[26/11/2021] Stalker 2 ... scheint ein echtes Stalker zu sein. Also reich an Ungereimtheiten und Bugs, welche meinen Kontakt mit der Serie bislang eher kurz gehalten haben. Diesmal will ich das den Entwicklern aber nicht vorhalten. Die Fehler stören zwar das Gameplay und dessen Präsentation nachhaltig, aber in Anbetracht der außergewöhnlichen Hürden während der Entwicklung ist es beeindruckend, dass der Titel überhaupt erscheinen konnte. Zumal die Entwickler mit sich selbst genauso kompromisslos umgehen wie die Zone mit dem Spieler: Einfach einen grafisch weit hinter dem mit dieser Technik Möglichen zurückbleibenden Rasterizer-Fallback an einen leicht zu schreibenden Raytraycing-Titel mit miserabler Performance anflanschen? Nicht mit GSC, die in überaus komplexer Weise eine ausgewogene Kombination von Vor- und Nachteilen zu liefern versuchen, wobei halt einfach mehr schieflaufen kann. Genauso wie ein komplexes, eigenständiges Gameplay mehr Möglichkeiten für Fehler bietet als das „neuer xter Skin für repetitiven Standardablauf“-Konzept vieler AAA-Veröffentlichungen, die zudem nicht mit Problemen wie „unser Game Designer ist einem menschenverachtenden Kriegstreiber zum Opfer gefallen“ kämpfen. Auch in der B-Note liefert GSC Ideal- statt Minimalismus: DRM-freie Bezugsoption, Hardware-Hersteller-antagonistische Leistung, Konfigurierbarkeit – nur die native Linux-Version fehlt (noch?), aber man möchte den Titel einfach als Belohnung der Entwickler kaufen, selbst wenn man gar keine Lust oder Möglichkeit hat, ihn zu spielen. Womit wir bei echtem Gemecker wären: Unreal-Engine und Ray-Tracing waren zwar schon immer dafür bekannt, CPUs respektive GPUs zum Frühstück zu fressen, ohne dafür eine akzeptable Gegenleistung zu liefern. Aber was hat die Entwickler dabei geritten, einen 9800X3D und eine RTX4090 für 75 Fps in QHD vorauszusetzen? Mit 40er P1?? In einem Spiel, dessen Fertigstellung ursprünglich für 2022 anvisiert wurde??? Immerhin: Die GPU-Anforderungen kann man, erstem Feedback von Phil zu Folge, gut skalieren. Da erinnert Stalker an Crysis, das, entgegen seines Rufs, auch auf recht schwacher Hardware lief und dabei nicht schlechter aussah als allgemein anspruchslosere Titel. Aber bei den miesen P1 von Stalker gibt es laut CPU-Fachred wohl nur eine Maßnahme: Beten, dass die Entwickler noch was zurechtpatchen werden. Oder auf Zen 6 warten. (Torsten Vogel)