3dfx-Todestag: Von STB, Geforce und Voodoo5
3dfx kauft STB: Ein weiterer Schritt ins Grab
Ende 1998 kaufte 3dfx für rund 140 Millionen US-Dollar den amerikanischen Grafikkartenhersteller STB Systems, welcher bisher auch 3dfx-Chips auf Grafikkarten lötete. Ziel dieser Aktion war, ganze Grafikkarten (und nicht nur deren Grafikchips) in Eigenregie zu fertigen. Mit Übernahme kündigte man treuen Kartenfertigern wie Creative Labs und Diamond Multimedia die Zusammenarbeit. Diese waren selbstverständlich wenig erfreut und sahen sich gezwungen, auf Chips der Konkurrenz umzusatteln. Die Voodoo-3-Serie war das erste "Built by 3dfx"-Aufgebot - und krankte prompt an gravierenden Lieferengpässen. Die Konsequenz: Man hatte nicht nur Partner und damit Geldquellen verprellt, sondern auch mangels Verfügbarkeit Marktanteile an Nvidia & Co. verloren. Die STB-Geschichte wird deshalb von vielen als einer der Hauptfaktoren für das Ende der Firma angesehen.
Von Geforce 256 und Voodoo 5
Im Herbst 1999 legte Nvidia nach. Die erste Geforce setzte die Feature-Messlatte durch Hardware-T&L ein weiteres Stück nach oben. 3dfx kämpfte indes mit Problemen, weshalb sich deren Antwort, die Voodoo 5, auf das Frühjahr 2000 verspätete. Der VSA-100 (Codename "Napalm") basierte immer noch auf dem originalen Voodoo-Design, brachte jedoch die geforderten Features wie 32 Bit und größere Texturformate mit. In der Zwischenzeit hatte Nvidia jedoch schon die Geforce 2 am Start, welche ein deutliches Speedgrade der Geforce 256 darstellte. Die GF2 GTS überholte 3dfx' neues Flaggschiff V5 5500 in den meisten Spielen des Jahres 2000. Den scharf kritisierten Mangel an HW-T&L konterte der 3D-Pionier mit einem bis heute herausragenden Feature: Full-Scene-Supersampling-AA mit rotiertem Abtastmuster. Die mit 4× RGSSAA entstandene Bildqualität wurde zwar mit einem deutlichen Fps-Einbruch erkauft, deklassierte jedoch optisch die gesamte Konkurrenz. Doch wie es mittlerweile üblich war, wurde 3dfx mehrheitlich dafür gerügt, nicht die schnellste Karte am Markt zu haben, anstatt dass die konkurrenzlose Qualität gelobt wurde. Bildqualität hatte vor 10 Jahren einen deutlich kleineren Stellenwert als heute. Erst im Herbst 2009 entschloss sich Ati unter der Flagge von AMD dazu, erstmals wieder Sparse Grid Supersampling AA (SGSSAA) im Stile der Voodoo 5 in zu integrieren. 2010 zog schließlich Nvidia nach.
Quelle: PCGH
3dfx Voodoo5: Die schnellste offiziell kaufbare 3dfx-Karte mit exzellentem AA
Doch das "hübsche Ruckeln" war nicht vielen Nutzern vergönnt, denn auch die Voodoo 4 und Voodoo 5 litten unter anhaltenden Lieferengpässen. Das Resultat ist klar: 3dfx fuhr mehrere Quartale lang Millionenverluste ein. Defizite erfordern kostensenkende Maßnahmen - und die nahm 3dfx sogar in der Entwicklungsabteilung vor. Hier werkelte man seit Jahren an einer komplett renovierten Architektur (Codename Rampage) und der von Enthusiasten sehnlich erwarteten Voodoo 5 6000. Über Letztere und ihren Status als "Göttin" unter den Grafikkarten müssen wir wohl kaum noch Worte verlieren. Das objektiv betrachtet völlig wahnsinnige (aber zu etwa 99 Prozent lauffähige) Design wurde am 13. November 2000 begraben und die Patente an die Tochterfirma Quantum3D verkauft. Diese bauten mit der SLI-Technologie Simulatoren fürs Militär. Wie sich in den späteren Tests - unter anderem dem unsrigen - herausstellte, hatte die V5 6000 das Potenzial, die ersehnte Leistungskrone zurück nach San José zu holen, wäre sie denn offiziell erschienen.
3dfx: Vom Mikroruckeln verschont
Da immer wieder die Frage aufkommt, ob 3dfx' SLI-Grafikkarten schon vom Mikroruckel-Phänomen betroffen waren: Es ist prinzipbedingt unmöglich. 3dfx'sches SLI teilt die Arbeit unter den Grafikchips anders auf als Nvidias SLI und ATIs Crossfire. Bei 3dfx berechnen alle Chips im Verbund abwechselnd Pixelzeilen, ergo arbeiten alle Chips an der Fertigstellung ein und desselben Bildes (Frame). Das Alternate Frame Rendering (AFR), das heutige MGPU-Lösungen praktizieren, basiert auf der abwechselnden Berechnung ganzer Frames: Jede GPU berechnet eines, vollständig und in Wechselwirkung mit den anderen im Verbund. Aufgrund von unterschiedlich aufwendigen Bildern kommt es vor, dass mehrere Bilder fast gleichzeitig fertig werden, gefolgt von einer Pause - "Mikroruckeln" entsteht.
Quelle: PC Games Hardware
3dfx Voodoo5 6000: Die Legende unter den Grafikkarten mit State-of-the-Art-Antialiasing (8x SGSSAA).
Selbst die Voodoo 5 6000, welche bekanntlich Quad-SLI auf einer Platine nutzt, liefert tadellose Frameverläufe. Die Krux am 3dfx-SLI: Es ist für aktuelle Spiele untauglich. Früher genügte es, die Polygone von der CPU zu transformieren und zu beleuchten, nun machen das die GPUs. Früher gab es kein Post-Processing, was die Abhängigkeit ganzer Frames voneinander zur Folge hat. Die Skalierung wäre unbefriedigend.
2009: V5-6000-Kantenglättung endlich für alle
Wussten Sie, dass seit rund 16 Jahren jedermann in den Genuss jener Kantenglättung kommen kann, welche die Voodoo5-Serie unsterblich machte? Neun Jahre nach 3dfx implementierte ATi bis zu 8× Supersample-AA mit gestreutem Abtastmuster in die Radeon-HD-5000-Serie. Machen Sie sich selbst ein Bild vom optisch erhabenen 4× SSAA, das Voodoo-5-Nutzer schon im Jahr 2000 zu Gesicht bekamen. Und werfen Sie vor allem einen Blick auf 8× SGSSAA, das Feature, welches fast ein Jahrzehnt lang den 70 Voodoo5-6000-Nutzern weltweit vorbehalten war. AMDs aktuelle Radeon-Karten bieten die Funktion natürlich ebenfalls an, ebenso wie jede aktuelle Geforce (inoffiziell). Nur bei Intel-Grafikkarten fehlt jegliche Supersampling-Option im Treiber.
3dfx-Impressionen: Hardware & Spiele
15.12.2000: 3dfx schließt die Pforten
Am 15. Dezember, nicht einmal 4 Wochen nach dem Aus der Voodoo 5 6000, verkündet 3dfx die Insolvenz. Hauptkonkurrent Nvidia übernimmt Patente, Marken, Technologien und einige Ingenieure zum Schnäppchenpreis von etwa 250 Millionen D-Mark. Damit entledigte sich Nvidia nicht nur dem ärgsten Widersacher, sondern auch einiger Gerichtsverhandlungen, die 3dfx-Patentsverletztungen behandelten. Und noch immer arbeiten ehemalige 3dfx-Ingenieure bei Nvidia. "Mr. T-Buffer" Gary Tarolli gehört nicht mehr dazu, dieser wechselte vor einigen Jahren in den Ruhestand.

Ich weiß noch, wie ich die Paletten im Media Markt gesehen, aber Rücksicht auf die schmale Schülerkasse genommen habe. Eine zweite Kaufgelegenheit gab es erst 1,5 Jahrzehnte später dank GoG.
Aber schöne Erinnerungen an die Zeit sind geblieben.