Phanteks AMP650 im Test: Netzteil-Newcomer mit Überzeugungskraft
Seit gut einem Jahr bietet auch der Hardware-Produzent Phanteks Netzteile an, die in Kooperation mit Seasonic entstanden sind. Die damalige Platinum- und Goldserie Revolt X respektive Revolt Pro deckten das obere Leistungsspektrum von 850 bis 1.200 Watt ab und basierten auf Seasonics Prime-Plattform. Nun nehmen die Niederländer den gamingrelevanten Leistungsbereich von 550 bis 750 Watt in Angriff und präsentieren in erneuter Zusammenarbeit mit Seasonic die vollmodulare Goldserie AMP.
Phanteks ist bisher vor allem mit PC-Gehäusen und Kühllösungen in Erscheinung getreten und nun eben auch seit letztem Jahr Netzteile. Die Niederländer hatten sich bei ihren ersten Spannungswandlern auch gleich eine Besonderheit überlegt: So konnte man mit einem Netzteil gleich zwei PCs betreiben oder in einem Rechner eine redundante Stromversorgung aufbauen. Das Revolt X erlaubte dank 1.200 Watt, einem erweiterten Kabelsatz und Platinum-Zertifizierung das Betreiben zweier Systeme. Das Revolt Pro drehte dagegen den Spieß um und kann für energiehungrige System erweitert werden oder als redundante Ausfallsicherung fungieren. Solche Alleinstellungsmerkmale braucht man im gamingrelevanten Energiebereich bis zu 750 Watt eigentlich nicht, weswegen das AMP650 auch ein ganz normales Goldnetzteil mit einer guten Ausstattung ist.
Phanteks AMP650 im Test: Die Ausstattung
Das Gold-Netzteil basiert auf der Focus+-Plattform von Seasonic und kommt mit den typischen Features, die ein Netzteil des erfahrenen OEM-Produzenten aufweist. Neben dem kabelfreien Design im Inneren des Spannungswandlers findet man noch den Hybrid-Modus am Netzschalter, der auf Knopfdruck einen semi-passiven Betrieb des hydrodynamischen 120-mm-Lüfter über eine Temperaturkontrolle erlaubt. Im Test schaltete sich die aktive Kühlung ungefähr bei 35 Prozent Last mit circa 530 Umdrehungen die Minute ein. Der niederländische Hardware-Hersteller hat außerdem dem Spannungswandler die wichtigsten Schutzschaltungen (OPP, OVP, SCP, OCP, OTP) für einen sicheren und sorgenfreien Umgang verpassen lassen, wirbt mit "japanischen Kondensatoren" und gibt dem Gold-Netzteil ganze zehn Jahre Garantie.
Quelle: PC Games Hardware
Phanteks AMP650 im Test: Ausstattung
Das Kabelbukett des AMP 650 beinhaltet neben den 12 SATA-Steckern, die auf vier Kabel verteilt sind, drei Molex-Ports, zwei PCI-Express-Daisychain-Kabeln mit je zwei 6+2-Pin-Steckern und natürlich einem 61 Zentimeter langen ATX-Kabel sowie zwei separaten EPS-Stecker, die eine Länge von 65 Zentimetern hinlegen. Der Spannungswandler selber misst 140 × 150 × 86 mm (T × B × H) und entspricht damit genau dem ATX12V-Formfaktor. Neben einem Kaltgerätestecker gibt es außerdem noch Klett- und Plastikkabelbinder, Befestigungsschrauben und ein Garantieheftchen.
| Kabel | Länge [cm] | Anschlüsse pro Kabel | andere Anschlüsse am Kabel |
|---|---|---|---|
| 1 × (20+4) ATX | 61 | 1 | nein |
| 2 × (4+4) CPU (EPS) | 65 | 1 | nein |
| 2 × (6+2) PCIe | 67,5 | 2 | nein |
| 1 × SATA | 35/50/65/80 | 4 | nein |
| 1 × SATA | 45/57/69/81 | 4 | nein |
| 1 × SATA | 30/45 | 2 | nein |
| 1 × SATA | 15/15 | 2 | Anschluss an Molex nötig |
| 1 × Molex | 45/57/69 | 3 | nein |
Phanteks AMP650 im Test: Leistung und Effizienz
Bei dem Stromspender handelt es sich um ein Single-Rail-Gerät, welches auf der 12-Volt-Schiene ganze 648 Watt (54 A) bereitstellen kann. Die Nebenspannungen haben eine normale Dimensionierung erhalten, sodass beispielsweise die 5-Volt-Leitung 100 Watt zur Verfügung hat. Eine Gold-Zertifizierung der 80-Plus-Iniative fordert bei 20 Prozent Last einen Wirkungsgrad von 0,9, bei Halb- und Volllast dagegen 92 beziehungsweise 89 Prozent. Diese Vorgaben erreicht das Netzteil problemlos, ist sogar in der Regel etwas darüber und schont so Ihren Geldbeutel ein wenig mehr. Bis zu circa 300 Watt arbeitet der Stromspender mit einer passiven Kühlung und zeigt im unteren Lastbereich (1-10 Prozent Auslastung) einen Effizienz-Durchschnitt von 76 Prozent. Ab einer Auslastung von 15 Prozent, sprich 98 Watt, erreicht der Spannungswandler bereits einen Wirkungsgrad von 90 Prozent und arbeitet über den gesamten Lastverlauf mit einem Durchschnittswert von 91 Prozent.
Quelle: PC Games Hardware
Phanteks AMP650 im Test: Wirkungsgrad über den Lastverlauf
Phanteks AMP650 im Test: Lautheit und Kühlung
Wie bereits erwähnt, kommt der Spannungswandler mit einem semi-passiven Modus, der bis zu knapp 35 Prozent Auslastung keine aktive Kühlung benötigt. Im Sommer fällt dieser Wert sicherlich geringer aus, da der Hybrid-Modus über die interne Temperatur geregelt wird. Erst bei einer Auslastung von 40 Prozent kann dann eine Lautheit von 0,1 Sone gemessen werden. Danach steigt der Wert sukzessiv an, sodass bei 80 Prozent Last 0,5 Sone erreicht werden, bis schließlich unter Volllast eine Lautheit von 2,3 Sone gemessen werden kann. Im Normalbetrieb startet die Kühlung mittels 120-mm-Lüfter mit knapp 530 Umdrehungen die Minute und emittiert dann 0,3 Sone. Dieser Wert kann auch bis 40 Prozent Last gehalten werden, um dann auf 0,4 Sone anzusteigen. Ab 80 Prozent Last sind dann 0,5 Sone zu vernehmen, die dann bei 90 Prozent Auslastung auf hörbare 1,1 Sone anschwellen, um schlussendlich unter Volllast ganze 2,3 Sone an Geräuschkulisse zu bieten. Natürlich gibt es auch Hotspots in einem Netzteil, bestimmte Bauelemente wie beispielsweise ein Transformer werden einfach bei Benutzung heiß. Im Fall dieses Netzteils wurde der Umspanner maximal 76,7 °C heiß, was völlig normal ist. Andere Bereiche wiesen ebenso heißere Stellen auf, wie etwa der 12-Volt-Output für CPU und Mainboard, sodass hier ein Maximalwert von 36,5 °C gemessen wurde.
Quelle: PC Games Hardware
Phanteks AMP650 im Test: Lautheit
Phanteks AMP650 im Test: Spannungsstabilität
Die Stromspender im Computer müssen nicht nur die Energie für die Komponenten bereitstellen, es bedarf auch einer gewissen Qualität des Stroms und der Spannungen. Die Spannungsstabilität ist solch eine Disziplin, die ein Netzteil perfekt beherrschen sollte. Erfreulicherweise kriegen das immer mehr Gold-Netzteile tadellos hin, selbst im unteren Preisbereich. Bei Phanteks AMP650, welches ja aus der Feder von Seasonic stammt, muss man sich diesbezüglich keine Sorgen machen: Auf der 12-Volt-Schiene kommt es zu einer maximalen Abweichung von der Idealspannung von 0,95 Prozent. Der Spannungsabfall im Spannungsverlauf von 0 bis 100 Prozent Last zeigt auf der CPU-essentiellen 12-Volt-Leitung nur 0,46 Prozent und in Crossload-Szenarien sieht es ähnlich gut aus. Die Werte bleiben durch die Bank so marginal und deswegen auch wirklich hervorragend, bis auf die heute eher unwichtige -12-Volt-Schiene, denn hier können wir einen Wert von 4,24 Prozent Spannungsabweichung ausmachen. Auch die 5-Volt-Standby-Leitung bekleckert sich nicht mit Ruhm und zeigt eine Abweichung von 2,61 Prozent. Beide Werte sind aber noch in Intels Spezifikationen, sodass es diesbezüglich keinen Handlungsbedarf gibt.
Phanteks AMP650 im Test: Restwelligkeit
Eine weitere Kernkompetenz eines Netzteils ist die Unterdrückung der Restwelligkeit. Diese entsteht beim Wandeln des Wechselstroms in Gleichstrom und lässt sich deshalb nicht vermeiden, maximal durch Kondensatoren unterdrücken. Der Hersteller muss also Sorge dafür tragen, dass im Spannungswandler genug Kondensatoren für die Siebung verbaut wurden. Das Phanteks AMP650 filtert die Restwelligkeit auf allen Leitungen zufriedenstellend heraus, ohne dabei jetzt Spitzenwerte zu erzielen, sodass die gemessene Mischspannung sich deutlich unter den Grenzwerten befindet. Der Ripple auf der 12-Volt-Schiene zeigt beispielsweise einen Wert von 43,55 mV, erlaubt wären 120 mV. Verantwortlich für die Siebung sind mehrere Nippon Chemi-Con Kondensatoren mit einer elektrischen Kapazität von 3.300 µF (105°C, 16V, KY; KZE; HD; HE).
Quelle: PC Games Hardware
Phanteks AMP650 im Test: Restwelligkeit 12-Volt-Schiene
Phanteks AMP650 im Test: Stützzeit, das PG-Signal und weitere Parameter
Nachdem nun die wichtigsten Parameter eines Netzteils geklärt und überprüft wurden, schauen wir uns jetzt noch die letzten Aspekte in solch einem Spannungswandler an. Die Stützzeit, die durch den Intel-Design-Guide mit 16 ms vorgegeben wird, wird leider mit 13,6 ms nicht erreicht. Insgesamt braucht das Netzteil nach dem Abschalten des Stroms 17,7 ms bis die entscheidende Spannungsschwelle von 11,4 V erreicht wird - das PG-Signal ist 4,1 ms vor Erreichen des Grenzwertes weg. Der eingesetzte Stützkondensator weißt eine elektrische Kapazität von 470 µF auf (400V, 105°C, Hitachi HU) und sollte eigentlich in der Lage sein, die geforderten 16 ms Holdup Time liefern zu können. Das PG-Signal müsste statt 4,1 ms nur 2,5 ms vor Erreichen des Schwellenwertes abgeschaltet werden, dann würde es 16 ms dauern, bis nach Abschalten des Stroms das PG-Signal nicht mehr als solches registriert wird. Der Einschaltstrom erreicht dagegen einen Maximalwert von 43,1 Ampere mit einem kurzfristigen Overshoot auf 56 A.
Quelle: PC Games Hardware
Phanteks AMP650 im Test: Holdup Time
Phanteks AMP650 im Test: Fazit
Durch die Zusammenarbeit mit Seasonic haben sich die Niederländer einen Netzteilspezialisten mit ins Boot geholt, der Know-How aus über 30 Jahren vorweisen kann. So eine Kooperation ist für Newcomer in diesem Sektor wirklich wichtig, um Produkte mit einer sauberen und strikten Spannungsausgabe herstellen zu können. Das Phanteks AMP650 basiert deswegen auf der Focus+-Reihe von Seasonic und weißt deshalb ähnlich gute Werte in allen Disziplinen auf. Das vollmodulare Single-Rail-Goldnetzteil zeigt einen entsprechend der Zertifizierung der 80-Plus-Initiative effektiven Betrieb, mit einem Sweetspot zwischen 30 und 60 Prozent Auslastung - hier ist der Wirkungsgrad am höchsten. Die Spannungsregulation ist sehr gut und strikt, sodass beispielsweise in der Regel auf den einzelnen Voltschienen eine Spannungsabweichung von unter einem Prozent vorliegt respektive der Spannungsabfall über den Lastbereich mit ähnlichen Werten punkten kann. Man müsste hier von exzellenten Ergebnissen sprechen, wenn da nicht die -12-Volt- und 5-Volt-Standby-Leitung wären: Beide Nebenspannungen fallen mit höheren Werten aus der Reihe, bleiben aber allesamt im Rahmen des Erlaubten und Verträglichen. In Crossload-Szenarien hat das Netzteil dementsprechend auch keinerlei Probleme und mit der Unterdrückung kommt der Spannungswandler auch recht gut zurecht.
In Sachen Lautheit macht sich das Netzteil eigentlich ganz gut, bedenkt man, dass Seasonic-Stromspender dazu neigen, im oberen Lastdrittel sehr laut zu werden. Hier zeigt Phanteks mit einer angepassten Lüfterkurve, dass bis 80 Prozent Auslastung nur 0,5 Sone abgegeben werden. Erst bei 90 Prozent Auslastung wird mehr als Sone erreicht, um dann natürlich in den nicht akzeptablen 2,3 Sone bei Volllast zu landen. Das Werben mit dem "Revolt Pro Link" hat zunächst etwas verwirrt, da man annehmen konnte, auch das AMP-Netzteil verfügt über die Möglichkeit, ein redundantes System zu betreiben. Spoiler: Es ist nur kompatibel zu einem Revolt Pro. Nichtsdestotrotz hat der Netzteil-Newcomer Phanteks mit dem AMP650 ein solides Goldnetzteil für einen annehmbaren Preis mit einer guten Ausstattung auf den Markt gebracht, das durchaus eine Überlegung wert ist und mit zehn Jahren Garantie der Konkurrenz in fast nichts nachsteht.
| Produkt | Phanteks AMP650 |
|---|---|
| Modellnummer | PH-P650G |
| Hersteller/OEM | Phanteks/Seasonic |
| Preis/Preis-Leistungs-Verhältnis | 100,- Euro/gut |
| PCGH-Preisvergleich | www.pcgh.de/phanteksamp650 |
| Dauerleistung (Herstellerangabe) | 650 Watt |
| Ausstattung (20 %) | 1,31 |
| Kabellänge SATA-/Molex-Stecker | 81 cm/69 cm |
| Anschlüsse Floppy/PATA/SATA | 0/3/12 Stück |
| 12-V-Anschluss/ATX-Stecker (Länge) | 4+4 Pin (65cm), 20+4 Pin (61cm) |
| 12-V-EPS-Stecker | Ja, vorhanden |
| PCI-E-Anschlüsse (Länge) | 2 x 6+2 Pin (75 cm), Zwei Stecker pro Kabel (Daisy-Chain) |
| Modulares Kabelsystem | ja, vollmodular |
| Lüfteranschlüsse | Nein |
| Kühlsystem (Lüftergröße, Art des Lagers) | aktiv, 120-mm-Lüfter, Hydrodynamisches Gleitlager |
| Handbuch/Garantie | Anleitung, mehrsprachig/10 Jahre |
| Schutzschaltungen | OVP, OCP, OPP, OTP, SCP |
| Zubehör/Sonstiges | Kaltgerätestecker, Schrauben, Klettkabelbinder, Kabelbinder |
| Eigenschaften (20 %) | 1,43 |
| Kondensatoren primär | 1 x Hitachi (400V, 470µF, 105°C, HU) |
| Abmessungen L x B x H | 140 x 150 x 86 mm |
| Belastbarkeit +3,3 V und +5 V | 100 Watt |
| Belastbarkeit +12-V-Schienen | 648 Watt |
| Aufteilung +12-V-Schienen | Single-Rail |
| Leistung (60 %) | 1,37 |
| Prüfung 80-Plus-Zertifizierung (115 Volt) | bestanden |
| Effizienz 10/20/50/100 %**(230 Volt) | 87/91/92/90 |
| Effizienz bei 25/90/250/500 Watt | 75/89/92/91 |
| Lautstärke 10/20/50/80/100 %** | 0/0/0,3/0,5/2,3 Sone |
| Leistungsaufnahme bei 45 mA ErP | 0,38 Watt |
| Leistungsfaktorkorrektur (PFC) 10 bis 100 %** | 0,79-0,98 |
| Restwelligkeit bei 100 % Last*** | 30,9/43,6/29,8/21,2/22 mV |
| Spannungsregulation | Sehr gut und strikt |
| Fazit | 1,37 |
| ** Auslastung | Sehr gute Spannungsregulation |
| *** +5V, +12V, -12V, +3,3V, +5Vsb | Holdup Time knapp verpasst, laut unter Volllast |
Mit einem Preis von 100 Euro wüsste ich nicht warum ich das Netzteil einem flüsterleisem Straight Power 11, welches mit 650 Watt auch fast exakt das gleiche kostet, vorziehen sollte. Flachbandkabel finde ich jetzt auch nicht so pralle.
OK, Passiv/Semi-Passiv sind Einhörner.
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Große NB-Netzteile mal ausgenommen.
Andere schaffen das ja auch.
Lg
Andere schaffen das ja auch.