AMD Radeon VII im Test: Mit 16 GiByte zum Sieg gegen die Geforce RTX 2080?
AMD hat die Spieler nicht vergessen. Mit der Radeon VII erscheint nach langer Durststrecke ein Produkt, das Nvidia im High-End-Segment Paroli bieten soll - AMDs selbst auserkorenes Ziel ist die Geforce RTX 2080. Ob dieses Unterfangen gelingt und welche Stärken sowie Schwächen die Radeon VII aufweist, klären wir im ausführlichen Test.
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Aktualisierung vom 8.2.2019: Zum Thema Verfügbarkeit lässt sich sagen, dass sich die Befürchtungen bewahrheitet haben, wonach die Verfügbarkeit der Radeon VII schlecht ausfällt. Die fünf Herstellerkarten von Asrock, MSI, Powercolor, Sapphire und Asus sind laut Preisvergleich quasi nicht verfügbar und schon gar nicht zum anvisierten Preis von 729 Euro. Die Listungen starten bei 749 Euro, aktuell zu kaufen ist jedoch nur die Asrock Phantom Gaming Radeon VII für stolze 819 Euro bei Caseking. Selbst auf der AMD-Website können US-Amerikaner keine Karte erwerben.
Eineinhalb Jahre sind seit AMDs letztem High-End-Ausflug vergangen. Spätestens nach Nvidias im Herbst gestarteter Geforce-RTX-Offensive wurden die Rufe nach einer neuen Radeon-Grafikkarte lauter. Diese erscheint nun in Form der Radeon VII mit einigen Superlativen: Topmoderne 7-nm-Fertigung, 16 GiByte Grafikspeicher mit 1 Terabyte/s Transferrate und erstmals ein dreifach belüftetes Referenzdesign. Drei Top-Spiele gibt es obendrauf - für 729 Euro. Ob das Angebot einen Haken hat, was die Radeon Seven in aktuellen Spielen leistet und wie es um die Energieeffizienz bestimmt ist, klärt PC Games Hardware im ausführlichen Test der Radeon VII. Zur Einstimmung empfehlen wir Ihnen unser Unboxing-Video, das wir bereits Anfang der Woche veröffentlicht haben:
Verpassen Sie auf keinen Fall unsere ausgelagerten Spezialmessungen der Radeon VII -> AMD Radeon VII im Test:Spezialbenchmarks mit 5K-Leistung, Compute, Tessellation und Undervolting
Radeon VII im Test: Techtelmechtel
Gleich vorweg: Die Radeon VII ist kein waschechtes "Spielzeug". Obwohl die Grafikkarte mit den normalen Gaming-Treibern befeuert wird, soll die Radeon Seven vor allem bei der Content Creation rund um Video-/Bildbearbeitung sowie Rendering (CAD) brillieren. Hier führt die große Speicherkapazität und Rechenleistung direkt zu einer Zeit- und somit Geldersparnis. Diese Betonung kommt nicht von ungefähr, denn der neue Vega-20-Prozessor hat seine Ursprünge im High Performance Computing (HPC) und ist auf die dortigen Bedürfnisse zugeschnitten. Die Portierung einer solchen GPU vom Profi- in den Consumer-Markt ist aus mehreren Gründen suboptimal, denn alle Funktionen belegen Fläche innerhalb des Grafikchips, schlagen sich somit in höheren Fertigungskosten nieder - und helfen der Leistung bei gewöhnlichen Spielen trotzdem nicht auf die Sprünge.
Quelle: AMD
AMD Radeon VII im Test: Compute ist die wahre Stärke der Radeon Seven.
Beim Schritt von Vega 10 auf Vega 20 wirkt AMD einer Aufblähung der Kernfläche durch verfeinerte Strukturbreite entgegen. Das Plus von gut 700 Millionen Schaltungen lässt indessen darauf schließen, dass AMD das Rad nicht neu erfunden, sondern lediglich einige Funktionsblöcke verbessert hat. So verfügt Vega 20 über die Fähigkeit, doppeltgenaue Berechnungen (FP64) mit halber FP32-Geschwindigkeit abzuarbeiten. Das ist im HPC-Segment Gold wert, in Spielen jedoch irrelevant - Games benötigen keine hochpräzisen Gleitkommazahlen für ihre Effekte, Kalkulationen im Finanzsektor hingegen schon. Deutliche Leistungssteigerungen sind auch bei den Ganzzahlenformaten INT8 und INT4 zu verzeichnen, welche unter anderem beim Machine Learning (KI & Co.) zum Einsatz kommen. Hinzu gesellt sich die Unterstützung für die Schnittstellen PCI-Express 4.0 sowie dem von Ryzen entliehenen Infinity Fabric, mit dem sich vier Radeon-Instinct-Karten koppeln lassen. Die Krux: Die FP64-Leistung kommt in Spielen nicht zum Einsatz, PCI-Express 4.0 wird mangels entsprechender Infrastruktur stillgelegt und Infinity-Fabric-Multi-GPU steht ebenfalls nicht im Datenblatt. Der HPC-Chip Vega 20 wird von AMD folglich in eine kleinere Konfektionsgröße gequetscht, um die hauseigenen Profi-Lösungen der Radeon-Instinct-Reihe nicht zu gefährden.
Radeon VII im Test: Name und Marktpositionierung
Trotz alldem ergibt die Radeon VII Sinn. In Ermangelung einer weiteren neuen GPU - die Navi-Generation lässt noch einige Monate auf sich warten - portieren die Radeon-Macher ihr Flaggschiff, um Enthusiasten ein neues Aufrüstobjekt zu liefern und wieder in den Toplisten mitzumischen. Der Name Radeon VII fällt aus dem Rahmen, um die Alleinstellungsmerkmale des Produkts zu betonen. Die in römischen Lettern präsentierte Sieben spielt einerseits auf die topmoderne Fertigungstechnologie des Grafikchips an: Vega 20 alias "Moonshot" wird in 7 nm Strukturbreite bei TSMC hergestellt und ist damit ein echter Pionier. Der Chip bringt 13,2 Milliarden Schaltungen auf lediglich 331 mm² Fläche unter - sein 14-nm-Vorgänger Vega 10 benötigt für weniger Transistoren noch 486 mm². Die zweite Bedeutung der römischen VII lautet "V2" - Vega 2nd generation. Ausgesprochen wird der Name wie eine normale Sieben (Seven). Apropos: Die Ur-Radeon erschien im Jahr 2000 und machte Nvidias Geforce-2-Reihe das Leben schwer - allerdings nicht als "Radeon I", sondern als Radeon 256.
Wirft man einen Blick auf die Rohdaten, ist Vega 20 seinem Vorgänger sehr ähnlich - die genannten Funktionen ausgenommen. Die Durchsatzraten bei klassischer, in Spielen relevanter Rasterisierung rund um Pixel-/Texelfüllrate sowie Shading-Arithmetik steigen vornehmlich durch den Takt. 1.750 MHz stehen im offiziellen Datenblatt der Radeon VII, wobei AMD dabei keinen fixen, sondern einen mittleren GPU-Boost meint. Somit liegt die AMD-Grafikkarte circa 250 MHz über einer luftgekühlten Radeon RX Vega 64 und noch gute 150 MHz vor einer Vega 64 Liquid-Cooled Edition. Das ist jedoch nur eine Seite der Medaille. AMD führt bei den Vega-20-Chips ein Binning durch, das die hochwertigsten Exemplare der margenstarken Radeon Instinct MI60 zuschreibt. Chips, die den Anforderungen nicht gerecht werden, werden beschnitten und landen entweder auf der MI50 oder der Radeon VII. In Zahlen gepresst bedeutet das: Anstelle von 4.096 Shader-ALUs, aufgeteilt in 64 Einheitenblöcke, muss die Radeon VII mit 3.840 ALUs in 60 sogenannten Compute Units auskommen. Die Pro-Takt-Leistung des Kerns sinkt somit um 6,25 Prozent, welche mithilfe von Takt ausgeglichen werden muss.
16 GiByte und eine Transferrate von 1 Terabyte/s warten darauf, produktiv oder spielerisch genutzt zu werden.
Wie will AMD mit reduzierten Rechenwerken an Nvidias Geforce RTX 2080 herankommen? Neben der besseren Taktbarkeit und Auslastung hat die Radeon Technologies Group ein Ass im anderen Ärmel: rohe, effektive Gewalt. Was die Speicherschnittstelle angeht, kommt Vega 20 nämlich ganz nach dem HBM-Testballon Fiji: Anstelle von "nur" 2 × 1.024 Datenbahnen zum Speicher (Vega 10) bietet das neue Radeon-Flaggschiff eine 4.096-Bit-Schnittstelle. Daran hängen vier Speicherstapel à 4 GiByte Kapazität mit einer Datenrate von 2 Gigatransfers pro Sekunde (1.000 MHz). Das Ergebnis macht wohl jedem Technikfreund den Mund wässrig: 16 GiByte und eine Transferrate von 1 Terabyte/s warten darauf, produktiv oder spielerisch genutzt zu werden. Unter dem Strich stehen somit +112 Prozent Datendurchsatz pro Sekunde gegenüber einer Radeon RX Vega 64. Ob das in der Praxis hilft, werden die Benchmarks klären. Abschließend sehen Sie die Spezifikationsübersicht der Radeon VII nebst Vergleichskarten:
| Modell | Radeon VII | RX Vega 64 | RTX 2080 Ti | RTX 2080 | Titan V | Titan Xp | GTX 1080 Ti |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Codename/Konfektion | Vega 20 XT | Vega 10 XT | TU102-300A-Kx | TU104-400A | GV100-400 | GP102-450 | GP102-350-K1 |
| DX-12-Feature-Level | 12_1 | 12_1 | 12_1 | 12_1 | 12_1 | 12_1 | 12_1 |
| Chipgröße (reiner Die) | 331 mm² | 486 mm² | 754 mm² | 545 mm² | 815 mm² | 471 mm² | 471 mm² |
| Transistoren Grafikchip (Mio.) | 13.200 | 12.500 | 18.600 | 13.600 | 21.100 | 12.000 | 12.000 |
| Fertigungsverfahren | 7 nm FF | 14 nm LPP | 12 nm FFN | 12 nm FFN | 12 nm FFN | 16 nm FF+ | 16 nm FF+ |
| ALUs/SIMDs/TMUs/ROPs | 3.840/60/240/64 | 4.096/64/256/64 | 4.352/68/272/88 | 2.944/46/184/64 | 5.120/80/320/96 | 3.840/30/240/96 | 3.584/28/224/88 |
| Tensor-Kerne | - | - | 544 | 368 | 640 | - | - |
| Raytracing-Kerne | - | - | 68 | 46 | - | - | - |
| Leistung RT (Gigarays/s) | - | - | 10 | 8 | - | - | - |
| GPU-Basistakt (MHz) | 1.400 | 1.247 | 1.350 | 1.515 | 1.200 | 1.480 | 1.480 |
| GPU-Boost-Takt (MHz) | 1.750 | 1.546 | 1.635 | 1.800 | 1.455 | 1.582 | 1.582 |
| FP32/FP64-Leistung (TFLOPS) | 13,44/3,36 | 12,66/0,79 | 14,23/0,45 | 10,60/0,33 | 14,90/7,45 | 12,15/0,38 | 11,34/0,35 |
| Durchsatz Pixel/Texel (Mrd./s) | 112,0/420,0 | 98,9/395,8 | 157,0/444,7 | 172,8/331,2 | 139,7/465,6 | 151,9/379,7 | 141,7/354,4 |
| Größe des Level-2-Cache (KiB) | 4.096 | 4.096 | 5.632 | 4.096 | 5.376 | 3.072 | 2.816 |
| Speicheranbindung (Bit) | 4.096 | 2.048 | 352 | 256 | 3.072 | 384 | 352 |
| Geschwindigkeit RAM (GT/s) | 2,00 | 1,89 | 14,0 | 14,0 | 1,70 | 11,4 | 11,0 |
| Speichertyp | HBM gen2 | HBM gen2 | GDDR6 | GDDR6 | HBM gen2 | GDDR5X | GDDR5X |
| Speicherübertragung (GB/s) | 1024,0 | 483,8 | 616,0 | 448,0 | 653,6 | 547,4 | 484,7 |
| Speicherkapazität (MiB) | 16.384 | 8.192 | 11.264 | 8.192 | 12.288 | 12.288 | 11.264 |
| PCI-Express-Stromanschlüsse | 2 × 8-polig | 2 × 8-polig | 2 × 8-polig | Je 1 × 8-/6-polig | Je 1 × 8-/6-polig | Je 1 × 8-/6-polig | Je 1 × 8-/6-polig |
| Typische Leistungsaufnahme | 300 Watt | 295 Watt | 260 Watt | 225 Watt | <250 Watt | <250 Watt | <250 Watt |
| Unverbindliche Preisempfehlung | 729 Euro | 499 Euro | 1.259 Euro | 849 Euro | 3.200 Euro | 1.359 Euro | 819 Euro |
Leistungsangaben bei typischem GPU-Boost laut AMD/Nvidia und bezogen auf die Referenzkarten respektive Founders Editions. In der Praxis schwankt die GPU-Frequenz und somit auch der Durchsatz.

Hatte eine Sapphire für 684 Euro damals NEU gekauft,- und über Amazon.
Dafür wurde mir aber auch der komplette Kaufpreis bis zum Letzten Cent rückerstattet!
Dank Amazon!
Ich hatte damals für meine 57XT Angebote über 1000€ bekommen, wollte die Karte aber nicht irgendeinem Crypto-Mongo in den Rachen werfen und die 980Ti abstauben...
Hätten die Deppen damals nicht GraKas, sondern Silber gekauft, dann wären die heute stinkreich.
Aber den Leuten ist nicht zu helfen, jetzt der gleiche Schmarrn wieder, nur mit KI.