Lenco LBT-515WD: Motorleistung, Hörprobe und Testfazit
Drehzahlstabiler Direktantrieb, Ortofon 2M Blue im Soundcheck und abschließendes Fazit.
Inhaltsverzeichnis
Motorleistung, manuelle Drehzahlsteuerung
Beim Antrieb zeigt der Lenco LBT-515WD eine klare Stärke: Der 300-mm-Metallplattenteller wird direkt vom Motor angetrieben, ein Riemen entfällt. Die quarzgesteuerte Regelung hält 33,33 und 45 U/min stabil und erspart im Normalbetrieb jedes Nachjustieren per Gehör oder Regler. Unsere Messung mit dem Turntabulator (App) bestätigt das: 33,33 U/min trifft der Lenco exakt, bei 45 U/min zeigt sie ebenfalls 45,00 U/min an. Gleichlaufschwankungen waren nicht erkennbar.
Quelle: PCGH
Der Antrieb stellt sich als eine der Stärken des Lenco heraus. Der Plattenteller wird direkt vom Motor angetrieben. Die quarzgesteuerte Motorregelung hält die Nenndrehzahlen stabil bei 33,33 und 45 U/min.
Interessant wird der LBT-515WD, sobald Sie die Quarzsteuerung abschalten und die Pitch-Control nutzen. Dann lässt sich die Drehzahl per Schieberegler erhöhen oder verringern; den Regelbereich stellen Sie zweistufig auf ±10 oder ±20 Prozent ein. Das ist nicht nur für DJ-Spielereien gedacht. Auch bei Platten, die leicht zu hoch oder zu tief wirken, bei älteren Pressungen oder beim Vergleichshören kann eine Korrektur sinnvoll sein. Bedienung: Bereich wählen, Pitch-Regler bewegen, Drehzahl anpassen. Der Einstellbereich ist groß. Zum Vergleich: Der Audio-Technica AT-LP120XUSB bietet ±8 und ±16 Prozent, Technics nennt beim SL-1200MK7 ebenfalls ±8 und ±16 Prozent, während der stärker auf DJ-Einsatz ausgelegte Reloop RP-7000 MK2 zusätzlich ±50 Prozent bietet. Der Lenco liegt mit ±10 und ±20 Prozent oberhalb vieler Hi-Fi- und DJ-Standardbereiche, ohne die Bedienung zu erschweren.
Quelle: PCGH
Mit ±10 und ±20 Prozent bietet der Lenco LBT-515WD einen größeren Regelbereich als viele Hi-Fi- und klassische DJ-Plattenspieler, bleibt dabei aber einfach zu bedienen.
Auch die per Turntabulator-App ermittelten Messwerte sprechen für die Motorsteuerung. Bei exakt eingestellter Pitch-Control trifft der LBT-515WD die rechnerischen Zielwerte genau: Aus 33,33 U/min werden bei +10 Prozent 36,66 U/min, bei +20 Prozent 40,00 U/min, bei -10 Prozent 29,99 U/min und bei -20 Prozent 26,67 U/min. Bei 45 U/min liegen 49,48 neben 53,99 sowie 40,49 und 35,99 U/min ebenfalls praktisch auf Soll. Damit ist die Pitch-Steuerung weitreichend und präzise genug, um im Test als nutzbares Werkzeug durchzugehen.
Für Scratching ist das Ortofon 2M Blue nicht gedacht. Sein elliptischer Hi-Fi-Schliff zielt auf präzise Wiedergabe, nicht auf harte Vor- und Rückwärtsbewegungen. Wer DJ-Techniken nutzen möchte, sollte ein robusteres DJ-System verwenden; für den Hörbetrieb ist das vormontierte Ortofon die passendere Wahl.
Quelle: PCGH
Obwohl sich der Lenco LBT-515WD mit seiner Pitch-Control auch bestens für DJs eignen würde, sollten Sie für DJ-Techniken wie Scratching ein robusteres Tonabnehmersystem wählen.
Ortofon 2M Blue: Mehr als Mittelklasse
Die Vermutung aus der Einleitung bestätigt sich im Hörtest: Der akustische Trumpf des Lenco LBT-515WD sitzt an der Metall-Headshell. Das Ortofon 2M Blue wirkt nicht wie ein beiläufig montiertes Mittelklasse-System, sondern zeigt klar Ambitionen Richtung Oberklasse. Bei Miles Davis' "Kind of Blue" wird das schnell hörbar. Tiefe Klaviertöne und Kontrabass klingen klar, kräftig und dynamisch, behalten aber eine natürlich wirkende Resonanz. Der Bass erscheint nicht künstlich aufgedickt, sondern sauber konturiert und rhythmisch nachvollziehbar. Schon hier zeigt sich: Das Ortofon 2M Blue ist ein sehr guter, dynamischer Bassspieler, ohne andere Frequenzbereiche zu verdecken.
Auch die Höhen gehören zu den Stärken des Systems. Hohe, mit Vibrato gespielte Trompeten- und Saxofontöne bleiben präsent, präzise und verzerrungsfrei. Miles Davis' Trompete und John Coltranes Tenorsaxofon werden bis in feine Blas- und Ansatzgeräusche hinein aufgelöst. Beckenanschläge sind klar unterscheidbar, ob hart gesetzt oder leicht angedeutet. Selbst das Streichen des Besens über Snare und Becken bleibt nachvollziehbar. Dazu kommt eine sehr breite Bühne, auf der die Instrumente eindeutig stehen.
Quelle: PCGH
Das Ortofon 2M Blue spielt erstaunlich neutral, unverfärbt sowie verzerrungsarm und dazu sehr dynamisch. Es lässt gute Platten noch besser und analoges Material noch analoger klingen.
Diesen Eindruck bestätigt Dave Brubecks "All Time Greatest Hits". In "Take Five" sind Nebengeräusche am Saxofonmundstück gut zu hören, ohne dass sie überbetont wirken. Kontrabass, Bassdrum, Stand-Tom und tiefe Klaviersaiten bekommen in "Take Five", "It's a Raggy Waltz", "Blue Rondo à la Turk" und "Unsquare Dance" einen tiefen, resonanten Klang. Die Tieftonabbildung bleibt ausgewogen: kräftig genug, um die Rhythmusarbeit spürbar zu machen, aber sauber genug, damit Instrumente getrennt bleiben.
Rock und Pop: Druck, Bühne und klare Stimmen
Bei Fisher-Zs "Red Skies Over Paradise" zeigt das 2M Blue, dass es Rockproduktionen mit Nachdruck darstellen kann. John Watts' Tenorstimme steht klar im Vordergrund, ohne Becken, Hi-Hats oder hohe, unverzerrte Gitarrenakkorde zu überdecken. Gitarre, Orgel, Snare und obere Basstöne spielen präsent auf sehr breiter Bühne. Bassläufe und Bassmelodien bleiben sehr gut verfolgbar; Bassdrum und Tieftonbereich wirken resonant und nah. Auch BAPs "Für Usszeschnigge!" profitiert von dieser Spielweise. Bass und Schlagzeug klingen klar, kräftig und dynamisch, Stimme, Keyboard, Snare, Becken und Gitarren im Mitteltonbereich setzen sich sauber voneinander ab. Der Höreindruck rückt Sie nah an die Bühne, ohne dass das Klangbild unruhig wird. Gitarrensoli und Akustikgitarren zeigen eine lebendige Hochtonauflösung; Anschlag und Resonanz der Saiten sind klar zu hören. Die 1981 gepresste Deutschrockscheibe wirkt dadurch detailreich, breit und kontrolliert.
Quelle: PCGH
Bei Fisher-Z und BAP zeigt das Ortofon 2M Blue klare Rockqualitäten: Stimmen, Gitarren, Becken und Bass bleiben sauber getrennt, die Bühne wirkt breit, detailreich und nah.
Bei New Model Army, etwa auf "Carnival" in der Ltd.-White-2-LP-Fassung von 2020, fällt die hohe Gesamtdynamik auf. Leise Akustikgitarren bleiben sehr gut hörbar, während die Bassdrum für ein MM-System dieser Preisklasse viel Punch besitzt. Gitarren im Mitteltonbereich klingen farbig, präsent und frei von störender Härte, Akustikgitarren bekommen Körper, die Stimme steht nah im Raum. Dynamisch intakte Produktionen profitieren klar vom 2M Blue: Die Rhythmuseinheit wirkt druckvoll, die Klangfarben bleiben erhalten, und der Abstand zur CD schrumpft hörbar.
Quelle: PCGH
Gerade dynamische Plattenproduktionen profitieren klar vom Ortofon 2M Blue. Die Rhythmuseinheit wirkt besonders druckvoll die Klangfarben im Mittenbereich bleiben erhalten. Der akustische Abstand zur CD schrumpft hörbar.
Dass das Ortofon 2M Blue auch mit aktuellen Pop- und Hip-Hop-Produktionen zurechtkommt, zeigt "Longplayer" von den Fantastischen Vier. Der Beat wirkt kräftig und präzise, die Kickdrum klar umrissen, Stimmen und Begleitinstrumente verteilen sich auf sehr breiter Bühne. Gute Pressungen klingen über den LBT-515WD nicht nur detailreich, sondern lebendig und geschlossen. So behält analoges Material genau die Farbigkeit, wegen der man Vinyl hört.
Lenco LBT-515WD: Fazit
Der Lenco LBT-515WD ist kein Plattenspieler ohne Kompromisse, aber ein sehr schlüssiges Angebot für alle, die aus der Einsteigerklasse aufsteigen möchten. Verarbeitung, Direktantrieb, Quarzsteuerung, Pitch-Control und Bluetooth passen zur 600-Euro-Klasse, auch wenn USB, Halbautomatik oder Vollautomatik fehlen. Bei der Bedienung bleibt er bewusst manuell, liefert dafür aber eine präzise Motorsteuerung: 33,33 U/min und 45 U/min trifft er exakt, und auch die Pitch-Werte liegen sauber am Soll. Kleine Kritik gibt es für den Tonarmlift aus Kunststoff und die etwas sensible Handhabung beim Anheben.
Sein stärkstes Argument ist jedoch das vormontierte Ortofon 2M Blue. Es spielt dynamisch, breit, detailreich und im Bass erstaunlich körperhaft; Jazz, Rock und aktuelle Pop-Produktionen profitieren hörbar. Damit wächst der mit einer Top-Produkt-Auszeichnung prämierte Lenco LBT-515WD klanglich über eine reine Mittelklasse-Einordnung hinaus und empfiehlt sich besonders für ambitionierte Vinyl-Fans, die ein klangstarkes Upgrade suchen.
