Nvidia macht ernst: Pünktlich zum 1.10. wurde der Schleier um die neue Titanium-Grafikkarten-Serie gelüftet. In den letzten Wochen beherrschte Ati mit seiner neuen Chipgeneration das Grafikgeschehen. Nun hält Nvidia dagegen und wirft gleich drei neue Chipsätze der Titanium-Familie auf den Markt.
WELTMEISTER: Die neue GeForce3 Titanium 500 ist die aktuell schnellste Grafikkarte der Welt im Consumer-Markt.
GeForce3 Ti 200, GeForce3 Ti 500 und GeForce2 Ti heißen die neuen Nvidia-Chipsätze, die in den nächsten Wochen auf einer Vielzahl von Herstellerkarten zum Einsatz kommen. Das "Ti" steht als Abkürzung für Titanium. Im Zuge dieser Veröffentlichungen werden zwei Prozessoren vom Markt verschwinden: der originale GeForce3 sowie der GeForce2 Pro. Wenn Sie in den nächsten Wochen auf Schnäppchenjagd gehen, werden Sie 3D-Karten mit diesen Chips zu einem guten Preis kaufen können.
Nvidia reagiert mit dem Launch der Titanium-Reihe auf Atis Anstrengungen, verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Dabei geht der kalifornische Chiptüftler schlau vor. Der GeForce2 Ti greift die Radeon 7500 an, die beiden GF3-Ti-Prozessoren umzingeln sozusagen die Radeon 8500 von Ati. Für die nächste Ausgabe erwarten wir schon den großen Showdown der DirectX-7- und DirectX-8-Karten. Um Ihnen einen Vorgeschmack auf das Treffen der Giganten zu geben, haben wir eine Nvidia-Referenzkarte mit GeForce3 Ti 500 ("GeForce3 Ultra") für Sie ergattert. Einen Test der Radeon 7500 finden Sie auf der nächsten Seite.
Wo liegen nun die Unterschiede zwischen den GeForce3-Prozessoren? Technisch gesehen gibt
es wenig Neues zu berichten. Zwei wesentliche Änderungen im Chipdesign sind die hardwareseitige Unterstützung von Shadow Buffers und 3D-Texturen. Mit Shadow Buffering will Nvidia die Darstellungsqualität von Schatten verbessern. Zu diesem Zweck ist ein Speicherbereich für die so genannte Shadow Map reserviert, die vor dem Rendern der Szene berechnet wird. Die Shadow Map kann man sich als Graustufen-Textur vorstel-len, welche die Objekte zeigt, die vom Licht angestrahlt und damit nicht mit Schatten versehen werden. Dank dieser Shadow Map können komplex schattierte Szenen, weiche Schattierungskanten und auch Schatten berechnet werden, die ein Objekt auf sich selbst wirft (wenn beispielsweise der Arm einer Figur einen Schatten auf die Brust wirft). Dreidimensionale Texturen schwirren schon seit längerem auf den Grafikfeatures-Listen von Ati herum. Nun nimmt sich auch Nvidia der Thematik an und versucht mit seinem Ansatz, die bisherigen Probleme zu lösen. Grundsätzlich können Entwickler mit 3D-Texturen ansehnliche Effekte wie volumetrischen Nebel oder Tiefenschärfe erreichen. Nvidia hat dazu eine Kompressionstechnik entwickelt, welche die riesigen 3D-Texturen (eine 256 Bildpunkte große 3D-Textur ist unkomprimiert 64 MB groß) im Verhältnis 4:1 oder 8:1 packen kann. Außerdem hat Nvidia Mip-Mapping (Umschalten zwischen unterschiedlich aufgelösten Texturen) sowie trilineares Texturfiltern (Vermischen von zwei bilinear gefilterten Texturen) in die dritte Dimension übertragen.
Neben den unterschiedlichen Taktfrequenzen (siehe Tabelle) ist auch das neue Preisgefüge erwähnenswert. Zwischen 650 und 700 Mark kosten die ersten Ti-200-Karten, Platinen mit dem ursprünglichen GeForce3 dürften in den nächsten Wochen für 750 bis 800 Mark über den Ladentisch wandern. Knapp 1.000 Mark sind für einen Beschleuniger mit Ti 500 anzulegen. Sie fragen sich bestimmt: Lohnt sich diese Investition? Beim direkten Vergleich zwischen der GeForce3 Ti 500 und der Original-GeForce3 wird deutlich, dass Nvidia die Taktfrequenzen nur moderat angehoben hat. Der Chiptakt liegt bei der Ti 500 genau 20 Prozent höher, der RAM wird lediglich
9 Prozent schneller angesteuert. Wunderdinge sind angesichts dieser Zahlen nicht zu erwarten, abhängig von der Qualität des verbauten RAMs sollte jedoch ausreichend Luft für Übertakter sein. Mit unserem Referenzboard ließ sich das wie erwartet nicht austesten, da diese Karten generell schlechter zu übertakten sind als Herstellerplatinen.
Unsere Praxistests führten wir auf einem Rechner mit Athlon 1.400C und KT266-Mainboard durch, um den Kandidaten GeForce3, GeForce3 Ti 500 und
GeForce2 Ultra eine möglichst schnelle Plattform zu bieten. Im Vergleich mit dem GeForce3 konnte sich der Ti 500 maximal 10 Prozent absetzen (Standard-Settings). Der Vorsprung erhöht sich auf etwa 15 Prozent, wenn man die Kantenglättungstechnik Quincunx oder anisotropische Texturfilterung zusätzlich aktiviert. Der GeForce2 Ultra ist dank des hohen Chiptaktes ein härterer Gegner. Er gewinnt alle 16-Bit-Benchmarks in Counter-Strike und muss erst in 1.024x768 und 32 Bit die Führung abgeben. Anders sieht es bei Max P. aus, hier liegt der Ti 500 von Anfang an und vor allem in 32 Bit bis zu 35 Prozent vorne. Auf die finalen Herstellerkarten darf man also mehr als gespannt sein.
