RPG-Hoffnung Pillars of Eternity angespielt: Mit der Zeitmaschine ins Jahr 2000

12
Special Roland Austinat (US-Korrespondent) Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Oldschool-RPG Pillars of Eternity in der PCGH-Vorschau (1) (1)
Quelle: Obsidian

Zeitsprung in die gute, alte Rollenspielzeit: Mit Pillars of Eternity zeigt Obsidian Entertainment, dass man keine physikalisch korrekten Explosionen in schmucker 3D-Grafik braucht, um eine gute Geschichte zu erzählen. PCGH fasst seine Erkenntnisse zusammen.

Bei unserem Termin mit Obsidian Entertainment dachten wir erst, wir seien mit einer Zeitmaschine ins Jahr 2000 zurückgereist und würden uns das in wenigen Monaten erscheinende Rollenspiel Baldur's Gate 2 ansehen. So sehr erinnerte uns Pillars of Eternity jedenfalls an den Bioware-Klassiker. Kein Wunder: Gerade wegen der angekündigten Rückkehr zu alten 2D-Tugenden durfte sich Obsidian 2012 ja über rund vier Millionen US-Dollar freuen, die bei der Kickstarter-Kampagne für Pillars of Eternity zusammenkamen.

Stürmische Aussichten

Lead Producer Brandon Adler nimmt uns mit in den Dyrwood, den hauptsächlichen Handlungsort des Spiels. Unsere zwei Helden umfassende Party ist zusammen mit einer Karawane unterwegs ins Gilded Vale, denn Neuankömmlinge bekommen dort kostenlos ein Stück Land geschenkt. Doch am Himmel zieht ein Seelensturm auf - eine Art paranormales Unwetter, das die Seelen aller Lebewesen kassiert, die sich unter freiem Himmel befinden. Deswegen lagern wir und unsere anderen Reisegefährten in der Nähe einiger alter Ruinen - was kann da schon passieren, oder? Der Seelensturm macht unserer Gesundheit zu schaffen, und so rät uns unser "Reiseleiter", frische Waldbeeren und Wasser zu besorgen und zu verzehren beziehungsweise zu trinken. Auf der Beerensuche überraschen uns prompt ein paar Wölfe - Zeit für einen Kampf.

Echtzeitkampf mit Pausenfunktion

Wie in den Rollenspielklassikern, die in den späten 1990ern und frühen 2000ern mit der Infinity Engine entstanden, dürfen wir in Pillars of Eternity den Echtzeitkampf jederzeit anhalten, um unseren Gruppenmitgliedern neue Befehle, Ziele und Positionen zu verordnen. Kriegerin Celisca stellt sich so vor unseren Helden, einen etwas schwächeren Magier. Dem gehen anders als in den D&D-Titeln nie die Zaubersprüche aus. Mit seinem Stecken wirkt er jederzeit einen Zauber mit Bereichsschaden, mit dem Zauberstab greift er dagegen einen Einzelgegner an. Davon erscheinen bald einige auf der Bildfläche, denn der Reisebegleiter, der uns das Wasser holen sollte, wurde von einer Gruppe Barbaren getötet. Das erfahren wir, als wir mit der Maus über der Leiche des unglücklichen Wasserträgers verweilen: Ein neues Textfenster öffnet sich und erzählt von dessen Schicksal. Flink wechselt die Kriegerin in einen Verteidigungsmodus, in dem sie weniger Schaden von den insgesamt fünf Gegnern einsteckt.

Schweigen ist Silber, reden ist Gold

Bei unserer Rückkehr zum Lager finden wir alle Mitreisenden tot vor. Nur Händler Heodan lebt noch, doch die Barbaren haben ihn als Geisel genommen. Im sich mit dem Banditenanführer entspinnenden Gespräch stehen uns eine Fülle von Antworten zur Verfügung. Und nicht nur langweilige, weil offenkundig gute, böse und neutrale Sprüche: In Pillars of Eternity können wir auch cool, ehrlich und diplomatisch reagieren. Je nachdem, wie oft wir welchen Antwortstil wählen, ändert sich die Außenwirkung unseres Helden. Die spricht sich im weiteren Spielverlauf in der Spielwelt herum und wird dann von anderen Charakteren von Anfang an bei ihren Gesprächen berücksichtigt. Auch das, was wir über unsere Herkunft erzählen, prägt unser Bild im Dyrwood. Wir entscheiden uns schließlich für die "sportliche" Antwort. Das Spiel würfelt daraufhin intern, um herauszufinden, ob wir einen Stärkewert von 14 erreichen - dann greifen wir den Banditenchef an. Nach dem gewonnenen Kampf eilen wir in die Ruinen, denn der Seelensturm schlägt jetzt unbarmherzig zu: Wir sehen, wie er den überlebenden Banditen die Seele aus dem Körper saugt.

Rabatz in den Ruinen

Zusammen mit unserem neuen Partymitglied Heodan - unsere Gruppe kann maximal sechs Personen und etwaige Tiere und beschworene Wesen umfassen - machen wir in den Ruinen erst einmal Pause, um uns vom Kampf zu erholen. "Ihr könnt überall rasten", sagt Brendon Adler. "Allerdings benötigt ihr dafür Campingzubehör, dessen Menge mit jeder Übernachtung schrumpft. In höheren Schwierigkeitsgraden könnt ihr sogar nur ein, zwei Mal rasten, dann braucht ihr neues Zubehör." Nach der Ruhephase geht es uns wieder besser und wir dringen tiefer in die Ruinen ein. Ein Bodenplattenpuzzle - Stichwort: AMAUNATOR - lassen wir links liegen. In einer scheinbaren Sackgasse warten ein paar Xaurip-Kobolde auf eine Abreibung, dann sehen wir uns die Wand etwas genauer an, die uns den Weg versperrt: Ein paar Steine sind locker. Wir können sie zwar nicht eindrücken, doch mit Hammer und Meißel schlagen wir flugs einen Durchgang hinein. Noch rasch eine Gruppe kleiner und großer Spinnen aus dem Weg geräumt, dann stehen wir wieder im Freien und können unsere Reise fortsetzen.

Wie in der guten, alten Zeit

Sie mochten Baldur's Gate, Icewind Dale und Planescape: Torment? Dann werden Sie Obsidians Werk lieben. Die Entwickler um die Interplay-Veteranen Josh Sawyer und Tim Cain haben eine komplett neue Fantasy-Welt mit sechs Rassen, elf Klassen und jeder Menge Abenteuer erschaffen. Die Liebe zum Detail ist überall zu sehen: In Gesprächen werden die Dialogzeilen in der gleichen Farbe wie einst bei Baldur's Gate 2 dargestellt, daneben stilecht ein Mini-Porträt des Charakters. Fahren Sie mit der Maus über einen Gegner, zeigt das Spiel deren Verwundungsgrad an -wem das zu viel Arbeit ist, wählt eine modernere Gesundheitsanzeige mit fünf Punkten an, wobei jeder Punkt für 20 Prozent Gesundheit steht. Uns gefällt hier allerdings die klassische Anzeige besser. Ende des Jahres soll Pillars of Eternity für PC, Mac und Linux erscheinen. Und, oh Freude: Bei ausreichend großem Erfolg will das Team auch eine Fortsetzung produzieren.

Bildergalerie

12
    • Kommentare (12)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Deimos BIOS-Overclocker(in)

        Kannte ich bisher noch gar nicht, schaut Bombe aus! Genau mein Ding.
      • Von Deimos BIOS-Overclocker(in)

        Kannte ich bisher noch gar nicht, schaut Bombe aus! Genau mein Ding.
      • Von CD LABS: Radon Project Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von Vhailor
        Ich kann schon gar nicht mehr zählen wie oft ich Planescape Torment (Vhailor ist einfach cool ), Icewind Dale I und natürlich BG I und das geniale BG II gezockt habe. Das wird hoffentlich genauso gut
        Oh Gott---Jemand, der ernsthaft Vhailor mag---und dann auch noch sich nach dem benennt. Ich hab irgendwie Angst davor, dass du nun Anfängst alles gnädige zu vernichten---damit nicht noch jemand denkt, du würdest aus Gnade töten.
        Meine Güte, ich liebe einfach diesen Twist beim Wort "Gnadentöter"!
      • Von Vhailor Software-Overclocker(in)
        Zitat von CD LABS: Radon Project
        Sehr geil!
        Letztes Jahr Sommer zum ersten Mal Planescape Torment gespielt und total ge"flashed"---daher freu ich mich natürlich noch mehr auf das neue Torment als auf Pillars!

        Ich kann schon gar nicht mehr zählen wie oft ich Planescape Torment (Vhailor ist einfach cool ), Icewind Dale I und natürlich BG I und das geniale BG II gezockt habe. Das wird hoffentlich genauso gut
      • Von Oberst Klink Lötkolbengott/-göttin
        Ohh das wird geil! Gerade beschäftigt mich Divinity: Original Sin, was auch sehr geil gemacht ist. Aber auf PoE freue ich mich besonders!
      • Von CD LABS: Radon Project Lötkolbengott/-göttin
        Sehr geil!
        Letztes Jahr Sommer zum ersten Mal Planescape Torment gespielt und total ge"flashed"---daher freu ich mich natürlich noch mehr auf das neue Torment als auf Pillars!
        Aber so oder so: Beides wird gespielt---Inhaltlich hört sich das super an und die Technik wirkt endlich mal wieder wie "2D done HighEnd".
        Anders gesagt: Einfach nur geil!
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PCGH Magazin 07/2026 PC Games 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games Hardware PC Games Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk