Neuer Maßstab
Eingraviert: Der neue Prozessorname ist sogar auf dem Core eingraviert. Übertakter sollten aufpassen und die reale Taktfrequenz des Prozessors kennen.
Der Athlon XP ist günstig und schnell, doch bei der Taktfrequenz hat er gegen den Pentium 4 keine Chance. Ein neuer Index soll es richten.
Seit dem 9. Oktober ist der Athlon-Nachfolger "XP" im Handel. Das neue Top-Modell ist in vielen Benchmarks schneller als ein Pentium 4, doch die Taktfrequenz wirkt im Vergleich zur Konkurrenz fast "langsam". Während der Pentium 4 schon bald mit 2.200 Megahertz erscheint, arbeitet der schnellste XP-Prozessor gerade mal mit 1.533 MHz. Die Lage ist schwierig für AMD: Wie soll man Verbrauchern mitteilen, dass der rund 500 MHz langsamere Prozessor eigentlich genauso schnell arbeitet?
Tatsächlich sagt die Taktrate nichts über die Leistungsfähigkeit im Vergleich zu anderen Prozessorfamilien aus. Motorola-CPUs wie der G4, die in Apple-Rechnern verwendet werden, haben noch nicht einmal die Ein-Gigahertz-Schwelle überschritten. Trotzdem erreichen sie die Leistung von wesentlich schnelleren CPUs anderer Hersteller. Selbst Intel erreicht mit dem neuen 64-Bit-Prozessor Itanium derzeit "nur" 800 MHz - mit optimierten Benchmarks hängt der Itanium trotzdem jeden Pentium 4 locker ab.
AMD weist deshalb in einem offiziellen Papier zum Athlon XP darauf hin, dass die Leistung eines Prozessors nur mit der Formel "Megahertz x Befehle pro Takt (IPC)" bestimmt werden könne. Doch das ist nur zum Teil richtig, denn es hängt auch davon ab, welche Befehle wie schnell abgearbeitet werden können. Die Leistung der speziellen Befehlseinheiten ist für die gesamte Prozessorleistung mindestens genauso wichtig; ein Pentium 4 arbeitet mit SSE2-optimierter Software wesentlich schneller als ein Athlon XP.
Trotzdem: Bei den meisten Spiele-Benchmarks liegt der Athlon XP klar vorne, obwohl der Takt vergleichsweise niedrig ist. Damit das niemand "vergisst", hat AMD tief in die Trickkiste gegriffen und einen Leistungsindex hervorgezaubert, der an das angestaubte "P-Rating" älterer Pentium-Prozessoren erinnert. Cyrix und AMD hatten zu Pentium-Zeiten ein Rating eingeführt, das die CPU-Performance eines vergleichbaren Intel-Prozessors angeben sollte. Doch gerade bei FPU-lastigen Anwendungen erwies sich die Angabe in den meisten Fällen als lachhaft.
AMD geht heute einen anderen Weg: Die Prozessoren bekommen kein Rating, sondern gleich einen komplett neuen Namen. Der Name beruht auf der Leistung, die mithilfe eines ganzen Benchmark-Paketes ermittelt wurde, darunter Sysmark, Winstone, Q3, Aquamark und Unreal Tournament. Wie unsere Benchmarks zeigen, ist die Leistungsangabe teilweise sogar untertrieben. Der Athlon XP 1.800+ überholte einen 2-GHz-P4 bei allen unserer Spiele-Benchmarks. Der neue Name soll nicht nur den Leistungsunterschied zu Konkurrenz-Prozessoren verdeutlichen, sondern auch zu den eigenen Athlon-CPUs, die auf dem Thunderbird-Kern basieren. Ein Athlon XP 1.500+ arbeitet zwar mit 1.333 MHz, soll aber so schnell sein wie ein Thunderbird mit 1.500 MHz. Eine etwas zweifelhafte Angabe, wie wir im Artikel ab Seite 64 nachgewiesen haben. Schließlich versagt das Konzept beim Low-Cost-Modell Duron: Duron-CPUs mit Morgan-Kern erhalten keinen neuen Namen, sondern werden weiterhin unter der Bezeichnung "Duron" verkauft - obwohl die neuen CPUs ja auch wesentlich schneller sein müssten. Außerdem müssen Übertakter aufpassen: Der Multiplikator leitet sich natürlich aus dem realen Takt ab, nicht aus dem Prozessornamen.
