Steam beschuldigt Zahlungsdienstleister: Mastercard wehrt sich [Update]
Nachdem tausende Spiele auf Steam gelöscht wurden und Betreiber Valve die Zahlungsdienstleister in der Schuld gesehen hatte, wehrt sich nun Mastercard gegen die Vorwürfe der Einflussnahme.
Original-Artikel vom 17.07.2025: Ohne große Ankündigung hat Valve die Nutzungsbedingungen von Steam geändert. Zahlreiche Spiele wurden entfernt - vor allem Titel mit Erwachsenen-Inhalten. Was bedeutet das für Entwickler und Spieler?
Update
Steam verbannt tausende Spiele: Was Valves heimliche Regeländerung bedeutet
Während für viele Spieler Steam der heilige Gral der digitalen Spiele-Distribution ist, so ist auch Valves Plattform nicht ohne Kontroversen. Eine ereignet sich gerade, wo tausende Spiele aus dem Shop von Steam gelöscht werden, nachdem man klammheimlich die Nutzungsbedingungen aktualisiert hat. Worum gehts?
Das Update der Nutzungsbedingungen von Steam adressiert Spiele, die "gegen die Regeln und Normen verstoßen", die Kreditkartenunternehmen, Zahlungsdienstleister und Netzwerkanbieter haben. Betroffen sind zunächst vornehmlich Erwachsenenspiele mit Inhalten wie Inzest oder Vergewaltigung. Da mag man noch zustimmen, aber Steam kann nun Auflagen von Zahlungsdienstleistern beliebig durchsetzen und das kann langfristig eben alles sein, was "gegen die Regeln und Normen" verstößt.
Valves Anpassung der Nutzungsbedingungen von Steam lässt genug Interpretationsspielraum, um offenzulassen, was Entwickler "nicht auf Steam veröffentlichen sollten" und man will damit auch gar nicht an die große Öffentlichkeit, denn wann die Änderungen eingeführt wurde, ist noch Gegenstand von Untersuchungen.
Für die mitunter etwas zügellosen Erwachsenenspiele, die auf Steam auch seit jeher die Altersfreigaben einzelner Länder umschiffen, dürfte es künftig jedenfalls schwerer werden, wenn diese zu abstrus werden. Valve schlägt vor, dass Entwickler "insbesondere bestimmte Arten von Inhalten, die nur für Erwachsene bestimmt sind, nicht veröffentlichen [sollten]", nennt aber keine weiteren Einzelheiten. Das hat Kalkül, weil es in Einzelfällen viel Argumentationsspielraum lässt.
Die Community befürchtet Schlimmeres
Die Diskussionsgrundlage für viele dürfte eher sein, dass solche Regeln erst der Anfang sein könnten. Valve zeigte sich generell immer sehr liberal, und seit dem Ende des Greenlight-Programms wird der Shop mit Indie-Games aller Art geflutet, aber hier knickt man gegenüber Partnern ein, die letztlich am längeren Hebel sitzen. Wie SteamDB berichtet, scheint Valve - wo man zuvor beteuert hatte, man würde "alles" auf Steam erlauben, es sei denn, es sei "illegal oder trollen" - in letzter Zeit Spiele mit zu liberalen Erwachseneninhalten aus dem Steam-Shop zu entfernen.
Um besagte Spiele werden die wenigsten trauern. Die Debatte kreist auf sozialen Medien bereits um die vagen Ergänzungen der Nutzungsbedingungen, die Steam auch offen für Forderungen von Dritten machen, die ihre Regeln auslegen können, wie es ihnen beliebt. Rein exemplarisch könnte ein Dienstleister, bei dem Steam Server mietet, Shooter nicht mögen und seine Ansprüche durchsetzen. Die LGBTQIA+-Community hat das Thema auch schon entdeckt und befürchtet angesichts der Stimmung in den USA, dass solche Inhalte ebenfalls entfernt werden.
"Das ist die stille Normalisierung der Finanzzensur und wird LGBTQ+-Spiele und -Entwickler schädigen", schrieb der Youtuber NoahFuel Gaming in den sozialen Medien (via Eurogamer). "Banken wie Visa und Mastercard sind jetzt moralische Autoritäten durch die Hintertür ... Sie haben bereits Patreon, Onlyfans und andere unter Druck gesetzt, NSFW-Inhalte zu entfernen. Jetzt ist Steam dran. Und rate mal, wen sie als Erstes ins Visier nehmen? Queere, transgressive oder 'ungewöhnliche' Spiele ... Queere Inhalte werden als 'explizit' gekennzeichnet, selbst wenn sie jugendfrei sind ... wenn die Banken einen Aufstand machen, werden sie alles löschen, was kontrovers sein könnte. Und sie sagen: 'Das liegt nicht in unserer Hand'. Feigheit der Unternehmen in Aktion."
Dank der SteamDB lässt sich verfolgen, was Valve aus dem Shop von Steam auslistet. Zum Start waren es viele Inzestthemen, aber auch andere "erotische" Inhalte, die man als nicht mehr geeignet erachtet. Wer als Entwickler im Geschäft der erotischen Steam-Spiele ist, meidet künftig besser kritische Themen, da sie ohne Vorwarnung aus dem Verkauf genommen werden können.
Mastercard wehrt sich
Update vom 05.08.2025: Auf die Vorwürfe, Kreditkartenanbieter würden Einfluss auf Produkte nehmen, die auf Distributionsplattformen wie Steam und Itch.io angeboten werden, reagiert nun Mastercard. Neben Visa ist Mastercard einer der Platzhirsche im Debit- und Kreditkartengeschäft, und beide kontrollieren weltweit den Löwenanteil des Marktes.
Mastercard will aber nichts davon wissen, dass man eine Marktmacht für Einflussnahme missbraucht. In einer Stellungnahme des Unternehmens heißt es: "Es wurden keine Spiele bewertet und keine Einschränkungen für Aktivitäten auf Webseiten und Plattformen von Spieleentwicklern verlangt, entgegen den Medienberichten und Behauptungen."
Weiter führt man aus: "Unser Zahlungsnetzwerk folgt Standards, die auf Rechtsstaatlichkeit basieren. Einfach ausgedrückt: Wir erlauben alle rechtmäßigen Käufe in unserem Netzwerk. Gleichzeitig verlangen wir von Händlern angemessene Kontrollen, um sicherzustellen, dass Mastercard-Karten nicht für rechtswidrige Käufe, einschließlich illegaler Inhalte für Erwachsene, verwendet werden können."
Valve sieht das im Gespräch mit Kotaku aber anders. Während man zwar keinen direkten Druck von Mastercard bekommen haben soll, so habe das Kreditkartenunternehmen stattdessen "mit den Zahlungsabwicklern und deren Acquiring-Banken kommuniziert", die dann wiederum an Valve herantraten.
Berufen wird sich auf Regel 5.12.7 von Mastercard. Die verbietet Transaktionen, die illegal sind oder die "nach alleinigem Ermessen des Unternehmens den guten Ruf des Unternehmens schädigen oder sich negativ auf die Marken auswirken könnten". Der zweite Teil ist der Abschnitt mit viel Interpretationsspielraum und verbietet "den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen, einschließlich Bildern, die offensichtlich anstößig sind und keinen ernsthaften künstlerischen Wert haben (wie beispielsweise Bilder von nicht einvernehmlichen sexuellen Handlungen, sexueller Ausbeutung von Minderjährigen, nicht einvernehmlicher Verstümmelung einer Person oder eines Körperteils und Sodomie)", aber auch "alle anderen Materialien, deren Verkauf im Zusammenhang mit einer Marke das Unternehmen für inakzeptabel hält".
Für den Moment scheint man einander den schwarzen Peter zuschieben zu wollen. Die Kartenzahlungsdienstleister sitzen letztlich aufgrund einer Form eines Oligopols am längeren Hebel, da Visa und Mastercard zu großen Teilen diesen Markt dominieren und andere Anbieter nur eine untergeordnete Rolle spielen. Diese Marktmacht steht auch außerhalb dieses Falls immer wieder in der Kritik.

Bitte lass es Steam aus der Bibliothek werfen.
Und bei Mass Effekt durfte man mit der blauen Frau, selbst als weiblicher Charakter..... - gefährlich.....
Ansonsten der übliche indirekte Weg über dritte mit Teams/telefon ohne schriftliches.
Mastercard an Zahlungsdienstleister: bitte keine Rotlichtsachen, denk auch an Schweinekram wie Spiele.
Zahlungsdienstleiter an Steam: deine Rotlicht-Spiele sollten lieber verschwinden.
Wenn es Streit gibt, war man es gar nicht, wenn nicht kommt man mit durch. Versuch kostet ja nichts.
Hatten wir nicht mal ein staatliches Gewaltmonopol? Wie kann es angehen, dass private Großkonzerne sich zunehmend anmaßen, die Aufgaben von Legislative, Exekutive und Judikative zu übernehmen? Was ist unsere Rechtsordnung in Deutschland, in der EU und weltweit wert, wenn drei US-amerikanische Zahlungsanbieter einfach diktieren können, wie die Medien auszusehen haben, die wir kaufen und verkaufen dürfen?
Militär, Öl und P0rnos...
Da sind schon einige Regierungen und Großkonzerne daran gescheitert.
Auch LGBTQ Inhalte, die sehr junge Menschen in ihrer Identität verunsichern und die Inhalte geradezu aufdrängen (hat ja nichts mit Aufklärung zu tun) sehe ich kritisch.
1. Wird einem nicht gesagt, dass hetero schlecht sei. In keinem Spiel, in keinem Film. Solche Botschaften existieren schlicht nicht.
2. Was ist mit Kindern, die Eltern haben, die in einer homosexuellen Beziehung leben? Die werden nicht automatisch homosexuell. Für die ist das völlig normal.
3. Falls eine Verunsicherung vorliegen sollte, liegt das nicht am Inhalt, sondern vielmehr an tiefer liegenden Problemen. Anhaltende Unsicherheiten entstehen nicht durch gelegentlichen Konsum von LGBTQ-Inhalten, sondern durch das engere Umfeld. z.B. wenn Kindern nichts zugetraut wird, ihnen X und Y eingeimpft wird usw.
Andernfalls wären Shooter allein für vergangene Gewaltakte verantwortlich. Dass dem nicht so ist und ganz andere Faktoren zur Gewalt führten, ist ja mittlerweile klar und bewiesen. Warum das ausgerechnet bei LGBTQ-Inhalten anders sein soll, ist mir schleierhaft.
Damit will ich keinesfalls sagen, dass Medien keinen Einfluss haben. Altersfreigaben haben zweifelsohne ihre Berechtigung. Und Diskussionen, beispielsweise über die Darstellung von Frauen und Männern in Medien, haben selbstredend ebenfalls ihre Berechtigung. Aber pauschal zu behaupten, dass mediale Inhalte lebensverändernde Unsicherheiten hervor rufen, ist zu kurz gedacht. Da gehört schon viel mehr dazu. Man würde durch eine Zensur nur ein Symptom bekämpfen, nicht die Ursache.
Muss man Kindern und Jugendlichen, ohne dass sie fragen, Transgender und non-binäre Personen erklären? Nein. Vor allem nicht, wenn sie in ihrer Lebenswelt gar keine Berührungspunkte damit haben. Ein besonders greifbares Thema ist das ja nicht, selbst für einige Erwachsene. Allerdings würden die einen nur blöde angucken und sich fragen, wovon ich da jetzt rede. Sollte man es ihnen aber erklären, wenn sie mal von sich aus danach fragen? Zweifelsohne. Sensibel und respektvoll.
Eine Tabuisierung war - weil man vielleicht Ängste hat o.ä. - war noch nie hilfreich.
Es ist Fakt, dass Jugendliche eine Sexualität haben. Es ist Fakt, dass sie sich ausprobieren. Müssen sie also vor dem Thema Sexualität an sich geschützt werden? Meinerseits ein klares Nein. Denn Sexualität beinhaltet ja nicht nur Nippel, Geschlechtsteile und Sex. Es wäre defintiiv ratsamer, das Thema Sexualität in Medien, also auch in Spielen, weniger sexualisierend darzustellen, sondern sensibler und altersentsprechend.
Aber ich glaube auch nicht, dass 15jährige Menschen von bloßen Brüsten traumatisiert werden.
Von all dem sind strafrechtlich relevante Inhalte natürlich ausgenommen. Die gehören zurecht verbannt.