"Killerspiele": Auf einer Stufe mit Kinderpornografie?
Quelle: id Software
Die Diskussion um die "Killerspiele" erreicht eine neue Dimension. Nachdem sich bereits mehrere Politiker, darunter Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU), zu Wort meldeten, gibt nun auch der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) seinen - wie wir von der PC Games finden - unsachlichen Kommentar ab. Dieser forderte in einem Interview, die "Killerspiele" in die Größenordnung der Kinderpornografie einzuordnen. Einen solchen Vergleich gab es in der Geschichte des Begriffs "Killerspiele" noch nicht - er ist nicht sachgemäß, verärgert und beschämt zugleich. Denn er stellt Ego-Shooter-Spieler auf eine Stufe mit Kinderschändern. Herr Beckstein sollte sich entweder neue Berater suchen oder über ein Gegenstatement nachdenken - er macht sich mit seinem Un- oder Halbwissen bei beiden Themen unglaubwürdig.
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Nicht ganz so hart, aber dennoch hart genug, geht Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) mit den "Killerspielen" ins Gericht. Er forderte neue gesetzliche Regelungen für ein Herstellungsverbot schädlicher Computerspiele. Im geringsten Fall solle der Zugriff auf diese Medien für Jugendliche "erheblich erschwert" werden.
"Die USK muss abgeschafft werden!"
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann bekommt anscheinend nicht genug von seinen eigenen Aussagen und trat erneut an die Öffentlichkeit. Er fordert nun die Abschaffung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), die gemeinsam mit den Obersten Landesjugendbehörden (OLJB) das Verfahren zur Alterskennzeichnung von Computerspielen durchführt. Aus seiner Sicht sei ein neues Gremium notwendig, das allein in staatlicher Hand liegt und Computerspiele prüft. "Selbst bei Spielen, die ab 16 freigegeben sind, fließt reichlich Blut."
Die Oppositionsparteien FDP und Grüne hingegen finden, dass die gesamten Debatten zu kurzsichtig seien. Die Justizpolitikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte, es sei eine Tatsache, dass brutale Videos und Spiele im Internet zu finden sind. Daher würden nationale Verbote ins Leere laufen. Auch der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen Volker Beck stellte sich gegen das Verbot und wies - wie pcgames.de bereits gestern - auf den "Reiz des Verbotenen" hin.
Auch in der CDU regt sich Widerstand gegen ein "Killerspiele"-Verbot. Familien- und Integrationsminister Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen) sagte, dass das Problem mit einem Verbot nicht behoben werden könne. Es wäre ein "vorschneller Schuss, der zu nichts führe". Durch ein Verbot dieser Spiele entzöge sich der Zugang zu diesen Medien der staatlichen Kontrolle. Außerdem betonte Laschet, dass es keine wissenschaftlichen Beweise gäbe, die einen Zusammenhang zwischen Computerspielen und Gewaltbereitschaft belegen.
Gewaltforscher sind der Meinung Laschets. "Die Diskussion greift absolut ins Leere, man bekommt alle indizierten Spiele übers Ausland im Internet", so Gewaltforscher Frank Roberts in der Frankfurter Rundschau. Seiner Meinung nach entwickeln Jugendliche bereits vor der Nutzung diverser Computerspiele Gewaltfantasien. Er lenkt aber gleichzeitig ein und bestätigt, dass sich Jugendliche durch Spiele schnell an die Gewalt gewöhnen. Einen Appell - den auch die PC Games unterstützt - richtet Roberts an die Erwachsenen und Eltern: "Befasst euch mehr mit den Lebenswelten der Jugendlichen!"
