Lenco LBT-515WD im Test: Plattenspieler mit Direktantrieb, Bluetooth und überraschendem Klang

Der Plattenspieler Lenco LBT-515WD kostet 600 Euro und tritt mit Direktantrieb, Bluetooth sowie Pitch Control klar in der Mittelklasse an. Sein eigentlicher Trumpf sitzt jedoch am Metall-Headshell des Tonarms: ein Ortofon 2M Blue. Ob er damit klanglich über seine Klasse hinauswächst, klärt der Test.

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Lenco LBT-515WD im Test: Plattenspieler mit Direktantrieb, Bluetooth und überraschendem Klang
Quelle: PCGH

Die Schweizer Marke Lenco, heute Teil der Firma Commaxx BV in den Niederlanden, fertigt seit 80 Jahren Plattenspieler in unterschiedlichen Funktions-, Tonabnehmer- und Preisklassen. Zum Portfolio gehören All-in-One-Systeme mit externen Lautsprechern wie der Lenco LS-700BK, DJ-Modelle wie der Lenco L-3828BK und die Geräte der Expertise-Produktlinie. Dazu zählt neben dem bereits getesteten Lenco LBT-215 auch der hier zum Technik-Check und zur Hörprobe antretende Lenco LBT-515WD, der analogen Klang mit digitaler Bluetooth-Übertragung kombiniert. Beim Lenco LBT-515WD ist diese Mischung besonders interessant. Der rund 600 Euro teure Direkttriebler bringt mit Quarzsteuerung, Pitch Control und Bluetooth die Ausstattung mit, die man in der gehobenen Mittelklasse erwartet.

Der eigentliche Blickfang sitzt jedoch an der Headshell des Metalltonarms: Lenco montiert ab Werk ein Ortofon 2M Blue, also einen Tonabnehmer, der einzeln bereits einen erheblichen Teil des Gerätepreises ausmacht und klanglich deutlich über einfachen Einsteigerlösungen liegt. Damit stellt sich im Test die entscheidende Frage: Ist der LBT-515WD hauptsächlich ein gut ausgestatteter Mittelklasse-Plattenspieler mit attraktivem Tonabnehmer, oder wächst er im Hörtest tatsächlich über seine Preisklasse hinaus? Gerade für Vinyl-Fans, die nach dem Einstieg den nächsten Schritt machen wollen, könnte dieser Direkttriebler deshalb interessant sein. Ob Verarbeitung, Bedienung, Direktantrieb und vor allem der Klang diesen Anspruch erfüllen, klärt unser Test.

Lenco LBT-515WD: technisches Datenblatt

Wie präzise arbeitet der Quarz-Direktantrieb des Lenco LBT-515WD, welchen Nutzen bietet die Pitch-Control und warum ist das vormontierte Ortofon 2M Blue für diese Preisklasse so interessant? Bevor es an Bedienung, Verarbeitung und Hörtest geht, lohnt der Blick auf die technischen Daten: Sie zeigen, wo der Direkttriebler seine Stärken haben soll - und worauf es bei Gleichlauf, Tonabnehmer und Bluetooth-Übertragung ankommt.

  • Art des Motors: DC-Servomotor (Direktantrieb)
  • Nenngeschwindigkeiten: 33,3 U/min und 45 U/min
  • Stand-by-Verbrauch: 0,3 Watt
  • Leistungsaufnahme: 5 W (maximal)
  • Bluetooth-Frequenzbereich: 2,402 bis 2,480 MHz
  • Bluetooth-Betriebsreichweite: 10 m
  • Maximale Sendeleistung: < 6 dBm
  • Ausgang Stromversorgung: DC 12 V (0,6 A und 7,2 Watt)
  • Abmessungen (B × H × T)/Gewicht: 452 mm × 377 mm × 139 mm/ca. 5,4 kg
  • Betriebsbedingungen: 0 bis 40 °C

Ausstattung Lenco LBT-515 WD

  • Vorverstärker Ein/Aus
  • Mechanischer Tonarmlift
  • 300‑mm-Metallplattenteller, Metalltonarm und Metallgegengewicht
  • Start-Stopp-Steuerung
  • Anti-Skating
  • Abnehmbare Kunststoff-Staubschutzhaube
  • Vergoldete Anschlüsse und Erdungsanschluss
  • Pitch Control (0 bis +/- 10/20 Prozent)
  • RIAA-Entzerrung
  • Holzgehäuse

Technische Details: Tonabnehmer Ortofon 2M Blue

Allein das vormontierte Ortofon 2M Blue kostet einzeln rund 200 Euro - also etwa ein Drittel des Lenco LBT-515WD. Der nackte, elliptisch geschliffene Diamant ist ein wichtiges Klangargument des Direkttrieblers. Quelle: Ortofon Allein das vormontierte Ortofon 2M Blue kostet einzeln rund 200 Euro - also etwa ein Drittel des Lenco LBT-515WD. Der nackte, elliptisch geschliffene Diamant ist ein wichtiges Klangargument des Direkttrieblers.

  • Kanalbalance bei 1 kHz: 1,5 dB
  • Ausgangsspannung bei 1 kHz, 5 cm/s: 5,5 mV
  • Kanaltrennung bei 1 kHz: 25 dB
  • Kanaltrennung bei 15 kHz: 15 dB
  • Frequenzgang 20 Hz - 20 kHz: 2/-1 dB
  • Abtastfähigkeiten bei 315 Hz und empfohlener Auflagekraft: 80 µm
  • Compliance, dynamisch, lateral: 20 µm/mN
  • Abtastdiamant: elliptisch, nackt
  • Diamant-Verrundungsradien: r/R 8/18 µm
  • Auflagekraftbereich: 1,6 - 2,0 g (16 - 20 mN)
  • Empfohlene Auflagekraft: 1,8 g (18 mN)
  • Abtastwinkel: 20°
  • Interner Widerstand, DC-Widerstand: 1,3 kOhm
  • Spulendrahtmaterial: OFC Wire
  • Tonabnehmer-Gehäusematerial: Polymer and Aluminium
  • Tonabnehmer-Gewicht: 7,2 g
  • Tonabnehmer-Gewicht Premounted-Version: 16,7 g
  • Empfohlener Lastwiderstand: 47 kOhm
  • Interne Induktivität: 700 mH
  • Empfohlene Lastkapazität: 150 - 300 pF

Zusammenbau vor dem Hörvergnügen

Um Transportschäden zu vermeiden, wird der Lenco LBT-515WD in mehreren Teilen geliefert. Vor der ersten Platte steht deshalb der Zusammenbau an, der beim Testgerät schnell erledigt ist. Da der Plattenspieler einen quarzgesteuerten Direktantrieb nutzt, entfällt das Auflegen eines Riemens. Sie setzen lediglich den 300-mm-Metallplattenteller und die Gummimatte auf die Spindel des Motors und montieren anschließend das Gegengewicht am Tonarm. Achten Sie dabei darauf, dass der Zahlenring des Gegengewichts nach vorn, also in Ihre Richtung, zeigt.

Lenco LBT-515WD: Zusammenbau im Detail

Schieben Sie das Gegengewicht nun so weit auf den Tonarm, bis es hör- und spürbar einrastet. Vor dem Ausbalancieren stellen Sie den Drehregler für das Anti-Skating auf null. Danach bringen Sie den mit dem Lift angehobenen Tonarm über das Gegengewicht in eine waagerechte Schwebe und setzen die Skala am Gegengewicht auf null. Anschließend drehen Sie das Gegengewicht gegen den Uhrzeigersinn, bis die für das Ortofon 2M Blue empfohlene Auflagekraft von 1,8 g erreicht ist. Das Handbuch beschreibt diesen Vorgang zwar ausführlich, verzichtet aber auf Abbildungen. Gerade Einsteiger, die zum ersten Mal ein Auflagegewicht einstellen, hätten von zusätzlichen Bildern profitiert.

Kontrollieren Sie vor dem ersten Plattenstart abschließend das Auflagegewicht mit einer Nadelwaage. Diese sollte 1,80 g anzeigen. Eine höhere Auflagekraft bis 2,0 g sollten Sie nur in Sonderfällen wählen, etwa wenn der Tonabnehmer trotz korrekter Justage hörbar unsauber abtastet oder in kritischen Passagen zum Verzerren neigt. Dauerhaft über der Herstellerempfehlung zu bleiben, ist dagegen keine gute Lösung. Das belastet Nadel und Schallplatte unnötig und kaschiert häufig nur Fehler bei Justage, Anti-Skating oder Tonarmbalance.

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