PCGH-Leistungsindex: Warum High-End als Maßstab? Der Leserbrief der Woche
Tag für Tag erhält PC Games Hardware Anfragen, Vorschläge und Kritik von Lesern. In der Rubrik "Leserbrief der Woche" stellen wir Ihnen wöchentlich einen ausgewählten Leserbrief und bei Bedarf die Antwort eines Fachredakteurs vor. Beachten Sie, dass der Leserbrief der Woche nicht zwangsläufig in der Woche an die Redaktion geschickt wurde, in der er Ihnen an dieser Stelle präsentiert wird.
PCGH-Leser Mario B. hat sich Gedanken darüber gemacht, dass die vorderen Ränge im PCGH-Leistungsindex für Prozessoren und Grafikkarten oft von Produkten belegt werden, welche vielen Lesern zu teuer sind. Was meint PC Games Hardware zu diesem Umstand?
Der Leserbrief:
"Im Leistungsindex in Ausgabe 07/2017 markiert eine CPU für 1540 Euro den Bezugspunkt von 100 %. Das stört mich, weil ich selbst wenn ich soviel Geld für eine CPU übrig hätte, nicht bereit wäre, soviel zu investieren. Kurz gesagt: Irgendwo fängt Hardware an, weltfremd zu werden. Der i7-6950X in der Tabelle bringt mir als Spieler nichts. Sowas oder Xeons im Multiprozessorsystem braucht man eher für Simulation/Big Data in der Forschung.
Daher mein Vorschlag: Kann man den Bezugspunkt nicht auf ein Vernunft-Level herunterziehen? Angenommen man hat einen 360 Euro teuren 4790K, dann ist das schon eine richtige Höllenmaschine zum Spielen. Dieser CPU würde ich 100 % geben, alternativ der Top-Ryzen 7 oder aktuelleren Intel Core i5-7600.
Schnellere CPUs können dann Werte über 100% erreichen. Das suggeriert dem Gamer, dass sie (zur Zeit) nicht nötig sind zum Spielen. Man könnte die 100% auch anders justieren. Ein paar wenig durchdachte Vorschläge:
A) 400-Euro-Grafikkarte und 400-Euro-CPU machen 100 %.
B) Die Kombination aus CPU und GPU, die 60 Fps bei 2.560 × 1.440 schafft, bekommt 100 %."
Die Antwort von Carsten Spille (Fachbereiche Prozessoren und Grafikkarten):
"Als unabhängiges Hardware-Magazin sehen wir es nicht als unsere Aufgabe, das durchaus diverse finanzielle Budget unserer Leser zu bewerten, um künstlich "hohe Werte" zu erzeugen und damit die Komfortzone Einzelner auszupolstern, denn realistisch gesehen bleibt ein jeder Prozessor so schnell wie vorher, egal welche Zahl in einem Test dransteht. Wir sehen bereits davon ab, explizite Server-Prozessoren der Xeon-E5-Reihe in unsere Inidizes einzubeziehen, obwohl einige Leser sich auch das wünschen würden.
Was jetzt vielleicht ein wenig grob klingt, möchte ich etwas genauer erläutern: Unser Index soll ein Anhaltspunkt für den einzelnen Leser sein, wo die eigene Hardware, oder die, die es demnächst werden soll, einzuordnen ist. Wenn wir jetzt willkürlich einen Bezugspunkt, wie von Ihnen vorgeschlagen, herauspicken, ist diese Marke deutlich verwässert, da die Obergrenze fehlt. Ihr Beispiel-4790K mit 100 Prozent und einem (geratenen) i7-6700K mit 123 Prozent sähe man nicht an, wie gut sie wirklich im Vergleich zu den schnellsten Desktop-Modellen sind, da eben dieser Bezug fehlt. Denn keiner weiß so, ob "100 %" nun ganz nah an der Spitzenleistung ist oder ob es nur mehr ein Zehntel des Top-Prozessors ist.
Wie Sie als Heftleser sicherlich gesehen haben, räumen wir dem Preis-Leistungs-Verhältnis (PLV) gerade in letzter Zeit einen immer stärkeren Stellenwert ein - unsere Online-Kaufberatung bei den Prozessoren (http://www.pcgameshardware.de/CPU-Hardware-154106/Tests/CPU-Test-Benchmark-AMD-Intel-675663/) fusst sogar zu großen Teilen darauf. Im Heft haben wir seit Ausgabe #PCGH201 im CPU-Leistungsindex sogar einen (zugegebenermaßen kleinen) extra-Balken eingeführt, um das PLV deutlicher in den Vordergrund zu rücken, als es nur bei der Prozent-Angabe war.
Auch Ihr Vorschlag, einen "Standard" zu definieren halte ich für schwierig - denn bis auf ein gefühltes Mehrheitsdenken (da müssten wir dann wieder 1080p nehmen) entbehrt das einer objektiven Grundlage: Jeder Leser könnte mit demselben Recht auf seine präferierten Einstellungen oder Budgetbereiche verweisen und diese als Bemessungsgrundlage fordern (vor demselben Problem stehen wir übrigens bei den CPU-Test in 720p-Auflösung - einige fordern 1080p, andere gar 1440p für mehr "Praxisnähe"- Subjektivität allerorten). Als Fachmagazin für PC-Spieler ist unsere gefühlte Zielgruppe sicherlich mit überdurchschnittlich starker Hardware ausgestattet, wie Vergleiche etwa unserer Foren- mit der Steam-Hardware-Survey ergeben. Wäre da ein Vierkerner als 100% noch zeitgemäß? Müsste es nicht ein sechs- oder gar achtkerniger Prozessor sein? Diese außer mit subjektiven Eindrücken nicht begründbaren Unwägbarkeiten kommen zum o.g. Fehlen eines Fixpunktes (der absoluten Obergrenze) noch hinzu.
Sie sehen, wir machen uns durchaus Gedanken um das Thema - aber eine objektive Beurteilung darf im Vorfeld nicht weiter Kategorisieren als unbedingt nötig."
Leserbriefe können Sie an leserpost@pcgameshardware.de senden. Der Leserbrief der Woche gibt nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen.

Für mich war schon immer der "PLV" Prozentwert in Verbindung zu meiner gerade vorhandener GPU, und der Preisobergrenze für eine neue GPU ausschlaggebend.
Der "Leistungsindex" spielt da eine geringere Rolle, bzw. sagt mir lediglich, ob ein Aufrüsten auf meine Wunsch-GPU sich lohnt.
Da man immer für die letzten 10% Mehrleistung (und nicht nur bei Grafikkarten), 50-100% Aufpreis zahlen muss, ist es schon O.K. so wie PCGH die Werte darstellt.
mfg
Reicht nicht auch ein animiertes GIF?
Das ist zwar die richtige Einstellung. aber die teilt nicht jeder. Es gibt tatsächlich einige, die gern anderen Leuten sagen, dass ihre verbaute Hardware ganz oben in so einer Grafik steht, ganz egal wie gering der Unterschied eigentlich ist, oder ob sie diese Hardware überhaupt auskosten.
Versteh das Problem nicht so ganz.
Jeder sollte doch abwägen können, wie viel Geld er für welche Leistung ausgeben will. Ob der Prozessor oder Grafikkarte jetzt 80% oder 60% ist oder von 80% auf 60% rutscht macht doch den jeweiligen Prozessor oder Grafikkarte doch nicht schlechter.
Es kommt darauf an, ob man mit dem aktuellen Stand, der verbaut ist zu frieden ist. Wenn man Prozessor X und Grafikkarte Y hat, die im Leistungsindex 50%/60% hat, man aber mit der Performance zu frieden ist, warum dann aufrüsten? Nur für den Schwan*vergleich um sich auf ein paar Prozentpunkte einen zu hobeln?
Dann doch lieber etwas an der Grafik reduzieren (AA, Downsampling, Ultra Details).
Ich persönlich halte sowieso die Prozentwerte für Mumpitz. Da schaue ich lieber wieviel FPS die Hardware macht, anstatt mich an die Gesamt-Prozentpunkte "aufzug*ilen" oder diese als "abturner" zu nehmen. Hauptsache ich kann mit meinem aktuellen System vernünftig zocken.
PCGH mal Seriös Unseriös! Lach*