System Shock Remake im Technik-Test: Urahn der Immersive Sim mit performanter Unreal Engine
Als 1994 das originale System Shock erschien, war die Spielewelt nicht mehr die gleiche. Das berühmte Ego-Abenteuer mischte Shooter- mit Rollenspiel-Elementen und verband spielerische Freiheit, Exploration und Environmental Storytelling wie kein Spiel zuvor. Spiele wie Deus Ex, Bioshock, Dishonored oder Cyberpunk haben ihre Existenz teilweise diesem Klassiker zu verdanken. Nun ist das Remake auf Basis der Unreal Engine 4 erschienen.
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Der Sci-Fi-Klassiker System Shock aus dem Jahre 1994 ist wohl mindestens so bekannt wie die legendäre Spieleschmiede Looking Glass oder die Designer-Legende Warren Spector, der das Projekt damals leitete. System Shock gehört neben den beiden Ultima-Underworld-Titeln - erschienen 1992 und Anfang 1993, der erste Teil stammt ebenfalls von Looking Glass Studios, Spector war an beiden Spielen beteiligt - zu den Vorreitern des Genres Immersive Sim, ein Format, dem zu einem späteren Zeitpunkt wiederum Klassiker wie Deus Ex oder Dishonored entsprangen.
Als System Shock 1994 erschien, gehörte es außerdem zu den technischen Vorreitern. Selbst das Ende 1993 erschienene Doom, das damals den 3D-Ego-Trend erst richtig entfachte, war in einigen Belangen technisch weniger fortschrittlich als System Shock oder gar Ultima Underworld The Stygian Abyss. Kaum zu glauben, wenn Sie sich den Trailer oberhalb dieser Zeilen anschauen, oder? Beide Titel vermochten es etwa, neben stufenlos geschmeidiger Ego-Perspektive samt texturierten Wänden und - etwa im Gegensatz zum 1992 erschienenen Wolfenstein 3D - sogar mit Pixeltapeten bekleideten Decken und Böden gar Schrägen darzustellen. Obendrein kann der Spieler in sowohl Ultima Underworld als auch System Shock gegenüber Doom deutlich umfangreicher mit der Spielumgebung interagieren. Wenn Sie heute in Ihrem Lieblingsspiel die Klospülung betätigen können, halten Sie einen Moment inne und danken Sie es System Shock. System Shock gehört obendrein zu den ersten Spielen, die neben spielerischer Freiheit und einer Vielzahl Lösungswegen einen besonderen Fokus auf erzählerische Dichte der Umgebungen setzte und etwa Audio-Logs in Spielen populär machte. Die Einflüsse des bald 30 Jahre alten Klassikers sind auch heute noch in vielen Spielen erkennbar, insbesondere jedoch in Titeln wie Dishonored - oder natürlich Bioshock.
Als System Shock 1994 erschien, wusste allerdings auch noch niemand so recht, auf welche Weise man die Steuerung oder das Interface gestalten sollte, so etwas wie ein Standard, etwa die heute populäre WASD-Maus- und Tastatur-Steuerung, war noch nicht erfunden. Und so ist das originale System Shock alles andere als ein leicht verdauliches Spiel, speziell aus heutiger Sicht. Doch genau an dieser Stelle setzt das Remake und der neue Entwickler Nightdive Studios an.
System Shock 2023 - Das Remake
Die Arbeit an dem Remake wurde bereits im November 2015 angekündigt, 2016 startete die offizielle Kickstarterkampagne samt einer ersten Demo, damals noch auf Basis der Unity-Engine, nach einem Monat war das ursprüngliche Kickstarter-Ziel erreicht. Ursprünglich sollte das System-Shock-Remake bereits 2017 erscheinen. Ein Plan, der offenkundig nicht von sonderlichem Erfolg gekrönt war, doch eventuell dennoch positive Ergebnisse brachte. 2018 lief die Entwicklung nach einer kurzen Pause weiter, 2020 erschien eine zweite Demo. Dieses Mal auf Basis der Unreal Engine 4. Diese Version sollte ursprünglich 2021 das Licht der Welt erblicken, doch kamen weltliche Umstände dazwischen. Nun ist das Remake endlich erschienen. Und noch heute wirkt das Spiel erstaunlich modern, selbst thematisch ist die Geschichte um die fiese KI Shodan, eigenhändig durch den Protagonisten entfesselt, am aktuellen Puls der Zeit. Veteranen können sich indes über eine Vielzahl Details freuen, sei es eine Neuauflage der vielleicht ersten benutzbaren 3D-Toilette der Spielegeschichte oder der Umstand, dass sich viele Akzente des Originals auch im Remake wiederfinden. Die Stimme von Terri Brosius etwa, die bereits 1994 in der Rolle der KI Spieler wohlig schaudern ließ.
System Shock 2023 - Technik und Grafik
Die Neuauflage des Klassikers orientiert sich merklich am Original, bietet allerdings eine Vielzahl Quality-of-Live-Improvements sowie eine Steuerung, die weitaus intuitiver ausfällt. Neben Verbesserungen dieser Art sind außerdem eine Reihe kleinerer Neuerungen und Ergänzungen hinzugekommen, darunter etwa neue Waffen oder Gegner. Auch die Umgebungen haben einige Änderungen erhalten, bleiben dem Original von 1994 aber ansonsten merklich treu. Die Grafik ist in einem Pixelart-Look gehalten und wirkt ob des Art-Styles etwas grob, tatsächlich ist das System-Shock-Remake aber sehr ansehnlich, insbesondere die mit merklicher Hingabe gestaltete, offenkundig händisch optimierte Ausleuchtung der zumeist engen Umgebungen ist ein echter Blickfang. System Shock kann auf bei der Beleuchtung auf einige alte Tugenden zurückgreifen, die praktisch allen aktuellen Open-World-Games heutzutage verwehrt bleibt: Die (Level-)Designer können eine Vielzahl Lichtquellen optimal platzieren, um eine ästhetische und atmosphärische, ja geradezu kunstvolle Ausleuchtung ihrer Szenen zu gewähren.
System Shock nutzt für den Beleuchtungsansatz neben regulären Lichtquellen, Raymarching für volumetrische Effeke außerdem offenkundig den Precomputed-Lighting-Ansatz der UE4. Während es sich bei diesem um einen vorberechneten Offline-Renderansatz handelt, unterscheidet sich dieser von "einfachem" Prebaked Lighting. Das Precomuted Lighting der Unreal Engine 4 (oder auch der Unity-Engine) kann mehrere vorberechnete Lichtszenarien enthalten. Wie gut dieser, gegenüber einem einzelnen Prebaked-GI-Ansatz deutlich dynamischere Beleuchtungsansatz funktioniert, können Sie etwa direkt zum Start des Spiels - im Remake ist das Intro im Gegensatz zum Original im Übrigen spielbar - anhand der Lichtschalter in der Wohnung unseres Hacker-Protagonisten ausprobieren:
Trotz Pixel-Look und knallig farbenfroher und kontraststarker Farbgebung samt gewissen abstrakten Tron-Anleihen sowie verhältnismäßig simplen Levelstrukturen ist das System Shock von 2023 ein ansehnliches Spiel. Insbesondere Effekte und Beleuchtung sind schick, sehr gefällig ist zudem das detailliert-blutige Zerlegen der diversen Mutanten, mit denen Sie das Remake und die durchgeknallte Shodan-KI konfrontiert. System Shock 2023 nutzt darüber hinaus noch die DirectX-11-API, von aktuellen Sorgen um Shader-Compiling oder Stuttering bleiben Sie also dieses Mal verschont. Neben üblichen, von der UE4 gewohnten Optionen finden Sie im Grafikmenü obendrein DLSS-Upsampling, jedoch weder FSR noch XeSS. So bleibt DLSS die einzige Besonderheit. Da das Spiel mitunter ziemlich grafiklastig sein kann (meist aber nicht ist), bringt DLSS in dem Fall Vorteile, womit wir zur Leistung des Remakes von System Shock kommen.

Maybe ein bisschen so wie Half-Life und Half-Life 2.
Gruß,
Phil