1,5 Mio. Euro investiert: Deutsches Projekt zur Bewahrung von Spielen steht vor dem Aus
Die Gesellschafter haben die Internationale Computerspielesammlung ("ICS") eingestellt: Nach 1,5 Millionen Euro Förderung fehlt dem deutschen Games-Archiv die dauerhafte Finanzierung, die 60.000 gesammelten Spiele bleiben aber erhalten.
Wer die Bewahrung digitaler Spielekultur verfolgt, verliert mit dem ICS-Aus keine einzige Diskette, wohl aber die Aussicht auf ein zentrales, öffentlich zugängliches Archiv in Deutschland. Dass das Thema Spielbewahrung immer mehr an Gewicht gewinnt, unterstreicht der parallele Rückzug der führenden Hersteller aus dem physischen Vertrieb von Videospielen auf Datenträgern.
Computerspielesammlung steht vor dem Aus
Die Gesellschafter der ICS haben das Projekt Anfang Juli einstimmig beendet, nachdem sich ein dauerhaftes, öffentlich zugängliches Archiv durch das Fehlen der notwendigen öffentlichen Unterstützung nicht mehr verwirklichen ließ, wie von der Website Games Wirtschaft berichtet wurde.
Das Aus für die ICS ist aus unserer Sicht sehr bedauerlich - wenn wir auch Verständnis für die politischen Gründe haben.
Wir sind weiterhin überzeugt, dass es wie bei anderen Medien auch eine öffentliche Aufgabe ist, das Kulturmedium Games zu bewahren. Wir hoffen, dass dies in anderer Form in Zukunft umgesetzt wird.
Dabei werden nicht nur die Erkenntnisse und Vorarbeiten der ICS helfen, sondern alle Gesellschafter stehen auch individuell als Partner zur Verfügung. - Internationalen Computerspiele-Sammlung -
Seit 2012 verfolgten die Initiatoren das Ziel, die nach eigener Darstellung weltweit größte Sammlung digitaler Spiele zusammenzutragen. Im Jahre 2019 ging die zugehörige Online-Datenbank an den Start, 2023 folgte die Gründung einer gemeinnützigen GmbH. Doch nun fehlt die Anschlussfinanzierung.
60.000 Spiele auf Modul, Diskette und Blu-ray
Die Internationale Computerspielesammlung bündelt mehr als 60.000 Computer- und Videospiele auf Modul, Diskette, CD, DVD und Blu-ray, dazu originale Verpackungen, Handbücher, Werbematerialien und historische Hardware.
Getragen wird das Vorhaben von den Beständen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle ("USK") und des Berliner Computerspielemuseums. Beteiligt sind zudem der Branchenverband Game, dessen Stiftung Digitale Spielkultur sowie das Zentrum für Computerspielforschung der Universität Potsdam.
Anders als ein klassisches Museum mit Dauerausstellung sollte die ICS die verteilten Sammlungen erschließen und dauerhaft bewahren - als Grundlage für Wissenschaft, Bildung und Medien.
Die damalige Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) sprach beim Datenbankstart von einem weltweit einmaligen Aushängeschild für den Games- und Wissenschaftsstandort Deutschland.
Dass ein solches Archiv nottut, belegt eine Studie zur Verfügbarkeit älterer Spiele: Der überwiegende Teil kommerziell veröffentlichter Titel ist heute nicht mehr regulär erhältlich und kann ausschließlich über Archive erhalten bleiben.
Förderung scheitert an haushaltsrechtlichen Hürden
Eine dauerhafte institutionelle Förderung der ICS ist nach Prüfung des Bundesforschungsministeriums (BMFTR) aktuell nicht umsetzbar, weil sie an strenge haushaltsrechtliche Vorgaben gebunden ist.
Der Berliner Senat und die Kulturbeauftragte des Bundes hatten das Projekt bis Ende April 2026 mit rund 1,5 Millionen Euro getragen; für den Weiterbetrieb als physische Einrichtung mit Archivräumen wäre eine längerfristige Zusage nötig gewesen.
Das seit Mai 2025 für die Games-Politik zuständige BMFTR prüfte diese Möglichkeit, bewertete das vorgelegte Konzept jedoch als nicht tragfähig. Ein Abschlussbericht vom 4. Juni begründet die Absage unter anderem mit Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit:
Der beschriebene Aufgabenumfang reiche weit über den bisherigen hinaus, die finanziellen Belastungen überstiegen die Kernaufgaben der Sammlung. Auch Berlins Wirtschaftsverwaltung sieht keine eigene Zuständigkeit, da es sich um eine reine Sammlungs- und Forschungsstruktur handele.
Was passiert mit den 60.000 Spielen und der Datenbank?
Die physischen Bestände der ICS verbleiben bei ihren bisherigen Eigentümern, etwa in den Archiven der USK und des Computerspielemuseums. Mit dem Ende des Projekts verschwindet keine der gesammelten Verpackungen, Module oder Handbücher; sie bleiben im Eigentum der jeweiligen Gesellschafter.
Verloren geht keines der 60.000 Spiele. Offen ist hingegen, wie es mit der aufgebauten ICS-Datenbank und den geschaffenen Strukturen weitergeht. Was mit dem Projekt als solches geschieht, ist derzeit Gegenstand einer Prüfung, zu der rechtliche und technische Fragen gehören.
Die Initiatoren halten daran fest, die Bewahrung von Computerspielen als Kulturgut in anderer Form fortzuführen, und bieten sich einzeln als Partner an.
Bittere Woche für die Videospielkultur
Das Aus der ICS fällt zusammen mit Sonys Ankündigung, ab Januar 2028 keine neuen Datenträger mehr für Playstation-Konsolen zu pressen. Der japanische Konzern hatte erst am Mittwoch das Ende der Disc-Produktion besiegelt; physische Spiele verlieren im Konsolenmarkt weiter an Boden.
Für ein öffentlich getragenes Archiv, das genau diese Datenträger für die Nachwelt sichern wollte, ist der Zeitpunkt unglücklich. Ob sich für die Vorarbeiten der ICS doch noch ein Träger findet, bleibt bislang offen.
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Quelle: ICS via Games Wirtschaft

Allerdings bei meinen Spielen lässt zum Teil die Datenintegrität nach. Module und DVD sind zum Teil nicht mehr lesbar. Ganz schlimm trifft es gebrannte Sicherheits CDs. Allerdings wäre es schön diese zu erhalten und hoffe das die aktuellen Bestände gesichert bleiben.