- DE
- English
- EN
Steam Machine: Valves Anti-Cheat-Problem bleibt ein Risiko für Multiplayer-Fans
Valve arbeitet nach eigenen Angaben weiter an Anti-Cheat-Support für SteamOS. Bei Easy Anti-Cheat sieht der Hersteller die Entscheidung aber vor allem bei den Entwicklern.
Anti-Cheat bleibt eine der größten offenen Fragen für die Steam Machine. Valve will mit SteamOS einen komfortablen Zugang zur Steam-Bibliothek bieten, doch gerade kompetitive Multiplayer-Spiele hängen oft nicht an der reinen Leistung der Hardware, sondern an Easy Anti-Cheat, Battleye oder stärker abgeschotteten Kernel-Lösungen. Im Gespräch mit PCGH verweist Valve nun auf Fortschritte, nennt aber auch Grenzen der eigenen Kontrolle.
Auf Nachfrage zu Anti-Cheat auf der Steam Machine erklärt Valve, man arbeite weiter mit den großen Anbietern zusammen, darunter Easy Anti-Cheat und Battleye. Für Entwickler, die Linux und Proton unterstützen wollen, gebe es bereits Lösungen, allerdings müssten sie diese auch aktiv einschalten. Damit ist EAC unter SteamOS nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber auch nicht automatisch gelöst. Schwieriger bleibe die Lage bei Kernel-Level-Anti-Cheat, weil solche Lösungen unter Linux deutlich schwerer umzusetzen seien.
"There are solutions for developers who wish to implement it on Linux, and it really is up to the developer to turn that on."
- Yazan Aldehayyat (Ingenieur) und Lawrence Yang (Designer)
Valves Haltung ist damit klar: Die technische Grundlage soll bereitstehen, die eigentliche Freigabe liegt aber bei den Entwicklern und Publishern. Das ist zunächst nachvollziehbar. Valve kann Easy Anti-Cheat oder Battleye nicht für fremde Spiele eigenmächtig aktivieren, wenn die Verantwortlichen hinter einem Titel Linux und Proton nicht unterstützen wollen.
Ganz aus der Verantwortung ist Valve damit aber nicht. Das Unternehmen ist nicht nur Entwickler von SteamOS und Proton, sondern zugleich Betreiber der größten PC-Spieleplattform. Zudem verkauft Valve mit Steam Deck und Steam Machine eigene Hardware, deren Nutzwert unmittelbar davon abhängt, wie zuverlässig die Steam-Bibliothek unter SteamOS funktioniert. Wenn ein Spiel auf Steam prominent verkauft wird, auf der Steam Machine aber wegen Anti-Cheat nicht regulär nutzbar ist, entsteht für Käufer ein praktisches Problem, auch wenn die technische Zuständigkeit formal beim jeweiligen Publisher liegt.
"We know there are a lot of games that people would like to play on Steam Deck and on Steam Machine."
- Yazan Aldehayyat (Ingenieur) und Lawrence Yang (Designer)
Valve sitzt hier also durchaus am längeren Hebel. Das Unternehmen könnte Anti-Cheat-Einschränkungen im Steam-Store deutlicher kennzeichnen, etwa direkt auf der Shopseite oder im Rahmen der Steam-Machine-Kompatibilität. Auch ein strengeres Verified-System wäre denkbar: Ein Multiplayer-Spiel, dessen Online-Modus unter SteamOS wegen Anti-Cheat nicht funktioniert, sollte nicht nur allgemein als eingeschränkt gelten, sondern klar benennen, welcher Teil des Spiels betroffen ist. Für Nutzer wäre das deutlich hilfreicher als der pauschale Hinweis, dass Proton-Kompatibilität vom Einzelfall abhängt.
Darüber hinaus könnte Valve stärker auf große Publisher einwirken. Ein Zwang zur Linux-Unterstützung wäre kaum realistisch, zumal Anti-Cheat auch sicherheitsrelevante und wirtschaftliche Fragen berührt. Bei großen Live-Service-Spielen, die über Steam erhebliche Reichweite erzielen, hätte Valve aber durchaus Verhandlungsmacht. Das Unternehmen könnte technische Unterstützung anbieten, Testprozesse vereinfachen, Kompatibilität sichtbarer belohnen oder fehlende SteamOS-Freigaben prominenter ausweisen. Schon die Sichtbarkeit im Store wäre ein wirksames Mittel, weil sie direkt beeinflusst, wie ein Spiel von SteamOS-Nutzern wahrgenommen wird.
Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die Steam Machine selbst sich nicht an den klassischen Linux-Nutzer richtet, sondern an all jene, die keine Bastelarbeit wollen, wie Valve selbst verdeutlicht hat, kann nicht erwartet werden, dass Nutzer vorher prüfen, ob ihre Spiele auch über die Steam Machine gespielt werden können.
"It is a PC without having to worry about all the fiddly things that come with a PC."
- Yazan Aldehayyat (Ingenieur) und Lawrence Yang (Designer)
Vor allem da Anti-Cheat-Kompatibilität unter SteamOS keine statische Eigenschaft ist, sondern jederzeit durch eine Entscheidung des Publishers entfallen kann. Ein gutes Beispiel für eine solche Situation dürfte Apex Legends sein. Der Titel ist unter SteamOS nicht mehr regulär spielbar, nachdem EA und Respawn Linux sowie Steam Deck blockiert haben. Begründet wurde der Schritt mit Cheat- und Exploit-Risiken.
Mitmachen und kommentieren
Wie stehen Sie zu diesem Thema? Die PCGH-Redaktion freut sich über Ihre fundierte Meinung in den Kommentaren zu dieser Meldung. Sollten Sie noch keinen Extreme-Account haben, laden wir Sie zu einer Registrierung im Forum ein. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die gültigen Forenregeln. Folgen Sie gerne PCGH bei 🔈 Youtube oder 💬 Whatsapp und erhalten Sie Neuigkeiten zu Grafikkarten, CPUs und Gaming direkt in Ihrem Feed.
