Corsair AX850 im Test: Altbekanntes in neuer Bestform

Corsair schließt mit der Neuauflage der AX-Serie die Lücke zwischen den HX-Modellen mit Platinum-Zertifizierung und dem Magnum Opus aller Netzteile, dem AX1600i. Neben einer Modernisierung unterschiedet sich der Reboot deutlich vom einst sehr erfolgreichen AX-Netzteil, welches vor fast zehn Jahren auf den Markt kam. Kurz vor Jahresende schauen wir uns deshalb diesen Spannunsgwandler etwas genauer an.

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Corsair AX850 im Test: Altbekanntes in neuer Bestform
Quelle: PC Games Hardware

Fast ein Jahrzehnt ist es her, dass Corsair die AX-Netzteilserie auf den Markt brachte und damit schon damals Enthusiasten ansprechen wollte und seitdem hat sich bei Spannungswandlern einiges getan. Dank der einstigen guten Performance konnte sich der Stromspender lange im Sortiment des Hardware-Herstellers halten, sodass man 2019 sogar eine Neuauflage auf den Markt brachte. Selbstverständlich haben Topologien und Technik ein massives Upgrade bekommen, sodass knapp zehn Jahre später wieder Enthusiasten als Zielgruppe ins Visier genommen werden. Neben den offensichtlichen Erneuerungen, wie der neuen Titanium-Zertifizierung, hat Corsair natürlich auch die Plattform gewechselt, ist aber beim OEM-Produzenten Seasonic geblieben. Basierte die Gold-Version aus dem 2010 noch auf der Seasonic-X-Serie, kommt heutzutage die moderne PRIME-Plattform zum Einsatz.

Corsair AX850 im Test: Die Ausstattung

Das vollmodulare Titanium-Netzteil hat ein nahezu kabelfreies Design im Inneren spendiert bekommen und verfügt über einen Schalter für den sogenannten Zero-Fan-Modus. Bei anderen Seasonic-Geräten ist das der temperaturgesteuerte Hybrid-Modus, der ab einer bestimmten Wärmeentwicklung eben die aktive Kühlung anwirft. Dann kommt ein hydrodynamischer 135-mm-Lüfter zum Einsatz, der mit 575 Umdrehungen in der Minute den Wärmestrom aus dem Gerät bringt. Corsair hat natürlich auch an alle gängigen Schutzschaltungen (OCP, UVP, OVP, SCP, OTP, OPP) gedacht, damit Ihnen und Ihrer Hardware nichts passieren kann. Corsair wirbt außerdem mit "japanischen 105°C Kondensatoren", denen eine extreme Langlebigkeit nachgesagt wird, und es gibt als Schmankerl noch zehn Jahre Garantie auf das Netzteil.

Bildergalerie

Das Kabelbukett fällt in diesem Spannungswandler recht üppig aus, sodass Sie neben 16 Sata-Anschlüssen auch noch sechs Möglichkeiten haben, ältere Molex-Ports mit Energie zu versorgen. Neben einem 61 cm langen ATX-Kabel liegen noch acht PCI-E-Ports bei, die als vier Daisy-Chains im Paket zu finden sind. Last but not least gibt es noch zwei EPS-Stecker und den obligatorischen Floppy-Disk-Adapter die allesamt in einer Kabeltasche zu finden sind. Hinzu kommt, dass abgesehen von der Peripherie (Sata, Molex, FDD) alle weiteren Kabel über intern verbaute Kondensatoren verfügen, um so wahrscheinlich die Spannung weiter zu glätten. Die Abmessungen des Spannungswandlers betragen 170 × 86 × 150 mm (T × B × H), sodass der Stromspender 30 Millimetern tiefer ist als der ATX12V-Formfaktor. Darüber hinaus gibt es noch etwas Prosa in Form einer Anleitung und eines Garantieheftchens sowie magnetische Seitenlabels, Befestigungsschrauben und natürlich Klett- und Plastikkabelbinder.

Kabel Länge [cm] Anschlüsse pro Kabel andere Anschlüsse am Kabel
1 × (20+4) ATX 61 1 nein
2 × (4+4) CPU (EPS) 65 1 nein
3 × (6+2) PCIe 67,5 2 nein
4 × SATA 45,5/57/68,5/80 4 nein
2 × Molex 55/65/75 3 nein
1 × FDD 10 1 nein

Corsair AX850 im Test: Leistung und Effizienz

Bei der Neuauflage des AX850 handelt es sich um ein Single-Rail-Netzteil, die das OEM- und Retail-Angebot von Seasonic nahezu vollständig dominieren. Der Spannungswandler kann deswegen auch auf der 12-Volt-Schiene 840 Watt Leistung aufbringen, was 98,8 Prozent der Gesamtleistung entspricht. Die Nebenspannungen auf den 3,3-Volt- und 5-Volt-Leitungen, die unteranderem für die Peripherie gedacht sind, wurden mit 100 Watt normal dimensioniert, genauso wie die 5-Volt-Standby- und -12-Volt-Leitung. Die Titanium-Zertifizierung beschreibt aktuell den höchsten Wirkungsgrad bei Netzteilen, sodass im europäischen Netz bei Volllast eine Effizienz von 94 Prozent vorliegen muss. Bei Halblast sind es sogar 96 Prozent, bei einem Fünftel Auslastung sind es dagegen 92 Prozent und bei einem Zehntel der Gesamtlast sind es immer noch 90 Prozent, die effizient verwertet werden müssen. Das Netzteil erreicht diese Werte spielend im 230-Volt- sowie 115-Volt-Netz spielend, ist sogar von Beginn bis Halblast überdurchschnittlich effizient.
Corsair AX850 im Test - Effizienz Quelle: PC Games Hardware Corsair AX850 im Test - Effizienz

Corsair AX850 im Test: Lautheit und Kühlung

Wenn der Zero-Fan-Modus aktiviert wurde, kann man das Netzteil bis 30 Prozent Auslastung, sprich 255 Watt, komplett passiv betreiben. Ab dann ist die aktive Kühlung mit 0,3 Sone bis Halblast zu vernehmen. Ist der Schalter für diesen Hybrid-Modus nicht aktiviert, startet die aktive Kühlung direkt bei Einschalten des Netzteils und emittiert ebendiese Lautheit. Ab dann steigern beide Modi sukzessiv auf 0,5 Sone bei 70 Prozent Auslastung respektive 80 Prozent im Zero-Fan-Modus. Entgegengesetzt anderer Netzteile, die aus dem Hause Seasonic stammen (OEM), ist dieses Netzteil in keinem der beiden Modi im oberen Lastdrittel zu laut: Im Zero-Fan-Modus kommt der Spannungswandler auf 0,7 Sone bei 706 U/min, im Normalmodus ist es mit 0,8 Sone bei 735 U/min etwas mehr, aber immer noch unter der magischen 1-Sone-Marke und somit fast flüsterleise. In so einem Netzteil kommt es natürlich auch zu Hotspots, schließlich werden hier Elektronen durchgeschoben und bestimmte Bauelemente werden einfach warm dabei.
Corsair AX850 im Test - Lautheit Quelle: PC Games Hardware Corsair AX850 im Test - Lautheit
Die Umgebungstemperatur wird deswegen auch wie im Intel Design-Guide empfohlen mit 50°C angegeben, sodass man hier auch davon ausgehen kann, dass Kondensatoren und Baugruppen an den entstehenden Wärmestrom angepasst wurden. Viele Netzteilhersteller geben nämlich eine geringere Betriebstemperatur von beispielsweise 40°C an, um dann entsprechend geringer zertifizierte und günstigere Komponenten nutzen zu können, die dann den angestrebten Garantiezeitraum nur bei ebendiesen 40°C überleben würden. Zu beachten ist hier deshalb die RGT-Regel, die besonders in Kondensatoren zum Tragen kommt und besagt, dass bei einem Temperaturanstieg von zehn Kelvin chemische Reaktionen doppelt bis dreifach so schnell ablaufen. Nichtsdestotrotz werden vor allem Transformatoren in so einem Netzteil heiß, in diesem Fall sind es maximal 79 °C, was völlig normal ist und bei einer Auslastung von 850 Watt sogar eher als gut zu bewerten ist. Am ATX-Stecker konnten wir beispielsweise eine Maximaltemperatur von 37,8 °C messen.

Corsair AX850 im Test: Spannungsstabilität

Ein Netzteil muss neben dem stromspenden auch eine gewisse Qualität der Spannungen bereitstellen, sodass die sensiblen Komponenten keinen Schaden nehmen. Bei der Güte der Spannungsstabilität wird einerseits der Abfall der Spannung über den gesamten Lastverlauf analysiert und anderseits die Spannungsabweichung von der Idealspannung untersucht. Beide Werte sollten möglichst gering sein, der Intel Design-Guide für Netzteile gibt aber bestimmte Grenzwerte an, die nicht überschritten werden dürfen, um einen schadensfreien Umgang mit der Hardware zu garantieren. Die vom Netzteil ausgegebenen Spannungen weisen nur einen marginalen Abfall von weniger als einem Prozent auf, sodass es beispielsweise auf der 12-Volt-Schiene 0,45 Prozent sind. Auch in Sachen Spannungsabweichung bleibt es bei den spitzen Titanium-Werten, sodass die 12-Volt-Leitung hier mit 1,53 Prozent zu Buche schlägt, der größte gemessene Wert betrug 1,56 Prozent auf der 3,3V- respektive 5V-Leitung. In Crossload-Szenarien zeichnet sich ein ähnliches Bild, sodass der Spannungsabfall auf der 12-Volt-Leitung mit 0,49 Prozent und die Spannungsabweichung mit 1,56 Prozent zu Buche schlägt.

Corsair AX850 im Test: Restwelligkeit

Die Restwelligkeit entsteht immer, wenn Wechsel- in Gleichstrom gewandelt wird, ganz gleich was man auch macht. Damit diese Mischspannung aber nicht Daten oder gar Hardware beschädigt, werden Filterkondensatoren eingesetzt. Die Restwelligkeit erhöht ungefiltert beispielsweise die Temperatur in Stützkondensatoren, wo wir dann wieder bei der RGT-Regel und einem beschleunigten Alterungsprozess wären. Die Mischspannung kann auf der 12-Volt-Schiene mit 14,03 mV gemessen werden, erlaubt wären 120 mV - man kann also hier von einem sehr guten Wert und einer sehr guten Unterdrückung des Ripples sprechen. Im AX850 verantwortlich für die Siebung sind deswegen mehrere Kondensatoren von Nippon Chemi-Con mit einer elektrischen Kapazität von 5.600µF (16V, KYB, 105°C) respektive 3.300 µF (16V, KZH, 105°C) sowie weiterer Polymerkondensatoren, die den Wechselstromanteil herausfiltern.
Corsair AX850 im Test - Ripple 12V Quelle: PC Games Hardware Corsair AX850 im Test - Ripple 12V

Corsair AX850 im Test: PG-Signal, Inrush und Stützzeit

Nachdem nun alles offensichtlich Wichtige abgehandelt wurde, wollen wir uns ein wenig in Richtung "Housekeeping" im Netzteil bewegen. Die Stützzeit beispielsweise ist die Zeit, die ein Spannungswandler noch kontinuierlich Strom liefern muss, obwohl die Zufuhr aus dem Netz unterbrochen wurde. Im Intel Design-Guide muss mindestens noch 16 ms Energie geliefert werden, bis das Netzteil mitteilt: Hier ist kein PG-Signal mehr vorhanden. Das PG-Signal ist wichtig, weil es den Computer davon abhält mit ungeeigneten Spannungen zu hantieren, sodass Spannungswandler auf dem Mainboard oder der Grafikkarte Schaden nehmen könnten. Das AX850 von Corsair schafft mehr, ganze 20 ms sind drin, bis kein PG-Signal mehr ausgegeben werden kann. Insgesamt braucht das Netzteil 21,64 ms bis nach Abschalten des Stroms die entscheidende Spannungsschwelle von 11,4 V erreicht wird. Die eingesetzten Stützkondensatoren weißen eine elektrische Kapazität von 470 µF und 680 µF auf (jeweils 400V, 105°C, Nippon Chemi-Con KMR) und sind so in der Lage, die 20 ms nach Energieverlust aufrechtzuerhalten. Der Einschaltstrom erreicht dagegen einen Maximalwert von 44 Ampere mit einem kurzfristigen Overshoot auf 48,8 A.
Corsair AX850 im Test - Stützzeit Quelle: PC Games Hardware Corsair AX850 im Test - Stützzeit

Corsair AX850 im Test: Fazit

Die Neuauflage des AX850 ist mehr als gelungen und Corsair zeigt, dass sie was von Netzteilen verstehen. Der Spannungswandler arbeitet äußerst sauber, weil einerseits die Spannungsregulation sehr gut und strikt ausgeführt wird, aber auch eine starke Ripple-Unterdrückung die Mischspannung geringhält. Die gemessenen Spannungsabweichungen auf den einzelnen Leitungen war in keinem Fall größer als 1,56 Prozent und der größte Spannungsabfall konnte mit 0,81 Prozent auf der 5-Volt-Standby-Leitung ermittelt werden. Ebensolche Spitzenwerte konnten in Crossload-Situationen registriert werden: Hier kam es zu einer maximalen Abweichung von 1,56 Prozent und einem maximalen Drop von unter einem halben Prozent (0,49). Das AX850 schafft es sogar bis zu 425 Watt deutlich effektiver zu sein, als es von der 80-Plus-Initiative für die Titanium-Zertifizierung gefordert wird - der durchschnittliche Wirkungsgrad über den gesamten Lastverlauf liegt bei 94,2 Prozent. Besonders gelungen sind die beiden Lüfterkurve des Netzteils, je nachdem welchen Modus man wählt. Weder im Normalmodus, noch in der Zero-Fan-Einstellung wird der Spannungswandler lauter als 0,8 Sone. Man kann also hier von einem äußerst leisen Betrieb sprechen, sodass dieses Netzteil auch für Silent-Fans geeignet ist. Insgesamt bekommt man hier ein sehr gutes Netzteil mit hervorragenden Werten und einer sauberen Spannungsausgabe. Der Preis von 215 Euro ist für Vertreter dieser Watt- und Zertifizierungsklassen nicht schlecht, sodass man dieses Netzteil für anspruchsvolle Nutzer empfehlen kann.

Produkt Corsair AX850
Modellnummer CP-9020151-EU
Hersteller/OEM Corsair/Seasonic
Preis/Preis-Leistungs-Verhältnis 215,- Euro/gut
PCGH-Preisvergleich www.pcgh.de/ax850
Dauerleistung (Herstellerangabe) 850 Watt
Ausstattung (20 %) 0,86
Kabellänge SATA-/Molex-Stecker 80 cm/75 cm
Anschlüsse Floppy/PATA/SATA 1/6/16 Stück
12-V-Anschluss/ATX-Stecker (Länge) 4+4 Pin (65cm), 20+4 Pin (61cm)
12-V-EPS-Stecker Ja, vorhanden
PCI-E-Anschlüsse (Länge) 3 x 6+2 Pin (67,5 cm), Zwei Stecker pro Kabel (Daisy-Chain)
Modulares Kabelsystem ja, vollmodular
Lüfteranschlüsse Nein
Kühlsystem (Lüftergröße, Art des Lagers) aktiv, 135-mm-Lüfter, Hydrodynamisches Gleitlager
Handbuch/Garantie Anleitung, mehrsprachig/10 Jahre
Schutzschaltungen OVP, OCP, OPP, OTP, SCP, UVP
Zubehör/Sonstiges Kaltgerätestecker, Schrauben, Sticker, Klettkabelbinder, Kabelbinder
Eigenschaften (20 %) 1,50
Kondensatoren primär 2x Nippon Chemi-Con (400V, 680uF & 470uF, 105°C, KMR)
Abmessungen L x B x H 170 x 150 x 86 mm
Belastbarkeit +3,3 V und +5 V 100 Watt
Belastbarkeit +12-V-Schienen 840 Watt
Aufteilung +12-V-Schienen Single-Rail
Leistung (60 %) 1,22
Prüfung 80-Plus-Zertifizierung (115 Volt) bestanden
Effizienz 10/20/50/100 %**(230 Volt) 93/95/95/94
Effizienz bei 25/90/250/500 Watt 81/83/95/95
Lautstärke 10/20/50/80/100 %** 0/0/0,4/0,5/0,7 Sone
Leistungsaufnahme bei 45 mA ErP 0,38 Watt
Leistungsfaktorkorrektur (PFC) 10 bis 100 %** 0,8-0,99
Restwelligkeit bei 100 % Last*** 6,9/14/7,3/10,6/10,3 mV
Spannungsregulation Sehr gut und strikt
Fazit 1,20
** Auslastung Sehr gute Spannungsregulation und dazu auch sehr leise
*** +5V, +12V, -12V, +3,3V, +5Vsb Bis 50% Last sehr effektiv
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