53 Jahre Atari: Von großen Erfolgen und tragischen Flops

Atari wird am 27. Juni 1972 gegründet. PCGH blickt auf eine wechselhafte Geschichte als Heimcomputer-Pionier und Spiele-Publisher zurück.

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53 Jahre Atari: Von großen Erfolgen und tragischen Flops
Quelle: PC Games Hardware

Es gibt sehr viele bekannte Firmen in der IT- oder Spiele-Geschichte, die eine bewegte Vergangenheit hinter sich haben. Das allein ist also noch nicht ungewöhnlich - und schließlich gibt es auch genug Unternehmen, die es heute überhaupt nicht mehr gibt. Das trifft auf Atari nicht zu, denn die Firma gibt es als "Atari SA" noch immer. Was bei Atari aber besonders ist: In den über 50 Jahren, in denen die Marke nun besteht, wurde sie oft verkauft und in Abwandlungen für unterschiedliche Zwecke genutzt. Daraus ließe sich allein ein Buch schreiben, was wir hier natürlich nicht leisten können. Wir verweisen bei Interesse auf die Atari-Wikipedia-Seite.

Atari: Die Gründerzeit

Gegründet wird Atari am 27. Juni 1972 von Nolan Bushnell und Ted Dabney. Der Begriff Atari wird dabei aus dem japanischen Brettspiel Go entlehnt, später bekam das Logo den ikonischen Look des stilisierten japanischen Bergs Fuji. Den ersten wirtschaftlichen Erfolg erzielt Atari mit Pong, das als Münzautomaten-Version die Arcade-Industrie begründet und auch als Pong-Konsole in die Wohnzimmer kommt. Die späteren Apple-Mitarbeiter Steve Jobs und Steve Wozniak arbeiten kurzzeitig bei Atari und sind unter anderem an Breakout beteiligt. Danach entwickelt Atari unter dem Codenamen Stella den Atari VCS 2600, der in unterschiedlichen Versionen zwischen 1977 und 1986 verkauft wird. Dank Titeln wie Pac-Man oder Space Invaders in Form von wechselbaren Spielekassetten dominiert das System jahrelang den Markt.

Anfang der 1980er-Jahre verliert Atari wichtige Mitarbeiter, darunter Programmierer wie Bob Crane und Larry Kaplan, die Activision gründen, und auch den Chefentwickler der Heimcomputerabteilung, Jay Miner, der den Konkurrenten Amiga gründet. 1984 wird es unruhig für Atari. Warner, die seit 1976 an Bord sind, sehen sich einem beispiellosen Videospiel-Crash in den USA gegenüber und verkaufen Atari die Heimcomputer-Sparte an Jack Tramiel, der kurz zuvor bei Commodore die Segel streichen musste. Fortan gibt es mit Atari Corporation und Atari Games zwei unabhängige Firmen.

Bekannte Heimkonsolen von Atari

Atari Corporation und Atari Games

Die Atari Corporation hält von 1984 bis 1996. Tramiel startet den Turbo in der Heimcomputer-Sparte, die er mit der ST-Reihe zu neuen Erfolgen führt, auch gegen die Konkurrenz seiner alten Firma Commodore. ST steht für Sixteen/Thirty-Two (16/32), der Hauptprozessor von Motorola, der 68000 mit 8 MHz, hat einen 16 Bit breiten Datenbus und arbeitet intern mit 32 Bit. Der ST tritt als kostengünstige Alternative gegen den Apple MacIntosh an und streitet sich auch mit IBM-PC-kompatiblen Computern und der Amiga-Reihe von Commodore. Doch der Atari ST fällt in den Neunzigern ebenso wie alle anderen Heimcomputer dem boomenden PC zum Opfer. Mit dem Atari Lynx hat man 1989 einen interessanten Handheld am Markt, der jedoch zu teuer, zu schwer und zu wenig Batterie-Laufzeit gegenüber dem Nintendo Gameboy bietet. Und auch die 1993 gestartete Atari-Jaguar-Konsole wird ein Flop. 1996 kommt es zur Fusion mit Festplattenhersteller JTS. Von 1998 bis 2001 versucht sich Hasbro an dem Namen Atari, danach probiert es der französische Publisher Infogrames, bekannt für Alone in the Dark.

Von 1984 bis 2003 gibt es auch die Atari Games, die bis Anfang der 90er als kreativer Entwickler von Arcade-Spielen gelten und unter anderem für Marble Madness, Gauntlet und Paperboy verantwortlich zeichnen. 1996 landet Atari Games bei Midway Games, die bis 2009 bekannte Spiele wie Tron oder Stranglehold veröffentlichen.

Atari in den 2000er-Jahren und heute

Seit 2001 bzw. 2003 gibt es Atari Inc. und Atari SA. In der Folge gibt es immer wieder finanzielle Schwierigkeiten, aber auch Projekte wie die Retro-Konsole Atari Flashback. 2006 und 2007 beginnt der große Ausverkauf bei Atari aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten. Studios wie Reflections werden verkauft, Marken und Rechte ebenso - teils unter Lizenz. Infogrames entlässt das Management bei Atari, Atari 20 Prozent seiner Mitarbeiter. 2008 kauft Infogrames die an der Börse notierte Atari Inc. komplett zurück. Zu diesem Zeitpunkt ist Atari wieder in fester Hand von Infogrames. Im Frühling 2009 übernimmt der japanische Spielkonzern Namco Bandai Stück für Stück die Distributions-Niederlassungen von Atari, nachdem man bereits ein Publishing-Joint-Venture mit Infogrames hatte.

In der folgenden Galerie finden Sie die wohl bekanntesten Spiele und Konsolen der Heimcomputer- und Neuzeit von und für Atari mit, angesichts der komplizierten Verhältnisse, Fokus auf den europäischen Markt.

Bildergalerie

Anfang der 2010er-Jahre ist Atari als Marke in den Schlagzeilen, als das eigene Studio Eden Games (Test Drive Unlimited) zwischenzeitlich 2012 geschlossen wird. Es ist nicht das einzige namhafte Studio, das bei Atari unter die Räder geriet. Wer schon etwas länger spielt, dürfte Microprose, Accolade, Gremlin, Legend oder GT Interactive noch kennen. 2013 wird Atari SA von der französischen Börse genommen, die US-Firma tritt in den Insolvenzschutz. Die Rettung gelingt aber.

Atari gibt es also auch heute noch, aber anders als in den 1970er- oder 1980er-Jahren. So bietet man als Spiele-Publisher eine Mischung aus Retro, Mobile und Remaster (Atari: Recharged). Darüber hinaus hat Atari 2021 mit vielen Jahren Verspätung die Retro-Konsole Atari VCS veröffentlicht, die in drei Varianten bestellbar ist und auch nach Deutschland geliefert wird. Zuletzt beschäftigte man sich auch stark mit der Atari-Geschichte, brachte Cartridges für Sammler, schmiedete eine Sneaker-Partnerschaft und übernahm das Retro-Spiele-Archiv Mobygames. Auch das Thema Blockchain ist fester Bestandteil von Atari, und man sieht sich hier als Pionier. 2022 erschien mit Atari Mania eine Sammlung von 150 Spielen aus den 70ern und 80ern, bis heute sind weitere ehemalige Klassiker wie Lunar Lander oder Breakout in überarbeiteten Fassungen auf Steam erschienen. 2023 erschien eine Neuauflage des Atari 2600+, 2024 folgte dann der Atari 7800+.

Atari hatte es sich jedenfalls nicht nehmen lassen und eigene Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag gestartet. So gibt es ein Video, in dem der aktuelle Atari-CEO Wade Rosen und der ursprüngliche Atari-Mitgründer Nolan Bushnell über das Erbe von Atari sprechen. Es geht im Video unter anderem "über die prägende Rolle des Unternehmens bei der Entwicklung der modernen Videospielindustrie, die anhaltende Rolle der Marke Atari in der Populärkultur und darüber, was das Unternehmen in den nächsten 50 Jahren ausmachen wird".

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    • Kommentare (21)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von MrWan PC-Selbstbauer(in)
        Ah, lange ists her. Meine erste Konsole war das Atari VCS mit der Holzoptik, das noch bei meinen Eltern auf dem Dachboden stehen "sollte". Als früh musikbegeisterter Mensch besaß ich eine Zeit lang einen 1040 STFM, der parallel in Betrieb blieb, bis ich in meinem PC eine Terratec Maestro 32/96 eingebaut hatte. Das war eine tolle Soundkarte.
      • Von MrWan PC-Selbstbauer(in)
        Ah, lange ists her. Meine erste Konsole war das Atari VCS mit der Holzoptik, das noch bei meinen Eltern auf dem Dachboden stehen "sollte". Als früh musikbegeisterter Mensch besaß ich eine Zeit lang einen 1040 STFM, der parallel in Betrieb blieb, bis ich in meinem PC eine Terratec Maestro 32/96 eingebaut hatte. Das war eine tolle Soundkarte.
      • Von Nordbadener Freizeitschrauber(in)
        Mein erster Atari war 1984 ein 800XL 8Bit-Homecomputer.
        Zwei meiner Kumpels waren mit Atari 400 und 600XL unterwegs und hatten mich damals von Atari total überzeugt.
        Mein Hobby war die BASIC-Programmierung, anfangs mit Datarekorder 1010, später mit Floppy 1050.

        Mein absolutes Atari Lieblingsspiel war Donkey Kong (Modul) von Atari.
      • Von 4thVariety BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von T'PAU
        1993 stolz wie Bolle bei Karstadt einen Falcon 030 vom Stapel abgegriffen für knapp 2000 Mark!
        Nicht wahrhaben wollend, dass die Maschine ein Flop werden sollte und schon nach einem Jahr von Atari wie 'ne heiße Kartoffel fallen gelassen wurde!
        Der Motorola 68030 hatte zum Release auch schon 5 Jahre auf dem Buckel, da hat sich Atari nicht mit Ruhm begossen (Commodore auch nicht zu der Zeit).

        Gegen die genze Konkurrenz aus dem 486er Lager zu der Zeit konnte sich die CPU nicht behaupten. Ein 486er hatte 1,5 Mio Transostoren im Vergleich zu den 270k des 68030, dazu kam der doppelte Takt bei Intel/AMD. Preislich war da auch kein Unterschied, Firmensoftware war eher mager auf Atari und was ein PC zu der Zeit war, der hatte eine Netzwerkkarte und Spaß mit IPXsertup.exe. Wer sich fragt warum, der hatte 1994 mit Doom seine Antwort.

        Das war die Zeit in der die Preisbrecher die Industrie umgekrempelt haaben und die alten Geschäftsmodelle von Atari, Commodore und Schneider alle über den Jordan gingen. 1992 kostete eine 3D Grafikkarte von Herkules schlappe 5000DM, (heute mit Inflation 6000€ dagegen ist eine 5090 fast schon low Budget). 1996 kam die Voodoo für 450 DM (ca. 470€ mit Inflation).

        Atari und Commodore haben brutal gesagt erst verschlafen, dass ein Spielcontroller mehr wie einen Knopf braucht und dann bei 3D gepennt. Somit waren alle Gamer weg. Dann haben beide bei den Themen Software und Vernetzung in Firmen geschlafen, dann waren alle anderen User weg.
      • Von T'PAU BIOS-Overclocker(in)
        Bekennender Atari-Jünger (mit einem kurzen Ausflug ins andere Lager in Form eines Amiga 500 von '89 bis '93)!
        Anfang 80er natürlich der 2600, dann 600XL (mit reingefriemelten 64KB RAM) mit Datasette 1010 und Floppy 1050 (aufgebrezelt mit Happy-Modifikation), 800XL (der den 600XL ablöste) mit von mir nachgerüsteten Cursor-Tasten (die Anschlüsse sind vorhanden, aber von Atari nicht benutzt!).
        1987 ein 520 STM (mit 1MB) plus 720K-Floppy SF314. Zwei Jahre später hab ich dem ST eine Stereo-Mod verpasst!
        1993 stolz wie Bolle bei Karstadt einen Falcon 030 vom Stapel abgegriffen für knapp 2000 Mark!
        Nicht wahrhaben wollend, dass die Maschine ein Flop werden sollte und schon nach einem Jahr von Atari wie 'ne heiße Kartoffel fallen gelassen wurde!
        Mit der rosa-roten Atari-Brille auf'n Kopp ein Jahr später noch den Jaguar, plus später Jag-CD und Pro-Controller!

        Jaguar, Falcon und 520er hab ich heute noch plus den (nach schiefgelaufener AV-Mod) defekten 2600.
        Die letzten fünf Jahre dazu gekommen sind ein 1040 STF und ein 1040 STE mit 4MB!
        Ach ja und ein Amiga 1200 mit Terrible Fire 1260!
      • Von llIIIIIlll Kabelverknoter(in)
        Man muss der Marke hoch anrechnen, was sie früher alles geleistet hat.
      Direkt zum Diskussionsende
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