Mikrofon des Headsets zu leise: Ist der Onboard-Sound schuld? Leserbrief der Woche
Tag für Tag erhält PC Games Hardware Anfragen, Vorschläge und Kritik von Lesern. In der Rubrik "Leserbrief der Woche" stellen wir Ihnen wöchentlich einen ausgewählten Leserbrief und bei Bedarf die Antwort eines Fachredakteurs vor. Beachten Sie, dass der Leserbrief der Woche nicht zwangsläufig in der Woche an die Redaktion geschickt wurde, in der er Ihnen an dieser Stelle präsentiert wird.
PC-Games-Hardware-Leser Guido O. hat sich ein Sockel-1150-System mit einem Asus Sabertooth Z87 zusammengebaut. Der Onboard-Sound bereitet leider Probleme: Das Mikrofon des angeschlossenen Sennheiser-Headsets lässt sich aufgrund eines sehr niedrigen Pegels nicht nutzen. Was steckt dahinter?
Die Frage von Guido O.:
"Vor kurzem habe ich mir ein aktuelles Haswell-System zusammengestellt, das unter anderem ein Asus Sabertooth Z87 enthält, welches in Ihrem Einkaufsführer ja auch gut bewertet wird. Dieses Motherboard enthält offenbar ein Realtek HD Audiosystem onboard. Leider mußte ich feststellen, dass entweder die Realtek-Software oder die integrierte Sound-Hardware in Bezug auf den Mikrofoneingang nicht korrekt funktionieren. So ist z.B. mein relativ hochwertiges Sennheiser Headset mit analogen Ein-/Ausgängen mit der Software Dragon Naturally Speaking 12 Premium nicht nutzbar, da die Qualitätsüberprüfung beim Anlegen eines Profils stets scheitert. Dies gilt sowohl für den Front- als auch den Rear-Mic-Eingang.
Im Realtek-HD-Audio-Manager ist zu sehen, dass Spracheingabe praktisch keinen wahrnehmbaren Pegel erzeugt, obwohl die Mikrofon-Lautstärke auf Maximalwerte gesetzt wurde, der Boost-Faktor hochgedreht wurde (was zu starkem Rauschen führt) und die Wiedergabe-Lautstärke ebenfalls voll aufgedreht wurde. Nur wenn sich das Mikrofon praktisch unmittelbar vor den Lippen befindet und man regelrecht hineinbrüllt, erreicht man eine sehr schwach hörbare Reaktion und sieht eine visuelle Reaktion im unteren Fünftel der Pegelanzeigen. Sowohl die Mikrofon-Lautstärkeeinstellungen als auch Checkbox-Felder für Rauschunterdrückung etc. scheinen keine Wirkung zu zeigen. Der Soundausgang (Line-Out bzw. Kopfhörer) arbeitet hingegen einwandfrei.
Auch erneute Treiber-Installation (diese waren schon vorher aktuell), Deinstallation etc. brachte keine Besserung. Im Internet fand ich diverse Hinweise auf ähnliche Probleme mit Realtek Chips, aber keine Lösung. Ist Ihnen diesbezüglich ein allgemeines Problem hinsichtlich der Hard- oder Software bekannt? Sollte dieses Verhalten für dieses Board "normal" sein, welche additive USB-Lösung (möglichst Soundblaster) würden Sie mir empfehlen, um einen einwandfreien Mikrofon-Eingang für mein Headset zu erhalten?
Weitere Komponenten meines Systems sind Core i7 4770K, 32 GiByte RAM (Corsair), 2 x Samsung 840 256 GByte SSD, Gainward Phantom Geforce GTX 780 Ti. Als OS kommt Windows 7 Prof. 64 Bit zum Einsatz."
Die Antwort von Philipp Reuther (Fachbereich Sound):
"Auf dem Asus Sabertooth Z87 ist ein Realtek ALC1150 verbaut. Das von Ihnen geschilderte Problem tritt mit diesem Chip öfter auf, meist ist es eine Software-Geschichte in Verbindung mit dem Mikrofon-Widerstand des Headsets und einem nicht vorhandenen, dedizierten Mikrofonverstärker des ALC1150 (sofern nicht zusätzlich auf dem Mainboard verbaut). Es gibt aber auch durchaus Hardware-Defekte, die solch ein Verhalten erklären könnten. Zunächst sollten Sie aber ausschließen, dass es sich um ein Software-Problem handelt. Eine mögliche Ursache stellt außerdem Windows-Audio dar. Stellen Sie probehalber die Qualitätseinstellung auf eine andere Stufe. Gehen Sie dazu in die erweiterten Einstellungen des Mikrofons (Sound -> Aufnahme -> Mikrofon -> Eigenschaften) und experimentieren Sie mit den einzelnen Qualitätseinstellungen. Die Wandler, die das analoge Signal in ein digitales übersetzen, unterstützen beim ALC1150 bis zu 24 Bit bei 192 KHz.
Trotz Treiber-Neuinstallation könnte der Realtek-Treiber und -Chip das Problem darstellen. Der ALC1150 besitzt keinen echten Mikrofonverstärker. Die einzige Möglichkeit, das Eingangssignal zusätzlich zu verstärken, ist also ein Boost per Software. Dieser sollte beim ALC1150 mit den aktuellen Version von +12 dB auf +30 dB angehoben worden sein. Trotz alledem könnte ein hoher Widerstand des Mikrofons das Signal bis zur Unhörbarkeit drücken. Außerdem leidet die Qualität durch die Anhebung des Pegels stark (wohl das von Ihnen beschriebene Rauschen). Da ich Ihr verwendetes Headset nicht kenne, kann ich diesbezüglich keine Auskünfte geben. Hier sind aber ein paar Widerstände zur groben Orientierung:
Niedriger Widerstand: Bis zu 600 Ohm
Mittlerer Widerstand: 600 bis 10.000 Ohm
Hoher Widerstand: Mehr als 10.000 OhmDie meisten Mikrofone von Gaming-Headsets sollten in etwa im Bereich von 2.000 Ohm oder leicht darüber liegen. Mit aktuellen Treibern und +30 dB Mikrofon-Boost sollte das Realtek-Onboard-Audio zu Genüge funktionieren. Eventuell müssen Sie das BIOS Ihres Boards auf den aktuellen Stand bringen. Sollte all dies nicht helfen, ist ein Hardware-Defekt des Audio-Eingangs ist nicht auszuschließen und Sie sollten sich überlegen, ob Sie nicht von Ihrem Gewährleistungs-/Garantie-Anspruch Gebrauch machen sollten.
Eine Soundkarte bringt Ihnen definitiv eine Verbesserung, auch in der Audio-Qualität. Ordentliche USB-Soundkarten von Creative sind zum Beispiel die Creative Omni Sourround für rund 70 Euro oder die teurere X-FI-HD (ca. 130 Euro), die allerdings auch für PC-Spieler eher uninteressante Features wie einen Phono-Verstärker für Plattenspieler mitbringt. Zudem sind die Frontanschlüsse der Karte im 6,3-mm-Format und erfordern für den Anschluss eines normalen Headsets zwei 3,5-mm-Adapter. Eine gute Alternative ist die Asus Xonar U7 für rund 80 Euro."
Leserbriefe können Sie an redaktion@pcgameshardware.de senden. Der Leserbrief der Woche wird jeden Samstag um 15:30 Uhr vorgestellt. Der Leserbrief gibt nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen.
