Marketing-Lüge 16 ms?

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Marketing-Lüge 16 ms? Fast jeder Monitorhersteller hat inzwischen ein LCD mit 16 Millisekunden Reaktionszeit im Angebot. Doch die Käufer müssen Kompromisse machen.

Die neuen LCDs mit einer Schaltgeschwindigkeit von 16 Millisekunden lassen viele Zocker aufhören, denn die neuen Geräte reagieren schneller als alle bisherigen Flüssigkristallbildschirme. Doch im Vergleich zu den bekannten Röhrengeräten sind die 16-Millisekunden-LCDs noch immer die reinsten Schnecken. In diesem Artikel zeigen wir, was hinter den neuen LC-Displays tatsächlich steckt.

Grundlagen: LCD-Technik
Zwischen zwei Glasplatten befinden sich Flüssigkristalle, die durch eine angelegte Spannung ihre Polarisation ändern und mehr oder weniger Licht der Hintergrundbeleuchtung durchlassen. Dadurch kann ein Pixel weiß, schwarz oder grau aussehen. Farbig wird ein Bildpunkt erst durch einen Farbfilter. Jedes Pixel wird durch einen Transistor angesteuert. Die Flüssigkristalle brauchen immer eine bestimmte Zeit, um sich auszurichten. Da sie aneinander reiben, werden sie in ihrer Bewegung behindert. Die Zeit, welche die Kristalle benötigen, um sich auszurichten, wird Reaktionszeit oder Schaltgeschwindigkeit genannt.

Schnellere Flüssigkristalle
Die Hersteller haben nun verschiedene Lösungsansätze entwickelt, um die Reaktionszeit der Flüssigkristallbildschirme zu verkürzen. Die einfachste Möglichkeit ist die so genannte "Over Driving"-Technik: Die einzelnen Flüssigkristalle werden mit einer Überspannung belastet, damit sich diese schneller ausrichten. Die Technik hat allerdings einen entscheidenden Nachteil: Einzelne Bildpunkte können durch die Überspannung schneller ausfallen, somit verkürzt sich auch die Lebenszeit des LCDs.

Eine vielversprechende Lösung ist, den Abstand der beiden Glasplatten zu verringern, so dass weniger Flüssigkristalle dazwischen passen. Dadurch entsteht weniger Reibung zwischen den einzelnen Molekülen, die Kristalle werden in ihrer Bewegung nicht mehr so stark gebremst und können sich schneller ausrichten. Einige Hersteller planen sogar, beide Techniken zu kombinieren und so noch dieses Jahr Flüssigkristallbildschirme mit einer Schaltgeschwindigkeit von nur 12 Millisekunden zu produzieren.

Der 16-Millisekunden-Trick
Die Herstellerangabe der Reaktionszeit bezieht sich auf den Wechsel von einem komplett schwarzen Bildpunkt auf einen komplett weißen und wieder zurück. Wird zwischen Grau- oder Farbtönen umgeschaltet, sind 16 Millisekunden nicht mehr möglich. Bei unseren Messungen verschiedener Farbkombinationen für die Marktübersicht 17-Zoll-LCDs in der Ausgabe 04/2003 kam kein getesteter Monitor unter 22 Millisekunden. Eine weitere Rolle bei der Angabe der Reaktionszeit spielt der Kontrast des LC-Displays: Die 16 Millisekunden Reaktionszeit wurden bei den meisten Herstellern bei einer Leuchtstärke von 200 cd/m² gemessen - für Spieler vielleicht noch akzeptabel, doch zum Arbeiten viel zu hell. Nimmt man einen normalen Desktop-Monitor mit einer Leuchtdichte von 100 cd/m² zum Maßstab, kann die Reaktionszeit höher ausfallen.

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