Total War: Three Kingdoms in der E3-Vorschau - teilweise historische Schlachten in China
Seit Total War: Attila sind vier Jahre vergangen, in denen sich Strategen von Creative Assembly primär im Warhammer-Universum getummelt haben. Total War: Three Kingdoms markiert die Rückkehr in historisch fundierte Schlachten - auch, wenn die chinesischen Generäle in einem von zwei Spielmodi übermenschliche Kräfte besitzen. Ein Spielbericht von der E3 2018 in Los Angeles.
Nach den zwei Warhammer-Episoden kehren die Meisterstrategen der Creative Assembly zu ihren historischen Wurzeln zurück. Klar, in diesem Jahr erschien bereits Thrones of Britannia, doch das war eine eher durchwachsene Light-Erfahrung typischer Total-War-Schwergewichtler. Mit Total War: Three Kingdoms wollen die englischen Entwickler zeigen, dass sie vor lauter Elfen und Orks nicht verlernt haben, historische Schlachten zu inszenieren.
Generäle mit Superkräften
Oder jedenfalls halbwegs historische Schlachten. Three Kingdoms ist zwar in der historischen chinesischen Zeit der Drei Reiche von etwa 208 bis 280 angesiedelt, bietet Schreibtischgenerälen allerdings zwei Spielmodi an. Der Romance-Modus basiert auf dem Roman Die Geschichte der Drei Reiche - englisch: Romance of the Three Kingdoms - und wartet mit Generälen auf, die fast übernatürliche Stärke besitzen. Auf dem Boden der Tatsachen bleibt hingegen der Classic-Modus, der auf den Chroniken der Drei Reiche fußt und den Generälen ihre Superkräfte wieder entzieht.
Auf der E3 2018 in Los Angeles durften wir zwar leider nicht selbst die Maus in die Hand nehmen, doch eine passend für ihr US-amerikanisches Zielpublikum hochgradig erregte Entwicklerin der Creative Assembly zeigte uns mit einem Kollegen die Schlacht von Xiapi, die 199 in der Xu-Provinz stattfand. Unser General Cao Cao tritt darin seinem Feind Hui Buh, pardon, Lü Bu entgegen, der sich in der Stadt Xiapi verschanzt hat. Auch, wenn es die beiden mit hunderten von Gegnern aufnehmen können: Im direkten Zweikampf würde Cao Cao den Kürzeren ziehen, weshalb wir zunächst mit einer gewaltigen Armee gen Xiapi ziehen.
Auf sie mit Gebrüll!
Total War: Three Kingdoms setzt auf Freundschaften und Rivalitäten zwischen Taktikern, Kriegern und Kampfkünstlern, die sich im Kampagnenverlauf immer wieder gegenüberstehen. Bevor es in Xiapi zum Showdown zwischen Cao Cao und Lü Bu kommt, warten einige konventionelle Schlagabtausche auf uns. So ballern wir mit Katapulten auf die Stadtmauern, während unsere Soldaten in Schildkrötenformation in Richtung Stadt vorrücken - so sind sie gegen die Pfeile der Verteidiger geschützt.
Außerdem reitet unser General Yue Jin mit seinen Gefolgsleuten von der anderen Seite auf Xiapi zu - wir nehmen die Stadt von zwei Seiten in die Zange. Unsere Rammböcke werden von einem Speerhagel begrüßt, doch die Verteidiger können nicht viel ausrichten - schon gar nicht, nachdem wir die Mauer an einer Stelle durchbrochen haben, denn im Nahkampf sind sie nicht besonders gut. Nun entspinnt sich eine typische Total-War-Massenschlacht: Die Soldaten in Schildkrötenformation haben die Mauer erreicht und klettern daran empor, Angreifer der Einheit der Gelben Drachen dringen durch ein Loch in der Mauer in die Stadt ein, während eine dritte Gruppe das per Rammbock geöffnete Stadttor durchquert.
Kampfkunst und Zwischensequenzen
Derweil trifft weitere Verstärkung ein: Cao Caos Cousins, die - neu! - die Verteidiger zum Zurückweichen veranlassen. Unser Kriegsherr reitet derweil in die Stadt und verspottet dabei Lü Bu und seine Mannen. Diese Gespräche sind ebenfalls neu und sollen den Hauptfiguren mehr Persönlichkeit verleihen. Unsere Armee walzt sich derweil durch Xiapi und setzt mit Artillerieeinheiten Pfeiltürme in Brand, von denen aus die Verteidiger auf uns geschossen haben. Aber Vorsicht: Nicht zu wild zündeln, sonst kann es passieren, dass wir Getreidespeicher niederbrennen. Die sind dann auch in der Übersichtskarte verschwunden und wir bekommen weniger Nahrung für uns und unsere Truppen.
Schließlich treffen Cao Cao und Lü Bu aufeinander - zuerst zu Pferd, doch dann wird erst der eine, dann der andere General abgeworfen. Nun kämpfen die zwei in wilden Martial-Arts-Manövern gegeneinander, die in Motion-Capturing-Sitzungen aufgenommen wurden. Eine Zwischensequenz belohnt uns nach dem Kampf gegen Lü Bu - auch das ist neu und kommt vermutlich primär im Romance-Modus zum Einsatz. Sollte es uns gelingen, Lü Bu schließlich auf die Bretter zu schicken, dürfen wir wie in einem Rollenspiel seine sterblichen Überreste plündern - immerhin besteht die Chance, seine Waffe und sogar sein Pferd einzusacken.
Fazit: Total War - Three Kingdoms
Es ist schwer genug, ein komplexes Spiel Total War in einer halben Stunde selbst zu spielen und danach zu beurteilen. Wenn man das Spiel lediglich vorgespielt bekommt, macht es die Sache nicht einfacher. Was wir bis jetzt sagen können: Die Designer von Creative Assembly gehen einmal mehr mit großer Sorgfalt zu Werke. Die zwei Spielmodi sprechen einerseits Neueinsteiger, aber auch Total-War-Experten an, die nicht viel auf Generäle mit Superkräften geben.
Die Präsentation des Spiels ist wunderschön: Die Grafiker setzen auf klassische chinesische Designelemente, etwa Tintenzeichnungen mit breiten Pinseln, die unter anderem auch auf den Karten der Einheiten zu bewundern sind. Dennoch gehen wichtige Informationen dadurch nicht verloren. Die Kampagnenkarten sollen nach Angaben der Entwickler "die schönsten sein, die wir je hatten". Ob das stimmt, können wir 2019 herausfinden - der Erscheinungstermin von Total War: Three Kingdoms wurde nämlich Anfang Juni ins kommende Jahr verschoben.

