PC-Gaming ist tot - oder doch nicht? Ein Kommentar von Thilo Bayer

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PC-Gaming ist tot - oder doch nicht? Ein Kommentar von Thilo Bayer
Quelle: PC Games Hardware

Leben Totgesagte länger? Der PC-Gaming-Markt steckt in einer tiefen Krise durch die Preisexplosionen bei RAM, SSDs und High-End-Geforce-Grafikkarten. Doch es gibt auch Hoffnung.

Wer sich in den vergangenen Wochen und Monaten mit dem PC-Markt beschäftigt hat, dürfte wohl kaum ein gutes Gefühl bekommen haben. RAM-Apokalypse, steigende Grafikkartenpreise, KI killt Gaming - die Schlagzeilen waren nicht zu übersehen.

PC-Gaming stirbt langsam...

Und wenn man ehrlich ist, sprechen aktuell viele Fakten für eine echte PC-Krise. Wirtschaftlich gesehen sieht es düster aus. Die Preise für RAM und SSDs sind durch die Bank explodiert. Das Corsair Vengeance RGB 32-GiB-Kit mit DDR5-6000 und CL30-36-36-76 kostet zum Zeitpunkt dieses Kommentars gut 520 Euro, Anfang Oktober waren es noch 130 Euro (+ 300 Prozent). Die Samsung SSD 990 Pro mit 2 TB stieg von 160 Euro Anfang Oktober auf aktuell 260 Euro (+ 60 Prozent). Vor allem bei der Geforce RTX 5090 gab es ebenfalls eine fatale Preisentwicklung. Waren es Anfang Oktober noch gut 2.500 Euro für die Gigabyte RTX 5090 Gaming OC, sind es Mitte Februar schon 3.300 Euro (+ 30 Prozent), Tendenz steigend.

Corsair Vengeance RGB grau UDIMM 32GB Kit, DDR5-6000, CL30-36-36-76

Geht man von den Endkundenpreisen weg zu den Umsätzen bei wichtigen Firmen wie AMD und Nvidia, ist die schwindende Bedeutung von Gaming offensichtlich. Vor fünf Jahren machte Geforce im dritten Quartal noch 47 Prozent der Umsätze aus, Datacenter 40 Prozent. Im dritten Quartal 2025 erreicht Gaming noch 7,5 Prozent vom Umsatz, Datacenter dagegen 89 Prozent. Zumindest relativ gesehen ist die Bedeutung von Geforce bei Nvidia implodiert. Bei AMD lassen sich die Umsätze nicht so einfach nach Gaming aufdröseln. Ryzen und Radeon kamen vor fünf Jahren aber auf gut 60 Prozent, 2025 schafften Ryzen, Radeon und Gaming-SoCs zusammen aber nur noch 38 Prozent. Auch bei AMD ist Datacenter mittlerweile mit Abstand die Nummer 1.

... aber nicht dauerhaft

Anders sieht es aber bei PC-Spielen aus. Hier kann man nicht von einer schwindenden Bedeutung des PC-Marktes sprechen. Erschienen 2020 noch knapp 10.000 Spiele allein auf Steam, waren es 2025 schon über 20.000 - also doppelt so viele. Das allein sagt zwar noch nichts über die Qualität der Spiele aus, es zeigt aber, dass der PC-Markt sehr wohl lebendig ist und viele unterschiedliche Spieler und Genrevorlieben bedient. Nicht ohne Grund wird erwartet, dass die kommende Xbox ein verkappter Mini-PC mit Windows sein wird - im Übrigen mit direkter Steam-Integration. Letzteres ist bereits von Microsoft bestätigt. Etwas andere Zahlen präsentiert der Branchenverband Game, bei dem die Zahl der PC-Spieler in den vergangenen Jahren gesunken und die Zahl der Konsolenspieler gestiegen ist.

Das eigentliche "Problem" von PC-Spielen ist, dass es schon lange keinen "Systemseller" mehr gab. Also ein Spiel, für das PC-Spieler bereit sind, Teile des Rechners aufzurüsten oder gleich einen neuen PC zu kaufen. Ältere Semester dürften sich noch daran erinnern, wie man stundenlang an Autoexec.bat oder Config.sys tüftelte, um das Lieblingsspiel mit allen Features an den Start zu bringen. Oder wie einen Wing Commander anno 1990 dazu "zwang", mehr RAM zu kaufen, weil das Weltraumspiel ohne 2 MiB (!) Arbeitsspeicher sonst einfach nicht lief. Legendär ist auch Rebel Assault von 1993, das riesige Datenmengen durch Video-Sequenzen und Audio bot, die nur auf einer CD-ROM mit entsprechendem Laufwerk möglich waren. Mark Hamill war als Christopher "Maverick" Blair in Wing Commander 3 anno 1994 eigentlich auch nur mit einem schnellen Intel i486 oder Pentium erträglich - Ähnliches gilt für Ultima 7.

30 Jahre Hardwarefresser von 1988 bis 2008

Spielte man Anfang der 90er-Jahre noch viel über PC-Lautsprecher, sorgten Spiele wie Doom ab 1993 dafür, dass Sound-Blaster-Soundkarten quasi Pflicht wurden. Wer besonderen Wert auf feine Spielemusik legte, besorgte sich gleich noch eine Rolandkarte mit General Midi dazu, um Spiele wie Dune 2, Day of the Tentacle oder X-Wing perfekt zu genießen. Spätestens ab Ende 1996 ging es dann auch mit 3D-Beschleunigern los, wie der Voodoo Graphics - damit war GL Quake ein echter Fps-Traum.

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Und vergessen wir bitte nicht Crysis. Der Shooter-Klassiker von Crytek wird kommendes Jahr 20 Jahre alt, doch noch immer gilt der Spruch "Can it run Crysis" als legendäres Meme. Generationen von CPUs, GPUs und RAM bissen sich die Zähne an dem Dschungel-Shooter des deutschen Studios aus. Doch seit 2007 gibt es für mich kein neues Crysis, auch wenn vor allem Nvidia Raytracing bzw. Pathtracing als neuen Systemseller sieht. Interessanterweise wurde ausgerechnet Battlefield 6 von den PCGH-Lesern mit dem Top-Technik-Award für 2025 ausgezeichnet - ein Spiel komplett ohne Raytracing. Vielleicht schafft es dieses Jahr ausgerechnet Squadron 42 der Star-Citizen-Entwickler CIG, die Gaming-PCs so ins Schwitzen zu bringen, dass man ernsthaft über das Aufrüsten nachdenkt - über 35 Jahre nach Wing Commander? Ich bin gespannt.

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    • Kommentare (94)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Bokill Schraubenverwechsler(in)
        Schlimmer als in den 80iger Jahren - da schiebe ich mich mal als ehemaliger PCGH-Praktikant ein.

        Ich denke, dass nicht nur die PC-/Spieleindustrie vor einer Herausforderung steht, sondern auch die PCGH und auch andere Medien, die sich auf die Spielergemeinschaft konzentrieren.

        Und anders, als die Meinung von Thilo, wirds meiner Meinung nach wohl kein neues Spiel sein, was wieder ein mal überdurchschnittliche Rechenpower braucht, um neue Impulse zu setzen.

        Es sind ja nicht nur die RAM-Preise gestiegen, sondern auch Flash/Grafikkartenpreise ... und in Folge von zusätzlicher Verknappung ist kein Ende in Sicht. Wer als IT-Produzent/Anbieter nicht an den fetten Fleischtrögen der AI-Giganten sich laben kann, steht vor der Existenzfrage.

        Spieler kommen und gehen, da Sie sich im Laufe der Zeit vom jugendlichen Gamer mit geringem Bundget hin zum besser verdienenden Enthusiasten entwickeln, oder durch Beruf und andere Umstände aus der Spiele-Community ausscheiden.

        Was neu ist, das ist aufgekommene Finanzbarriere und das schon vorher - Stichwort Krypto-Blase, die Reihen gelichtet wurden.

        Ein Ausweg könnte sein, dass mit Linux und dem Ausbau von Laufzeitumgebungen für alte und neue Windows-Spiele unter Linux ein neuer Wind aufkommen könnte - sozusagen mit Retrospielen zu neuen Ufern ...

        Ich zumindest plane mit einer neuen AM4 und/oder AM5 Linuxplatform und einem alten Sack von Windowsspielen im Laufe des Jahres um zu steigen, bzw. zu ergänzen.

        MFG Bobo(2026)
      • Von Bokill Schraubenverwechsler(in)
        Schlimmer als in den 80iger Jahren - da schiebe ich mich mal als ehemaliger PCGH-Praktikant ein.

        Ich denke, dass nicht nur die PC-/Spieleindustrie vor einer Herausforderung steht, sondern auch die PCGH und auch andere Medien, die sich auf die Spielergemeinschaft konzentrieren.

        Und anders, als die Meinung von Thilo, wirds meiner Meinung nach wohl kein neues Spiel sein, was wieder ein mal überdurchschnittliche Rechenpower braucht, um neue Impulse zu setzen.

        Es sind ja nicht nur die RAM-Preise gestiegen, sondern auch Flash/Grafikkartenpreise ... und in Folge von zusätzlicher Verknappung ist kein Ende in Sicht. Wer als IT-Produzent/Anbieter nicht an den fetten Fleischtrögen der AI-Giganten sich laben kann, steht vor der Existenzfrage.

        Spieler kommen und gehen, da Sie sich im Laufe der Zeit vom jugendlichen Gamer mit geringem Bundget hin zum besser verdienenden Enthusiasten entwickeln, oder durch Beruf und andere Umstände aus der Spiele-Community ausscheiden.

        Was neu ist, das ist aufgekommene Finanzbarriere und das schon vorher - Stichwort Krypto-Blase, die Reihen gelichtet wurden.

        Ein Ausweg könnte sein, dass mit Linux und dem Ausbau von Laufzeitumgebungen für alte und neue Windows-Spiele unter Linux ein neuer Wind aufkommen könnte - sozusagen mit Retrospielen zu neuen Ufern ...

        Ich zumindest plane mit einer neuen AM4 und/oder AM5 Linuxplatform und einem alten Sack von Windowsspielen im Laufe des Jahres um zu steigen, bzw. zu ergänzen.

        MFG Bobo(2026)
      • Von Systemcrash Freizeitschrauber(in)
        Da sieht man die Kosten nicht direkt, ist alles schon drin
      • Von Hurshi Komplett-PC-Käufer(in)
        Ach und Konsolen brauchen keinen RAM?
      • Von Systemcrash Freizeitschrauber(in)
        War kein Leistungshammer, aber die Treiber, zumindest für Sachen die damals gespielt habe, deutlich besser als bei einer Radeon DDR

        Ich denke heutzutage wäre eine RTX 5050 ähnlich zu sehen

        Aber trotzdem erschreckend wie viele 8GB-Karten rumgeistern, hat aber wohl angefangen vor der extremen Preiserhöhung
      • Von shootme55 BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von Systemcrash
        ....
        Zitat von Systemcrash
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] Was hast du gegen die GF2MX? Hab ich auch gehabt vor der 4200 Ti.
        Mein Kumpel und Zimmerkollege hatte die GTS, das hat mich permanent neidisch gemacht. Außerdem hab ich die Karte nur gekauft weil ich eine Übergangslösung bis zur 8500er gebraucht hatte, die ja dann nicht ganz so toll war. Das wars im Großen und Ganzen schon. 😅
        Danach hab ich mir tatsächlich auch eine 4200-128 genommen.
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