Roller Champions angespielt: Mit Volldampf in die Kurve - eine positive Überraschung
Ubisoft schielt auf Rocket League: Im Free-to-Play-Titel Roller Champions jagen zwei Dreierteams auf Rollschuhen einen Ball um einen Rundkurs, um mehr Punkte als die Kontrahenten zu erzielen. Das sieht einfach aus, spielt sich aber überraschend komplex und kurzweilig.
Ubisoft gehört zu den rührigsten Entwicklern unserer Zeit. Statt sich allein auf jährliche Updates großer Serien zu verlassen, bringt der seit 1986 aktive Konzern immer wieder ganz neue Spiele auf den Markt. Auch und gerade dann, wenn sie wie etwa der VR-Titel Star Trek: Bridge Crew oder das anrührende Weltkriegs-Adventure Valiant Hearts nicht immer eine riesige Spielerschar ansprechen.
Auf der E3 2019 in Los Angeles gab es gleich zwei solcher ganz neuen Titel zu sehen. Gods & Monsters erinnert stark an Nintendos The Legend of Zelda: Breath of the Wild, war jedoch nur als Trailer am Start. Roller Champions durften wir hingegen hinter verschlossener Tür anspielen - ein irrwitzig-spaßiges Rollschuh-Actionspiel für sechs Mitspieler, das in den Ubisoft-Studios Montreal, Winnipeg und Pune entwickelt wird. Und das deutlich weniger brutal als der gleichnamige Kinoklassiker daherkommt.
Sechs Spieler und ein Ball
Das Spielprinzip von Roller Champions ist schnell erzählt - und kommt Veteranen, die sich an das 28 Jahre alte Amiga-Spiel Killerball von 1991 erinnern können, durchaus bekannt vor: In Roller Champions jagen sich zwei Teams aus je drei Rollerblade-Rasern mit einem Ball um einen Rundkurs mit zwei Linkskurven und zwei Geraden. Punkte gibt's für das Team, das den Ball vor dem Wurf durch einen über der Bahn angebrachten Korb mindestens eine Runde behalten konnte.
Zwei Kurven, zwei Geraden - das sollte gerade im NASCAR-Land USA viele Fans finden. Aber auch bei unserem Anspieltermin mit fünf europäischen Kollegen kam sehr schnell sehr viel Stimmung auf. Unser Dreierteam hatte zunächst das Nachsehen, denn unsere Headsets wollten nicht so ganz mitspielen. Doch nach ein paar Minuten hatte ein Ubisoft-Mitarbeiter die Sache im Griff und wir konnten uns untereinander verständigen - und das ist bei Roller Champions elementar.
Reden, Jungs!
Die Kommunikation zwischen den Spielern ist deshalb so wichtig, um die Spielstrategie abzusprechen und blitzschnell zu wechseln. So gingen wir nach einer Weile dazu über, dass einer aus unserem Team die Gegner von den Beinen holt und so ausbremst, während sich die beiden anderen den Ball genau im richtigen Moment zuwerfen, um ihn dann in den Korb zu lupfen. Oder beschließen, eine weitere Runde zu drehen, um noch mehr Punkte herauszufahren. Ohne Absprache geht all das schnell schief.
Je länger wir miteinander spielen, desto besser gelingt uns die Kontrolle über Rollschuhe und Ballwürfe. Wir sausen die Begrenzungen links und rechts der Bahn hoch, um Schwung zu holen, oder rasen den Gegnern in entgegen, um sie aus dem Takt zu bringen und anfällig für unsere Stürmer zu machen, die in deren Rücken heransausen. Sind wir bereit für einen Pass, wedeln wir auf Knopfdruck mit den Armen - sollte uns das Teammitglied im Ballbesitz nicht gehört haben.
Selbst wenn uns ein Gegner den Ball aus den Händen schlägt oder uns mit einem herzhaften Foul zu Boden streckt, gehört der Ball so lange uns, bis ihn ein Kontrahent in den Händen hält. Das ist nett, sonst würde es wohl so schnell nie ein Endergebnis geben, weil die Spieler sich dann vor dem Punkten einfach immer wieder die Bälle aus der Hand schlagen würden. Und, man glaubt es kaum - unsere Stunde mit Roller Champions ist schneller vorbei, als wir gedacht hatten.
Fazit: Roller Champions
Unser erster Eindruck war: Dieses Spiel macht nur im angeheiterten Zustand Spaß. Doch nach ein paar Runden offenbart sich die spielerische Tiefe von Roller Champions. Wir wagen wilde Manöver, um den Gegner zu stoppen oder vom Ball zu trennen, rufen uns gegenseitig Abspielkommandos zu und freuen uns wie Schneekönige, wenn uns ein besonders schöner Wurf gelingt.
Ubisoft will das Roller Champions Anfang 2020 herausbringen. Wie sie den Free-to-Play-Titel genau monetarisieren möchten, wollten uns die Entwickler noch nicht verraten. Derzeit ist nur vom Antreten in größeren Arenen, "neuer Ausrüstung, Fanjubel und neuen Animationen" die Rede - die zum Glück das eigentliche Spiel nicht beeinflussen. Wir freuen uns jedenfalls auf die rasante Rollerblade-Action - die beim Selbstspielen deutlich mehr Laune als beim bloßen Zuschauen macht.

Das Game könnte im competiven Bereich echt witzig werden! Allerdings würde ich mich bei Ubisoft/Nadeo viel mehr über Shootmania 2 freuen!