SimCity: Trotz Online-Zwang mit absolutem Hit-Potenzial - Die E3 Vorschau
23 Jahre nach dem ersten SimCity will Maxis mit dem gleichnamigen neuesten Teil zeigen, dass sie noch immer die uneingeschränkten Meister der modernen Städtebausimulation sind. Dabei mithelfen sollen eine neue 3D-Engine, weltweite Bestenlisten und ein Mehrspielermodus für mehrere Bürgermeister.
Komplett ohne Mord und Totschlag kommt SimCity aus: der nummernlose neueste Teil der legendären Städtebausimulation von Maxis, die neun Jahre nach SimCity 4 nun wieder selbst an ihrer Erfolgsserie arbeiten. Etwaige Sims- und Spore-Fortsetzungen und Add-ons haben die Kalifornier ins Electronic-Arts-Hauptquartier in Redwood Shores auf der anderen Seite der San Francisco Bay Area delegiert. Die ersten Einblicke in SimCity erhielten wir kurz vor der GDC im März, heute wollen uns Lead Producer Kip Katsarelis und seine drei Maxis-Kollegen den asynchronen Mehrspielermodus in Aktion vorführen. Das bedeutet nichts weiter, als dass nicht alle Spieler wie in einem MMO gleichzeitig online sein müssen. Natürlich bleibt abzuwarten, wie das im Detail funktioniert, wenn beispielsweise ein Städtebauer im Urlaub ist und sich nicht um die Bedürfnisse seiner Bewohner kümmern kann.
Vor dem Zusammenschluss einiger Städte müssen die jedoch erst aufgebaut werden, und so beginnt Kips Kollege und Producer Tyler Thompson damit, in seiner noch unberührten Landschaft die ersten Straßen anzulegen - mit echten Kurven, was zu betonen die Entwickler nicht müde werden. Die bei Maxis entwickelte Glassbox-Engine ist nicht nur dafür zuständig, sondern auch für die beliebigen Blickwinkel und Zoomstufen, in denen wir unsere Schöpfung bewundern können. Am Stadtrand hat Thompson eine Region als Wohngegend deklariert und kurze Zeit später kommen die ersten Bauarbeiter und Handwerker, um dort ein paar schmucke Einfamilienhäuser zu errichten. Das passiert mit viel Liebe: Einzelne Sims wuseln herum, Etage um Etage heben sich die Gebäude in die Höhe, bis nach ihrer Fertigstellung die Umzugswagen vorfahren und begeisterte Eigenheimbesitzer mit ihrem Habseligkeiten dort einziehen. Hätten wir als Bürgermeister nicht jede Menge andere Dinge zu tun, wir könnten dem Treiben stundenlang zusehen.
SimCity auf der E3: Miniaturstadt mit Glassbox-Engine
Um SimCity zugänglicher, aber dabei nicht schlichter zu machen, dachten die Entwickler lange über eine zeitgemäße Visualisierung der Daten wie Verbrechensrate, Strom- und Wassernetzabdeckung und so weiter nach. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Google Maps und Infografiken, wie sie der amerikanische Statistiker Edward Tufte erfunden hat, dessen empfehlenswerte Bücher auch in Deutschland erhältlich sind. Ein Klick genügt, schon sehen wir, dass unsere Stromversorgung dem Ansturm der neuen Einwohner und ihrer Arbeitsplätze nicht mehr gewachsen ist. Wir könnten nun selbst ein Kraftwerk bauen und unter Kohle, Wind, Atomstrom und Co. auswählen. Schließen wir es ans Netz an, sehen wir, wie der Strom in der unserer Stadt überlagerten Infografik in alle Gebäude saust, die bisher energielos waren. Begleitet wird das von einem Transformatorsummen und schweren Relaisschaltern, die herzhaft in die "Ein"-Position donnern. Doch wir entschließen uns stattdessen, Energie bei einem unserer Nachbarn zu erwerben. Der setzt auf jede Menge Kohlekraftwerke, die den Himmel in ein trübes Braun verwandeln. Doch der Kollege ist erfolgreich und einer der größten Stromproduzenten der Welt, wie wir in Bestenlisten im fertigen Spiel sehen können. Und was machen die Arbeiter in seinen Bergwerken, Fabriken und Kraftwerken? Die ziehen in unsere Stadt, weil dort die Luft besser ist und füllen die Stadtkasse mit Steuereinnahmen.
Während die Sonne langsam untergeht, gehen in den Häusern langsam die Lichter an. An Fassaden blinken Neonreklamen, Scheinwerferkegel zahlreicher Autos greifen wie Finger in die Dämmerung. Einmal mehr zeigt die Glassbox-Engine mit schmucken Deferred-Lighting-Effekten, was in ihr steckt. Zur Unterhaltung unserer sportversessenen Einwohner errichten wir ein Stadion und weil wir Verkehrschaos vermeiden wollen, setzen wir eine Schnellbahnhaltestation daneben, die die Fans schnell zum und vom Stadium nach Hause bringt. Größere Verkehrsprojekte wie Flughäfen errichten mehrere Spieler gemeinsam. So liefert unser Kollege aus der Fabrikstadt Stahlträger, während wir mit High-Tech-Bauteilen aushelfen. "Ihr könnt zahlreiche solcher großen Bauwerke errichten", ergänzt Kip Katsarelis. "Sogar einen Weltraumbahnhof mit einer Space-Shuttle-Rampe." Der Flughafen nutzt dabei allen Spielern: Ein dritter Mitspieler baut seine Stadt zum Urlaubsparadies aus und bekommt so Touristen in seinen Ort, unser Industriemagnat verbessert damit die Effizienz seiner Bergwerke.
SimCity auf der E3: Detailverliebt wie Anno
Die Sims pendeln jedoch nicht nur zwischen Wohnung, Arbeitsplatz und Freizeitzielen hin und her. Hält das Arbeitsangebot nicht mit dem Bevölkerungswachstum statt, kann es schon mal zu einer Demonstration vor dem Rathaus kommen, wo es in früheren Teilen lediglich eine trockene Textmeldung gab. Zoomen wir auf Straßenniveau in unsere Stadt, erkennen wir einen Brandstifter, der mit seinem Lieferwagen auf ein Gebäude zusteuert - und darin samt Auto verschwindet. Kip Katsarelis lacht: "Das passiert schon mal bei noch nicht fertigem Programmcode." Eigentlich hätte er aussteigen und ein Feuer legen sollen. Manche Vandalen gehen des Nachts übrigens mit der Farbsprühdose auf die Pirsch, um kleinen und großen Bauten ihre Tags aufzusprühen. "Kleine Verbrechen wie diese und auch größere sind nicht auf eine Stadt begrenzt, sondern können sich auch auf die Nachbarorte ausdehnen, wenn ihr nichts dagegen unternehmt", sagt Katsarelis.
Fast alle Gebäude lassen sich im Spielverlauf verbessern und aufrüsten: Einer Aluminiumhütte verpassen wir einen weiteren Ofen, Polizeistationen bekommen Hubschrauber und Fahrzeuge für Sondereinsatzkommandos. Die Gebäude sind obendrein animiert und nicht bloß statische Objekte: Steht ein Kohlekraftwerk unter Dampf, sehen wir, wie das schwarze Gold über Förderbänder ins Kraftwerksinnere rollt, während die Kohleberge stetig schrumpfen. Unser Flughafen ist nach einigen Minuten auch fertiggestellt, auch, wenn Tyler Thompson dabei mit ein paar Entwickler-Cheats nachhelfen musste. Erfrischend, dass bei einer E3-Vorführung auch etwas nicht ganz so rund laufen darf und die Entwickler das sogar mit ein paar laxen Sprüchen kommentieren. Mit einem großen Feuerwerk und einer Flugschau feiern die Sims ihre neueste Errungenschaft - und wir freuen uns auf den nächsten Februar, dem Erscheinungsmonat von SimCity.
SimCity auf der E3: Fazit
Auch, wenn SimCity keine Überraschung der E3 mehr war, so ist die Städtebausimulation eins der Highlights der diesjährigen Messe. Vermutlich hätten Kip, Tyler und Co. uns auch drei Stunden lang immer neue Details des Spiels vorführen können, ohne dass es ihnen oder uns langweilig geworden wäre. Mag Will Wright, der vor 23 Jahren das allererste SimCity erfand, auch nicht mehr bei Maxis arbeiten und seinen eigenen Projekten nachgehen: Sein Baby ist in den allerbesten Händen. Mit mehr als genug Komplexität für Veteranen und gleichzeitig verständlich aufbereiteten Daten, die auch Einsteiger nicht abschrecken, einer tollen Optik und dem Mehrspielermodus kann SimCity nichts anderes als ein riesiger Hit werden.
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Immerhin hat EA damals Maxis, nach dem Flop, wie soviele Studios zuvor schon, dicht gemacht.