Radeon 9000 (Pro): Erste Praxiserfahrungen
In der kommenden PC Games Hardware 09/2002 (erscheint am 31. Juli 2002) finden Sie Tests zweier Herstellerkarten mit Radeon 9000 Pro. Vorab wollen wir einige unserer Erkenntnisse mit Ihnen teilen, die wir bei Praxistests gewonnen haben. Benchmarks und Testergebnisse finden Sie dann im Heft.
- Der 9000 (Pro) hat nur noch eine Textureinheit pro Pipeline (Radeon 8500: 2). Um den Anforderungen von DirectX 8.1 (Pixel Shader 1.4 mit bis zu 6 Texturen pro Renderpass) zu genügen, hat Ati einen Loopback-Mechanismus integriert. In den meisten Spielebenchmarks hat das keine Geschwindigkeitsnachteile, weil oftmals nur die effektive Speicherbandbreite zählt (und die ist gerade bei einer 9000 Pro sehr hoch). Allerdings gibt es auch krasse Negativ-Beispiele wie Jedi Knight 2, wo eine 9000 Pro 30 Prozent gegenüber einer Radeon 8500 Retail verliert (1.280x1.024, 32 Bit).
- Die 9000 Pro unterstützt zwar Truform (Atis eigene Npatches-Technik), allerdings scheint es lediglich eine Softwarelösung zu sein. Anders lassen sich die enttäuschenden Benchmarkwerte bei Serious Sam 2 nicht erklären: Radeon 8500 erreicht 29 fps, Radeon 9000 Pro nur 8 (!) fps (Athlon XP 2000+, Ati-Treiber 7.73, 1.024x768, 32 Bit, SS 2 1.07, Truform "hoch" auf allen Modellen, Szene: Die große Kathedrale).
- Unklarheit herrscht über die Einheiten zur Polygonverarbeitung. Da Ati aber massiv Transistoren eingespart hat (fast 50 Prozent gegenüber Radeon 8500, obwohl sogar der TV-Enkoderchip und der zweite RAMDAC mit in den Chip integriert wurden), liegt die Vermutung nahe, dass die feste verdrahtete T&L-Einheit wegrationalisiert wurde. Damit laufen allen Polygonberechnungen über den Vertex Shader, bei DirectX-7-Spielen eben per Emulation. Nvidia macht das beim Geforce3/4 freilich nicht anders.
- Mit den 7.73-Treibern, die den Herstellerkarten vorerst beiliegen, ist manches besser geworden. So läuft GTA III nun einwandfrei, auch beim Einsatz von Smoothvision (Atis Kantenglättungstechnik) sind einige Fehler behoben. Leider gibt es ein prominentes "Opfer": Warcraft III. Flackernde Texturen und seltsame Nebeldarstellungen trüben das Bild.
- Die Geschwindigkeit einer 9000-Pro-Karte liegt über alle Benchmarks hinweg gleichauf mit der einer Geforce3 Ti-200. Wenn die Pro-Karten für 150 Euro zu kaufen sind (aktuell sind es 160-190 Euro), ist das sicherlich ein faires Angebot.
- Von 128-MB-Versionen mit Radeon 9000 (Pro) können wir nur abraten. In keinem unserer Benchmarks (Serious Sam 2, Unreal Performance Test, Warcraft III, Jedi Knight II) bringt diese Menge an lokalem Speicher einen Vorteil, auch nicht unter Einsatz von Kantenglättung oder anisotropem Filter.
- Eine simulierte Radeon 9000 mit 250/400 MHz liegt bei uns nur knapp über einer Radeon 7500 (290/460 MHz). Ein Test mit "echten" Herstellerkarten wird mehr Aufschluss bringen, die simulierten Benchmarks sind aber bisher eher ernüchternd.
