Personeller Exodus bei Twitch: Kontakt zur Community verloren?
Twitch muss offenbar mit einigen personellen Abgängen zurechtkommen - darunter auch hochrangige Angestellte in Schlüsselpositionen. Aus dem Umfeld des Unternehmens heißt es, dass man den Kontakt zur Community verliert und dass der technokratische Ansatz des Managements teils im Kontrast zu den kreativen Nutzern steht.
Einem Bericht von Bloomberg zufolge läuft Twitch hochrangiges Personal weg. Alleine seit Jahresstart sollen sechs hochrangige Angestellte gegangen sein, inklusive der Positionen Chief Operating Officer, Chief Content Officer und Head of Creator Development. Allein letztes Jahr sollen 300 Angestellte Twitch verlassen haben und 2020 sollen es schon 60 sein - nach gerade einmal rund zwei Monaten. Die Rede ist von einem Exodus und die Beweggründe sind auch interessant.
So hätten einige der Abgänger angegeben, dass Twitch mit zunehmendem Erfolg den Kontakt zu seiner Community verliert. Ein Prozess, der nicht ganz überraschend kommen dürfte, denn mit steigendem kommerziellem Erfolg geht in der Regel auch ein Wandel einher. Das Management von Twitch war ohnehin immer mal wieder in der Kritik, weil Entscheidungen laut Vorwurf gerne mal dem Geld geschuldet sind.
Aber auch aktuell noch angestellte Twitch-Mitarbeiter, die nicht genannt werden wollen, sollen zu Protokoll gegeben haben, dass die heute zu Amazon gehörende Streaming-Plattform im Zuge der Erkundung neuer Monetarisierungswege "es versäumt hatte, auf seine Hauptnutzer und die Mitarbeiter, [...] zu hören".
Das Boost-Feature soll eines der Kontroversen sein, bei dem man sich intern wie extern uneins war. Mit der Funktion konnten Zuschauer gegen Geld die Streamer künstlich beeinflussen. Die Funktion hatte schnell zweifelhaften Ruf, denn damit ist man auch nicht mehr weit davon weg, Viewbots zu kaufen. Ebenfalls kontrovers diskutiert wurde offenbar das "Mindestlohn"-Feature, das jüngst eingeführt wurde und über das wir berichtet hatten. Angeblich wurden intern geäußerte Bedenken ignoriert.
"Der Twitch-Führung ist es unangenehm, wenn Mitarbeiter der mittleren und unteren Ebene auf Veränderungen drängen", so ein ehemaliger Mitarbeiter. Der Head of Creator Development, Marcus "DJ Wheat" Graham, monierte im Februar zudem, dass bei Twitch eine fragwürdige Einstellstrategie herrscht. "Wir haben die Silicon-Valley-Route eingeschlagen - wir haben Mitarbeiter von Facebook und Twitter eingestellt", sagt er. Viele neue Mitarbeiter hatten wenig Ahnung von Gaming oder Livestreaming und waren "nicht bereit zu lernen, was diese Community ist und warum sie etwas Besonderes ist".
"Der Kunde war der Erschaffer der Inhalte. Wenn man sich nicht für das Produkt begeistert, betrachtet man es nicht wirklich aus der Sicht des Kunden. Und so hat man nicht das gleiche Maß an Empathie", sagte ein anderer ehemaliger Mitarbeiter. Das lenkt einmal mehr den Blick auf Emmet Shear, CEO bei Twitch. Dessen sehr technokratische und von Zahlen getriebene Herangehensweise steht wohl im Kontrast zu den Kreativen. "Es ist wirklich schwer, Emmett zu helfen, etwas Qualitatives zu verstehen", sagte ein ehemaliger Mitarbeiter. "Es muss quantitativ sein."
Und damit hört es noch nicht auf. Die Kommentare, die im Bloomberg-Bericht fallen, lassen auch die Entwicklung der Plattform und so manche Entscheidung in anderem Licht dastehen. "Der gemeinsame Nenner aller Mitarbeiter ist das Bestreben, unserer Community zu dienen - von Mitarbeitern, die selbst als Streamer angefangen haben, bis hin zu denen, die sich in die Twitch-Kultur integrieren, wenn sie bei Twitch anfangen."
"Eine so dynamische Community wie die von Twitch zu bedienen bedeutet, dass es nicht immer eine klare Lösung oder Antwort gibt, und deshalb haben wir immer daran geglaubt, experimentell und innovativ zu sein - auch wenn das bedeutet, ein kühnes Produkt oder ein Experiment auf den Markt zu bringen, das vielleicht kurzfristige Risiken birgt, uns aber letztendlich helfen wird, die bestmögliche Lösung zu entwickeln." Sehen konnte man das unter anderem bei den viele Features, die es langfristig nicht geschafft haben. Aber auch die mischten sich bereits mit der berüchtigten Quantität, denn es heiß schon früher, dass es eine jährliche Feature-Quote gibt, die implementiert werden muss - ob sinnvoll oder nicht. Man baute Dinge später lieber wieder aus, wenn sie nicht zündeten.

Viele sind abhängig von Twitch bzw. leben davon. Im Endeffekt kann Twitch machen, was es will. Konkurrenz wollte man ja nicht, Stichwort Microsoft Mixer.
Hab da wenig Mitleid. Mir ist dieses ganze Twitch inzwischen sehr suspekt. Wenn man da mal in die Chat-Box schaut oder Donations hereinkommen, was die Leute so schreiben... "bist der beste da nimm mein Geld" usw.
Dann noch die ganzen Hot Tube Streams oder die Korea Mädels, die sexy vor der Cam tanzen. Geil ins Mikrofon lecken usw. Also ich weiß ja nicht. Das geht schon Richtung softcore Porno.
Finanz- und Management orientierte Mitarbeiter, gerade in höheren Positionen haben häufig (offenbar zumindest)
wenig Verständnis und Erfahrung wenn es ums Kreative geht.
Ist doch in der Gaming-Branche heutzutage auch nicht anders. "Hauptsache der Rubel rollt"...
Dass große Entwickler und Publisher immer häufiger unfertige, seichte Games und banale Fortsetzungen
auf den Markt werfen, die bestenfalls noch Gelegenheitsspieler und Hardcore-Fans überzeugen
ist da doch schon der Alltag.
Das dies aber alles Branchen sind, deren Kreativität das Grundgerüst jeglicher, auch Wirtschaftlicher
Überlegungen darstellen sollte, wird angesichts der satten Gewinne wohl mehr und mehr zum realitätsfremden Idealismus verkommen.
Da finde ich es z.B. recht interessant dass Intel hier endlich wieder einen Ingenieur an der Spitze hat,
der eben nicht nur stur auf die Finanzen schaut sondern hoffentlich in den nächsten Jahren
echte Innovationen bringt.
Diese Herangehensweise dürfte heutzutage wohl vielen Unternehmen durchaus dienlich sein um an
alte Tugenden anzuknüpfen. Ob dies aber Schule macht und einen Positiven Trend nach sich zieht,
ich wage es zu bezweifeln.
Dafür sehe ich leider in nahezu allen Branchen viel zu viele Anti-Beispiele bei denen sich alles aber
auch wirklich alles nur noch um die maximale Rendite, Boni und Gewinnsteigerung dreht. Geiz ist eben geil.
Und wenn dafür Mitarbeiter genötigt und ausgebeutet, die Firmenphylosophie über Bord geworfen und
das Unternehmen kaputt gespart werden muss, dann scheint man häufig auch davor nicht zurück zu schrecken.
Hauptsache Vorstände, Großaktionäre und das Top-Management sind zufrieden. Kapitalism @ it's best.
Youtube ist und wird immer wesentlich beliebter sein.
Das liegt alleine schon daran, das beide Plattformen komplett unterschiedlich in ihrer Idee sind, was sie wie anbieten möchten.
YT ist für die meisten aller Menschen wesentlich vorteilhafter, weil sie die Inhalte dann abrufen könne, wann sie es möchten.
Während man auf Twitch zu einen bestimmten Zeitpunkt da sein muss, um bestimmte Inhalte mitzubekommen.
On Demand Inhalte sind einfach vorteilhafter und praktischer, wie live Inhalte.
Aber klar, YT versucht natürlich auch live mäßig mehr zu machen.
Genau wie Twitch auch VODs anbietet.
Ich persönlich würde aber lieber YT für on Demand bevorzugen und Twitch für live.