommen kann. Die Grenzen des verbauten Mediatek-Chipsatzes bekommt man beim Spielen aufgezeigt, zumindest wenn das Spiel nativ auf dem Tablet läuft. Für Spiele-Streaming über Cloud Services wie Nvidia Geforce Now, Google Stadia und Co. eignet sich dagegen das Amazon Fire HD 8 Plus auch dank des performanten WLAN-Moduls.
Praktisch ist auch der integrierte Echo Show-Modus, der aus dem 8-Zoll-Tablet ein Amazon Echo mit Touchdisplay macht. In Verbindung mit einer optionalen Ladedock lässt sich das Fire HD 8 Plus drahtlos via Qi laden. Als Wecker und Lesegerät auf dem Nachttisch eignet sich so das Amazon Fire HD 8 Plus hervorragend. Eine mobile Spielekonsole ist das Amazon-Tablet aber nicht, doch die gebotene Leistung mitsamt dem Fokus auf Medienkonsum ist bei einem Preis von gut 120 Euro völlig in Ordnung.
